• #61
Hallo Emrix,
dein Partner unterstützt dich, ist für dich da und tut dir GERADE gut.
Was passiert wenn er nicht mehr funktioniert?
Es gibt keinen Mr Right für dich aber einen Mr Right now.
Merkst du was?
 
  • #62
Natürlich ist die eigene Kindheit ausschlaggebend dafür. Kinder machen die Eltern bekanntlich nach ich habe zb. Biologisch nichts gemeinsam mit Vater oder Mutter trotzdem bin ich unter streitenden Eltern aufgewachsen. Aber auch liebende Großeltern und Onkel. Die mich als ihres angenommen haben.
Auch ich genoss Gewalt in der Kindheit und viele sehr viele elterliche Debatten über Finanzen.
Nun bin ich selber Mutter seit 6Jahren und Meister das alleine ohne die Familie. Ich versuche mir parallele abzugewöhnen die Wut meines Vaters und das immer zu genörgel (unzufrieden ) meiner Mutter und sage mir immer und immer wieder "niemand hat gesagt das es einfach wird" (Kindesbezug) und "ich werde es anders machen bei meinen Kindern" .
Es ist ein stetiger Kampf für sich und andere, man lernt früh mit schwächen umzugehen oder nicht. Man hat nie Kämpfen müssen also verkraftet man Stress weniger gut und bekam alles wohlbehütet. Bekam man weniger Taschengeld denke ich weiß man wie man früh mit Geld umgeht. Sieht man nur Eltern die viel investiert haben und am Ende vor einer Ruine stehen, weil sie alles zum Fenster raus warfen oder man sieht wie etwas von klein auf Stück für Stück fertig gemacht wird. Auch das nimmt später Einfluss, aber es heißt ja nicht umsonst JEDER ist SEINES Glücks Schmied!!

Mfg
 
  • #63
Schon seit meiner Kindheit fühle ich eine tiefe Verlassenheit in mir. Sie ist leider geblieben. ... Und alleine werde ich immer bleiben und diese schmerzhafte innere Einsamkeit wird mich ein Leben lang begleiten. Diesen Gedanken finde ich unerträglich.


Dieses Gefühl kenne ich genau und das haben hier ja auch einige andere User sehr gut beschrieben.
Man fühlt sich einfach einsam, selbst wenn da jemand ist.

Ich habe auch die Tendenz, jemanden von mir wegzustoßen.
Vlt. um zu schauen, ob er wieder kommt? Oder kann ich Nähe gar nicht aushalten, weil ich den Verlust nicht ertragen würde? Ist es reiner Selbstschutz?

Erst gestern schickte ich meinen Partner weg. Ich wolllte alleine schlafen, ihn nicht mehr sehen, wollte meine Ruhe. Es war zuviel. Alleine einschlafen- das war mein Wunsch. Er ging in seine Wohnung. Kam aber um vier Uhr morgens wieder, kuschelte sich an mich und meinte, er hätte keine Lust auf eine Diskussion, wieso er hier sei. Er wollte nur kuscheln. Das tat irgendwie gut.
Ich bin manchmal richtig doof zu ihm, er ist aber noch da.
 
  • #64
Liebe FS,

wenn ich an meine Kindheit denke und ihr nachfühle, dann merke ich, dass ich nicht das bekommen habe was ich gebraucht hätte. Bewusst vermeide ich dabei mir nicht hilfreiche Schuldzuweisungen. Ich habe mich mit Mangelerreichnung(en) in mein Leben entschlichen und dies/e begleitet/n mich bis heute. Ja, ich halte frühkindliche Einflüsse für sehr stark lebensprägend, aber nicht zwingend für dies bestimmend, da nicht für unabänderbar, aber dies wiederum für sehr schwer. Einige Meinungen hier halte ich für fahrlässig falsch und verletztend, Ursache und Wirkung verdrehend, aber Menschen und Dinge, die ich mir mittlerweile sehr gut von Seele und Leib halten kann.

Meine Mutter hatte eine missbrauchte Kindheit und nie geschafft sich mit dieser auseinanderzusetzen. Sie ist ihr ganzes Leben bemüht dies mit Ersatzhandlungen zu übertünchen und versucht mit Hilfe von (über)menschlicher Nähe zu kompensieren. Den Schaden, den sie damit anrichtet, ist ihr bis heute nicht bewusst, sonst müsste sie sich ja schmerzhaft mit sich selbst beschäftigen.

Ich habe das 43 Jahre mal mehr oder mal weniger gut mitgemacht und vor 5 Jahren das Angebot ihrerseits den Kontakt abzubrechen, für unbestimmte Zeit angenommen bis dieser mir (vielleicht) wieder möglich ist. Damit geht es mir besser, aber auch da lasse ich mir immer noch von naseweisen Menschen reinreden, was gut oder schlecht (für mich) sei.

Meine für mich leidvoll empfundenen Erfahrungen und Muster haben nicht dazu geführt einen sehr lieben Menschen für mich zu finden, leider auch wieder zu verlieren, und 2 wunderbare Kinder zu haben. Jedoch ist Heiraten ein Tabu für mich, obwohl ich es mal probiert und mir nicht nur die Finger verbrannt habe.

Ich bin froh gerade oder trotzdem ein sehr feinfühliger Mensch geworden und meinen Weg gegangen zu sein, auch wenn das oft heißt anders zu sein und sich zu fühlen. Zumindest kann ich mittlerweile so sehr gut wahrnehmen wer oder was mir gut tut und danach wunderbar selektieren und handeln. Ich kämpfe mit den Geistern, die ich nie rief, nicht immer aber zunehmend erfolgreich.

Finde Deinen Weg und wertvolle Menschen für Dich!

PS: @Lionne69 make my life, jedenfalls in diesem Thread
 
L

Lionne69

Gast
  • #65
Ich habe auch die Tendenz, jemanden von mir wegzustoßen.
Vlt. um zu schauen, ob er wieder kommt? Oder kann ich Nähe gar nicht aushalten, weil ich den Verlust nicht ertragen würde? Ist es reiner Selbstschutz?

Das kenne ich leider von mir auch - und versuche aktiv dagegen zu steuern.

Ich bleibe beim Bild mit dem Kindanteil, weil es aus diesen Urerfahrungen kommt
1) Verlustangst - Spielchen spielen.
Das Kind braucht den Test, es ist die Verlustangst da, und es testet, was passiert, wenn es sich dem anderen gegenüber abweisend, provozierend, etc. verhalte.
Die Hoffnung, der Andere bleibt - schau,derjenige liebt mich. ( Bis zum nächsten Zweifel)
Oder irgendwann das sichere Ergebnis - der Andere geht. Erfahrung bestätigt.

2) Verlustangst wird getriggert, schnell zumachen - da steht der grundlegende Glaubenssatz, es bleibt sowieso niemand, man wird sowieso nicht gemocht, ist es nicht wert, Liebe schon gar nicht

Beide Varianten im Wechsel, je nachdem.

Für mich habe ich diese Muster zumindest durchschaut, wenn ich da hinein rutsche, kommt mein großes inneres STOPP!
Und dazu hat die Auseinandersetzung mit Selbstliebe, die eigene Akzeptanz sehr geholfen und noch einiges andere.

Menschen gehen, das ist einfach Realität. Ich versuche, dies einfach zu akzeptieren, als Teil des eigenen Weges zu sehen, bei dem man für verschiedene Passagen Wegbegleiter findet - und ich versuche, diese gemeinsamen Abschnitte zu genießen und mit zu gestalten.
Genauso wie ich mir heute erlaube, ggf. genauso zu gehen. (ein Teil von Freiheit, mir sehr wichtig)

Das Resümee bei diesen Gedanken.
Ich bin, wie ich bin, mit allen meinen Facetten, und genau so richtig. So möchte ich zumindest respektiert werden, ggf. wertgeschätzt, ggf. geliebt. All dies kann ich zwar nicht erwarten, aber ich habe es verdient.
Umgang / Kontakte pflege ich nur, wenn obiges je nach Beziehung gegeben ist; beidseitig.
Das als 1. Gedanke, und als wichtiges Komplementärelement.
Das steht allen anderen genauso zu.
Auch das macht mich freier und gelassener.

Um den Trost, die Versorgung meines "Kindes" kümmere ich mich selbst, mit ganz viel Fürsorge, Liebe, Verständnis - auch da gibt es einiges an hilfreichen Techniken.

Danke @QFrederick, das ist ein großes Kompliment.
 
  • #66
Der Gedanke, daß ich jemand ein Stück begleite auf seinem Weg des Lebens finde ich richtig und auch schön. Nimmt den Druck, es unbedingt perfekt machen zu müssen für die Ewigkeit (leider ist uns allen dieses Cliche mal eingeimpft worden durch die Medien/Romane etc. und hindert die Realität zu geniessen und gesund mit Abbrüchen umzugehen).

Was mich stört ist, daß so wenige Menschen reflektieren wie hier im Forum. Da wird einfach wahllos jemand für den Sex gesucht und dann wird gedankenlos eine Beziehung angefangen oder eine Affäre um die eigenen Bedürfnisse zu befriedigen. Wenn diese gesättigt sind, dann wird umgesattelt aufs nächste Pferd sozusagen. Da würde ich mir ausgenutzt vorkommen trotz aller noblen Philosophien.

Ich denke der Selbstschutz ist ein sehr kluger Mechanismus. Vielleicht leben viele Menschen besser und gesünder damit, statt sich emotional aufzureiben für Menschen, die es ohnehin nicht wert sind?
 
  • #67
Hallo Emrix, ja, grundsätzlich kann man erlernte Muster noch verändern. Jedoch wird das nicht ohne einen guten Therapeuten gelingen. Das Problem ist, dass deine komplette Wahrnehmung durch deine Prägung festgelegt ist. Ein simples Beispiel dazu: Jemand kommt in ein Büro, in welchem sich 5 Personen aufhalten, und sagt: "Ganz schön kalt hier." Eine Person wird evtl. aufspringen und die Aussage als Aufforderung verstehen das Fenster zu schließen (vorauseilender Gehorsam). Eine andere Person wird freundlich lachen und so etwas sagen wie: "Dann musst du dich demnächst wärmer anziehen, wenn du uns besuchen kommst.", (gesund und ganz bei sich). Der nächste wird sich angegriffen fühlen und etwas sagen wie: "Wenn dir das nicht passt, bleib draußen." Jeder reagiert hier getreu seiner Wahrnehmung, interpretiert etwas da rein (weil er glaubt zu WISSEN, wie der andere das gemeint hat - Prägung Kindheit) oder eben nicht. Der entscheidende Punkt ist, dass man selber mit seiner eigenen Reaktion so unzufrieden sein muss, (weil man merkt, dass man aneckt oder man sich ausgenutzt fühlt oder oder oder) dass man einen gewissen Leidensdruck verspürt. Der gute Therapeut, der dann sicherlich leicht erkennt, was da in der Kindheit nicht optimal gelaufen ist, kann dann Wege aufzeigen, wie man seine Wahrnehmung und damit auch die eigene Reaktion entsprechend verändern kann.
Von "Schuld" würde ich nicht reden. Natürlich sind deine Eltern verantwortlich für deine Prägung. Aus ihren Aktionen und Reaktionen hast du gelernt wie die Menschen funktionieren. Jedoch sind auch sie wieder geprägt durch ihre Erziehung und waren sich sicherlich nicht bewusst, welchen "Schaden" sie damit anrichten.
Es gibt sehr gute Bücher zu dem Thema, z. B. von Alice Miller "Du sollst nicht merken" oder "Die Revolte des Körpers"
 
  • #68
die Beziehung zwischen Jungen und Müttern und Tochter-Vater wird heute immer noch extrem stark unterschätzt, eine ehem gute Freundin von mir hatte einen gewalttätigen Vater gehabt, und viel Mißbrauch und Gewalt erlitten, sie hat bis Heute (sie ist 33) Schwierigkeiten eine Bindung aufzubauen immer wieder kommen Ängste hoch und die Beziehungsangst verhindert derzeit dass sie eine richtige Partnerschaft aufbauen kann, daher hat sie sich jetzt nach einem Platz für eine Trauma-Therapie erkundigt, erstmal müsste sie den Therapie Platz bekommen, dann kann die Therapie kann Jahre dauern.

Erst wenn sie die Beziehungsangst überwunden hat, kann sie dann sozusagen auf Partnersuche gehen, und selbst dann gibt es gar keine Garantie dass es für ewig hält. (Heute in der Cyber Kultur haben viele Beziehungen eine recht kurze Halbwertszeit). Ich vermute das kommt daher weil Menschen ihre Meinungen, Gefühle schnell ändern. Nichts scheint - außer der Familie - Heute noch Beständigkeit zu haben.
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
  • #70
Hmmmm - ja, bei so manchen "Familien" kann ich mir schon vorstellen, dass diese schädlichen Einfluss hatten.
Was ich allerdings gelernt habe - die Suche nach dem Schuldigen verhindert die Bewältigung der eigentlichen Aufgabe. Kostet Zeit und Kraft und Nerven - bringt aber nichts. Die Zeit zurückdrehen kann niemand. Und Fakten kann man schönen, aber niemals verändern. Die Statistik kann ich in meinem Sinne fälschen - die Situation wird dadurch weder besser noch schlechter.
Vielleicht bin ich auch deshalb ein "gottloser" Mensch, weil ich keinen Schuldigen brauche. Der bin ich nämlich selber - bei allem, was mir daneben geht.
Ob ich das nicht gelernt hätte, wenn ich einen weniger starken Vater gehabt hätte? Mag sein. Hätte ich weniger Risiken gesucht, wenn ich den Rückhalt durch das Elternhaus nicht gehabt hätte? Könnte sein.

Mir hat meine Mutter nach einem Rückschlag einmal einen Spruch aufgeschrieben und aufs Bett gelegt (ich war 16, wohnte noch zu Hause)
"Jeder hat heute die Chance, daran zu arbeiten, damit er morgen der ist, der er schon gestern hätte sein sollen"
Diesen Zettel habe ich heute noch - vergilbt, verblichen - aber immer noch wichtig.
 
  • #71
Was ich allerdings gelernt habe - die Suche nach dem Schuldigen verhindert die Bewältigung der eigentlichen Aufgabe
Ich beglückwünsche Dich zu deiner sehr guten Kindheit. Wer doch schon als Kleinkind konstant emotionalen Demütigungen und Quälereien ausgesetzt war wird das wohl anders sehen. Dir hat man wahrscheinlich niemals gesagt dass du es nicht wert bist geliebt zu werden und dich hat man auch niemals als "das da" betitelt. Du dürftest wahrscheinlich auch auf dem Bürgersteig gehen weil du ja ein wertvoller Mensch warst. Das war bei uns anders, wir durften das nicht weil alle anderen Leute wertvoller waren als wir. Deine Mutter hat dich war scheinlich auch niemals auf dein Zimmer gezogen weil dein Vater dich gerade mal nicht sehen konnte und er kotzen muss wenn er dich sieht. Du hast wahrscheinlich auch nie erlebt wie dein Vater nur darauf wartet dass deine Mutter nicht zu Hause ist damit er dich emotional noch mal so richtig fertig machen konnte. Auch hast du es niemals erlebt dass sein Vater mit Vollgas über die Autobahnrast dann Vollbremsungen macht wenn keiner hinter ihm war damit das Kind mit dem Kopf aufs Armaturenbrett knallt. Das sind nur kleine Beispiele von geringeren Quälereien. So passierte in den Siebzigern und Achtzigern. Damals gab es noch kein Jugendamt das mal vorbei geschaut hätte. Also, wer sowas nie erlebt hat der kann auch nicht mitreden. Da wo ich aufgewachsen bin war das an der Tagesordnung. Es gab noch viel krassere Beispiele in meiner Umgebung ich glaube ich bin noch ganz gut weggekommen.
 
  • #72
@Tom26 wunderbar geschrieben.
Ich bin überzeugt, dass nur die Eigenverantwortung für unser Leben, die Möglichkeit birgt, eine Veränderung zu bewirken.
 
  • #73
die Suche nach dem Schuldigen verhindert die Bewältigung der eigentlichen Aufgabe.

Es geht nicht darum einen Schuldigen zu suchen, jemanden den man für das vergangene UND ZUKÜNFTIGE verantwortlich macht. Es geht darum die URSACHE für die entstandenen Empfindlichkeiten, Bedürftigkeiten, unerklärlichen Reaktionen und Störgefühle zu erkennen. Und da sind nun mal die Eltern bzw. die ersten Bezugspersonen die prägenden.


Es gibt kein größeres Hindernis bei der Aufarbeitung iwelcher Störungen als das Gefühl Vater und Mutter "schützen", sie aus der Verantwortung nehmen zu müssen. Das Problem daran ist, dass das nur funktioniert, wenn man die eigene Perspektive, das eigene Erleben und damit die eigenen Gefühle, die man früher in einer Situation erlebt/gefühlt hat KOMPLETT verdrängt. Und erstaunlicher Weise "hilft" einem dabei fast jeder.


Wir wissen heute alle, dass alles im Leben mindestens 2 Seiten hat. Erzählt aber jemand, dass sein Vater, wenn er abends übellaunig von der Arbeit kam, die Mutter, die Kinder oder überhaupt jeden der iwie im Weg rumstand, angeschnauzt, beleidigt und fies behandelt hat, bekommt man sofort zig Erklärungen, warum der Vater sich so verhalten hat. Meist sogar verständnisvoll wird dieses Verhalten erklärt. Und damit ist für die meisten alles gesagt. Wo bleibt aber die 2te Seite? Nämlich die, dass der zu Unrecht angeschnauzte sich schlecht gefühlt hat, sich geschämt hat, sich gedemütigt fühlte, Schuldgefühle hatte, weil er massiv das Gefühl vermittelt bekam etwas falsch gemacht zu haben. Wenn das eine ganze Kindheit/Jugend über passiert, dann macht das etwas mit einem Menschen!


Normalerweise fühlen alle mit den "armen" Eltern. Jeder hat Verständnis warum sie mal gereizt, ungerecht, schreiend, liebesentziehend, schlagend, etc. sind. Ist ja auch okay. Die Gründe verstehen auch die Kinder, wenn man es ihnen erklärt. Aber noch einmal: Wo bleibt die 2te Seite? Wer ist "Anwalt" der Kinder? Wer erklärt wie sie sich fühlen? Wer sagt ihnen, dass die in ihnen entstehenden Gefühle AUCH berechtigt sind? Wer sagt ihnen, dass NICHT SIE für die negativen Gefühle und Ausbrüche der Erwachsenen verantwortlich sind? Niemand. Die Kleinsten haben oft niemanden, dem sie erklären können, wie sie sich danach fühlen. Niemand, der mal nachfragt: "Was macht das mit dir?", "Wie fühlst du dich dabei?".


Und das finden Erwachsene normal und gerecht? Niemals! Schämen würden sie sich, würden sie auf ihr respektloses, aggressives, ungerechtes, cholerisches, liebloses, etc. Verhalten von einem Erwachsenen angesprochen. Bedauerlicherweise folgen aber Erwachsene einem ungeschriebenen Kodex: Es gibt keine 2te Seite! Die Kinder bleiben allein mit ihren Gefühlen, kollektiv wird geleugnet, dass Eltern etwas mit den psychischen Problemen der Kinder zu tun haben könnten, schließlich haben sie ja alles nur gut gemeint und ein Klaps schadet nicht.
 
  • #74
die Suche nach dem Schuldigen verhindert die Bewältigung der eigentlichen Aufgabe

...
Man braucht die Eltern nicht als Schuldige. Man muss aber in Kauf nehmen können, dass sie evtl. mit dazu beigetragen haben, dass man einen Teil seiner selbst, seiner Gefühle, verdrängt oder abgeschnitten hat. Stellt man den Schutz seiner Eltern, das Verständnis für ihr Verhalten, über die Wahrnehmung der eigenen (verdrängten) Gefühle (die 2te Seite), wird man sich in manchen eigenen Handlungen nie verstehen.


Ich weiß nicht inwieweit das 4. Gebot ("Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf dass du lange lebest in dem Lande, das dir der Herr, dein Gott, geben wird.") an dieser Stelle Einfluss nimmt. ich weiß aber, dass ich mich als Kind undankbar und schlecht gefühlt habe, wenn ich mal über meinen Vater schlecht gesprochen habe. Wobei es dabei lediglich um das Benennen seines Verhaltens ging. Alle Erwachsenen waren sich einig, dass ich eine schlechte Tochter war, wenn ich gesagt habe, dass Papa meine Schwester zu Unrecht angeschrien oder gehauen. Das wollte KEINER hören. Natürlich habe ich auch irgendwann aufgehört schlecht über meinen Vater zu reden, genauer gesagt, ich habe aufgehört zu sagen, was er schlechtes tut.


Es gab einen Pädagogen (Janusz Korczak) der bereits 1928 die für uns heute noch ungewöhnlichen Sätze schrieb (wir und uns = Erwachsene):

"Kindern ist es verboten zu kritisieren, sie dürfen unsere Fehler, Leidenschaften und Lächerlichkeiten nicht bemerken. Wir treten im Gewand der Vollkommenheit auf. Unter Androhung unseres höchsten Zornes verteidigen wir die Geheimnisse des herrschenden Clans, der Kaste der Eingeweihten, die zu höheren Aufgaben berufen sind. Nur ein Kind darf man ungeniert nackt und bloß an den Pranger stellen.
Unser Spiel mit den Kindern ist ein Spiel mit gefälschten Karten; die Schwächen des Kindesalters stechen wir mit den Assen der Erwachsenen. Falschspieler, die wir sind, mischen wir die Karten so, daß alles, was gut und wertvoll ist, gegen ihre schwächsten Stellen steht. Wo bleiben denn unsere Nichtstuer und Leichtfüße, die genußsüchtigen Feinschmecker, die Dummköpfe, die Faulpelze, die Schurken, die Abenteurer, die Gewissenlosen, die Betrüger, die Säufer und Diebe, wo bleiben unsere Gewalttätigkeiten und Verbrechen, die öffentlich bekannten und die, die nie aufgedeckt werden; wieviel Zänkereien, Hinterhältigkeiten, Eifersuchtsszenen, üble Nachrede und Erpressungen gibt es bei uns, Worte, die verwunden, Taten, die entehren; wieviele Familientragödien, deren Leidtragende und Opfer die Kinder sind, spielen sich im Verborgenen ab? Und wir wagen es, zu beschuldigen und anzuklagen?!"
 
  • #75
Nein, mir geht es nicht darum, Eltern per se in den Himmel zu heben.
Allerdings bin ich ein grosser Freund davon, "die Kirche im Dorf zu lassen". Richtig ist, dass Menschen Fehler machen, mal gereizt sind und auch einfach selbst mal am Ende ihrer Kraft sind. Eltern sind auch Menschen - und haben auch das Recht auf Fehler.
Ja, hier werden teilweise Extrembeispiele geschildert - aber, so meine Erfahrung: Viele Eltern machen mal was falsch. Eigentlich sogar alle. Aber fast alle machen das weder absichtlich oder gar in böser Absicht.
Ja, ich verstehe, dass das Kind, das bewusst gequält wurde, einen Schaden erlitten hat. Und ich verstehe auch, dass manche Bösartigkeit das Leben wirklich zerstören kann. Aber das sind zum Glück extreme Beispiele. Wer allerdings Alles übertreibt, tut den Familien nichts Gutes. Wir haben bspw. früher am Sonntagmorgen Kissenschlacht im Bett der Eltern gemacht - heute schreit da doch sofort eine Soz Päd / Verzieherin / Leerkörper "sexueller Missbrauch" . Man kann alle Menschen schlechtreden - am besten geht das mit denen, von denen man am meisten weiss. Und wenn Vater mal Bauchweh und Durchfall hatte, deshalb das Kind fernbleiben sollte (damit es sich nicht ansteckt) kann man konstruieren, dass der Vater sein Kind scheisse findet. Wobei ich nicht die Foristin angreifen will, die Ähnliches geschildert hat. Aber so wie ich das beschreibe, agieren viele "Pädagogen". Oder auch einige Therapeuten, denn sie verdienen dran. Und das nicht schlecht. Manchmal findet man das schlecht, was man jahrelang toll oder normal gefunden hat. Weil Anreize von aussen kommen. Man nennt das Marketing, Werbung etc. Und genau das betreibt die "Sozialbranche" auch.
 
  • #76
Mein Vater wurde daraufhin schwer depressiv und ging fremd.

Nette Ausrede : "Ich war depressiv wegen den Streitereien mit meiner Frau,also bin ich fremdgegangen"

Erinnert mich an meinem Vater. Er ertrinkt auch in Selbstmitleid.
Schon als ich ein kleines Kind war,zeigte er den Finger auf mich und meinte : "Du bist Schuld!" Er provozierte mich vor laufender Videokamera und filmte,wie ich geheult habe. Es ist auch nicht auszuschliessen,dass er mich missbraucht hat,wo meine Mutter mit meinem 4 Jahre jüngeren Bruder im Krankenhaus lag. Seit der Grundschule leide ich an Depressionen,hatte mich komplett zurückgezogen. Meine Eltern stritten auch tagtäglich. Einmal fragte ich meiner Mutter,was los sei. (weil sie weinte). Sie meinte : "Papa ist so gemein zu mir." So ging das über Jahre.
Heute ist meine Mutter gefügig geworden. Sie hat sich mit ihrem Schicksal abgefunden. Mein Vater und mein Bruder behandeln sie wie ein Dienstmädchen. Wie vor der Feminismus-Welle. Die Frau hat nichts zu sagen. Meine Mutter möchte wohl irgendwie dazugehören und Anerkennung bekommen. Anders kann ich es mir nicht erklären,wie sie sich beleidigen und rumkommandieren lässt. Meine Mutter ist psychisch abhängig von den beiden. Sie will heile Welt spielen. Mein Vater ist mit meiner Mutter nur zusammengekommen,weil er seine Traumfrau nicht bekommen hat. Die waren nicht lang zusammen,da sah mein Vater seine Traumfrau mit einem anderen Mann. Er meinte zu meiner Mutter "Sie liebt ihn doch gar nicht" Meine Mutter zu ihm : "Aber sie liebt dich?" Mein Vater : "Nein,mich liebt sie auch nicht". Ein paar Monate später wurde sie ungeplant schwanger mit mir. Ich würde sehr gerne an das Gute im Mann glauben,aber mein letzter Exfreund hat mich belogen wegen Kiffen und mit seinen Freunden hinter meinem Rücken über mich hergezogen. (sozusagen "Bruder vor Luder") Und mit meinem jetzigen Freund hab ich Probleme,weil ich mich da auch irgendwie ausgeschlossen fühle.
 
  • #77
Es ist eine Tatsache, dass viele Kinder physisch und psychisch misshandelt werden. Und ebenso ist es eine Tatsache, dass trotz der ganzen Aufklärung, viele Menschen, egal ob Verwandte, Nachbarn, manchmal sogar Pädagogen wegschauen, nicht handeln, oder Aussagen von Kindern bagatellisieren.
Kinder werden von vielen Erwachsenen nicht mit dem gleichen Respekt und Wertschätzung behandelt. Nie würden sich manche Menschen trauen, ebenso mit einem Erwachsenen umzugehen.
Und das Tragische daran ist, dass das meistens Menschen sind, die das ebenso in ihrer Kindheit erfahren haben.
Sie fühlen sich zwar selber als Opfer, machen Therapien usw, aber sie geben die Schuld ab. Also findet alles eine Wiederholung und wieder und wieder....Erst in dem Moment, wenn Betroffene anfangen, ohne Schuldzuweisung an sich selber zu arbeiten und ihr eigenes Handeln auch auf den Prüfstand stellen, ist eine Entwicklung möglich.
Und wie schon erwähnt, die Taten der Eltern sind und bleiben nicht entschuldbar.
Aber es geht darum, diesen destruktiven Prozess zu unterbrechen.
 
  • #78
Stellt man den Schutz seiner Eltern, das Verständnis für ihr Verhalten, über die Wahrnehmung der eigenen (verdrängten) Gefühle (die 2te Seite), wird man sich in manchen eigenen Handlungen nie verstehen.

Ganz, ganz toller Satz. Hab ich mir direkt mal abgespeichert. Der trifft es nämlich auf den Punkt bei mir.
In meinen Zwanzigern habe ich sehr lange versucht, Verständnis zu haben. Ich besuchte meine Mutter, lebte auch damit, dass ich an Weihnachten auf einer Matratze auf dem Boden schlafen musste, während meine Schwester immer das Gästezimmer bekam... aber Anfang 30 realisierte ich, was ich da durchmache. Und dass es mich kaputt macht. In meinen Zwanzigern habe ich mich von Männern fern gehalten, wollte keinen Freund haben. Außer ein paar Monate war ich Dauersingle!
Erst mit meiner Abnabelung von meiner Mutter klappte es mit längeren Beziehungen. Die letzte hielt immerhin zwei Jahre und da sehe ich schon ganz klar einen Bezug zu meinem Kontaktabbruch!
Erst, als ich mit mir ins "Reine gekommen" bin, für mich und meine Bedürfnisse eingestanden bin und meine Gefühle ernst genommen und nach ihnen gehandelt habe- ja, erst dann fand ich zu mir und dann funktionierte es auch mit den Männern!

Mir fehlt meine Mutter null, ich bin froh, nichts von ihr zu hören und zu sehen. Ich blühe regelrecht auf. Habe einen Freund, gute Freunde, nebenbei studiert und bin gerade dabei, mir einen neuen Job zu suchen. Meine neu gewonnene psychische Stabilität darf und will ich nicht mehr gefährden. Die Frau hat zu lange auf meiner Seele rumgetrampelt! Ich kann sie einfach nicht leiden, Punkt.
Und ich bin es leid, mich dafür entschuldigen zu müssen.
Meine Kollegin sagte einmal den klugen Satz: "Und, was passiert, wenn du sie nicht besuchst oder mit ihr telefonierst?" Richtig- NICHTS!
Wir sind erwachsen und damit FREI! Wir können machen und tun, was wir wollen- weil wir nicht mehr finanziell abhängig von ihnen sind! Eigentlich das Normalste der Welt- aber ein sehr neuer und befreiender Gedanke für mich...
 
  • #79
Viele Eltern machen mal was falsch. Eigentlich sogar alle. Aber fast alle machen das weder absichtlich oder gar in böser Absicht.
Ist doch egal, was der Grund ist. Die Verletzung ist dieselbe, selbst wenn diese Menschen selber in der Kindheit gelitten haben und ihnen auch niemand geholfen hat. Sie sind schuld, schließlich hatten sie als Erwachsene die Macht, es zu tun oder nicht, und so nimmt das Kind es wahr, wenn es anfängt darüber nachzudenken, was es mit ihm gemacht hat. Wenn dann einer gleich sagt "aber deine Eltern hatten es auch nicht leicht blabla", lässt man den Menschen wieder stehen mit seinem Leid.
Dass einen das ab einem gewissen Punkt nicht weiterbringt, kommt von selbst, aber danach.
Und zum Thema böswillig: Es ist für einen Erwachsenen nichts leichter gewesen, als seinen Frust usw. am eigenen Kind auszulassen und das Erziehung zu nennen.
Wenn Du Dir das bildlich vorstellen willst, dann stell Dir vor, ein Riese, der x mal größter und stärker ist als Du und dem Du ausgeliefert bist, macht mit Dir irgendwas, das Dir wehtut, weil Du aus Unwissenheit und auch ohne böse Absicht irgendwas gemacht hast, über das er sich geärgert hat. Oder weil ihm was quersitzt und Du einfach nur existierst.

Dem Kind wird NICHT zugestanden, dass es nichts in böswilliger Absicht gemacht hat, das darf man misshandeln. Dem Täter aber wird zugestanden, dass er ja seine Misshandlungen nicht in böser Absicht gemacht hat und deswegen muss er verschont werden?

(Manches ist sogar LERNEN, z.B. wenn kleine Kinder immer wieder was runterwerfen. Der Erwachsene interpretiert das als "das Kind will mich ärgern", weil er zu dämlich ist zu verstehen, dass ein kleines Kind gar nicht denken kann wie ein niederträchtiger Erwachsener.)

Noch ein paar Zahlen, die Du googeln kannst (z.B. FAZ-Artikel, Zahlen beziehen sich auf 2013 und sind vom BKA):
14.000 Kinder sexuell missbraucht
61 Kinder durch Mord oder Totschlag getötet, 87 durch Vernachlässigung der Sorgfaltspflichten, 5 erlagen schweren Körperverletzungen. Die Hälfte der getöteten Kinder war unter 2 Jahren
72 Tötungsversuche
4051 Kinder wurden Opfer von Misshandlungen (ohne Dunkelziffer)

Auf einer Seite der Polizei kann man lesen, dass vermutlich 10 bis 15% der Eltern schwerwiegende und relativ häufige Körperstrafen bei ihren Kindern anwenden.

Es geht nicht darum, dass irgendwelche überspannten Pädagoginnen eine Kissenschlacht verdächtig finden, es geht um alltägliche Verbrechen, wo noch viel zu oft weggesehen wird.
 
  • #80
@Tom26 du reagierst wie viele Menschen, die eine glückliche Kindheit und eine liebende Familie hatten. Du verstehst das Problem schlicht und einfach nicht. Schlimmer noch, du bagatellisierst es. Diese Pädagogen, wie du sie in Anführungsstrichen nennst, haben sehr wohl ihre Berechtigung. Wenn bei dir in der Kindheit alles schön war, was ich dir von Herzen gönne, dann verstehe ich nicht mit welcher Berechtigung du die Probleme der misshandelten Kinder, welche teilweise ein Leben lang an den Folgen zu knabbern haben, so herabwürdigen kannst. Es ist einfach furchtbar schlimm, dass diese Kinder auch noch als Erwachsene Schuldgefühle von allem Seiten eingeredet bekommen und alle die armen Eltern entschuldigen, die ja angeblich nicht wussten, was sie taten. Zudem kommt, dass diese Kinder die Eltern schon von allein entschuldigen. Sie BRAUCHEN diesen Entschuldigung für ihre Seele, und da diesen nicht von den Schuldigen kommt, fangen sie selbst an sich zu sagen, dass die armen Eltern ja nicht anders konnten. Ich habe meine Mutter auch jahrelang entschuldigt, ja, ICH habe SIE entschuldigt! Weil ich die einfache, ungeheuerliche Wahrheit, nämlich dass sie ihre Kinder einfach nicht geliebt hat, nicht glauben konnte. Sie hat sehr wohl gewusst, was sie tat (oder eben mit Vernachlässigung nicht tat), und es war ihr egal. DAS ist für mich der springende Punkt an der Sache: Dass es EGAL war. Egal, wie es den Kindern geht. Egal, was wir irgendwann mal über sie denken. Da waren kleine Lakaien zuhause, an denen man nach Lust und Laune seinen Frust ablassen konnte, ohne dass es irgendeine Konsequenz hatte. Weil Kinder nicht einfach aufstehen und gehen können. Und ich möchte behaupten, dass diese Tatsache sehr vielen misshandelnden/vernachlässigenden Eltern sehr wohl bewusst ist. Ich hatte einen sehr liebenden Vater der alles in der Waage gehalten hat, und dafür bin ich mehr als dankbar.

Aber @Tom26, dann kommen Leute wie du, die ich um ihre glückliche Familie beneide, und werfen ein, dass jetzt doch bitte alle mal die Bälle flach halten sollen und dass Eltern auch Fehler machen. Ist die eigentlich bewusst, was das für eine Ohrfeige für andere ist? Und sicher können Eltern Fehler machen. Aber ich habe keinen Respekt vor Menschen, die ihren Hintern nicht hoch bekommen um an sich zu arbeiten, die ihre elterliche Macht missbrauchen um sich auf Kosten von wehrlosen Kindern groß und stark zu fühlen, die als Erwachsene jeden Tag für sich die Entscheidung treffen könnten, JETZT etwas zu ändern, die es aber doch nicht tun. Nein, das entschuldige ich nicht mehr.

Dem Kind wird NICHT zugestanden, dass es nichts in böswilliger Absicht gemacht hat, das darf man misshandeln. Dem Täter aber wird zugestanden, dass er ja seine Misshandlungen nicht in böser Absicht gemacht hat und deswegen muss er verschont werden?

Danke liebe @void, genau so ist es. Damit ist eigentlich alles gesagt.
 
  • #81
@Tom26 du reagierst wie viele Menschen, die eine glückliche Kindheit und eine liebende Familie hatten. Du verstehst das Problem schlicht und einfach nicht. Schlimmer noch, du bagatellisierst es. Diese Pädagogen, wie du sie in Anführungsstrichen nennst, haben sehr wohl ihre Berechtigung.
@Blair,
nein, ich plädiere für ein gesundes Mittelmass. Und so, wie hier manchmal über Eltern allgemein hergezogen wird, konnte und wollte ich das nicht stehen lassen.
Ich habe auch nichts dagegen, wenn im Kindergarten ein ARZT gerufen wird, sollte ein Kind schlimme Blessuren mitbringen. Man darf aber nicht vergessen - es gibt die Kinder, die wirklich aus dem Baumhaus fallen.
Mein Eindruck ist der: Wer wirklich unter seinen Eltern gelitten hat, der schreit selten laut. Beispiel Lionne, auch du, ein paar andere, die sich bemühen, sehr sachlich zu erzählen. Und nur die eigenen Eltern beschuldigen.
Bei diesem Thema gibt es leider auch die üblichen Verdächtigen, die immer und grundsätzlich alle anderen als die Schuldigen ansehen. Und komischerweise suchen diese Leute ihr Leben lang Schuldige für die eigene Misere, ohne jemals ihre eigenen Anteile zu erkennen.
Es ist herrlich einfach, Eltern Lieblosigkeit etc vorzuwerfen. Meine Lebenserfahrung sagt mir allerdings eines - es gibt Menschen, die dennoch auch gute Menschen in ihrem Umfeld erkennen siehe deinen Absatz über deinen Vater. Die selber etwas machen, um über schlechte Erfahrungen hinweg zu kommen.
Und des gibt die, bei denen grundsätzlich alle anderen schuldig sind. Und die daher der Meinung sind, alle müssten sich um sie kümmern. Die haben aber auch keine stimmige Geschichte. Die haben nur Gejammer.
Nicht Menschen wie ich sind diejenigen, die den wirklichen Opfern schaden. Sondern die Jammerlappen, die auf den Zug des Zeitgeistes aufspringen. Diese Leute sind verantwortlich, dass sich irgendwann dieses Denken durchsetzt wie bei mir. Und die haben auch zu verantworten, dass hinterfragt wird. Meine ganz persönliche Erfahrung ist die: Jede 3. Opferstory ist wahr. Der Rest ist entweder gelogen oder völlig übertrieben gejammert.
 
  • #82
@Tom26,

es ist fast unmöglich einem Schwimmer zu vermitteln wie sich Ertrinken anfühlt. Genauso ist es mit Dir und dem Versuch die Auswirkungen einer prägenden Kindheit (Dir) klar zu machen. Ab einem gewissen Stadium geht es i.d.R. nicht um Schuld (von Eltern) sondern darum mit den Prägungen und Mustern umgehen, (gut) leben und im besten Fall diese ablegen zu können. Dabei sei es erlaubt den Anteil, den Eltern beigetragen haben, benennen zu dürfen und zu können. Ich finde es gibt keine entschuldigende Erklärung für Erwachsene Kindern Leid zu zu fügen, auch nicht, dass sie nur das zu geben vermochten was und wie sie seien. Die Einzigen, die dies für und vor sich entschuldigen dürfen sind die Kinder selbst, um ihren Frieden zu finden.

Mit Deiner Einstellung tut man vielen Geschundenen massiv (wiederholtes) Unrecht, ganz unabhängig von vielen anderen.

Eltern haben eine riesige Verantwortung. Um dies zu sein, sollten sich diese dieser bewusst werden und sein und entsprechend handeln (können) oder das Projekt Kinder sein lassen.

Ja, ich habe bei meinen Kindern einiges falsch gemacht, weil ich meine Muster nicht erkannt, aber immer gespürt habe, dass ich ihnen gegenüber lange nicht so gehandelt habe wie ich es für richtig gehalten und vor allen Dingen gefühlt habe, da ich oft nicht aus meiner Haut konnte. Aber ich habe immer versucht mit ihnen zu reden, mich zu erklären und vor allen Dingen zu entschuldigen. Ich bin mir ihrer und meiner Wunden zutiefst bewusst. Heute freue, lache und weine ich mit ihnen, nehme sie in den Arm, lasse sie sich ausruhen, höre zu und versuche zu helfen, wenn gewünscht. Alles was ich von und bei meinen Eltern nie erfahren habe, jedenfalls nicht um meiner selbst Willen und nie ohne dem Gefühl eine (Gegen)Leistung dafür erbringen zu müssen. Ich bin fest überzeugt, dass es auch anders geht und Eltern dies möglich ist. Es ist keine Frage der Schuld, aber auch nicht der Entschuldung sondern der Verantwortung.

Ja, die Kindheit kann ein lebenslang begleitender Schatten sein, wenn man es nicht schafft, die Sonne wieder herein zu lassen.
 
  • #83
Es ist für einen Erwachsenen nichts leichter gewesen, als seinen Frust usw. am eigenen Kind auszulassen..... weil Du aus Unwissenheit und auch ohne böse Absicht irgendwas gemacht hast, über das er sich geärgert hat. Oder weil ihm was quersitzt und Du einfach nur existierst.

Der Erwachsene nutzt seine Macht hemmungslos aus, lebt seine fehlende Impulskontrolle an dem wehrlosen kindlichen Opfer aus - weil er es kann und will.
Die Quelle des Frust kommt meistens woanders her, aber der feige Erwachsene traut sich nicht, diese Frust/-Ärgerquelle zu attackieren, weil er unterliegen könnte. Oder er könnte bei kritischer Selbstreflexion entdecken, dass er ein ganz armseliges Würstchen ist und das tut ihm richtig weh.
Da kann man sich doch einfacher und vollkommen gefahrlos am eigenen Kind austoben und so den Frust abbauen, gedeckt von den immer gleichen empathiefreien Leugnern und daher Aufrechterhaltern dieser Missstände, die sich in weiterer Opferbeschaemung ergehen:
Allerdings bin ich ein grosser Freund davon, "die Kirche im Dorf zu lassen".

Ein ganz wichtiger Punkt, den Aggressionsopfer lernen müssen, sich solche Aussagen vom Hals zu halten und somit die Erfahrung, dass es viele ebenso feige Mitwisser und Dulder gab (doppelte Verletzung und Demütigung), nicht ständig zu wiederholen.
Es gibt ohne Ende Informationen über diesen Themenkomplex und über das Ausmaß den er hatte und hat. Wer das leugnet, den sollte man schlichtweg nicht ernst nehmen - er ist zu dumm oder unwillig, sich zu informieren.

Ich habe keine Lebenszeit darauf verschwendet, "Schuldige" zu suchen, weil das nichts ändert. Ich habe mich sehr bemüht, die Ursachen meiner Probleme herauszufinden, damit ich schädliche Faktoren aus meinem Leben entfernen oder heraushalten konnte.

Sowie ich erwachsen war, bin ich von den extrem schädlichen Personen weggegangen und nie wieder zurückgekehrt, außer als seltener Kurzbesuch.
Das hat die Fortsetzung des ewig Gleichen unterbrochen, aber leider konnte ich in meinen jungen Erwachsenenjahren auch keine umkonditionierenden positiven Lernerfahrungen machen - Selbstsabotage.

Der frühe Tod meiner Mutter ist mir in meinem Leben nicht negativ aufgefallen, weil sie ja keine positive Wirkung für mich hätte.
Mit meinem Vater konnte ich dieses Thema in seinem hohen Alter anschneiden, was zu etwas Entspannung führte.
Er war zuletzt schwer krank und wurde zuhause gepflegt, obwohl er bis in seine letzten Tage ein unverträglicher Mensch war. Immerhin ist ihm noch aufgefallen "dass ihr das für mich tut, obwohl ich so zu euch war", sodass wir partiell versöhnt waren.
Auch ihn vermisse ich nicht und ich finde es sehr traurig, wenn das von den Eltern als kaum vorhandene Erinnerung bleibt.
 
  • #84
Ich verstehe was @Tom26 meint. Er meint "Berufsopfer", durch deren Lebenslauf sich nur Schlechtes zieht, die immer und überall und von allen Mensch schlecht behandelt werden. Und zwar in einem Ausmaß, das an Unwahrscheinlichkeit grenzt. Menschen, die ihren Opferstatus instrumentalsieren.
Keiner bestreitet, dass es auch wirklich "extreme" Familienumstände gibt und auch nicht, dass diese Menschen oft ein Leben lang darunter leiden. Aber sie sind eben auch nur eine Minderheit, denn:
Auf einer Seite der Polizei kann man lesen, dass vermutlich 10 bis 15% der Eltern schwerwiegende und relativ häufige Körperstrafen bei ihren Kindern anwenden.
Angenommen, das stimmt so. Dann sind aber 85 bis 90 % der Eltern "gute" Eltern. Und auch "gute" Eltern machen Fehler - trotz aller Ideale. Wer von Euch Kinder hat, weiß das. Und sicherlich hat man selbst als Mutter/Vater unbewusst und unbeabsichtigt auch so manche Verletzung bei einem Kind erzeut, denn niemand ist perfekt - keine Mutter, kein Vater.

Will heissen, dass jeder Mensch Verletzungen in seiner Kindheit und Jugendzeit und auch im weiteren Leben erlebt - das hört nie auf, es lässt sich eben einfach nicht vermeiden. Und es liegt in einem selbst, wie man damit umgeht - und ob man sein Leben davon bestimmen lässt. Manchmal hilft auch ein Perspektivwechsel (dieser Indianerspruch In-den-Schuhen-des-Anderen-Gehen), um Menschen verzeihen zu lernen. Und das, was ich persönlich am wichtigsten finde bei allem, was es so zu verzeihen und zu verstehen gibt: man tut das nicht für den "Täter", sondern für sich - man wird frei.
 
  • #85
Aber ich habe keinen Respekt vor Menschen, die ihren Hintern nicht hoch bekommen um an sich zu arbeiten, die ihre elterliche Macht missbrauchen um sich auf Kosten von wehrlosen Kindern groß und stark zu fühlen, die als Erwachsene jeden Tag für sich die Entscheidung treffen könnten, JETZT etwas zu ändern, die es aber doch nicht tun. Nein, das entschuldige ich nicht mehr.

Danke liebe @void, genau so ist es. Damit ist eigentlich alles gesagt.

Danke, Blair und Void. Ihr nehmt mir die Worte aus dem Mund!
Und ja liebe Blair- auch ICH entschuldige nichts mehr. Ich bin es einfach nur leid.

Meine Mutter meinte einmal zu mir, dass ich sie ablehnen würde. Ja, genau das ist der Fall. Und es ist NICHT normal, seine Mutter nicht zu lieben. Aber es ist nun einmal so. Schlimmer noch- sie ist mir mittlerweile egal, ich denke nur noch an sie, wenn ich diesen Thread öffne.
Da die Mutter-Kind Bindung die stärkste überhaupt ist, muss schon "sehr viel vorgefallen sein" (O-Ton Psychologe), wenn ein Kind seine Mutter derart ablehnt. Und dass es so gekommen ist- nein, das ist nicht meine Schuld. Sie hat Fehler gemacht und erntet nur, was sie gesäht hat.
 
  • #86
Genauso ist es mit Dir und dem Versuch die Auswirkungen einer prägenden Kindheit (Dir) klar zu machen. Ab einem gewissen Stadium geht es i.d.R. nicht um Schuld (von Eltern) sondern darum mit den Prägungen und Mustern umgehen, (gut) leben und im besten Fall diese ablegen zu können.
Die Kindheit ist für Jeden, auch für den, der eine tolle Kindheit haben durfte, der Beginn des Sammelns von Lebenerfahrungen. Dazu gehört auch, dass man nicht immer alles bekommt, was man will. Dazu kommt, dass Kinder individuell unterschiedlich sind - wie Eltern auch. Alles Menschen - und kein einziger von uns ist perfekt. Auch das ist eine Erfahrung, die wir alle machen mussten.
Du gehst hier davon aus, dass es in der Regel nicht um Schuldzuweisung geht. Dem ist so - bei den Kindern, die wirklich unter prügelnden Eltern gelitten haben. Und ja, manche Lebensgeschichte ist schlimm. Nein, ich will diesen Menschen nicht "nochmals auf den Deckel" geben.
Leider gibts aber sehr viele Menschen, die einfach nur Schuldige brauchen. Siehst du hier quer Beet in fast jedem Thema - Mann ist schuld, Frau ist schuld, die Umwelt ist schuld und die Eltern sowie die Kinder auch. Der Chef sowieso. Die Liste ist ewig lang - sogar ein kleiner Hund darf die Schuld tragen. Das nenne ich einfach nur Gejammer.
Ja, die Kindheit kann ein lebenslang begleitender Schatten sein, wenn man es nicht schafft, die Sonne wieder herein zu lassen.
Richtig, absolut. Aber auch die Sonne zu sehen mussten alle lernen.
Meine Einstellung ist ganz einfach - solange ich nicht perfekt bin, dazu lernen kann und muss und will - genau so lange darf ich Perfektion auch von anderen Lebewesen nicht erwarten oder gar fordern.
Das heisst nicht, dass ich hier prügelnde Eltern entschuldigen möchte. Aber das heisst ganz klar, dass ein Kind lernen sollte, dass niemand perfekt ist. Auch Mama und Papa nicht. Und dann die Laune eben nicht strahlend ist. Das ist keine "Lieblosigkeit" - sondern menschlich.
Verantwortung der Eltern heisst für mich, dass die Eltern einen Schutz geben, Nahrung und ein Dach über dem Kopf. Dem Kind beibringen, zu Laufen. Zu Denken. Aufgaben zu bewältigen und Lösungen zu finden. Wieder aufzustehen, wenns hingefallen ist.

Meine Worte sollen kein Plädoyer für Straftaten sein , ganz sicher nicht. Allerdings sollen sie sehr wohl diese übertriebene Anspruchshaltung und das ewige Gejammer an den Pranger stellen. Eigenverantwortung - für mich etwas, was sehr viele heute gar nicht mehr lernen wollen. Und genau das kommt hier auch heraus. Wobei sich hier für mich ein Kreis schliesst - sowohl die Menschen mit sehr guter Kindheit als auch die mit total unglücklicher Kindheit haben gelernt, diese Verantwortung für sich selbst zu tragen. Wir brauchen keine Schuldigen für jede Kleinigkeit.
 
  • #87
... ein interessanter Thread ...

Hi @Tom26 stellvertretend,

es geht nicht um die Menschen, die sich zum Opfer stilisieren und sich in dieser Rolle gefallen (wollen), sondern um die die es tatsächlich sind. Die Argumentation und der Vergleich mit Simulanten/innen und Übertreiber/innen helfen keinem, erst Recht nicht dem Opfer, weiter.

Vielleicht noch ein anderes Beispiel:

Ich habe nie geraucht, es nicht einmal probiert, und wüsste keinen Grund daran etwas zu ändern. Alle entscheidungsfähigen Raucher könnten aus meiner Sicht nun Weicheier und Schwächlinge sein, die selbst daran Schuld sind, dass sie sich verführen lassen haben und rauchen, es gar genießen, sich in ihrer Sucht gefallen und sich von anderen gerne bemitleiden lassen (wollen), denn sie hätten nicht anfangen brauchen und können es jederzeit einfach sein lassen. Es liegt in der Mach(barkei)t einer/s jeden.

Der große Unterschied zur Prägung, analog der Sucht beim Rauchen, in der und durch die Kindheit ist der, dass wenn ein Embryo, Baby, Kleinkind und später sogar Jugendliche/r bis ins erwachsenen Alter nicht in der Lage ist, warum auch immer, zu sagen: "Das will ich nicht!", es eben nicht in ihrer/seiner Mach(barkei)t liegt sich den (negativen) Einflüssen ohne weiteres zu entziehen oder dagegen zu halten. Es geht im extremen Fall soweit, dass man es als "normal" empfinden kann, weil man es nicht anders kennt.

Für mich gehören Körper, Geist und Seele untrennbar zusammen. Zu einem kranken Gedanken und Gefühl gehört ein kranker Körper(bereich). Damit meine ich nicht (äußerliche) Narben, Wunden, Arm ab, kleine Brüste oder ..., sicher kann das auch prägen, sondern die Bildung von ungesunden (innerlichen) Stukturen, körperliche Veränderungen und Verfestigungen durch (jahre)lange physische und psychische Einwirkung negativer Einflüsse. Dies zu ändern ist eine Herkulesaufgabe und nicht für jede/n zu bewältigen. Rein theoretisch müsste man sich nur genügend positive "Energie" zu führen, um die dazugehörigen negativen Strukturen aufzubrechen und positive zu bilden. Aber von Innen und eigenmotiviert kann das oft nicht oder nur schwer kommen, wenn dort die notwendigen Strukturen nicht (mehr) vorhanden sind. Ein Teufelskreislauf.

Zugegeben, es ist nicht ganz so trival, weil es noch etliche andere Einflüsse gibt und kein Grund sich nicht zu bemühen, gehen zu lassen oder darin den Lebensinhalt zu sehen. Die meisten Opfer sind es sicher nicht gerne und wäre ihre Bürde ebenso gerne los.
 
  • #88
Dann sind aber 85 bis 90 % der Eltern "gute" Eltern.
Nee, es gibt auch noch die ganze Bandbreite der psychischen Misshandlung, die leider nicht in Prozentzahlen angegeben werden kann, und die Eltern, die "nur" ein bisschen schlagen und deswegen nicht auffallen.

Aber ich versteh, worauf Du hinaus willst und ich denke auch, dass jeder, der Kinder hat, irgendwelche Fehler macht, selbst wenn er es bewusst nicht will. ME ist die Grundlage dafür, dass man ein gutes Elternteil ist, gegeben, wenn es in der Lage ist, sich selbst in Frage zu stellen, Liebe zu geben, keine Angst vor Gefühlen zu haben, Trost spenden zu können usw. statt als Marionette seiner eigenen Verletzungen alles weiterzugeben, was ihm angetan wurde, sobald es Macht bekommt über ein anderes Wesen.

Beim Rest stimm ich Dir zu, wobei ich aber auch denke, dass manche Verletzungen so groß sind, dass ein Leben dafür nicht reicht, sie hinter sich zu lassen, sodass man frei wird.

Was "Berufsopfer" angeht - wer will das beurteilen. Man kann höchstens sagen "ich will das nicht schon wieder hören, verschon mich damit". Aber wer will bestimmen, wann einer genug darüber lamentiert hat? Zumal man auch nicht weiß, wie lange er schon seine Erkenntnisse der Zusammenhänge hat, und nunmal jede entdeckte Verletzung erstmal mit einem darüber Klagen, Weinen und mit einer Desillusionierung einhergehen, die verarbeitet werden muss.

Ich glaube nicht, dass "Berufsopfer" glückliche Menschen sind, die sich darin aalen, Leid erfahren zu haben. Und nee, ich glaube nicht, dass es kein Leid bei ihnen gibt. Es sei denn, sie tragen die Mitleidsmasche vor sich her als eiskalten Charakterzug, um andere damit zu ihrem eigenen Vorteil zu manipulieren. Aber die empfinden sich ja nicht als Opfer.
Ich hab selber auch solche Leute erlebt (eine Kundin, die sich bei mir auflud, indem sie mir von ihrem untreuen Mann, der nicht mit ihr redet, klagte. Nachdem sie fertig und ich betroffen war wegen der armen Frau, hatte sie plötzlich gute Laune und ging. So lief das vermutlich auch jedesmal bei ihrem Friseur). Ich hab auch schon in einem Forum erlebt, dass eine gemobbte Frau mit mehr Leibesfülle selber andere mobbte, die sagten, sie fühlten sich selbst besser nach einer Gewichtsabnahme.
Die Opfer, die noch immer klagen, stecken fest und beißen vielleicht jeden, der ihnen keine Streicheleinheit gibt - sie hatten eben noch nicht genug davon. WANN der Zeitpunkt gekommen ist bei denen, nun zu kämpfen, kann ihnen niemand von außen sagen. ME wird es dann sein, wenn andere, die ihnen Liebe gegeben haben, es nicht mehr hören können und das mal zaghaft sagen. Denn wenn der Mensch vorher genügend Streicheleinheiten gegeben hat, kann "das Opfer" ihm auch so weit vertrauen, mal anzufangen, an sich zu arbeiten, statt dass es sich gleich wieder mundtot gemacht fühlt wie immer.
 
  • #89
@Tom26 ich verstehe glaube ich, was du meinst. Ich denke dir geht es um die stehen gebliebenen, die gerne leiden und sich im Mitleid und der Aufmerksamkeit anderer suhlen. Da fallen mir auch spontan zwei Bekannte ein. Solche Menschen kennen wir wohl alle. Da muss man aufpassen, dass man sich nicht mit runter ziehen lässt. Ich belästige auch niemanden mit meiner Familiengeschichte, weil es mir nichts nützt und mich nicht vorwärts bringt. Ich bin absolut dafür, sich zu bewegen und von schädlichen Einflüssen zu befreien. Aber hier im Forum habe ich nicht den Eindruck, dass irgendjemand auf der Stelle tritt. Die meisten haben erkannt was los war und bewegen sich Stück für Stück davon weg und versuchen, es bei den eigenen Kindern besser zu machen.

Wie wirkt sich die Kindheit auf die Beziehungen aus? Ich für meinen Teil merke definitiv, dass ich im Grunde ein gutes Verhältnis zu Männern habe. Das mag an meinem Vater gelegen haben, aber auch daran, dass ich mit 16 Jahren meinen ersten Freund hatte, was dann sieben Jahre hielt. Ich denke das hat mich in der sensiblen Phase des Erwachsenwerdens positiv geprägt, da mein damaliger Freund immer da war und ich mich voll auf ihn verlassen konnte. Mein Verhältnis zu Frauen? Auch gut, allerdings bin ich sehr froh, dass ich kein Mann geworden bin, da die lieblose Behandlung meiner Mutter wahrscheinlich ein schlechtes Frauenbild in mir hervorgerufen hätte. Wobei es auch möglich gewesen wäre, dass sie einen Jungen anders behandelt hätte, als uns Mädels (waren drei). Was ich aber merke ist, dass ich auf Frauen, die mich an meine Mutter erinnern, allergisch reagiere. Da reicht es schon, wenn ein ähnlicher Wortschatz benutzt wird. Aber ich erkenne warum ich so abgeneigt reagiere und bin trotzdem höflich und freundlich und sage mir, dass diese fremde Frau nicht meine Mutter ist, und dann klappt es ganz gut.

w(29)
 
  • #90
Liebe Lionne, Dein Post #90 geht tief. Genau das ist es.

Eine weitere Sache ist, wenn man durch die "Bearbeitung" der Sache merkt, wo man selber Denk- und Verhaltensweisen übernommen hat, unter denen man gelitten hat oder die einen geprägt haben, aber gar nicht dem eigenen Naturell oder einfach einer richtigen, realistischen Weltsicht entsprechen. Nicht nur zu anderen, auch in seinem Kopf und im Umgang mit sich selbst. (Und das Fatalste ist, wenn der ein Kind bekommt, bevor er sich damit befasst hat.)

Wenn man mit sich selbst glücklich sein will, also nicht nur ein Mantra im Leben vor sich hersagen will, weil man irgendwas immer wieder zudecken muss, um es nicht zu merken, dann bleibt einem kein anderer Weg, als sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen und mit den Menschen, die sie so gestaltet haben, denke ich.
 
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