• #1

Wie wieder Vertrauen finden nach schlechten Erfahrungen?

Liebe Forengemeinde,

ich wende mich an Euch, da ich auf ein paar Tipps hoffe.

Ich (w, 25) bin seit 4 Monaten mit meinem Freund (29) zusammen.

Nach einer sehr schwierigen Fernbeziehung (mit Lügen/ Vertrauensbruch seinerseits) konnte ich mich erstaunlich gut auf eine neue Beziehung einlassen. Doch jetzt werden die Gefühle stärker und ich merke wie ich „Verlustängste“ entwickle. Ich habe Angst wieder tiefere Gefühle zu entwickeln und dann nochmals enttäuscht zu werden. Wir haben auch anfangs darüber gesprochen, bzw. ich habe ihm gesagt dass es eben Enttäuschungen gab und ich daher nicht gleich von 0 auf 100 möchte, da er in meiner Nähe wohnt und wir uns praktisch jeden Tag gesehen haben. Er war da auch verständnisvoll und wir haben uns Zeit gelassen.

Jetzt merke ich aber, dass mir das doch nicht so einfach fällt wie ich anfangs geglaubt habe. Da wir beide einige Hobbys pflegen und auch ansonsten recht aktiv sind kommt es natürlich auch mal vor dass wir getrennt unterwegs sind. Ich mache mir dann immer total viele Gedanken/Sorgen obwohl er mir dazu überhaupt keinen Grund gibt. Trotzdem ist da immer dieses gewisse Misstrauen: Was macht er gerade? Lernt er vielleicht jemand anderes kennen?

Wenn er sich allgemein länger nicht meldet oder nur sehr „nüchtern“ auf meine Nachrichten reagiert dann denke ich gleich: Oh was ist nicht in Ordnung etc.? Und fühle mich abgelehnt. Sind wir aber zusammen, dann ist alles super und ich fühle mich sehr geborgen und geliebt. Die Gedanken kommen immer dann wenn wir uns nicht sehen.

Ich versuche ihn das nicht spüren zu lassen, weil ich Angst habe, das könnte das was wir jetzt haben zerstören. Irgendwie ist es ein Teufelskreis. Ich habe aber die Hoffnung dass es mit der Zeit einfach besser wird und das Vertrauen sich aufbaut.

Vielleicht kann mir ja jemand einen guten Tipp geben wie man besser mit solchen Ängsten umgeht.

LG
 
  • #2
Ich kenne sowas ähnliches auch, zwar nicht in Bezug auf Betrug, aber ein Misstrauen, was das Leben und Glücklichsein angeht. Also die Erwartung, dass wenn man glücklich ist, der Hammer einen irgendwann trifft, also lieber nicht ZU glücklich sein und immer im Hinterkopf haben, dass irgendwie "der Blitz einschlagen" könnte.
Ich kann Dir nur folgendes sagen: Mit diesen ganzen Ängsten und Sorgen verdirbst Du Dir Deine Gegenwart. Man kann sehr wohl durch Nachdenken und Eins und Eins zusammenzählen verhindern, dass man betrogen und verletzt wird. Aber man wird nie durch Ängste dieser Art irgendeinen positiven Effekt fürs eigene Leben erwirken. (Denn Angst als Motivation für eine große Leistung sehe ich hier nicht.)
Bauchgefühl ist was anderes als sich schlimme Szenarien ausdenken.
Und Du musst Dir auch klarmachen, dass Du, wenn er Dich betrügen sollte, nicht tot umfällst. Das ist schwierig, weil Du noch so jung bist, aber diese Beziehung ist nicht Dein Leben und nicht Du. Klar tut es weh, wenn man enttäuscht wird. Aber es ist dann das Charakterdefizit des anderen, wenn er Dich betrügt, also musst Du es bei ihm lassen statt Dich neben der Enttäuschung nun auch noch schlecht, naiv oder nicht gut genug zu fühlen. Und ja, es kann auch passieren, dass sich der Partner in wen anderes verliebt. Aber das kannst Du dadurch, dass Du Dir Deine Gegenwart mit solchen Angstgedanken vermiest, auch nicht ändern. Also es gibt keinen Grund, nicht fröhlich zu sein, wenn Du kein Anzeichen außer der Angst hast, dass der Mann Dich hintergeht. :)
 
G

Gast

Gast
  • #3
Kann ich verstehen.
Hatte ich auch mal.
Er versetzte mich gern, das war seine Art, mich nicht an ihn ranzulassen. Bei der nächsten Beziehung stand ich jedes Mal Qualen aus, wenn er sich unwesentlich verspätete.
Sich mit der alten Beziehung total auseinandersetzen hilft sicher. Sich die Sache voll bewußt machen. Der Neue ist eine andere Person!
Vielleicht ne Therapie machen? Üben, das Denken zu verändern.
 
  • #4
Mir hat ein Buch geholfen: Daring to Trust (auf Deutsch "Vertrauen wagen") von David Richo. Es gibt andere vergleichbare, aber dieses fand ich augenöffnend. Man muss lernen, sich seinen vergangenen Verletzungen zu stellen und im Hier und Jetzt zu leben. Und bedrohliche Gedanken und auch den Partner mal etwas loszulassen. Ich weiß das klingt einfacher als es ist, und ich kämpfe mit über 40 noch immer mit solchen Problemen. Es wird mit zunehmendem Alter und noch viel mehr schlechten Erfahrungen nicht leichter. Aber soll man deshalb auf eine Beziehung verzichten? Sicherlich nicht. Sprich mit Deinem Freund nicht zu viel von Deinen schlechten Erfahrungen, das belastet ihn. Wenn Du Ängste hast, mach geistige Übungen gegen diese Ängste und Obsessionen. Die Zeit hilft sehr viel. Wenn man mit jemandem ein paar Monate oder Jahre zusammen ist, stellt sich auch ein Grundvertrauen ein. Das kann so weit gehen, dass Du sogar einen Seitensprung verzeihen kannst.
 
  • #5
Also ich finde die Antwort von "void" schon sehr treffend. Ich denke, wenn man enttäuscht wurde, ist es ganz normal, dass man in der neuen Beziehung zu Beginn auch solche Gedanken hat.
Meine Erfahrung war bisher immer, dass diese negativen Gedanken und Gefühle nach einem halben bis einem Jahr verschwunden waren, weil man das Vertrauen aufbauen konnte. Also stehen die Chancen doch ganz gut, dass es bei Dir bald besser wird. Vier Monate sind an sich ja auch noch nicht wirklich lang, die Beziehung ist frisch.

Es ist sicher nicht leicht, aber versuche, darauf zu vertrauen, dass er keinen Grund hat, Dein Vertrauen zu mißbrauchen. Du bist doch sicher eine tolle Frau und er weiß,w arum er mit Dir zusammen sein will.
Auch, wenn Dein Bauch Dir erstmal was anderes sagt.. irgendwann wird das schlechte Gefühl weniger und ist bald verschwunden. ;o)
 
N

nachdenkliche

Gast
  • #6
Ihr habt alle wirklich gute Argumente aufgezeigt,die gleichzeitig auch mir helfen. Ich bin 60 ..aber es ist wirklich so,dass man den Moment mit dem neuen Partner genießen sollte und man im leben mit Verletzungen und Enttäuschungen rechnen muss,immer! Das gehört zum leben. Man darf sein lebensglück nie vom Partner abhängig machen
Eine der schwersten Lektionen im leben,ganz besonders auch für mich.
 
G

Gast

Gast
  • #7
Man darf sein lebensglück nie vom Partner abhängig machen. Eine der schwersten Lektionen im leben...
Diese Erkenntnis ist wohl die schwierigste, wenn man jung ist und nimmt "Die grosse Liebe" vom Thron. Denn letztendlich ist eine Partnerschaft immer so wie die beiden Individuen sind, die sie eingehen.

Je mehr ich mit mir und der Partner mit sich in Harmonie sind und je mehr jeder auf seine eigenen Bedürfnisse schaut und sich diese erfüllt (in der Gesellschaft ist das der für schlecht befundene Egoismus), desto weniger brauche ich den anderen und desto erfüllter kann ich sein, dann eben auch mit dem anderen, weil ich erst mal mit mir glücklich sein sollte.

Wir haben immer versucht uns durch den anderen ganz machen zu lassen, aber das funktioniert nicht. Letztendlich sind wir alle kleine verletzte Kinder, die bedürftig sind und das will geheilt werden, damit wir irgendwann eben nicht mehr brauchen, um dieses Loch in uns zu füllen.
 
N

nachdenkliche

Gast
  • #8
Ein schöner Gedanke von dir gast nr.6 . Aber wem gelingt das schon. Das sind die höheren Weihen der Liebe. Ich denke diese Angst verlassen zu werden,liegt ganz tief in uns verwurzelt. Das ist die tief sitzende Angst unseres inneren Kindes, die Mutter zu verlieren. Wir müssen immer wieder lernen zu vertrauen und vollständig los zu lassen. Das ist unsere Lebensaufgabe. Ich habe es mit meinen 60 Jahren noch nicht gelernt. Vielleicht im nächsten Leben? Aber ich glaube noch immer an eine neue liebe.
 
G

Gast

Gast
  • #9
Ein schöner Gedanke von dir gast nr.6 . Aber wem gelingt das schon. Das sind die höheren Weihen der Liebe. Ich denke diese Angst verlassen zu werden,liegt ganz tief in uns verwurzelt. Das ist die tief sitzende Angst unseres inneren Kindes, die Mutter zu verlieren. Wir müssen immer wieder lernen zu vertrauen und vollständig los zu lassen. Das ist unsere Lebensaufgabe. Ich habe es mit meinen 60 Jahren noch nicht gelernt. Vielleicht im nächsten Leben? Aber ich glaube noch immer an eine neue liebe.

Letztendlich kommt es drauf an, ob wir als Kinder Urvertrauen erleben durften oder nicht. Die wenigen, die es erlebt haben, stehen sicher im Leben und haben diese Ängste nicht. Bei den anderen ist keine Basis da, und es ist sehr schwer, dieses Vertrauen ins Leben später zu erlernen, aber es geht zumindest teilweise. Liebe nachdenkliche, nicht verallgemeinern, es geht nicht allen so.
 
G

Gast

Gast
  • #10
@nachdenkliche
Ja, wem gelingt das schon, zumal sehr sehr viele ja schon ein Geburtstrauma haben, weil sie (erst mal) nicht wirklich erwünscht waren und damit die Möglichkeit Urvertrauen zu entwickeln schon genommen wurde. Das auszubügeln, ist sehr sehr schwierig und das Loch kann kein anderer füllen, nur das Verzeihen, Anerkennen und dann die Selbstliebe. Es wird völlig unterschätzt, was ein Baby schon im Bauch alles spürt, wahrnimmt und was es ein Leben lang prägt.

Und ja, es ist eine Lebensaufgabe.

Ich wünsche mir einfach mal eine Partnerschaft, in der beide dies wissen und daher bereit sind immer bei sich anzufangen anstatt dem anderen die Schuld zu geben (weil man sich nicht gut fühlt, weil man vom anderen wieder etwas nicht bekommen hat). Das ist natürlich ein hartes Stück fürs Ego, aber damit wäre eine Basis vorhanden, auf der unglaublich viel möglich wäre.
 
G

Gast

Gast
  • #11
Wenn nicht immer gleich dem anderen die Schuld geben ein hartes Stück fürs Ego ist, ist aber wirklich nicht viel Basis da. Selbstreflexionsfähigkeit darf man von einem Partner schon erwarten, das ist wirklich nicht zuviel verlangt. An solchen Partnerschaften kann man auch wachsen, und ich habe mehrheitlich solche erlebt...
 
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