• #31
Ich habe langjährige psychanalytische Erfahrung. Und nichts, gar nichts prägt uns mehr in erwachsenen Beziehungen als unsere ersten Erfahrungen in der Ursprungsfamilie. Wenn es hier Schwierigkeiten gab, wenn nicht das notwendige Urvertrauen hergestellt wurde, wenn Depressionen vorherrschten, wenn Streit und Auseinandersetzungen den Alltag beherrschten, dann wird der Mensch später als Erwachsener garantiert ebenfalls schwierige Beziehungen führen oder Beziehungen vermeiden. Das ist tragisch, weil es nicht beeinflussbar ist. Wir suchen uns unsere Familien ja nicht aus. Aber es ist mit Hilfe therapeutischer Verfahren heilbar und umkehrbar. Wenn man es denn will und sich darauf einlassen kann. Und wenn man einen passenden Therapeuten findet.

Eure Kinderlosigkeit ist für mich ebenfalls ein Symptom. Ich bin ohnehin überzeugt davon, dass gewollter Kinderlosigkeit fast immer eine ungünstige Kindheit bzw. ungünstige Erfahrungen in der Ursprungsfamilie zu Grunde liegen. Mir ist noch nie ein erwachsener Mensch begegnet, der eine glückliche, stabile und liebevolle Kindheit hatte und sich trotzdem als Erwachsener bewusst gegen eigene Kinder entschieden hat. Hingegen kenne ich mindestens ein halbes Dutzend kinderloser Menschen, die nachweislich eine ungünstig verlaufende Kindheit hatten mit schwierigen familiären Verhältnissen. Man kann jetzt sagen: Subjektiver Eindruck! Vielleicht...
 
  • #32
Bei Deinem zweiten Text ist mir ein Licht aufgegangen. Hier fällt mir leider nur ein Begriff ein: 'narzisstischer Missbrauch'. Solltest Du davon noch nichts gehört habe, empfehle ich Dir, Dich im Internet umzuschauen. Es wird Dir die Augen öffnen und ist tatsächlich eine Herausforderung, sich von diesen (krankhaften) Mustern zu lösen.

Du kannst es aber schaffen ! Mit einem Therapeuten, der sich damit auskennt, aber auch Rückkehr zur eigenen Kontrolle und Kräften. Den Anfang hast Du gemacht, Dich äußerlich von Deiner Mutter zu lösen - super ! Jetzt wäre noch Dein Inneres dran..
 
  • #33
Meine Kindheit, liebe FS, war deiner nicht unähnlich.
Eine psychisch kranke Mutter, die uns wegen ihrer Verarmungsneurose nichts zu essen gab, ein alkoholkranker gewalttätiger Offiziersvater, beide in gegenseitigem Hass und Beschuldigungen verschlungen wie ein KFZ-Getriebe.
Ich habe mit 15 begonnen, Freud, Jung et al. zu lesen, um diesen Irrsinn zu begreifen.
Wurde zynisch, entwickelte eine psychosomatische Störung.
Mit knapp 16 flog ich zu Hause raus, kam bei meinem damaligen Schwager unter und konnte so noch die Schule abschließen.
Danach fuhr ich in die Hauptstadt (ich bin auf dem Land aufgewachsen) und klopfte an die damals landesweit einzige psychosomatische Station. Meinte, ich kann nicht mehr, helfen Sie mir, und wurde sofort für 3 Monate stationär aufgenommen, weil ich zu diesem Zeitpunkt dem Tode nahe war.
Begann mit damals 18 eine Therapie, jahrelang.
Bis heute beglückwünsche ich mich dazu, mein Leben hätte ganz anders verlaufen können.
Mit fast 24 begann ich zu studieren, lernte irgendwann einen wunderbaren Mann kennen und bekam 2, mittlerweile erwachsene Kinder mit ihm.
In meinem Beziehungsverhalten merke ich keine Muster, die an meine Kindheit oder die Beziehung meiner Eltern erinnern, die Beziehung zu meinen Söhnen ist auch sehr liebevoll (und ja, sie nerven mich mitunter)

Der Preis dafür war wohl, dass ich die Beziehung zu meiner Herkunftsfamilie abgebrochen habe, weil es mir nicht gelungen ist, ein annähernd normales Gesprächsverhalten zu erreichen, ich mich nicht mehr fortgesetzt diesem toxischen Klima aus Abwertung, Übergriffigkeit, Verurteilung und Missachtung aussetzen wollte, ich kannte schon anderes.
Meine Schwiegerfamilie ist bis heute meine eigentliche. Herzlich, verrückt, gebildet und auch dort gibt es mitunter Konflikte, die aber nie destruktiv ausgetragen werden.
Und ja, manchmal stimmt das alles noch wehmütig, aber nur selten.

Es geht auch anders, wenn man die Erfahrung macht, dass Liebe, Wärme, Nähe und Spielchenfreiheit möglich ist.
Und eigentlich so leicht.

w, 50
 
  • #34
Mit Schuldzuweisungen und Hass kommt man nicht weiter, weil es zerstört. Deine Eltern haben falsch gehandelt, die Beweggründe für ihr Verhalten werden dir verschlossen bleiben. Es geht dir nur oberflächlich besser, es fehlt aber der Schritt, wo du dich mit deiner Kindheit aussöhnst. Erst dann hast du die Chance, zu wachsen und deine Probleme zu beherrschen und nicht sie dich. Das heißt nicht, dass du deine Mutter kontaktieren musst. Die mentale Abnabelung ist wichtig, ohne Groll und Hass.
 
  • #35
Das meiste wurde schon gesagt. Das wichtigste ist: Es gibt keine perfekten Menschen. LIEBE deine Eltern und schließe sie liebevoll in dein Herz, und sei dankbar! Ein tolles Gefühl! Sie haben alles in ihrer Macht stehende getan, damit es dir gut geht. Vielen Eltern ist gar nicht bewusst, was sie "anrichten". Es war keine Absicht! Immerhin lebst du jetzt, und das hast du ihnen zu verdanken. Sie hatten auch nicht die Möglichkeit sich Hilfe im Internet zu holen. Es wurde ihnen einfach so vorgelebt.
 
  • #36
Ich lehne zudem das Konstrukt der Ehe für mich ab. Zusammenleben ja, Ehe und Kinder- nein danke.

Vielleicht auch dazu nochmal explizit: wer definiert, dass das "Konstrukt Ehe" normal ist und dass es auf Störungen aus der Kindheit beruht, wenn Du das für Dich nicht haben möchtest? Vielleicht hat es ja auch mit einem Muster aus der Kindheit zu tun, wenn man sich ohne den entsprechenden Vertrag in einer Beziehung nicht sicher fühlt? Ist es "normal", Kinder haben zu wollen oder ist auch das nur (logischerweise) durch Kindheitserfahrungen geprägt? Muster prägen doch in jeder Richtung, die positive Kindheitserfahrung sicher auch in der, das selbst fortsetzen zu wollen oder "müssen". Erwartungen daran, dass eine Frau nur mit Kind eine richtige Frau ist? Ein Mann dazu da ist, eine Familie zu ernähren? Ich lese hier dauernd irgendwelche Vorstellungen davon, wie irgendetwas zu sein hat, im negativen wie im "positiven".

Wenn sich jemand von seinen Erfahrungen wirklich in jeder Hinsicht frei machen kann, dann ist vielleicht die Möglichkeit gegeben, viel freier so zu leben, wie man das wirklich möchte?
 
  • #37
Ja dass meine Mutter eine Narzisstin ist, das habe ich auch schon herausgefunden... es gibt da gute Fachliteratur zu.
 
F

Frau43

Gast
  • #38
Ich glaube schon dass die Herkunft prägt, aber nicht dass es der Grund für viele oder alles ist.
Wir sind z.B. 4 Kinder, 2 haben selbst Kinder und sind die glücklchsten Eltern der Welt und 2 von uns wollten nie Kinder und werden auch nie welche haben.
Wir sind alle zusammen aufgewachsen und wurden gleich behandelt. Wir waren sicher nicht verwöhnt, wir hatten weniger als andere aber das war dann gerecht aufgeteilt. Ich habe keine Groll gegen meine Eltern aber Familie wollte ich nie.
Wir haben alle eine Ausbildung und verdienen auch ungefähr gleich. Wir verstehen uns gut untereinander und helfen, wenn es notwendig ist. Aber ganz klar gibt es bei diesem Thema 2 Meinungen in unserer Familie - und das bei gleichen Vorrausetzungen.
Es kann also völlig unterschiedlich enden, es kommt also wohl auch auf den Charakter an.
 
  • #39
Dein zweiter Text berührt mich auch sehr. Ich finde es sehr mutig und stark, dass du es geschafft hast, den Kontakt zu deiner Mutter abzubrechen.

Mir ist das Anderssein meiner Mutter eigentlich erst so richtig bewusst geworden, als ich meine Schwiegermutter kennengelernt habe. Sie war auch fürsorglich und liebevoll, aber niemals vereinnahmend, bevormundend oder bedrängend, ganz im Gegenteil sie hat mir immer geholfen, eigene Entscheidungen zu finden.


Ich lehne zudem das Konstrukt der Ehe für mich ab. Zusammenleben ja, Ehe und Kinder- nein danke.

Denkt ihr, dass meine Mutter daran "Schuld" hat? Ist das therapierbar oder sitzen die Wunden zu tief?

Deine beiden Sätze lesen sich für mich irgendwie so, als dass du es bedauerst, dass du diese Einstellung zu diesem Thema hast?

Du könntest ja zunächst mal überlegen, worauf sich diese Einstellung konkret gründet und ob diese Einstellung objektiv betrachtet richtig und zutreffend ist oder ob sie auf subjektiven Empfinden aufgrund deiner bisherigen Erfahrungen beruht.

Letztlich liegt es auch an dir und deiner Sichtweise was du aus dem Erlebten machst.

Für mich war und ist es immer ganz wichtig, nicht so zu sein oder zu werden wie meine Mutter es ist, ich glaube das ist mir bei meiner Tochter auch ganz gut gelungen.

Das setzt aber voraus ist man immer wieder einen Schritt zurück tritt und sein eigenes Verhalten beobachtet und hinterfragt.

Ich denke das könntest du ganz gut, denn du hast ja deine Situation gut analysiert und Konsequenzen gezogen.

Eine Therapie scheint dabei ja sehr hilfreich zu sein, wie man aus vielen Beiträgen hier lesen kann.
 
N

Nordlicht444

Gast
  • #40
Die Kindheit bzw. die Verletzungen,die man in der Kindheit erlebt und gesehen hat, wirken sich sehr stark auf später aus.
Wenn wir alle eine liebevollere Kindheit gehabt hätten, hätten wir jetzt liebevollere Beziehungen.
Nur: Jeder Mensch und damit auch unsere Eltern, konnten nur so handeln, wie sie es damals taten. Fast alle Menschen versuchen "richtig" nach ihrem Weltbild zu handeln.
Die Eltern hatten auch Eltern durch die ihr Verhalten beeinflusst wurde und diese Eltern (auch Umfeld/Gesellschaft) konnten sie sich nicht aussuchen. Deren Eltern wiederum hatten auch Eltern usw.

Ich habe ein Kleinkind. Mir ist bewusst, dass ich das Kind weniger liebevoll behandeln würde, wenn ich mehr Verletzungen (auch aus der Kindheit) zu verarbeiten hätte. Nicht, weil ich es nicht will, sondern weil ich es aufgrund von Depressionen etc. nicht könnte! Ich denke auch, dass ich das Kind im Umkehrschluss liebevoller behandeln würde, wenn meine Eltern liebevoller gewesen wären.

Ich bemerke auch im Alltag, dass ich mich weniger liebevoll dem Kind gegenüber verhalte, wenn ich negative Dinge (Stress auf der Arbeit, Konflikte usw.) verarbeiten muss. Von außen wirkt das Verhalten vielleicht liebevoll, aber innerlich bin ich manchmal verärgert durch Alltagssituationen, wie jeder andere auch und damit weniger offen. Je mehr Altlasten (aus eigener Kindheit) hinzukommen, desto schwieriger ist es mit dem Kind umzugehen.
Das gleiche gilt für mich für den Partner, wobei man ihm eher aus dem Weg gehen kann. Um ein Kind muss man sich auch trotz schlechter Laune kümmern und mit ihm beschäftigen.
 
  • #41
Es passiert nichts gutes, ausser man tut es.
Spätestens mit 18 Jahren hätten wir gehen können, aus allem was uns auferlegt wurde.
Doch man nimmt es überall mit ohne es teilweise zu spüren und gerade wenn Mann/Frau näher kommt, spürt man immer wieder bestimmte Ängste und Reaktionen.
Ich wurde von Vätern verlassen, dass Urvertrauen ist wohl später nicht wiederzuholen.
Noch heute ziehen mich Männer an, die ambivalent sind...mal nah und dann distanziert. Darauf wurde ich trainiert sozusagen.
Zu wissen: Jeder ist die Summe seines Lebens und das Ergebnis ist logisch, dass ist eine gute Grundlage um sich zu akzeptieren.
Und offen mal wütend sein.
Bei mir gab es einmal einen riesen Krach mit meiner Mutter und da brach aus ihr viel heraus. Früher hiess es, kleine Kinder merken nichts. Von wegen aber kinderlogik erkennt eben nicht alles.
Da erst habe ich erfahren, dass ich in Sicherheit gebracht wurde und in den 60gern hiess das zu einem neuen Mann.
Erzeuger war innerhalb von Stunden aus meiner Seele heraus.
Und meine Mutter sagte, geh und mach es besser, heute hast du als Frau die Chance.
Geh! Das war nicht böse gemeint...Zumal der 3 Vater super ist.
Es heißt: ändere dein Ergebnis der Summe.
Ich war nie abhängig von einem Mann und gehen zu können, ändert einiges zu früheren Generationen.
Es gibt immer noch Sätze da zucke ich und Bedürfnisse die nicht nur geprägt sind von : ich bin tough.
Aber die Summe ändert sich...immer etwas mehr
 
  • #42
Da wir nie erfahren werden wie es anders gewesen wäre, weiß ich es nicht. Die Belastungen, die du seit kleinauf erfahren hast, haben jedoch bestimmt nicht dazu beigetragen ein gesundes Urvertrauen entwickeln zu können. Das ist ärgerlich und tut mir leid für dich. Das soll so nicht sein, ich weiß.

Jeder hat glaube ich ein ganz eigenes Spektrum bzgl der Charaktereigenschaften, Neigungen und Fähigkeiten. Je nach Verstärkung durch Familie und Umfeld werden bestimmte Lebenwege eingeschlagen. Vielleicht ist das der Grund, warum sich Menschen unter gleichen Bedingungen unterschiedlich entwickeln können. Wie verschieden großen Fässer. Wenn jemand von Natur aus ein kleineres Fass für Gewaltpotential hat wird derjenige, wenn dies voll ist, unter Umständen leichter zum Mörder, während jemand anderes "es schlucken" kann und es irgendwie schafft das zu kompensieren. Ein anderes Fass ist vielleicht der Instinkt und Drang sich fortzupflanzen und eine Familie gründen zu wollen. Wenn das größer angelegt ist im Vergleich zu einer anderen Person, wird der Wunsch trotz massivem "Füllen" durch bspw destruktiv vorgelebter Ehe bestehen bleiben, weil es nicht überläuft.
Die Spuren / Schäden die jeder einzelne davon trägt, sind demnach wohl ganz individuell.

Jeder kann im Prinzip an den Punkt kommen, wo es einfach zu viel und das Fass somit voll ist. Als Kind, Jugendlicher und auch als Erwachsener.

Mod: Bitte halten Sie sich an die Zeichenbegrenzung. Mehrteiler werden nicht veröffentlicht.
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
  • #43
Liebe(r) Emrix,
leider gibt es eine Zeichenbegrenzung...
Ich möchte auf einige Dinge eingehen. Ich glaube dass bei Dir noch Einiges im Argen liegt. Deshalb: wie alt bist Du?

Ich finde Du brauchst zunächst einmal mehr Selbstliebe. Ich weiß, dass das nicht einfach ist. Dazu gehört sich seiner bewusst zu werden, zu wissen, dass man gut ist wie man ist. Das ist nicht einfach wenn man das Gegenteil von seinen Eltern zu hören bekommt. Ich denke auch, dass wie viele hier schreiben unser Leben als Erwachsener selbst in den Griff kriegen sollte. Aber auch hier, je nachdem wie selbstbewusst, wie stark Du bist, kann das schon mal ganz schön lange dauern. Ich denke, diese Richtung musst Du gehen. Der erste Schritt ist die Erkenntnis und dann eine Stufe nach der anderen immer weiter. Der Prozess ist zäh...und für manche eben nicht so einfach umsetzbar, nur weil man erwachsen ist.

Das Deine Mutter Dir heute noch die Schuld für vieles gibt ist aus ihrer unreflektierten Sicht o.k. Aber du ziehst Dir noch immer die Schuhe an. Das bringt nichts.

Ich habe schon überlegt mit meinen Eltern zu brechen, habe es bis heute nicht getan, sie jedoch zu im Juni 2015 gesehen. Die Telefonate mit Ihnen waren früher immer sehr anstrengend. Sie fragten nichts konkretes, machten mir Vorwürfe (egal was). Danach ging es mir jedes mal schlechter. Auch wird nichts reflektiert (sie sind geistig nicht biologisch zu alt bzw. zu stur, haben Angst etwas zu entdecken im Inneren). Mein Vater im zweiten Weltkrieg geboren, meine Mutter kurz danach (Klassiker - keine Gefühle, Aufbau etc. pp). Wie läuft es bei mir heute?

1. Ich rufe nicht mehr an.
2. Wenn Sie anrufen und eine belanglose, geschlossene Frage
stellen, dann beantworte ich diese mit Ja oder Nein
3. Wenn keine weiteren Fragen kommen, ist das Gespräch nach wenigen Sekunden beendet
4. Ich wundere mich meistens nur noch und lege auf

Mein Fazit: Minimalkontakt reicht.

Vielleicht ist es ein weg für Dich

M 47
 
  • #44
Also bei mir ist es so ähnlich wie bei @Frau43. Wir waren auch 4 Kinder, und meine Eltern haben sich auch nur gezofft und gestritten, und mein Vater ist jahrelang fremdgegangen, und meine Mutter hat sehr darunter gelitten.
Dann war ich meine ganze Kindheit und Jugend sehr krank und hatte wirklich keine schöne Kindheit.

Trotzdem bin ich 20 Jahre lang verheiratet gewesen mit drei Kindern und war sehr glücklich. Mein Exmann und ich haben uns friedlich getrennt weil wir uns auseinander gelebt haben, wir sind heute noch beste Freunde. Meine jüngste Schwester hat zwei Kinder und ist verheiratet. Mein Bruder war nie verheiratet und hat keine Kinder, und meine älteste Schwester ist schon dreimal geschieden und hat keine Kinder bzw. einmal abgetrieben.

Also alle vier Geschwister haben alle ein anderes Lebenskonzept.

Ich hätte gern auch lieber eine schönere Kindheit gehabt, bin aber trotzdem glücklich geworden in meinem Leben. Vor allem meine drei Kinder haben mir viel Glück und Freude in mein Leben gebracht.

Wenn du deine Eltern und Ahnen für dein Unglück und deine Misere verantwortlich machst, dann wirst du nie die Zügel deines Lebens selbst in die Hand nehmen.
 
  • #45
Ich war nie abhängig von einem Mann und gehen zu können, ändert einiges zu früheren Generationen.

Ja das stimmt.
Ich genieße es auch, meine eigene Wohnung zu haben und Raum für mich. In eine finanzielle Abhängigkeit werde ich mich niemals begeben, bei aller Liebe nicht.
Das ist es auch, was mir Angst macht- als Mutter in Elternzeit abhängig von jemandem zu sein... der Gedanke gruselt mich.
Ich bin ein sehr freiheitsliebender Mensch, brauche viel Zeit und Ruhe für mich, um mich zu sortieren. Zudem bin ich rastlos, brauche alle paar Jahre neuen Input, aktuell suche ich mir beispielsweise einen neuen Job. 30 Jahre nur in einem Unternehmen zu arbeiten- das könnte ich nicht.
 
  • #46
Ich bin durch meine Erziehung und meine Eltern so stark geprägt, dass mich die Geister der Kindheit trotz Reflektion, Erkenntniss, Therapie, in Momenten des verletzt Fühlends, immer wieder überrollt.
Ich habe mittlerweile für mich akzeptiert, dass mir bestimmte Verletzungen durch Andere einfach weh tun. Ich rede mir das nicht mehr schön oder suche nach Rechtfertigungen warum der Andere unachtsam mit mir umgeht, sondern schütze mich vor solchen Menschen oder kommuniziere die Verletzung.
Auch habe ich für mich erkannt, dass meine Eltern das Beste aus ihrer Sicht gegeben haben und ihrerseits auch viele Verletzungen davongetragen haben, die sie so handeln lassen.
Ich hatte mich eine Zeitlang von meinem Vater distanziert, aber damit ging es mir nicht besser. Ich bin froh Frieden mit ihm geschlossen zu haben und ihn so zu akzeptieren wie er nun ist. Das ist für die Heilung und Weiterentwicklung mE die zwingende Basis.
Die Partner in meinem Leben, hatten alle irgendwelche Anteile von meinen Eltern. Das war auch der Grund, warum sie mich magisch angezogen haben.
CGJUNG erklärt das in seinen Lehren sehr anschaulich.
Wird dieses Muster erkannt, fällt es leicht aus der Operrolle zu schlüpfen und selber die Verantwortung zu übernehmen.
 
  • #47
Mir ist das Anderssein meiner Mutter eigentlich erst so richtig bewusst geworden, als ich meine Schwiegermutter kennengelernt habe. Sie war auch fürsorglich und liebevoll, aber niemals vereinnahmend, bevormundend oder bedrängend, ganz im Gegenteil

Das ging mir mit der Mutter meines Ex ganz genauso.
In der Familie haben sich alle lieb, unterstützen sich und sind gerne zusammen. Ich habe mich dort immer wie ein Fremdkörper gefühlt und ich dachte mir "ach, so sollte es wohl sein...".
Das Problem ist auch, dass diese Familie inklusive meines Ex natürlich nicht verstehen konnte, wieso ich meine Mutter derart ablehne.
Vlt. wäre ich positiver gegenüber dem Konstrukt "Familie" eingestellt, hätte ich so eine nette Mutter gehabt. So lehne ich "Familie" ab, mich schaudert es schon bei dem Gedanken, "nicht weg zu können" und jahrzehntelang in diesen starren Strukturen ausharren zu müssen.
 
L

Lionne69

Gast
  • #48
Alle Erfahrungen prägen einen, und sicherlich die früh(st)kindlichen am meisten.

Ich möchte aber für mich nicht stehen lassen, dass damit der weitere Lebensweg determiniert ist.

Meine Eltern sind durch ihre Erfahrungen geprägt, ganz sicher, und mir gibt es zu verstehen.
Verzeihen? Nein. Vergeben, in Sinn von Zurück geben, mit mir den Frieden schließen, ja.
Meine Mutter hatte eine Psychose, mit dem Säugling war sie überfordert, ignorierte, oder reagierte körperlich, aggressiv, oder auch mal "mütterlich". Krankhaft eifersüchtig, manipulativ, leistungsbezogen. Meinen Bruder ignorierte sie völlig. Mein Vater war kriegstraumatisiert, Bombenangriff, Verlust des Vaters, sehr katholische, Gefühlslagen Mutter, körperliche Gewalt.
Bei mir wiederholte er dies, ich brauchte lange Jahre bis ich erkannte, dass er auf mich einen Hass entwickelt hatte, dass seine letzte Prügelattacke definitiv auf Vernichtung orientiert war.

Trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen wollte ich Familie, ich denke, bei meinen Söhnen habe ich es nicht so schlecht gemacht. Die Bindung ist stabil, Nähe, Umarmungen, liebevoller Umgang war mir immer wichtig und das pflegen wir. Ihnen zu vermitteln, dass ich sie liebe, ganz bedingungslos, dass ich sie anerkenne wie sie sind.

Der Rest lief nicht so gut, ich habe über eine Spirale von immer mehr Leistung (wer leistet, kam sich ja vielleicht irgendwann doch mal Liebe verdienen? ) solange weiter gemacht, bis gar nichts mehr ging.

Durch diesen Zusammenbruch kamen dann nach und nach die ganzen Verletzungen zu Tage ich habe viel und sehr intensiv Therapie benötigt. Alte Muster überprüfen, Prägungen, wer von ich überhaupt. Gelernt, mich zu lieben, mich anzunehmen.
Mit mir ins Reine zu kommen, ein gewisses Maß an inneren Frieden.
Aber es war ein äußerst steiniger Weg, mit einigen ganz tiefen Abstürzen - die Konfrontation mit den gut verdrängten Erlebnissen und Gefühlen ist nicht einfach.
Es hat sich gelohnt, heute bin ich frei.

Ich hätte es mir nur gewünscht, ich hätte früher einen Weg zu einer Therapie gefunden, zur alten Belastbarkeit werde ich nicht mehr zurück finden.

Aber, das ist das, was ich weiter geben mag, auch wenn es schwierig ist, man kann sich von diesen Prägungen lösen, man kann sein eigenes Leben gestalten.
Geholfen hat mir, außer meinem ziemlichen Sturschädel und einem eisernen Willen, eine traumazentrierte Therapie, und die eigene intensive Auseinandersetzung mit der Thematik.
 
  • #49
Ja das stimmt.
Ich genieße es auch, meine eigene Wohnung zu haben und Raum für mich. In eine finanzielle Abhängigkeit werde ich mich niemals begeben, bei aller Liebe nicht.
Das ist es auch, was mir Angst macht- als Mutter in Elternzeit abhängig von jemandem zu sein... der Gedanke gruselt mich.
Ich bin ein sehr freiheitsliebender Mensch, brauche viel Zeit und Ruhe für mich, um mich zu sortieren. Zudem bin ich rastlos, brauche alle paar Jahre neuen Input, aktuell suche ich mir beispielsweise einen neuen Job. 30 Jahre nur in einem Unternehmen zu arbeiten- das könnte ich nicht.
Nun, so ähnlich denke ich auch, aber ich finde das in der heutigen Zeit eher eine rationale Einstellung.
Bei einer Scheidungsquote von ca. 50% und der Tatsache, dass viele junge Eltern nicht klarkommen mit der neuen Belastung durch ein Kind, muss man nicht schwer traumatisiert sein, um sich das Mutter-Dasein zwei Mal zu überlegen. Gerade wenn kein passender und voll engagierter Mann da ist, finde ich das sinnvoll.
Zum Beruflichen: Man kann jemanden "rastlos" nennen, der nicht 30 Jahre im gleichen Unternehmen arbeiten will - oder neugierig, gelehrig, aktiv, kreativ.. ich selber wechsle auch alle paar Jahre den Job, mir gefällt das und ich seh' darin auch nix Verkehrtes. Mein Eindruck verstärkt sich, dass du dir hier irgendwie einreden lässt, du seist gestört, weil du nicht ganz so tickst wie dein Umfeld. Ich lese jedoch heraus, dass da eine kluge Frau ist, die mit sich allein sein kann und ein gesundes Bauchgefühl hat, was sie braucht.
 
  • #50
So lehne ich "Familie" ab, mich schaudert es schon bei dem Gedanken, "nicht weg zu können" und jahrzehntelang in diesen starren Strukturen ausharren zu müssen.

Du bist erwachsen.
Du darfst Grenzen setzen - auch in der Familie, auch gegenüber Deiner Mutter. Du darfst in der Familie sagen, dass Du das nicht willst und Deinen Willen durchsetzen.
Du darfst weggehen. Du kannst weggehen.

Du bist kein Kind mehr. Du bist nicht abhängig von Deiner Mutter. Du kannst Dein Leben selbständig ohne Deine Mutter führen. Wenn sie Dich nicht mag, weil Du Dinge tust, die sie nicht mag, ist das okay.

Letztendlich ist Familie so ähnlich wie eine Gruppe alter Freunde. Allerdings hast Du Dir die Familie nicht ausgesucht, dafür hast Du bei Deiner Familie wegen der genetischen Ähnlichkeit vielleicht größerer Chancen einen Organspender zu finden ;-)

Vielleicht ist das Thema "Grenzen setzen" in Deinem ganzen Leben wichtig.
 
  • #51
Wir haben jetzt geschrieben, wie die FS, was wir erlebt haben. Und wie wir unser Leben danach richten bzw verbessert haben.
Ich höre solche Themen übrigens selten von Männern...
Wissen wir denn zb welches unser wirklich wunder Punkt ist, der ggf schon so alt ist wie wir?
Liebe FS, in welchem Moment oder durch welchen Auslöser wird es dir klar bewusst? In welchen Situation zb bremst Du oder spürst eine innere verzweifelung?
Ich für mich kann sagen: wenn mein inneres Kind Zuneigung braucht und abgelehnt wird.
Ich steh im leben, habe Humor, lache viel und kann mich über Kleinigkeiten freuen.
Ich bin nicht wochenlang in einer Depression, wie ich es teilweise bei Männern sehe.
Aber ab und zu bin ich klein, ferrig und verzweifelt. Und wenn es nur alle paar Monate vorkommt.
Und dann wünsche ich mir einen Schoss, Arme und liebe Worte.
Das was das echte Kind auch nicht bekam...lächel und funktionier!
Wenn Mann das nicht tut, mir höchstens den Rasen mäht und schlimmsten Falls mich anguckt wie: ne das habe ich nicht bestellt! Dann fühl ich wie früher: geliebt wie ich bin werde ich nicht.
Das ist mein Moment , mein wunder Punkt...
Welchen hast Du?
 
  • #52
Die Kindheit ist nicht nur für die potenziellen Beziehungen verantwortlich, sondern für das ganze Leben. Mein Vater sagte immer zu mir, Arbeit schändet nicht, auch wenn sie schändlich ist.
Ob ich jetzt eine gute oder schlechte Kindheit hatte, weiß ich nicht, da ich ja nur die eine Seite kenne.
Ich habe niemals an Hunger gelitten und somit habe ich für mich eine sehr gute Kindheit gehabt. Meine Eltern hatten noch das Hakenkreuz in ihrer Geburtsurkunde und können dies nicht von sich sagen. Als ich eingeschult wurde, sprach ich schon fließend Englisch und Ungarisch, aber dafür war ich nie in einen Kindergarten. Rückwirkend kann ich gerne auf den Kindergarten verzichten. Ich habe vielleicht 1968 mehr in Ungarn gelernt, als mir irgendein Kindergarten mir beibringen konnte. Das ist auch so etwas, was mich sehr stark beeinflusst hat in meine Leben.

Vielleicht lag es auch an der Zeit damals. Zu meiner Schulzeit gab es nur einen oder zwei Schüler, wo die Eltern getrennt lebten und wenn man heute in die Mittelstufe danach fragt, gibt es vielleicht einen oder zwei Schüler, wo die Eltern noch zusammen sind. Andere Zeiten, andere Sitten.

Das Wort psychoanalytische Erfahrung kannte niemand von uns, da dieses Wort noch nicht existierte. Meine jetzige Lebenspartnerin arbeitet viel mit Jugendlichen und da frage ich mich auch, warum zum Glück das neuste I-Phone herhalten muss. Man hat wenig zu essen, aber dafür ein I-Phone. So gesehen hatte ich eine gute Kindheit.

Eventuell sollte man auch differenzieren in welchem Alten man selber ist. Was für jemand, der heute Ü50 ist, eine schöne Kindheit war, ist für jemand der Ü30 ist, eine schlechte Kindheit.
Meine kleine Schwester zog ich immer damit auf, welche glückliche Kindheit sie hatte. Ich hatte noch schwarz-weiß Fernsehen mit 3 Programmen und sie hatte schon Farbfernsehen.:)
Dafür hatte ich jedoch schon AFN und das brachte mir mehr wie RTL, SAT1, usw.
 
  • #53
Das Problem ist auch, dass diese Familie inklusive meines Ex natürlich nicht verstehen konnte, wieso ich meine Mutter derart ablehne.

Das kann man wohl auch nur schwer, wenn man derartige Erfahrungen nie selbst gemacht hat.

Dies inbesondere, weil Mütter mit solch narzisstischen Zügen Fremden gegenüber besonders nett tun - denn dort getrauert sie es sich nicht, sich so zu verhalten.

Das meine ich auch damit, sie zu verstehen: Sie sind nicht wirklich stark, sondern innerlich sehr schwach und unsicher. Das merkt man auch daran, dass sie nie Rückgrat zeigen, keine eigenen Entscheidungen treffen können. Aber selbst dazu können sie nicht stehen, sondern überspielen das und manipulieren, um an ihr Ziel zu kommen.

So lehne ich "Familie" ab, mich schaudert es schon bei dem Gedanken, "nicht weg zu können" und jahrzehntelang in diesen starren Strukturen ausharren zu müssen.

Was meinst du genau mit "starren Strukturen "?
 
  • #54
Vielleicht ist das Thema "Grenzen setzen" in Deinem ganzen Leben wichtig.


Allerdings.
Da ich zuwenig Selbstliebe bzw. -selbtwertgefühl habe, habe ich oft zugelassen, dass andere über meine Grenzen hinweggehen. Auch ich habe oft zuviel gegeben und tue das bis heute in Freundschaften- einfach, weil das Familienkonstrukt fehlt und man sich daher verstärkt Ersatz in Form von Bekannten oder Freunden sucht. Umso enttäuschter ist man dann, wenn zu wenig zurück kommt.

Auch da versuche ich mittlerweile, zufrieden mit mir selbst zu sein. Ich fokussiere mich auf meinen beruflichen und privaten Weg. Da bin ich mit Mitte 30 noch lange nicht am Ende angekommen. Meine aktuelle Beziehung sehe ich auch kritisch, wie ihr wisst.
Aber er ist für mich da, unterstützt mich und unterm Strich tut er mir gerade gut.
Vlt. muss ich auch davon abkommen, immer zu meckern, zu jammern und alles perfekt haben zu wollen.
Vlt. ist mein Leben nicht perfekt und wird es auch nie sein. Vlt. gibt es auch keinen "Mr. Right" für mich, sondern "Mr. Right now".
Irgendwie bin das aber auch "Ich"- chaotisch, unperfekt, einfach so, wie ich bin.
 
  • #55
Das meiste wurde schon gesagt. Das wichtigste ist: Es gibt keine perfekten Menschen. LIEBE deine Eltern und schließe sie liebevoll in dein Herz, und sei dankbar! Ein tolles Gefühl! Sie haben alles in ihrer Macht stehende getan, damit es dir gut geht. Vielen Eltern ist gar nicht bewusst, was sie "anrichten". Es war keine Absicht! Immerhin lebst du jetzt, und das hast du ihnen zu verdanken. Sie hatten auch nicht die Möglichkeit sich Hilfe im Internet zu holen. Es wurde ihnen einfach so vorgelebt.

Liebe #josie1337, wenn das so einfach wäre. Offensichtlich kennst Du so ein Horror Elternhaus nicht, oder hast eine ganz besondere Gabe. Ich wüßte nicht, wofür ich meinen Eltern auf der emotionalen Seite dankbar sein sollte seelische Folter / Gewalt? Nein ich will es nicht. Und vllt. will es die FS auch nicht. Ihr geht es doch wohl besser seit dem Bruch. Deine Aussage, dahingehend: nur weil es keine Absicht war - ist es o.k.? Und dafür das man lebt soll man dankbar sein. Ich genieße das Leben - ja. Aber die hatten damals Ihren Spaß und wollten Kinder - ich wollte sie nicht als Eltern. Und auch damals gab es Möglichkeiten. Ich finde Deine Sichtweise doch sehr vereinfachend.


Liebe FS

Mein Umfeld kann mein Verhalten, meine Abgrenzung (zum Großteil) nicht verstehen. "Es sind doch Deine Eltern". Ja sind sie - na und. Sie haben mich großgezogen mit verbaler, körperlicher Gewalt. Jahrelang hatte ich ein schlechtes Gewissen, wenn ich mich gefühlt zu wenig gemeldet habe, sie nicht besucht habe - sie wohnen mehre 100 km weg (es sind doch meine Eltern). In einer Therapiesitzung fiel der Satz: Ihre Eltern haben den gleich weiten Weg zu Ihnen. Nix neues. Aber von da an ging mir ein Licht auf. Ich finde es heute Schade, aber habe kein schlechtes Gewissen mehr. Oft heißt es, aber wenn Sie morgen sterben, was dann? Dann ist es so. Wir haben ein schlechtes Verhältnis und Punkt. Ich lebe damit ziemlich gut, habe meinen Frieden gefunden und bin mit mir zufrieden (ein langer Prozess). Heute lass ich mich nicht nimmer unterdrücken o.ä. Ich sage ganz klar, wo es lang geht. Wenn Sie mich tatsächlich mal besuchen kommen sollten, dann ausschließlich zu meinen Bedingungen (die Ihnen dann nicht passen werden - aber nur so geht es für mich). Und ich lebe gut damit.
 
  • #56
Ich hätte es mir nur gewünscht, ich hätte früher einen Weg zu einer Therapie gefunden, zur alten Belastbarkeit werde ich nicht mehr zurück finden.
...ging mir früher oft auch so..teilweise heur noch..ABER..wir gehen bestimmte Schritte,wenn wir BEREIT sind..wären wir früher bereit,hätten wir anders handeln können..ich stelle immer wieder fest,jede meine Entscheidung findet zu passender für MICH Zeit..wenn ich SO WEIT bin..du findest zu alten Belastbarkeit ncht mehr zurück...willst du das?..warum?..war das nicht ehe die Flucht nach vorne?..ich war früher auch so super taff,Macherfrau,alles selber schaffen wollen..heute will ich nicht mal Auto fahren,es nervt mich ,ich würde lieber kutschiert werden,die Fahrt geniessen..einfach frau sein..:)
 
F

Frau43

Gast
  • #57
Also bei mir ist es so ähnlich wie bei @Frau43. Wir waren auch 4 Kinder, und meine Eltern haben sich auch nur gezofft und gestritten, und mein Vater ist jahrelang fremdgegangen, und meine Mutter hat sehr darunter gelitten.
Dann war ich meine ganze Kindheit und Jugend sehr krank und hatte wirklich keine schöne Kindheit.

Hallo Süsse

Oh, das war bei uns nicht der Fall, Untreue gab es nicht, wir waren nicht verwöhnt aber schlimm empfand und empfinde ich meine Kindheit nicht. Das Liebevolle hat sicher gefehlt aber der Umgang war meistens in einem anständigen Ton.
Also eher neutral, meine Geschwister allerdings überschütten ihre Kinder mit Liebe und das finde ich manchmal auch zu viel - manchmal wäre die Mitte besser....
 
  • #58
Liebe Threadstellerin,

herzlichen Dank, dass Du diese Frage gestellt hast, denn ich wollte das Forum auch längst danach fragen.
Ich bin aufgrund meiner Situation fest davon überzeugt, dass die Kindheit gravierende Folgen auf die Beziehungsfähigkeit hat. Ich habe mich hier ja schon oft ausgeheult, da ich ein hoffnungsloser Dauersingle bin. Ich stamme aus einer zerrütteten Familie, in der es keine Liebe, keine Geborgenheit oder auch nur annähernd irgendwelche Berührungen gab. Schon seit meiner Kindheit fühle ich eine tiefe Verlassenheit in mir. Sie ist leider geblieben. Meine innige Hoffnung auf eine Partnerschaft hat sich auch nicht erfüllt. Auch meine beiden Schwestern hatten mit ihren Beziehungen kein Glück und sind Single. Zufall? Wohl kaum. Momentan bin ich wieder tief traurig darüber und weiß nicht wie ich jemals mit dieser "Bürde" klar kommen soll. Ich hatte den Kontakt zu meiner Mutter auch abgebrochen und wollte es dabei belassen. Nun habe ich vor 2 Tagen die Nachricht erhalten, dass es mit ihr zu Ende geht. Und ich dachte, dass mich das nicht treffen würde. Nun bin ich aber doch unendlich traurig, u. a. auch deshalb, weil ich mich mit der Vergangenheit nun nich mehr aussöhnen kann. Und alleine werde ich immer bleiben und diese schmerzhafte innere Einsamkeit wird mich ein Leben lang begleiten. Diesen Gedanken finde ich unerträglich.
 
  • #59
Liebe FS

ich wollte noch was ergänzen ...

Mein Umfeld kann mein Verhalten, meine Abgrenzung (zum Großteil) nicht verstehen. "Es sind doch Deine Eltern". Ja sind sie - na und. Sie haben mich großgezogen mit verbaler, körperlicher Gewalt. Jahrelang hatte ich ein schlechtes Gewissen, wenn ich mich gefühlt zu wenig gemeldet habe, sie nicht besucht habe - sie wohnen mehre 100 km weg (es sind doch meine Eltern). In einer Therapiesitzung fiel der Satz: Ihre Eltern haben den gleich weiten Weg zu Ihnen. Nix neues. Aber von da an ging mir ein Licht auf. Ich finde es heute Schade, aber habe kein schlechtes Gewissen mehr. Oft heißt es, aber wenn Sie morgen sterben, was dann? Dann ist es so. Wir haben ein schlechtes Verhältnis und Punkt. Ich lebe damit ziemlich gut, habe meinen Frieden gefunden und bin mit mir zufrieden (ein langer Prozess). Heute lass ich mich nicht nimmer unterdrücken o.ä. Ich sage ganz klar, wo es lang geht. Wenn Sie mich tatsächlich mal besuchen kommen sollten, dann ausschließlich zu meinen Bedingungen (die Ihnen dann nicht passen werden - aber nur so geht es für mich). Und ich lebe gut damit.

M 47
 
L

Lionne69

Gast
  • #60
...ich bin einfach frau, viel mehr als früher, ohne mich in Frage zu stellen. Ich bin sehr gerne Frau, und lebe dies.

Das drückt sich für mich nicht darin aus, dass ich bedient werde - Unabhängigkeit ist mir noch viel mehr als früher wichtig.
Ich freue mich, wenn mich jemand bei etwas unterstützt, kann inzwischen abgeben.
Aber ich bin unendlich dankbar, wenn ich niemanden brauche, ich meine Sachen wirklich alle erledigt bekomme, die ich möchte, die mir wichtig sind. Das ist für mich nicht mehr selbstverständlich.
Ich konnte 3 Jahre einfach nicht mehr auf einen Gipfel, nicht von der Kondition her, sondern rein mental - die Beine trugen nicht.
Jedes Mal, wenn ich heute wieder oben stehe, kommen mir fast die Tränen vor Glück.

Nein, die 200% von früher müssten nicht mehr sein, aber -
ich muss sehr achtsam mit meinen Ressourcen umgehen, und wenn ich doch mal wieder überspannt habe (brauche ich auch mal ab und zu :)), für adäquate Erholung sorgen.
Ich wäre dankbar, ich könnte zumindest 50% arbeiten.
Ich kann sehr vieles, sehr vielseitig, aber sobald es ein Muss ist, sobald längere Konzentration benötigt wird, geht es nicht dauerhaft. Das musste ich dieses letzte Jahr nochmal lernen. Ich habe mein Ziel hinbekommen - dafür bin ich sehr dankbar, nur meine Grenzen habe ich mehr als deutlich überschritten. Eine Wiederholung darf ich mir in dieser Form nicht erlauben.
Ich möchte nie wieder vor einem Rechner sitzen und nicht erkennen, was auf dem Bildschirm steht, oder 3h zu benötigen um ein Formular auszufüllen, weil ich den Inhalt zwar lesen kann, aber nicht begreife. Panikattacken in S-Bahnen, beim Einkaufen, in einem Stau.
Es ist ein Verlust, der unwiderbringlich ist, ich habe mir meine Lebensqualitäten geschaffen, ganz sicher - trotzdem bohrt es ab und zu.
Und stellt Euch vor, Ihr datet jemanden, der sagt, er / sie kann nur noch begrenzt arbeiten? Finanziell bin ich glücklicherweise abgesichert, trotzdem.

Vieles kann man mit Therapie korrigieren, manches hinterlässt Spuren, manches lässt Narben.
@pixi67 hat etwas beschrieben, was ich gut kenne - und wie ich ihren Beitrag gelesen habe, ist mir auf einmal bewusst geworden - es ist nicht nur diese Sehnsucht der Kleinen.
Bei mir ist dahinter das Gefühl einer Ureinsamkeit, da ist einfach niemand, oder wenn da jemand ist, ist es unberechenbar, was kommt.
Und meine Erkenntnis -
ein Stück weit mag ich mich heute nicht mehr einlassen - ich habe Angst davor, wieder wie oft genug, in einer Beziehung Einsamkeit zu erleben, das schmerzt mehr, als als Single.
Nur wieviel von diesem Gefühl ist der alte Anteil, der angetriggert wird?
Das wird meine nächste Aufgabe - ich mag mich nämlich durchaus einlassen, und eine postitive Partnerschaft führen.

Danke @pixi67, und danke @Emrix für den thread.
 
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