G

Gast

Gast
  • #31
"In der Wahl der Eltern sollte man sehr vorsichtig sein."

So klar es ist, dass wir biologische Eltern haben, so wichtig ist mir, dass wir mit dem Erwachsenwerden die eigene Mündigkeit und Verantwortung für all unser Tun übernehmen müssen.
Wenn wir mit unseren Eltern und deren Verhalten nicht zurecht kommen, dann sollten wir uns an anderem Verhalten orientieren.
Dies ist der Inhalt des oben so paradoxen Satzes.
 
  • #32
Gleich und gleich gesellt sich gern.

Gegensätze ziehen sich an.

An all diesen Aphorismen und Sprüchen ist irgendein wahrer Kern, aber sie alle zeigen nur eine kleine Facette. Der Titelspruch ist genau so ein Fall: Etwas wahres ist dran, aber mehr auch nicht.
 
G

Gast

Gast
  • #33
Du fragst: "Wie wir als Kind behandelt wurden, so behandeln wir uns ein Leben lang?! "

Ja. So lange, bis wir uns dessen bewusst sind und dann auch bewusst anders mit uns umgehen können.
Das Wesen des Unbewussten ist nun mal, dass es unbewusst ist. Wer unbewusst darüber ist, ist es nun mal und wird auch nichts anderes sagen oder tun können, weil es ihr/ihm nicht bewusst ist.

Bewusstheit um das eigene Verhalten, schafft die Freiheit, sich so oder anders entscheiden zu können.
Unbewusstes Verhalten ist nun mal das eingeprägte, automatische, von früh gelernte Handeln.
 
G

Gast

Gast
  • #34
DAS Problem kenne ich zur Genüge. Hatte einen "abwesenden" Vater und such(t)e mir auch ständig unerreichbare, in irgendeiner Weise abwesende Partner, mit denen ich dann anfing darum zu kämpfen, dass sie mir endlich das gaben, was mir mein Vater verweigert hat: Spiegelung und Anerkennung.

Dann las ich das Buch "Vatermänner"!! Echt genial und aufschlussreich!

Ich hoffe, ich kann jetzt was ändern... Ganz liebe Grüße, w49
 
G

Gast

Gast
  • #35
Liuebe FS
Sehr interessant, was du hier zur Sprache bringst.
Ich habe Alice Miller ca. mit 20J gelesen, heute bin ich Mitte Vierzig.
Und ich sag dir, mir wurde es damals sehr mulmig, weil meine Kindheit eine einzige Katastrophe war und ich niemals dieses weitergeben wollte, oder mit Partnern weiterleben wollte.
Und es war mein Glück, dass ich mich so früh damit auseinandergesetzt hatte.
Habe sehr viel bearbeitet und so diese Wiederholungskette in vielen Teilen durchbrochen.
Habe mehrere Jahre Therapie gemacht, und dort Mitgefühl und Unterstützung erlebt. Seither kann ich auch mit mir selbst viel mitfühlender sein und mich selbst viel besser unterstützen.
Auch der Aspekt, Menschen zu treffen mit denen du immer wieder in gleiche Situationen kommst, ist so weit verbreitet. Man kjann sagen, wie innen so außen. Andere nehmen dich so wahr, wie du dich selbst wahrnimmst. Wenn du also von Herzen liebevoll umgehen kannst, dann ziehst du Menschen und Situationen an, die ebenfalls liebevoll mit dir sind.
Das ist die große Chance. Sei gut zu dir, entwickle noch mehr Selbstliebe, und du wirst im Außen in deinen Beziehungen viel verändern können. Entweder die Wege trennen sich, oder die Beziehungen werden liebevoller.
Ich kann voll untertreichen was @32 gesagt hat. Sie/er bringt es auf den Punkt.
Die Bewusstheit gibt uns Freiheit, Unbewußtheit bestimmt uns.

Alles Liebe
 
G

Gast

Gast
  • #36
Liebe FS,
Deine Lebensgeschichte habe ich auch durchgemacht. Ja, ich denke mal, es stimmt. ich habe so gut wie keine Eltern gehabt , wurde als Kind sehr schlecht behandelt (seelich misshandelt) und nie geliebt. Erst jetzt ( bin 35, habe eigene Kids), lerne ich sehr mühsam, was das bedeutet, sich selber zu lieben , ernstzunehmen und zu respektieren. Meine Ex-Beziehungen sind durch mein Verlangen nach Verständniss und nach viel Liebe kaputtgegangen , ich wurde oft betrogen und auch.. finanziell missbraucht. So gesehen, hat A.Miller doch Recht gehabt... Mein jetziges Lebensziel ist: aus meiner Vergangenheit zu lernen und erstmal an sich selber zu arbeiten.
Hoffe, ich schaffe es. w/35
 
G

Gast

Gast
  • #37
Ja, stimme A. Miller komplett zu. Wieso aber lieber nicht zustimmen? "Du sollst nicht merken". Anderes Buch von ihr.
 
  • #38
Liebe FS,
doch, ich habe diesen Satz sehr wohl verstanden- und er trifft auf mich und meine Geschwister nicht zu.

Uns wurde nichts zugetraut, Sätze wie "das kannst Du nicht, oder das schafftst Du niemals sind oft gefallen. Wir hatten die Wahl, es zu glauben und zu verzagten Menschen zu werden die sich nichts zutrauen und Ihre Eltern für Ihr Elend verantwortlich machen oder, unsere Reaktion,: Das wollen wir mal sehen- ich schaff das eben doch! Und wir haben es meistens geschafft.
 
G

Gast

Gast
  • #39
@FS

ich verstehe den satz genauso wie du und erlebe das auch bei mir und andern menschen so. man kann, wenn man menschen und ihre art mit sich selbst umzugehen bzw wie sie sich von andern behandeln lassen, sehr gut erkennen, wie es bei denen zuhause gelaufen ist.

ich kann nur bedauernd den kopf schütteln, wenn hier soo viele meinen, das man sowas ja nur erkennen müsse und dann ändern, schwupdipup.....soooo einfach geht das nicht. diese mechanismen laufen ja total unbewusst ab. je nach menschen können viele jahre vergehen, bis man davon etwas mal infrage stellt oder durchschauen kann. da muster so tief eingegraben sind, ist es eben gar nicht einfach, diese mal eben so zu ändern. denn, wie man "gesund" lebt, wie "gesundes" berhalten abläuft, weiss man ja gar nicht. deshalb kann es immer wieder jahre dauern, bis man einen schritt weiterkommt und das eine oder andere erstmal nur erkennt und dann, ganz langsam zu verändern versucht.

da die meisten dieser betroffenen aber keine wirklich echten und tragfähigen beziehungen um sich rum haben ( siehe; wie gehe ich mit mir um ...) werden menschen, die sich in so tiefsitzenden dingen ändern wollen, von den eigenen leuten meist erstmal tüchtig ausgebremst oder nicht ernstgenommen. so verzögert sich eine änderdung wieder und wieder. weil solche menschen ja auch sehr schnell verunsichert werden können. (sicherheit in sich selbst haben sie ja nicht gelernt und auf knopfdruck ist diese auch NICHT herstellbar, wie manche anscheinend meinen)
erkenntnis alleine, bringt noch keine veränderung. sie ist ein erster schritt. danach kommen viele jahre arbeit und rückschritte. unsere gesellschaft ist ja auch nicht grade dienlich mit ihrem egoismus, immer happy und taff sein müssen. da gehen menschen mit emotionalen bzw selbstwertdefiziten ganz schnell mal unter und haben oft genug nur schon damit zu kämpfen, das sie nicht dauernd als schwach gesehen werden. diese verstellerei kostet kraft .

alice miller beschreibt in ihren büchern sehr gut auch, weshalb die meisten menschen es einfach nicht SEHEN / WISSEN wollen, das ihre eltern eben nicht OK waren, da es immer noch als schlimm empfunden wird, wenn man eltrn an den pranger stellt und ihre erizehung hinterfragt. aus dem total falschinterpretierten gebot " du sollst deine eltern achten und lieben" scheint, es bekommen eltern einen freifahrtschein, ihre kinder zu behandeln wie sie wollen, sie sind ja immer die guten und bald sind kinder ja gross und sowiso selbst verantwortlich.
toll, ganz viele brauchen dann erstmal eine therapie um ihre ganzen verletzungen/misshandlungen zu verarbeiten und zu lernen sich selbst zu lieben. das aus so manchem gequälten/misshandelten kind ein mörder/amokläufer/beziehungsunfähiger bzw selbst wieder misshandelnder erwachsner wird, wollen die meisten immer noch nicht erkennen!
es ist halt einfacher mit dem finger zu zeigen und zu sagen " erkenne es und verändere dich " als ernsthaft zu überlegen, wie tief solche dinge eben sitzen bzw was sie aus einem menschen machen können...
 
G

Gast

Gast
  • #40
@kalle


schön das IHR diese dinge nicht geglaubt habt, die ihr gehört von euren eltern gehört habt. aber- es sind nicht alle menschen wie ihr, nicht jeder geht gleich um mit dingen, die ihm wiederfahren. die einen stecken sowas ganz gut weg, weil sie eine bessere konstotiution haben, andere sind vom wesen her senisbler oder haben nicht so gute abwehrmechanismen.

zudem erkennt nicht jeder mensch gleichschnell was falschgelaufen ist bzw DAS überhaupt etwas falschgelaufen ist. versucht angestrengt unserm ideal von mensch zu entsprechen bis er irgendwann vor lauter verstellen zusammenbricht. so jemand zu sagen, du musst dich ja nur ändern ( wenn er evtl. gar nicht weiss, WAS bei ihm nicht gesund/normal ist , er seine blinden flecken nicht kennt, aber darunter leidet) ist ganz schön lieblos und kurzsichtig, um nicht zu sagen, extrem oberflächlich.

nur weil bei machen etwas einfach zu verändern ist, muss man nicht meinen, es müse allen andern auch so gehen. zudem, ihr habt ein paar lieblose/respektlose sätze zu hören bekommen 8schlimm genug) aber andere werden dazu auch noch misshandelt, geschlagen und mit täglichem spott und hohn erzogen, ja glauibst du denn wirklich, soetwas kann man einfach erkennen und ändern?
wie denn, wenn man gesundes erleben, gesundes selbstwert und echte liebe gar nicht kennt, nie erlebt hat?
soooo einfach ist das nicht.

das buch von a. miller," sie sollen nicht merken..." beschreibt sehr eindrücklich, genau diese dinge, die jetzt hier in dem faden grad ablaufen. die meisten WOLLEN gar nicht, das ihr idealisiertes bild des elternhauses zerstört wird, sie wollen gar nicht so genau hinsehen....es würde wohl einfach zu sehr schmerzen und für manchen mag es viel einfacher und erträglicher sein, sich einzureden, es war doch alles gut, sie haben mich geliebt und ganz normal behandelt, obwohl es eben nicht so war.
ich habe auf alle fälle noch NIE von einem mörder/vergewaltiger/amokläufer/schläger/psychisch gestörten gehört, der wirklich in einem liebevollen, respektvollen von echter liebe geprägten etlernhaus aufgewachsen war. viel zu oft wird ja von gutem elternhaus gesprochen, wenn die eltern vermögend waren, in guter stellung, gebildet. das sind aber blosse äusserlichkeiten und sagen GAR nichts darüber aus, wie diese leute mit ihren kindern umgehen!
 
G

Gast

Gast
  • #41
@37
Das klingt jetzt merkwürdig, aber ich empfinde diese Aussagen fast als erleichternd, weil sie mir den Druck nehmen. Aber für dich/euch war es sicher schrecklich! Da habt ihr gut reagiert!

Meine Eltern hatten immer extrem hohe Erwartungen, es fielen eher Sätze, wie "das wirst du doch grad noch schaffen", "wie kann man denn nur so dumm sein, das zu fragen - das ist doch eh so einfach" "das solltest du doch längst können" "das hab ich dir doch gerade gezeigt, das gibts doch nicht, dass du das nicht mehr weißt" und dann beim Nochmalzeigen in einem Tonfall als wäre man der begriffstützigste Mensch unter der Sonne.

Diese Aussagen sind wahrscheinlich nicht so ungewöhnlich und kommen so oder so ähnlich öfter vor, aber ich empfand sie als schrecklich.
Es fällt mir heute total schwer, mir Fehler zu erlauben, mich wertzuschätzen, wenn ich etwas gut gemacht habe. Ich fühle mich unaufhörlich unter Druck.
 
G

Gast

Gast
  • #42
Liebe FS:
ich kann DIr nur zustimmen. Ich bin w / 47
Meine Kindheit war davon geprägt, dass meine Mutter mehr als einmal gesagt hatte, ich sei die Älteste und müsste die Gescheiteste sein. Mit 5 hab ich bereits die Verantwortung bekommen, auf zwei Brüder, die nur jeweils 18 Monate jünger waren, aufzupassen.
Und ausserdem bekam ich später dauernd zu hören, ihr wären die vier "Buben" lieber als ich (das höre ich übrigens heute auch noch, wo wir alle fünf weit über 40 sind)

diese Tatsachen haben mich eine sehr lange Zeit meine Weiblichkeit verleugnen lassen.
Ich war burschikos, machte alles, was Buben und Männer machten, bloss nicht zu weiblich sein, ich dachte, Männer haben einen grösseren Stellenwert und wollte bis zu meinem 25. lebensjahr immer ein Mann sein, benahm mich sicher auch so, hatte Männer als Freunde,
hatte Riesenprobleme mit meiner (weiblichen) Periode usw. usw.
Meine Mann behandelte mich genauso wie meine Mutter, er machte mich all die Zeit unseres
Zusammenseins immer klein, sein Psychoterror war sehr ähnlich dem, den meine Mutter mit mir betrieb: subtil und nichts als negative Affirmationen, die sich in meine Unterbewusstsein einbrannten.

Heute ist alles ganz anders: Aber es hat mich eine lange Zeit meines Lebens gekostet, das umzudrehen. Jetzt bin ich genau das Gegenteil, eher ZU selbstbewusst auf meine Weiblichkeit gepolt. Und erst seither ziehe ich auch Männer an, die nett sind und eine Frau auf Händen tragen können. Zuvor hatte ich immer Männer, die mir überhaupt nicht gutgetan haben.

Auf jeden Fall ist an dem Satz etwas dran. Es ist nur so, dass nicht alle Menschen gleich sensibel sind und das nicht in ihr Innerstes vordringt, wie sie behandelt werden und es also auch
nicht solche schlimmen Auswirkungen hat in ihrem späteren Leben. So sehe ich das.

So wie ich jetzt bin, bin ich aber dankbar für die Erfahrungen, die ich damit gemacht habe.
Denn ich weiss die Aufmerksamkeiten besser zu schätzen, weil ich es auch anders kenne.

Viel Erfolg bei Deiner Arbeit mit Dir selber!
 
  • #43
@39
zum einen, ich hab nur von mir und meinem Umfeld gesprochen. Über andere kann ich nicht urteilen.

Nur: ich kann nunmal nicht glauben dass quasi jeder Mensch Therapiebedürftig ist und verbogen ist weil seine Eltern ihn nicht sachgerecht behandelt haben. Klar, es gibt diese Menschen. Es gibt Misshandlung, körperlicher oder Seelischer Art aber lassen wir doch mal die Kirche im Dorf, die Regel ist das nicht.

Ob nun Alice Miller oder die Klassiker wie Freud: Es ist einfach falsch dass quasi jeder ein Psychisches Problem hat und imme irgendeinen Ballast aus derKindheit mitschleppt. Dazu kenn ich einfach zuviele Gegenbeispiele. Ein negatives z.B. meiner Ex, aufgewachsen in einem Liebevollen Elternhaus, gefordert und gefördert und doch ohne Selbstvertrauen und nicht wirklich fähig ihre Probleme zu erkennen und zu lösen- Sie versucht davor wegzulaufen. Ihre Schwester, aus demselben Eltenhaus völlig anders.

Deshalb: Ja, es gibt Menschen auf die das zutrifft, aber eben auch eine nicht unerhebliche Menge auf die nicht.
 
G

Gast

Gast
  • #44
zu #39

Ja, dieses nicht sehen/hören WOLLEN ist für mich aber auch ein nicht hören/sehen KÖNNEN.

Ich bin von meinen Geschwistern die Einzige, die mit vehemment und Kontaktabbruch zur Mutter, des ständigen verbalen Mißbrauchs meiner Mutter aus dem Weg geht. Meine Geschwister haben aber auch nicht so lange Therapie gemacht wie ich und ich war schon immer anders als sie. Ich habe mich schon immer gewehrt und bin deswegen bzw. werde bis heute von meinen Geschwistern und auch meiner Mutter subtil deswegen "bekämpft".

Was dahinter steckt, habe ich nur durch die Therapie begriffen und kann heute mit leisem Mitleid auf meine Geschwister sehen, dass die leider von der Anlage her nur begrenzte Möglichkeiten haben, sich selbst zu erkennen.

Ich habe mal gelesen, dass das Vermögen der Selbstreflexion auch irgendwie angeboren ist. Da gibt es Minderbegabte, Normalbegabte und Hochbegabte. Wer in Beziehung Selbstreflexion und des sich selbst Hinterfragens halt minderbegabt ist, wird halt nicht sehen und spüren KÖNNEN, wie schlecht er/sie mit sich selbst und anderen Menschen umgeht.

Es gehört auch sehr viel Stärke dazu, ein idealisiertes Bild, was ja eine gewisse Sicherheit bietet, auch wenn sie ungesund ist, zu verlassen, und sich ein neues Bild, ein neues Leben (neue Sicherheit) zu erarbeiten oder aufzubauen, wo man erst mal kein Land (Sicherheit) sieht.

Meine Motivation war immer: Ich dachte immer nur, es kann nur noch bergauf gehen, schlimmer kann es nicht mehr werden.

Emotional hat mir geholfen, dass ich Christ geworden bin und lernen durfte, dass da oben mein Freund ist, der mich liebt, egal wie ich bin und mir schon immer geholfen hat, ansonsten wäre ich ja nicht so ein toller Mensch geworden, der es geschafft hat, sich auch krankmachenden und negativen Familienstrukturen zu befreien.
 
G

Gast

Gast
  • #45
Liebe FSin!
Mit dieser grundlegenden These haben sich schon andere beschäftigt. Auch einige Schüler von Freud (denen dieser zu fixiert auf Sexualität war). Wenn das Thema Dich interessiert empfehle ich Dir, Dich in die Individualpsychologie nach Adler und Dreikurs - näher am Leben allerdiings - in Schoenakers "Encouraging" einzulesen.
Er beschreibt sehr gut den Mechanismus der "Selbstregulierung" - das heißt, dass wir unser Gefühlserleben, in unserem Umgang mit uns selbst und auch anderen unterbewußt dahingehend steuern, dass wir diese Gefühle aus der Kindheit wieder erleben.
Das heißt nicht, dass wir das wirklich "brauchen" - aber: Wir kennen uns damit aus!
Laut Adler bilden wir uns in unserer Kindheit "Wahrheiten", deren Bestätigung wir dann unterbewußt immer wieder "suchen": "So ist das Leben! So sind die Männer! So bin ich!...."
Wir durchlaufen mit den unterschiedlichsten Menschen oft unterschiedliche Werdegänge und am Schluss kommen wir doch immer wieder an.
Aber egal ob nun Miller, Adler, Drekurs oder ... irgendwelche Thesen aufstellen...
Wichtig für Dich kann die Erkenntnis sein, dass Du einen eigenen Anteil daran hast! Dein eigener Umgang mit Dir selbst und anderen, der vermutlich aus Deiner in DIr wohnenden Wahrheiten aus der Kindheit herrührt.
Zunächst mag diese Erkenntnis schmerzlich sein, aber zugleich ist sie auch befreiend!
Denn heute bist Du erwachsen und kannst Dich entscheiden - kannst lernen diese negativen Gefühle aus der Kindheit mal "nicht so wichtig" zu machen - Dir selbst ein "liebevoller" Erzieher zu sein und Dir mit der Zeit selbst "gut genug" zu sein.
Und manche "Kreise" die wir drehen, müssen wir oft durchlaufen, bis wir den Ausweg finden - so wie Bill Murray in "täglich grüßt das Murmeltier".
Und zu meinen eigenen Erfahrungen: Ja - es stimmt für mich so! Aber eigentlich ist es mir egal, ob es stimmt. Einer der wichtigsten Sätze für mich von Adler ist. " ..es kann auch alles ganz anders sein!"
Auf jeden Fall bleibt es spannend!
Ich wünsche Dir viel Mut, Sehnsucht und mögen Dich immer ein paar wunderbare Geheimnisse umgeben!
m,47
 
G

Gast

Gast
  • #46
1. erziehung und elternhaus prägen immer
2. geschwister können eltern völlig anders erleben - und in aller regel verhalten sich eltern auch anders
3. wie ausgeprägt der stellenwert problematischer kindheitserfahrungen im erwachsenenalter ist, hängt zumeist auch noch von ein paar - oft genug zufälligen - randbedingungen ab
4. man sollte alice miller gelesen haben, bevor man über ihre thesen dikutiert
5. es gibt keine endgültigen wahrheiten und im sozialverhalten von menschen schon gar nicht
 
G

Gast

Gast
  • #47
Unterscheiden wir doch zwischen der Wahrscheinlichkeit ein Phänomen in einer grossen Gruppe anzutreffen und konkreten Einzelfällen.
Viele Primaten haben eine starke Tendenz (Achtung: Statistik!), ihre Jungen ähnlich zu behandeln, wie sie selbst behandelt wurden. Beim Leben in Gruppen muss man irgendwie wissen, wo man steht. Die Behandlung durch andere steuert dies etwas bis viel. Irgendwie nimmt man also etwas mit und das ist recht normal. Wenn man ohne Wertschätzung behandelt wurde, kann es sein, dass man glaubt, gar nichts wert zu sein oder so wie so nicht genügend stark zum Widerstand zu sein. Das drückt sich nur schon in der Körperhaltung aus, aber auch im übrigen Verhalten. Auch das gibt es häufig, und es kann eine eigentliche Krankheit sein, die man entschlossen angehen muss. Nur ist auch die gegenteilige Reaktion möglich. Ich musste im Verlaufe einer zeitweise wackeligen Karriere einiges weg stecken. Dort, wo ich mich behauptete ging es mir UND dem Arbeitgeber besser. Dort, wo ich kuschte, flog ich nach einiger Zeit raus.
Die Lehre daraus ist: "Ein böses Tier wird nicht sanfter, wenn man sich ihm unterordnet." Wenn man das einmal weiss, ist man vielleicht motiviert, freundlich, aber trotzdem etwas bestimmter auf zu treten, als man sich fühlt. Im Umgang mit Hunden der einzige Weg, mit Menschen oft hilfreich. Im Verkehr mit Kulturen in denen der Umgang (vor allem zwischen den Geschlechtern) anderes geregelt ist, kann dies auch gefährlich sein, da ist fliehen besser.
Fälle: Die wunderschöne, sehr sympathische Frau, deren eher unscheinbarer Partner nicht begreifen kann, warum sie sich mit ihm abgibt. Offensichtlich geniesst sie es, dass ihr zum ersten Mal in Ihrem Leben jemand Wertschätzung entgegen bringt. Frauen, die wiederholt vergewaltigt werden (Opfertypen). Meine gute, zierliche Kollegin (mit Nahkampfausbildung), die einem fremden, ungebärdigen Halbwüchsigen sagen kann:"Du machst jetzt ..." und er spurt. Sie wurde im Elternhaus und später auch von mir gefordert und gefördert, aber gut behandelt. Der etwas wunderliche Mensch, der zur Normalität auf taut, sobald man offen auf ihn/sie zu geht.

Vielleicht brauchst Du Unterstützung von aussen, damit Du überhaupt einmal erkennst, was Du ausstrahlst. Es gibt auch Trainings zum Thema Durchsetzung. Du musst nicht stärker sein, als der Hund, aber er muss Dich dafür halten! Mein (beinahe) Wahlspruch aus der Bilanzkrise:"Ich will keinen ... von niemandem nicht!" wirkt Wunder, wenn er nicht dazu führt, dass man über reagiert.
 
G

Gast

Gast
  • #48
Es ist bei mir so...wie es die FS vor einem Jahr beschrieb....sowohl in der Kindheit wenig gelobt,
oft runtergemacht....immer Blitzableiter der Eltern.

Instrumentalisiert auch...alle, ziemlich konkreten Hoffnungen in mich hineingelegt.....

Es entstehen Muster, die sich sehr lang wiederholen..
.
bis sie durch Therapie, durch das älter, und reifer werden, beseitigt werden konnten.
Ich mache auch den Eltern keine Vorwürfe....sie meinten sie täten das Beste!
w 51 J.
 
G

Gast

Gast
  • #49
Wer als Kind und junger Mensch auf der Suche nach Liebe ( im Elternhaus) immer wieder abgelehnt wurde wird auch bei der Partnersuche diesem Schema folgen. Er wird die nie gekannte Liebe immer weiter suchen - die Ablehnung ist ihm vertraut daher setzt er diese mit Liebe gleich. Diese Menschen sind leichte Opfer für die Narzissten und boshaften Borderliner dieser Welt.
 
  • #50
Wer als Kind und junger Mensch auf der Suche nach Liebe ( im Elternhaus) immer wieder abgelehnt wurde wird auch bei der Partnersuche diesem Schema folgen. Er wird die nie gekannte Liebe immer weiter suchen - die Ablehnung ist ihm vertraut daher setzt er diese mit Liebe gleich.
Nein, sondern er landet in einem Teufelskreis.

Er konnte im Elternhaus (oder ggf. im Kinderheim) vieles Wichtige nicht lernen, und sich nicht genügend sozialisieren. Dies fehlt ihm dann bei der Partnersuche + ggf. Beziehung.

Bildlich vgl. wie wenn Jemand nie lernen konnte, wie man Fahrrad fährt. Und daher bei jedem Versuch vom Fahrrad fällt. Was ihn ärgert, und er versucht es weiter, oder gibt auf.
Denn es ist Keiner da, der es ihm beibringt.
 
G

Gast

Gast
  • #51
Liebe FS

tief in die Vergangenheit muss ich nicht zurück. Im Gegenteil, ich zehre noch heute von einer glücklichen Kindheit. Ich wurde beachtet und geliebt, gefördert und einbezogen.

Tendenziell imitierst du vielleicht die schlechte Behandlung die andere dir zugedacht hatten ?

Grundsätzlich solltest du Abstand zu Leuten halten (auch und gerade Eltern, Geschwister, Verwandte) die schlecht über dich reden, schlecht von dir denken, dich abwerten, deine Berufswahl lächerlich machen weil sie es nicht billigen, die mit deinem Singlestatus mehr Probleme haben als du selbst. Die alles an dir bekritteln und kritisieren müssen um sich selbst gut zu fühlen.

Ich sage dir aus meiner Erfahrung dass nicht die Kindheit dich hemmt sondern die Mißachtung und Herabsetzung die du heute aktuell als Individuum erlebst und erträgst. Dagegen musst du dich wehren.
 
G

Gast

Gast
  • #52
An der Aussage ist sehr viel daran, mehr als man meistens selbst wahrhaben will.

Die eigene Kindheit prägt sehr, oft geht die Prägung sogar noch über diejenige die man durch die Eltern erlebt hat, hinaus. Man trägt oftmals noch die Muster in sich, die von den Grosseltern stammen. Das Problem dabei ist, dass dies meistens unbewusst geschieht und wir uns an diesen Mustern anlehnen, ohne es zu wissen. Rund 70% unseres Verhaltens basiert auf den "alten" Mustern, die uns mitgegeben wurden und dies auch dann, wenn wir bewusst versuchen, Verhaltensweisen unserer Eltern nicht nachzumachen. Oft fallen wir genau dann in die mindestens genauso unschönen Verhaltensweisen unserer Grosseltern, die wir aber noch viel weniger kennen. Nach wie vor eine grosse Rolle spielt in Deutschland der Krieg...auch wenn selbst unsere Eltern nicht mehr im Krieg waren.

Man muss sich dessen zuerst mal bewusst werden, dass man zu 70% (teilweise noch mehr) gesteuert ist. Erst nach dieser Erkenntnis kann man an einer Veränderung arbeiten. Diese muss aber im Bewusstsein geschehen, was uns prägt. Nur so können wir erfolgreich negative Verhaltensweisen in Schach halten.

Der Begriff Midlife Crisis trifft es auf den Kopf...man wird sich bewusst, dass irgendwas nicht passt, nicht rund läuft. Die Suche nach der Ursache zehrt extrem an den Kräften, schon ist man gefährdet krank zu werden. Das kann schleichend gehen oder durch ein Ereignis (positiv oder negativ). In jedem Fall steht man dann plötzlich vor einem Scherbenhaufen...die Erkenntnis dazu ist bereits ein sehr langwieriger und schwieriger Prozess.
 
Top