• #1

Wie wirkt sich die Kindheit auf die Beziehungen aus?

Ich möchte an dieser Stelle mal diskutieren, wie sich eure Kindheit auf eure Beziehungen auswirkt. Glaubt ihr, man kann das erlernte Muster im Erwachsenenalter noch verändern?
Zu mir:
Meine Eltern haben sich nur, wirklich nur, gestritten. Es gab täglich Streit um Kleinigkeiten. Mein Vater wurde daraufhin schwer depressiv und ging fremd. Meine Mutter blieb dennoch bei ihm, hat mir aber immer von seinem Betrug erzählt.
Weder ich, noch meine Schwester, haben heute Kinder. Das gibt mir schon zu denken...
Ich lehne zudem das Konstrukt der Ehe für mich ab. Zusammenleben ja, Ehe und Kinder- nein danke.

Denkt ihr, dass meine Mutter daran "Schuld" hat? Ist das therapierbar oder sitzen die Wunden zu tief?
 
  • #2
Unsere Ursprungsfamilie prägt uns. Natürlich hat das, was Du erlebt hast, Einflüsse auf Dein heutiges Leben. Was Dein Vater Dir vorgelebt hat, hat Dein Männerbild geprägt. Das, was Deine Mutter Dir vorgelebt hat, Dein Bild von einer Frau und Mutter.
Ich habe Mann und Kind, aber trotzdem eine Vergangenheit mit einem Despoten und Alkoholiker (auch Fremdgeher) als Vater und einer kuschenden, unselbständigen Mutter. Respekt, Fürsorge und liebevollen Umgang mit dem Partner und den Kindern habe ich bis zum Erwachsenenleben nie erlebt. Das sind Wunden, die immer mal wieder aufreißen. Ich habe nun eine Langzeittherapie (Verhaltenstherapie, 50 Stunden) gemacht, die in 2 Wochen zu Ende geht. Mir hat das sehr geholfen. Sicher sind die schlechten Erfahrungen und die Wut nicht weg, aber ich kann heute besser damit umgehen.
Du solltest Deiner Mutter nicht allein die Schuld geben. Auch Dein Vater hat als Fremdgeher seinen Anteil an Deinem Weltbild. Ich würde Dir eine Verhaltenstherapie empfehlen. Die kostet schon Kraft und es werden sicher einige Tränen fließen. Dafür wirst Du Dich bald freier von der Vergangenheit fühlen und Du wirst die Erfahrung machen, dass Du mit diesen Erlebten nicht allein bist. Lass nicht zu, dass das zu Deinem "Schicksal" wird, welches Dich bis an Dein Lebensende belastet. Alles Gute!
 
  • #3
Hallo Emrix, meine Kindheit war deiner sehr ähnlich. Mein Vater ist noch Kriegsgeneration, meine Mutter Nachkrieg. Mein Vater hat meine Mutter nur geheiratet weil er die Frau die er wirklich wollte nicht bekommen konnte. Das hat er meine Mutter (und mich) immer spüren lassen. Meine jüngere Schwester war und ist immer sein LIebling gewesen. Meinem Vater hat eine schwere Borderline Störung mit krankhaften Wutanfällen bis hin zu Bewusstseinsaussetzern, Schaum vor dem Mund und Möbel zerschlagen, meine Mutter ist histrionisch dependant, hysterisch und kontrolliert ihn mit diesem Verhalten. Beide benutzten mich und meine Schwester wie Schachfiguren auf dem Schachbrett ihres Kleinkrieges. Ich habe mich nun, im Alter von 47 Jahren, vor 5 Jahren aus meiner Familie herausgezogen weil ich diesen 3. Weltkrieg nicht mehr ertragen konnte. Mein Vater und meine Schwester haben meinen Namen seither nicht mehr ausgesprochen, geschweige denn mich kontaktiert. Was es mit mir macht? Ich habe nur gescheiterte Beziehungen hinter mir - die letzte Beziehung war mit einem Mann der meinem Vater sehr ähnlich war - Borderliner. Ich habe mich in den vergangenen 20 Jahren 5 Therapeuten anvertraut was mir auch bis heute geholfen hat zu überleben. Mit sehr viel Selbstreflektion, Hinterfragen und dem Nein-sagen lernen habe ich es geschafft ein einigermaßen zufriedenes Leben zu führen. Nun, mit mittlerweile 50 weiss ich auch, das ich niemals auch nur annähernd die Lebensfreude haben werde die manch anderer hat. Aber ich bin sicher, das ich es schaffen werde ein ruhiges und harmonisches Miteinander mit anderen zu erreichen. Die ewige Leere, suche nach Liebe in mir ist nicht zu füllen, wofür meine Eltern verantwortlich sind.
 
  • #4
Deine Mutter ist nicht "Schuld". Das wäre zu einfach. Die "Systeme" die du dir in der Kindheit geschaffen hast um dich vor der Atmosphäre im Elternhaus zu "schützen" sind es aber ganz sicher. Auch die Glaubenssätze die du (ggf. von Mutter und /oder Vater übernommen) damals erschaffen hast sind wirksam und beeinflussen ganz bestimmt deinen Blick auf Beziehung und wie du sie lebst. Ob das therapierbar ist hängt sehr von dir und deinem Willen ab und vor allem vom Therapeuten und seinem Ansatz. Nach meiner Erfahrung sind es keine echten Wunden. Uns beherrschen die Gedanken die wir uns damals und eben auch heute über die Vergangenheit und das Leiden gemacht haben. Diese Gedanken sind aber eben in der Regel nicht von der Realität geprägt. Ich glaube heute auch nicht mehr daran, dass es Hilfreich ist in den alten Wunden zu bohren und Schuldzuweisungen zu machen. Für mich ist der Schlüssel Selbstliebe und die daraus resultierende Verantwortung für sich und sein persönliches Glück. Glaub nicht alles was es in dir denkt, lebe im hier und jetzt und lernen dich selber lieben, damit du fühlen kannst was du wirklich willst. Dann kannst du dich frei machen von den Beziehungen deiner Eltern, die nämlich ihre Sache sind und nicht deine!
 
  • #5
Lieber FS, natürlich prägt uns unsere Kindheit. Wir alle sind auch oder gerade in dieser Zeit verletzt worden. Aber trotzdem sind wir als Erwachsene für unsere Gefühle selbst verantwortlich. Was wir im Heute tun können, ist unserem verletzen inneren Kind - das jeder mit sich trägt - das zu geben, was es braucht, aber in frühreren Zeiten nicht bekommen hat. Natürlich kannst du das im Rahmen einer Therapie machen.
Warum soll eigentlich einzig und allein deine Mutter Schuld an deiner Misere sein? Welchen Anteil hat dein Vater? Zu jeder Beziehung gehören zwei Personen. Auch du hast einen Schuldanteil, wenn du dich weigerst zu reflektieren und die Schuld bei anderen suchst. Aber das erfordert Mut zum Hinschauen, und den wünsche ich dir!
 
  • #6
Die Prägung fängt im Mutterleib an und geht in Deinem Zuhause weiter. Nicht das, was Du in Institutionen siehst und was Du in fremden Familien beobachtest formt Dich für das Leben sondern das, was Dir Deine Eltern und Dein soziales Umfeld in unmittelbarer Umgebung zeigt. Selbst Heimkinder sind beziehungs Familien- und Heiratsfähig. Kinder brauchen die Mischung aus beiden Elternteilen. Das rationale und wilde spielen des männlichen parts und die emotionale fürsorgende Seite der Mutter. Deine Mutter muss Deinen Vater geliebt haben und euch sowieso sonst hätte sie das nicht ausgehalten. Dein Vater ist ausgebrochen und hat sich mit Frauen getröstet.Fremd gehen muss nicht unbedingt etwas mit den Konflikten zwischen Euren Eltern zu tun gehabt haben. Da gibt es viele Gründe. Streit ist auch eine Form der Gewalt. In Gegenwart und gegenüber Kindern sowieso. Es gibt wirklich gute Fachleute, die Gesprächstherapie anbieten. Dazu musst Du allerdings bereit und offen sein. Heute bedeutet das, dass man aufgrund dieser Gespräche mit Fachleuten die Kindheit aufarbeiten kann. Die Institution Ehe gibt es, weil sich Menschen entscheiden, eine Familie zu gründen. Sie bedeutet etwas Besonderes. Sie gibt Halt und Sicherheit für Kinder und Ehefrau und aber auch für den Mann. Ein Kind, was nicht geehelicht wird, wird sich nicht so angenommen fühlen, wie ein eheliches. Das kann ich Dir versichern. Ich wünsche Dir viel Erfolg
 
  • #7
Hallo Emrix,
Meine Kindheit war ähnlich wie deine. Ich wusste schon mit 16 dass ich nie Kinder haben werde und nie heiraten werde. Bis heute nicht.
Ich halte auch nicht lange in Beziehungen aus, ziehe irgendwie auch Männer an die ebenfalls nicht wirklich Bindungsunfähig sind.
In den Phasen ohne Beziehung fühle ich mich wohl, es ist so als ob ich zu mir selbst zurückkehren würde. Diese “Pausen“ sind sehr wichtig für mich.
Bei meinen Brüdern ist es anders, beide sind lange verheiratet und haben Kinder..
Ob das therapierbar ist weiss ich nicht.. Ich denke solange man keinen leidensdruck verspürt muss man nicht zwingend zum Psychologen rennen.
 
  • #8
Die (früh-)kindliche Prägung, und auch die im juvenilen Alter, ist bewiesen in mancherlei Richtung und Auswirkung. Na klar hast Du bestimmte Muster "gelernt" und verinnerlicht - was Wunder.
Ich sitze im selben Boot, habe die "Ehe" meiner Eltern als warnendes Bild vor mir, habe mir ähnliche Partner gesucht, ähnliche Fehler gemacht, bis mir die ganz große Lampe aufging...
NUN ist mir klar, wo der Hase begraben liegt - aber besser geht es mir deswegen noch lange nicht.
Ich bin auch nicht ehe-kompatibel. Ist aber doch auch nicht "schlimm" - es geht doch auch ohne ganz gut ;-)
Nein, ich denke, eine so lange und tiefe Therapie gibt es nicht, die diese Muster auslöscht .
Ich kann mit meiner Prägung aber leben - muss mir nur ab und an klarmachen, warum ich auf einen bestimmten Typus Mann "fliege"....und dann prompt die Kehrtwendung einleiten.
 
  • #9
Ja, lieber Emrix. Deine Mutter bzw. Deine Prägung ist daran "schuld". Und meine auch. Denn ich habe auch keine Kinder. Ich vermute mal, wir beide haben den unsicheren vermeidenden Bindungsstil.

Beziehung und Urvertrauen lernt man logischerweise in seiner Herkunftsfamilie. Und wir haben gelernt, dass Ehe tragisch, dramatisch und lieblos ist. Das haben uns unsere Eltern beigebracht.

Ich hatte auch eine Ehe. Die war auch relativ lieblos, obwohl ich mir sehr vorgenommen hatte, es besser wie meine Eltern zu machen. Kinder habe ich mir keine angeschafft, weil ich nicht wie meine Mutter in einer lieblosen Ehe abhängig sein wollte. Und deshalb habe ich mir auch einen guten tragfähigen Beruf gewählt und habe mir niemals Auszeiten wegen Familienplanung oder Teilzeit geleistet.

Wenn ich meinen Bruder anschaue, dann stelle ich fest, dass er meinem Vater immer ähnlicher wird. Und ich hoffe sehr, dass ich nicht eines Tages so werde wie meine Mutter.

Lese Dich mal durch das Internet zum Thema Bindungsstil. Ich bin mir sicher, dass Du viele AHA-Erlebnisse haben wirst.

Interessanterweise treffen sich gerne Menschen, die einen ähnlichen oder sogar komplementär gestörten Bindungsstil haben, sprich: die Partner, die Du anziehst, sagen Dir viel über Dich selbst.

Nun habe ich eine sehr gute Beziehung. Und die strengt mich auf einer Seite sehr sehr an, weil sie so gut ist. Damit kann ich nichts anfangen, sie macht mir Angst, denn ich traue mich nicht, mich fallenzulassen. Ich traue dem Braten nicht. Ja, so kanns gehen, wenn man "verkorkst" ist.
 
  • #10
Ich lehne zudem das Konstrukt der Ehe für mich ab. Zusammenleben ja, Ehe und Kinder- nein danke.
Denkt ihr, dass meine Mutter daran "Schuld" hat? Ist das therapierbar oder sitzen die Wunden zu tief?
Bestimmt ist das Elternhaus stark einflussnehmend, aber auch das gesamte Umfeld und die damit persönlichen Erlebnissen. Ich hatte eine sehr gute Kindheit mit sehr guten Eltern erlebt und lehne inzwischen für mich die Ehe ab, ebenso inzwischen auch das Zusammenleben in einer gemeinsanmen Wohnung, aus Gründen der reduzierten Freiheit, dazu kommt eine bestimmte Abhängigkeit, mit vielen Problemen verbunden und der Gesetzgeber hat seine Finger auch noch mit drin. Das tue ich mir nicht mehr an! Schau dich in deinem Umfeld näher um und lese eine einzige Woche alle Beziehungsprobleme hier, in diesem Forum und es wird dir klar, das da viele Dinge mit hineinspielen.
Ob das therapierbar ist, kann man so schnell nicht sagen, kommt auf die Schwierigkeit drauf an und auf den ernsthaften Willen sich zu verändern, wobei es auch dafür keine Garantie gibt, kann danach wieder in die Hose gehen!
 
  • #11
Hallo Emrix,

sicherlich wirkt sich die Kindheit nicht unmaßgeblich auf die Entwicklung eines meines Menschen aus, da ist wohl unzweifelhaft. Aber letztendlich entscheidet ab einem Gewissen Entwicklungsstadium jeder selbst über sich, sein Leben, auch über seine Beziehungen.

Ich denke nicht, dass Deine Mutter "Schuld" daran hat, wenn Du keine Ehe eingehen willst und keine Kinder möchtest. (Und wenn überhaupt, müßte ja Dein Vater "schuld" sein, denn der ist ja der Betrüger und der Fremdgeher). Wenige haben eine "super" Kindheit gehabt, Scheidung der Eltern ist heutzutage Gang und Gebe, viele Ehepartner gehen fremd. Klar ist das oft nicht toll für gemeinsame Kinder. Aber dennoch haben sehr viele dieser Kinder später trotzdem eine eigene Familie und sind glücklich in diesem Konstrukt.

Es gibt ja auch gar keinen Grund, dass Du eine Ehe eingehen mußt, diese Zeiten sind ja GsD vorüber, dass frau heiraten mußte, um nicht irgendann als "alte Jungfer" zu gelten. Und wenn Du eh keine Kinder willst, sehe ich sowieso keinen Grund für eine Eheschließung. Das macht in meinen Augen nur einen Sinn, wenn man auch eine Familie gründen möchte. Und selbst dann muß ein Paar nicht mehr heiraten im 21. Jahrhundert.

Ich wollte auch nie heiraten und keine Kinder. Ich habe eine ähnliche Vita wie Du. Ich habe aber noch zwei Geschwister, die exakt die selbe Kindheit und die selben Eltern hatten wie ich, die wollten beide immer schon Familie und Kinder und haben auch eine Familie gegründet. Also, ich denke mit der eigenen Kindheit hat das nicht wirklich was zu tun.
 
  • #12
Hallo Emrix

Vorersteinmal hört sich deine Erzählung nach einer sehr schwierigen Zeit an, speziell für ein junges Kind. Aber ich denke, dass du von deinen Eltern auch profitieren konntest. Zwar sind sie keine Vorbilder, aber du weisst schon mal, wie du NICHT werden möchtest. Und diese Erkenntnis bedeutet viel glaub mir. Dennoch rate ich dir in professionelle Behandlung zu gehen, da dir das wahrscheinlich gut tun würde. Und sobald man mit sich im Reinen ist, kann man über Kinder nachdenken. Vorher solltest du im Fokus stehen.

Ich finde die Einsstiegsdiskussion sehr spannend. Deshalb nehme ich mir das Recht, von meiner Kindheit zu erzählen. Vielleicht hilft dir dies ja, mit deinen Erfahrungen besser umgehen zu können. Wer dies nicht interessiert, kann hier weiter scrollen. Ich wuchs bei meiner Mutter auf, welche stark an diesem konventionellen Geschlechterbild festhielt. So mussten ich und meine Schwester im Haushalt helfen und meine Brüder konnten auf der faulen Haut liegen. Dazu kommt noch, dass meine Mutter ihre eigene bereits verstobene Mutter gehasst hatte und nun quasi diesen Hass auf alle weiblichen Wesen projizierte. Mir wurde immer irgendwie klar gemacht, dass ich selbst nicht gut war. Wut auf meinen Vater verspürte ich zu dieser Zeit auch, da er sich einfach aus dem Staub machte und trotz Kenntnis ihrer psychischen Situation keinerlei emotionale Rückendeckung anbot.

Heute weiss ich einfach, dass wenn ich selber irgendwie an mir hadere, ich niemals Kinder bekommen werde. Ich möchte meine Probleme nicht auch noch auf diese abwälzen, wie es meine Mutter getan hatte. Erziehung und Erfahrungen in der Kindheit allgemein sind so maßgebend.
Zudem kann ich zu viel Bindung auch schwer ertragen, da ich niemanden mehr emotional an mich ran lassen möchte und er dementsprechend viel Mach über mich hat. Andererseits habe ich auch die ständige Angst verlassen zu werden, wie es mein Vater getan hatte. Diese zwei Dinge korrelieren sehr wahrscheinlich.
Und auf einen Mann, der nur teilweise Ansichten vertritt, welche Menschen auf ihre oberflächlichen Eigenschaften wie Geschlecht, Ethnie, Sexualität ect. reduziert, wie es eben meine Mutter getan hatte, könnte ich mich ebenso nie einlassen.

Das klingt jetzt alles hochdramastisch, aber ich mag den Menschen, den ich heute bin;-) Denn ich weiss, dass ich mich selber zu mir machen musste und ich vorher durch die Hölle ging, um zu so vielen Erkenntnissen zu kommen. Und die Beziehung zu meiner Schwester wäre niemals so tief, wenn wir nicht dasselbe durchgemacht hätten. Ich liebe sie wirklich von ganzen Herzen.

Ich hoffe du wirst das auch mal positiv auf das Ganze zurück blicken, obwohl es sicher eine schmerzhafte Erfahrung war. Ich wünsche dir noch alles Gute!

w, 25j
 
  • #13
Denkt ihr, dass meine Mutter daran "Schuld" hat? Ist das therapierbar oder sitzen die Wunden zu tief?
Ja,ja und noch mal ja..meine Eltern haben auch dauernd gestritten,meine Mutter ist herrschsüchtig und sehr emotional,ich habe mir öfters gewünscht ,sie würden sich scheiden lassen..ich habe es gehasst,aber mir den gleichen Partner gesucht und alles in meiner Famile wiederholt..irgendwann mal augfewacht und mich getrennt.Ja Therapie gemacht,sehr viel reflektiert und Parallelen zu meinen Eltern erkannt..dieser Prozess ist sehr schmerzhaft,nix für schwache Nerven,aber ich fühle mich heute anders,fast ein anderer Mensch..ich falle ab und zu noch in alte Muster,ich glaube,sich komplett davon zu befreien,reicht ein Leben nicht..es fällt mir immer noch schwer sich auf jemanden einzulassen,da ich Nähe mit Stress und Übergriffigkeit gleichsetzte..ich habe viele Gespräche mit meiner Mutter geführt ,viele Streits,ihr die Grenzen aufgezeigt..seltsamerweise hat es unser Verhaltnis verbessert..wir werden nie ein herzliches Verhältnis zu einander haben,sie hat viel kaputt gemacht früher,aber ich kann mittleweile sie ganz gut leiden und manchmal vermisse ich sie sogar..;-)..ich verstehe,warum sie so gehandelt hat,sie hat kein enfaches Leben gehabt..ihre Mutter auch nicht..und so werden Verletzungen von Generation zu Generation gegeben..mein Ex hasst seinen Vater,hat jahrelang mit ihm nicht geredet,mit dem Resultat,dass er zu seinem Sohn genauso ist..wie sein Vater..sieht aber nicht die Verbindung und weigert sich seinen Part zu erkennen..ich habe disese fatale Spirale in meiner Familie unterbrochen und habe geschafft ein gutes Verhaltnis zu meiner Tochter aufzubauen,meine Mutter scheint a bissl neidisch zu sein..;-)..willst du was ändern,dann mach es,einfach ist das nicht,dafür ist Ergenbis beachtlich..
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
  • #14
Hallo Emrix,

auf die Diskussion hier freue ich mich. Ich glaube es wirkt sich sogar ganz massiv aus. Das mit dem täglichen Streit kenne ich. Keiner wurde depressiv, allerdings war mein Vater ein Choleriker und ein Narzisst. Das Thema Narzissmus haben wir ja schon durch. Sie haben ständig gesagt, dass sie nie mehr heiraten und Kinder kriegen würden...
Wie hat sich das ausgewirkt? Geheiratet habe ich. Hat nicht gehalten, weil ich diese narzisstischen und egoistischen Dinge meines Vaters zum Teil übernommen habe. Ich hab´s zu spät erkannt. Kinder wollte ich auch jahrelang keine. Warum auch? -> wenn du als Kind immer wieder von Deinen Eltern hörst, dass sie nie mehr Kinder kriegen würde.

Später vermutlich mehr von mir.

M 47
 
  • #15
Hallo Emrix,
deine Mutter,dein Vater wie du selbst und alle anderen Menschen auf der Welt können nur so handeln im Jetzt wie sie es eben zu diesem Zeitpunkt können. Man kann dann höchstens von Ursache oder Auslöser reden ,aber von Schuld ? Wenn dem so ist dann sind wir alle zu jeder Zeit für irgendetwas schuldig,sitzen also alle im gleichen Boot. Oder hast du nie Fehler gemacht ? Konsequenzen gibt es für alles.Im guten wie im schlechten.
Ein anderer mit anderem Grundcharakter hätte andere Konsequenzen gezogen als du. Vielleicht das Gegenteil von dir geworden im Bezug Ehe und Kinder.
Da hilft nur Selbsterkenntnis und an seinem Selbst zu arbeiten.
Sieh deine Mutter doch mal für einen Moment auch als Frau in einer Beziehung zu einem Mann,deinem Vater. Sieh für einen Moment davon ab deine Mutter zu verurteilen das sie hätte ( hätte ,hätte...ach ja ) dir idealerweise ihre Probleme nicht aussprechen sollen. Sondern das sie in diesem Moment nicht das Ideal war und dich damit belastet hat. Das war nicht gut. Aber wie schwerwiegend beurteilst du das ( sei für einen Moment der Richter ) in Anbetracht der Sichtweise deiner eigenen Perfektion in deinem bisherigem Leben ?
Du bist jetzt erwachsen und kannst die Dinge doch jetzt als Erwachsener beurteilen ,oder nicht ?
 
  • #16
Hallo, ich denke das es extrem schwer ist, Verhaltensmuster zu unterbrechen. Nicht unmöglich, aber sehr schwer und ich denke, dass es bedeutet sein Leben lang deine Gedanken zu hinterfragen und zu ergründen, weshalb man gerade so wütend/verletzt/destruktiv zum eigentlichen Wunsch steht.
Ich kann nur von den Menschen in meiner Umgebung mit engeren Kontakt und von mir sagen, dass ich niemanden kenne, der von einer schweren Vergangenheit nicht seine Schäden/Verhaltensmuster hat, die er nicht ablegen kann.
Es heißt glaub ich auch nicht ohne Grund, man soll sich die Streitkultur vom Partner anschauen und wird mit hoher Sicherheit solchen Streitpartner auch dann haben.
Ich bin als Kind in einem Elternhaus ohne Liebe aufgewachsen und mit Angst vor Gewaltausbrüchen und passiv aggressiv Verhalten. Jetzt als Erwachsene hab ich keine Angst vor Gewalt, da ich weiß, ich kann alles körperliche Überstehen kann aber ich bin so empfindlich gegenüber schweigen/unausgesprochen etc. Das ich normales Verhalten des Gegenüber schnell als das bewerte und immer denke 'was hab ich den gegenüber getan?' 'Wieso tut der Mensch mir das an?' 'Ich will weg aus der Beziehung, er unterdrückt mich , obwohl der andere nur mundfaul war oder gerade gedanklich weg.
Ich weiß, dass in dem Moment, dass es so sein kann, das der andere nicht gerade mich verletzen will, aber dennoch muss ich mich manchmal tagtäglich INNERLICH mit meiner Angst/Verhaltensmuster auseinandersetzen, um dementsprechen nicht abzuhauen oder destruktiv zu handeln. Das ist anstrengend. Es ist möglich, glaube ich, seine Vergangenheit hinter sich zu lassen aber ist ein harter Weg.
 
  • #17
Die Kindheit beeinflusst einen mit Sicherheit, nur jeder Mensch verarbeitet schwere Erlebnisse anders.
Und zur Ermutigung kann ich dir aus meiner Überzeugung sagen, dass das menschliche Gehirn lernfähig und damit veränderbar bis ins hohe Alter ist. Wenn du gerne eine Therapie machen würdest, um alles mal aufzuarbeiten, dann mache sie. Wunden können heilen und es tut gut, sich einmal bei einem Menschen, der nicht wertend ist, alles von der Seele zu reden.
 
  • #18
Hallo Emrix,
Du hast Deine Antwort auf Deine Frage doch schon gefunden.

Bei jedem wirkt sich die Kindheit auf das spätere Leben aus.

Zu Deiner Mutter:
Deine Mutter war als Mutter erfolgreich, weil sie ihren Nachwuchs groß bekommen hat. Sie hat Anstrengung und Aufwand betrieben, um Euch Nachwuchs zu versorgen und groß zu bringen. Ein Mindestmaß an Liebe habt ihr beide von Euren Eltern bekommen, weil kleine Babys ohne Mindestmaß an liebevollen Umgang sterben.

Deine Mutter ist so, weil sie es ebenso in ihrer Kindheit von den Großeltern gelernt hat usw.
Also verschiebe Deine Verantwortung für Dein Verhalten und Dein Leben nicht einfach auf Deine Eltern, auf Deine Großeltern, auf Deine Urgroßeltern usw. sondern nimm Dein Leben in Deine Hand.

Es gibt übrigens interessante Berichte, wie sich die Traumatas der Kriegsgenerationen unbewusst auf die Generationen der Kinder und Enkel auswirken, übrigens nicht nur psychisch sondern auch körperlich.
 
P

proudwoman

Gast
  • #19
Ein interessantes Thema zum Diskutieren, nur hab ich jetzt nicht mehr so viel Zeit. Ich möchte nur so viel sagen, dass ich eine eher überbehütete Kindheit hatte mit guten Eltern. Aber sie hatten auch gestritten. Mein Vater war oft nicht da und meine Mutter fühlte sich oft alleinerziehend. So viel in aller Kürze. Ich halte mich selber auch eher für eheuntauglich. Ich melde mich später wieder....
 
  • #20
Ich glaube nicht an "Schuld" von Müttern und Vätern. Sicherlich prägt das Elternhaus in gewisser Art und Weise, doch es gibt auch sehr viele andere Einflüsse und zudem davon unabhängig auch noch jede Menge persönliche Erlebnisse, die einen Menschen prägen und formen. Ausserdem kann jeder Mensch (also auch Mütter und Väter) nur das sein, was er ist - mit allen Fehlern und Macken.

@Emrix Selbst wenn Deine Mutter schuld sein sollte, ist das jetzt egal. Wenn Du Probleme hast, musst Du versuchen Sie zu lösen oder damit zu leben - ganz gleich, wer an den Problemen "schuld" ist.
Ob "Eheunwilligkeit" therapierbar ist, weiß ich nicht- aber wenn Du darunter leidest, versuch' es doch einfach.
 
  • #21
Liebe FS,

man kann....
Mache dich vorerst frei von der Schuldfrage, das hindert dich nur daran, selber dein Leben in die Hand zu nehmen.
Natürlich prägt uns die Kindheit, dennoch sind wir irgendwann erwachsen und können unsere Gedanken in andere Richtungen lenken. Es ist eine Sache des Willens und einer Entscheidung. Wenn du es allein nicht schaffst, suche dir Unterstützung und Hilfe.
Jeder Mensch hat irgend etwas zu tragen, aber die Natur hat uns die Möglichkeit und Fähigkeit gegeben, regenerieren zu können.

Du bist der alleinige Schöpfer deiner Welt, nur Mut und viel Kraft Es lohnt sich und bringt auch viel Freude.
 
  • #22
Ja, die Kindheit wirkt sich aus. Jeder von uns übernimmt Muster seiner Eltern. Die Frage nach dem Grad der Auswirkung hat was damit zu tun, wie gut man reflektiert und wie gut man damit umgehen kann. Und will.

Meine Eltern sind nach 30 Jahren für beide nicht zufriedenstellender Ehe geschieden. Ich auch. Ich habe aber nach 1,5 Jahren die Reißleine gezogen. Die Eltern meiner Exfrau waren jahrzehntelang glücklich verheiratet. Sie hat daraus gelernt, dass das normal ist und alles von selbst geht, dass man sich nicht auseinandersetzen und über Probleme reden muss.
Erfahrungen und Muster befreien nicht von der Verantwortung, selbst nachzudenken und selbst zu arbeiten.
 
  • #23
Ich habe gehört, die Beziehung der Eltern sei für die Kinder die "Primärbeziehung". Sie lege die Verhaltensmuster fest, auf die sich die Kinder im Erwachsenenalter positiv oder negativ beziehen.
 
  • #24
Ja natürlich wirkt sich das in der Kindheit Erlebte auf die eigenen Beziehungen aus.

Wenn man merkt, dass es immer wieder nach dem gleichen Muster schiefläuft, sollte man die Ursachen bei sich und seiner Herkunftsfamilie erforschen.

Besonders schwierig ist es, wenn man zunächst denkt, dass man doch eine gute und normale Kindheit hatte - schließlich wurde man weder geschlagen noch angebrüllt.

Aber auch Überbehütung, "Helikoptermütter" bei gleichzeitigem Desinteresse des Vaters, emotionale Manipulation (Liebe gegen Leistung) sind Erfahrungen, die sich äußerst destruktiv auf die eigene Beziehungsfähigkeit auswirken.

Als erster Schritt kommt die Erkenntnis dieser Muster, dann Wut und Enttäuschung, Schuldzuweisung.

Aber ich finde, hier sollte man nicht verharren, sondern versuchen, auch die Eltern zu verstehen, dass diese auch wiederum nur durch ihre Eltern geprägt wurden und keine böse Absicht dahinter steht, steht eher Hilflosigkeit und Unfähigkeit. Wenn man das versteht, kann man auch den Eltern verzeihen.

Für mich ist der Schlüssel Selbstliebe und die daraus resultierende Verantwortung für sich und sein persönliches Glück.

Ja, das unterschreibe ich. Wer Selbstliebe empfindet, zieht automatisch Grenzen und nur mit Eigenverantwortung kann man sein Leben aktiv selbst gestalten, statt sich in eine Opferrolle zu begeben.
 
  • #25
Ich lehne zudem das Konstrukt der Ehe für mich ab. Zusammenleben ja, Ehe und Kinder- nein danke. Ist das therapierbar oder sitzen die Wunden zu tief?

Du lehnst was ab, willst genau aber für diese Ablehnung therapierbar sein. Das ist ja auch nicht ganz schlüssig, nicht? Bzw., ich glaube, deine "Ablehnung" ist nur deiner Angst vorgeschoben.

Bitte überlege, was du dir von einer Therapie erwartest.
Kindliche Prägungen und eine so belastete Kindheit sind ein schweres Pfund, das braucht deinerseits Zeit und Geduld. Und die nötige Offenheit und Klarheit darüber, worin du dich gerne verändern würdest. Und eine realistische Einschätzung der Heilungsmöglichkeiten.

Dann würde ich dir fast eine tiefenpsychologisch fundierte Gesprächstherapie empfehlen, die zahlt bei einem niedergelassenen Therapeuten mit Kassenzulassung auch die Kasse.
 
  • #26
Danke für die wahnsinnig tollen Antworten! Sehr reflektiert, man merkt, dass hier wirklich gebildete Menschen unterwegs sind.

Da mein Thread so toll angenommen wird, hier einige weitere Details aus meiner Kindheit.
Meine Mutter hat mir nie Liebe geschenkt. Kuscheln und Küsse gab es nicht bei ihr. Sie entstammt der Nachkriegszeit und sie hat von ihrer Mutter, einer sehr kalten Frau, auch keine Liebe bekommen.
Ich habe andere Kinder immer beneidet, bei denen es so herzlich zuging...
Meine Mutter ist jemand, die passiv-aggressiv ist und emotionale Erpressung anwendet, wenn man nicht funktioniert, wie sie es will.
So schloss sie mich als Kind von Weihnachten aus, ich saß mutterseelenallein in der Küche. Der Grund? Ich wollte nicht mit in die Kirche gehen.
Auch heute gibt sie mir die Schuld für alles. Sie rief mich letztes Jahr an, sie habe Migräne. Ich sei natürlich Schuld, da sie sich so über mich aufregen müsse!
Ich habe den Kontakt nun endlich abgebrochen, weil er mir nicht gut tut und ich diese Frau nie mehr wiedersehen will. Seitdem geht es mir besser.
Heute lag ein Brief von ihr im Postkasten. Diesen werde ich ungelesen zerreißen- es werden sowieso nur Vorwürfe drin stehen!
Neulich hat sie mir vorgerechnet, "wieviel ich sie gekostet hätte!". Auch hier wieder eine versteckte Forderung, ihr nun was zurückzugeben... das kann ich aber nicht, da ich keine Liebe für sie habe und nur noch meine Ruhe haben will.
Auch reflektiert sie nicht einmal, wieso ich keinen Kontakt will, sondern beschuldigt mich. Laut einschlägigen Psychologen ist dies normal...
Sie hat sogar meine beste Freundin angerufen (eign. nur die Notfallnummer) und diese abends belästigt, wieso ich sie nicht anrufen würde.
Diese Frau behandelt mich wie ein Kleinkind, überschreitet ständig Grenzen und versteht die Konsequenzen nicht.
 
  • #27
Denkt ihr, dass meine Mutter daran "Schuld" hat? Ist das therapierbar oder sitzen die Wunden zu tief?
Liebe FS
Ich frage mich, warum du den Lebensweg von dir und deiner Schwester - keine Eheschliessung, kein Kind - unbedingt pathologisieren und einen Schuldigen dafür finden musst. Meine Eltern sind sehr liebe Menschen, doch ich möchte auch weder heiraten noch eigene Kinder (zumindest im Moment sehe ich das so). Den Grund sehe ich darin, dass ich keinen Mann, keine Stadt, kein berufliches und privates Arrangement gefunden habe, in dem ich mich wohlfühlen würde, wenn ich noch die Mutterrolle übernehmen müsste.
Zu deiner Frage finde ich auch: Die eigene Biographie reflektieren ist wichtig und gut. Doch das Motiv sollte Wachstum und Erkenntnis sein, es bringt nichts einen Schuldigen finden zu wollen oder sich einen Schaden attestieren zu lassen. Damit gibt man Kontrolle über das eigene Leben ab und begibt sich in eine schicksalhafte Opferrolle, die einen unglücklich macht.
Deine Eltern haben gestritten und so fort, doch sie haben es vermutlich damals so gut gemacht, wie sie eben konnten. Zudem kann deine Mutter nicht allein an den Streitigkeiten und dem Fremdgehen deines Vaters Schuld sein, er war ein erwachsener Mann und ebenso verantwortlich dafür, wie es bei euch zu Hause ausgesehen hat. Wenn du eine Therapie machen möchtest, dann rate ich zu etwas Systemischem, denn man muss die ganze Familie, jedes Mitglied, verstehen können, um die Vergangenheit zu begreifen und aufzuarbeiten.
 
  • #28
Hallo Emrix,

die Kindheit prägt natürlich, sehr sogar. Das Gute ist aber, Du kannst es ändern. Verabschiede Dich zunächst von Deiner Opferrolle und übernimm Verantwortung für Dein Leben. Sei achtsam und reflektiere, stelle Dich Deinen Ängsten - in jedem Moment. Deine Eltern sind nicht schuld für Deine Kinderlosigkeit. Du hast lediglich noch nicht erreicht, Dich von den tiefgreifenden Ängsten zu lösen. Es ist aber machbar. Hilfreich kann hier z.B. das Thema Achtsamkeit sein. Ängste können so aufgelöst werden, man kommt mehr bei sich selbst an.

Vielleicht hast Du aktuell aber auch einen Partner, der aufgrund Deiner Erfahrungen zwar kompatibel ist, Dich aber innerlich nicht wachsen lässt.

Ich wünsche Dir ganz viel Kraft auf Deinem Weg !
 
  • #29
Meine Kindheit war ebenfalls von einem agressiven und gewalttätigen Vater bestimmt und einer Mutter, die zu schwach war, dagegen etwas zu unternehmen. Komisch, wie viele Antworten auf Deine Frage hier in Richtung "schlechter Kindheit" gehen...
Meine ersten Freunde, also so ab 17 habe ich mir immer im Bereich "lieb zu mir, gut erzogen, zärtlich" gesucht, um das Männerbild von meinem Vater und meinem Bruder (der war genauso) in meiner Partnerwahl nicht zu wiederholen.
Mit 34 habe ich dann genug davon gehabt und leider eine entgegengesetzte Entscheidung getroffen. Er war zwar nicht gewalttätig aber letztendlich genauso narzistisch und egoistisch wie einst mein Vater.,..
Mit meiner Tochter habe ich es allerdings nicht vergeigt. Es war mir immer sehr sehr wichtig, sie in ihrem Selbstbewußtsein absolut zu stärken (mein Vater meinte immer, ich sei nichts wert..) und sie ist zu einer selbstbewußten aber auch sehr sozial integeren und lieben Person herangereift, was mir von meinem Umfeld immer wieder bestätigt wird. Ich habe versucht und ich denke auch geschafft, die Fehler meiner Eltern bei meiner Tochter nicht zu wiederholen, ganz im Gegenteil. Und darauf bin ich stolz. Hat aber auch so manche Energie gekostet.
W52
 
  • #30
Ich möchte an dieser Stelle mal diskutieren, wie sich eure Kindheit auf eure Beziehungen auswirkt. Glaubt ihr, man kann das erlernte Muster im Erwachsenenalter noch verändern?
Zu mir:
Meine Eltern haben sich nur, wirklich nur, gestritten. Es gab täglich Streit um Kleinigkeiten. Mein Vater wurde daraufhin schwer depressiv und ging fremd. Meine Mutter blieb dennoch bei ihm, hat mir aber immer von seinem Betrug erzählt.
Weder ich, noch meine Schwester, haben heute Kinder. Das gibt mir schon zu denken...
Ich lehne zudem das Konstrukt der Ehe für mich ab. Zusammenleben ja, Ehe und Kinder- nein danke.

Denkt ihr, dass meine Mutter daran "Schuld" hat? Ist das therapierbar oder sitzen die Wunden zu tief?

Ja, Deine Eltern sind schuld. Beide, nicht nur eine Seite.

Das erlernte Muster kann man verändern wenn man reflektiert. Deshalb liegt nun der Ball bei Dir. Habe ich auch gemacht, viel gelernt und Konsequenzen hezogen.

Prägend für die Kinder sind die Vater-Tochter sowie Mutter-Sohn Beziehung.
 
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