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  • #1

Wie wichtig ist heute noch Familiensinn?

Ich spreche hier nicht von erzwungenen Zusammentreffen, sondern davon, dass man seine Familie (auch Großeltern, Tanten, Nichten usw.) gerne sieht.
Ich finde, gerade in der heutigen Zeit, wo jeder nur noch mit sich selbst beschäftigt ist und man "gute" Freunde an einer Hand abzählen kann, gewinnt eine funktionierende Familie immer mehr an Bedeutung. Gerade für Kinder. Ich selbst habe einen sehr ausgeprägten Familiensinn, weil ich es mir von klein auf schon so vorgelebt wurde und ich es immer toll fand in einer großen Truppe mehrer Generationen zusammenzusein. Selbst alte Menschen können noch sehr lustig sein...
Andererseits kenne ich viele Kleinfamilien (nur Vater und Mutter), die darauf so gut wie gar keinen Wert legen. Ich stelle jetzt mal die gewagte These in den Raum, dass Menschen, die nicht gelernt haben, was Familiensinn bedeutet, sich später auch bei einer möglichen Scheidung mit Kindern leichter tun, als einer, dem Familie wichtig ist und der weiß, was er verliert.
Wie denkt ihr darüber?
 
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  • #2
Das kommt doch ganz auf die Familie an.
Ich habe einige Cousins und Cousinen, mit denen ich mich regelmäßig und gerne treffe. Aber eben nicht alle.
Ich sehe nicht ein, warum ich mit Leuten zusammen sein soll, die eben nur zufällig verwandt sind.
Familientreffen? Sehr gerne, aber eben nur mit dem netten Teil der Familie.
 
  • #3
Ich habe sehr, sehr intensiven Kontakt zu meiner engeren Familie und lockeren Kontakt zu einigen wenigen weiteren Familienangehörigen.

Dann gibt es aber leider etwa 80% der erweiterten "Sippschaft", die sich vor Allem meinen Eltern und meinem Bruder gegenüber unglaubliche Dinge geleistet haben- bei mir traut sich keiner, da haben sie Respekt. Die Damen und Herren ignoriere ich konsequent und dazu stehe ich.
 
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  • #4
m48, Single, ledig,
Eigentlich bin ich kein Familienmensch, aber:
Vor nunmehr sechs Jahren ist mein Bruder bei einem Motorradunfall tödlich verunglückt. Seitdem kümmere ich mich sehr viel um seine Kinder (Damals 5 und 2 Jahre alt). Ich war damals arbeitslos und hatte von daher viel Zeit (3 Jahre arbeitslos inklusive Umschulung).
Auch jetzt noch (ich arbeitete schon längst wieder) verbringe ich viel Zeit mit den Kindern. Dabei wohne ich bei meiner Mutter. Schwägerin und meine Mutter wohnen in der gleichen Gegend, ca. 150 km von meinem Wohnort entfernt. Ich habe also als Single recht viel Familie.
Zuerst dachte ich, dass das bald vorbei sein wird, weil sich meine Schwägerin wohl irgendwann mal einen neuen Mann sucht.
Das ist bis jetzt nicht der Fall.
Mittlerweile ertappe ich mich ofter bei den Gedanken, was wäre wenn sie sich nun doch einen Neuen sucht, es deutet sich da was an.
Ob das nun Familiensinn im Sinne der FS ist weiss ich nicht und möchte es auch nicht beurteilen.
 
  • #5
In meiner ( ziemlich großen ) Familie sind nur meine Tochter, meine leibliche Mutter ( hab noch ne Stiefmutter ) und ich angenehm ( finden wir drei ), alle anderen mehr oder weniger irre, auf verschiedene Arten. Vater und Stiefmutter besuche ich aus Pflichtgefühl, zu allen anderen versuche ich den Kontakt so weit wie irgend möglich zu vermeiden. ( Mann und weitere Kinder hab ich nicht ).

Warum sollte ich meine Zeit mit denen verschwenden ? Ist doch für alle ätzend.

Jetzt sag nicht, daß das die einzigen sind, auf die man sich in der Not ( Krankheit, Alter oder so ) verlassen kann. Kann man nicht. Mein Vater hat ehrenamtlich über etwa 20 Jahre Leute im Altersheim besucht, damit die wenigstens einmal pro Woche Besuch bekommen. Die hatten durch die Bank weg Kinder.
 
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  • #6
Wenn du das Glück hast, dass ihr euch in eurer Familie gut versteht und euch häufig seht, ist das sehr schön für euch. Daraus zu schlussfolgern, ihr hättet halt Familiensinn, andere nicht, finde ich eine sehr eingeschränkte Sichtweise. Wenn sich jemand in deiner Familie dir gegenüber ganz übel und unverzeihlich verhalten würde, dann wäre es mit deinem "Familiensinn" sicherlich auch nicht mehr weit her, vermute ich mal.

Früher waren Großfamilien notgedrungen auch Wirtschafts- und Notgemeinschaften. Heutzutage kann zum Glück jeder selbst entscheiden, mit wem er seine Zeit verbringt. Ich habe als Erwachsene klar selektiert, mit wem ich in der Verwandtschaft weiterhin intensiven Kontakt möchte und mit wem nicht.

Die Leute, mit denen ich mich gut verstehe und die immer nett und freundlich waren, sehe ich weiterhin, die anderen nicht. Warum sollte ich mit irgendwelchen Onkeln oder Tanten, mit denen ich als Kind schon nichts anfangen konnte, weil immer nur ein dummer Spruch kam etc., zwanghaft noch Kontakt halten? Da sehe ich keinen Sinn drin.

Ich wollte im Gegenzug auch nicht, dass jemand mit mir meint, Kontakt halten zu müssen, nur weil man verwandt ist, hintenrum wird aber gelästert.

Ich glaub auch nicht, dass sich jemand, der intensiven Kontakt in einer großen Familie hat, sich schneller scheiden lässt obwohl Kinder da sind. Das ist sicher immer eine schwerwiegende Eintscheidung, die keiner leicht trifft.
 
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  • #7
Ich stelle noch eine gewagtere These auf, und zwar die, dass der Familiensinn bei Ausländern stärker ausgeprägt ist als bei Deutschen! Das zeigt sich z. B. schon daran, dass viele deutsche Eltern es garnicht abwarten können, bis die Kinder 18 sind und das Haus verlassen und sich eine eigene Wohnung suchen!

Alte kranke Eltern werden bei Ausländern nicht ins Altenheim abgeschoben, sondern werden von der Familie, sprich den Kindern gepflegt! Das war schon immer so und ist eine Selbstverständlichkeit! Auch das stärkt den Zusammenhalt, in guten wie in schlechten Zeiten füreinander da zus ein!

Viele denken sich, wenn es mir gut geht, brauche ich Niemanden aber jeder wird mal alt und gebrechlich, und was ist dann?

Freunde sind schön und gut ABER die Familie steht für mich definitiv über alles!
Freunde kommen und gehen, die Familie bleibt!
 
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  • #8
FS
Danke für eure Antworten.
Bei meiner Frage ging es mir auch darum, wie man Kindern Familiensinn vermitteln/vorleben kann, weil sie meist das gelernte weiterleben.
Ich habe bei vielen Familien festgestellt, dass die Eltern so mit sich selbst beschäftigt sind, dass die Kinder völlig nebenher laufen. Oma und Opa werden als lästige Pflicht empfunden, die man ab und zu sehen muß, obwohl man keine Lust hat, die restliche Verwandschaft interessiert noch weniger. So wird in meinen Augen Kindern schon früh vorgelebt, dass Familie und der daraus resultierende Zusammenhalt keine große Rolle spielt.
Ich mache das mal am eigenen Beispiel fest.
Mein Ex Mann war Einzelkind, wurde mit Geld sehr verwöhnt, jedoch haben seine Eltern, aus diversen Gründen, mit der kompletten Familie, völlig gebrochen. Wenn Oma kam (die einzige, die übrig blieb), ging er auf sein Zimmer, bis sie wieder weg war. Weihnachten war er regelmäßig krank und verzog sich schnell, da es ihm zu doof war. Kurz, Familientreffen waren ihm ein Graus. Das ist bei weitem leider kein Einzelfall, sondern das kenne ich auch von anderen.
Wir heirateten und bekamen Kinder. Ein Vorteil war, dass meine und seine Eltern sich sehr mochten und die Familie durch mein Zutun sehr schnell zusammenwuchs. Jahrelang war er wie ausgewechselt, fühlte sich "angekommen", aufgenommen und pudelwohl. Selbst auf Weihnachten (seinem verhassten Fest) freute er sich wie ein kleines Kind. Unsere Kinder provitierten davon natürlich sehr...
bis zu seiner Midlife-crisis, als eine neue Frau unsere Familie entzweite. Ich persönlich hätte niemals diese Familie aufs Spiel gesetzt. Er konnte es. Und zwar sehr schnell. Sogar so gut, dass er selbst den Kontakt zu seinen Kindern so gut wie völlig abbrach. Vom Rest ganz zu schweigen.
In vielen Diskussionen mit ihm, habe ich den Eindruck gewonnen, dass das, was seine Eltern ihm damals vorlebten (der Totalabbruch jeglicher Kontakte, oder dummes Gerede, sobald Oma weg war) in ihm so fest verankert ist, dass er es unbewußt fortführt und heute mit seinen eigenen Kindern so umgeht. Sie sind ihm ziemlich egal.
Im "Alter" kommen viele Kindheitsmuster wieder hoch und wer schon damals keinen Familiensinn gelernt hat, hat es in meinen Augen viel einfacher, sich loszusagen. Meine verbliebene Sippe wuchs dadurch noch fester zusammen, was unseren Kindern extremen Halt gibt.

Menschen, die sich außerdem einreden (ich kenne Dutzende davon), "gute Freunde" sind weit mehr wert, als die schnöde Sippe, sind in meinen Augen arm dran. Denn eine gute Familie ist gerade im Alter unersetzbar.
Ein weiterer Gedanke ist der heute blühende Egoismus unserer Gesellschaft "Hauptsache mir geht es gut und ich habe Spaß." Da sind manchmal schon die eigenen Kinder zuviel....
 
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  • #9
an #7

ich gebe dir zu 100 % recht, wenn die Kinder keinen oder einen sehr schlechten Kontakt zu ihren Eltern haben, wenn sie erwachsen sind.
Werden deren Kinder das mit sehr hoher warscheinlichkeit genauso machen.

Bei meiner Ex betrifft das jetzt schon die 3te Generation, dort können jeweils die Mütter nichts mit den eigenen Töchtern anfangen.
Und die Töchter versuchen das bei der jeweiligen Mutter natürlich zu ändern.
Vergessen dabei aber wiederrum ihre eigenen Töchter, sry a bissle kompliziert^^
 
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  • #10
Meine Frau kommt aus dem Ausland und mich haut es regelmäßig hinten über wenn ich sehe, welchen Zusammenhalt man dort hat. Nicht dass es nicht auch hier und da Streit geben würde aber man trifft sich, geht sich nicht aus dem Weg. Die Männer weniger oft und intensiv als die Frauen (wie vielleicht überall). Die jüngeren ahmen das nach und haben viel Kontakt untereinander und profitieren davon auf unterschiedlichste Weise. Man ist eines grundsätzlich nie: Alleine
Die Alten werden nicht abgeschoben, die Infrastruktur bzw. auch das Geld ist auch nicht in dem Maß vorhanden.
Für mich immer wieder ein Anlass darüber nachzudenken, was in aller Welt hier in Deutschland (vielleicht generell in Mittel- und Nordeuropa) denn nur falschläuft. Hier ist jeder für sich, die Familie ist Last, man bricht Kontakte leicht ab und die Zeiten werden in meinen Augen eher noch härter. Wir werden immer wohlhabender, haben immer weniger Kinder, sind immer einsamer. Kein guter Land in dieser Zeit
 
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  • #11
Ich spreche hier nicht von erzwungenen Zusammentreffen, sondern davon, dass man seine Familie (auch Großeltern, Tanten, Nichten usw.) gerne sieht.
Ich finde, gerade in der heutigen Zeit, wo jeder nur noch mit sich selbst beschäftigt ist und man "gute" Freunde an einer Hand abzählen kann, gewinnt eine funktionierende Familie immer mehr an Bedeutung. Gerade für Kinder. Ich selbst habe einen sehr ausgeprägten Familiensinn, weil ich es mir von klein auf schon so vorgelebt wurde und ich es immer toll fand in einer großen Truppe mehrer Generationen zusammenzusein. Selbst alte Menschen können noch sehr lustig sein...
Andererseits kenne ich viele Kleinfamilien (nur Vater und Mutter), die darauf so gut wie gar keinen Wert legen. Ich stelle jetzt mal die gewagte These in den Raum, dass Menschen, die nicht gelernt haben, was Familiensinn bedeutet, sich später auch bei einer möglichen Scheidung mit Kindern leichter tun, als einer, dem Familie wichtig ist und der weiß, was er verliert.
Wie denkt ihr darüber?

Ich finde Familiensinn sehr wichtig, aber........ viele Menschen bringen keine gesunden Bedingungen mit, um dieses Familienleben gesund leben zu können. Gerade die Deutschen haben aufgrund der 2 großen Weltkriege und den dadurch entstandenen psychischen Folgen (z.B. Vertreibung aus Schlesien etc.) sehr große Defizite, die leider unbewußst von Generation zu Generation weitergegeben werden.

Ich musste mich deswegen vom großen Teil meiner Familie distanzieren, weil ich emotional misshandelt und ohne Respekt seid meiner Geburt behandelt wurde.

Es gibt Foren dazu im Internet. Es gibt leider sehr viele Menschen in Deutschland, die so eine lieblose Familie haben.

w 47
 
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