• #91
Danke an Lionne und Void!

Ich habe heute einen sehr interessanten Artikel in der SZ über Jeanette Walls gelesen. Sie hatte auch eine Horror-Kindheit, die nun verfilmt worden ist und aktuell im Kino läuft.
Ihre Mutter wohnt - trotz allem- neben ihr... dazu sagt sie:

»Viele Leute fragen, wie kannst du deiner Mutter vergeben? Aber ich habe ihr nicht verziehen. Ich habe sie und das, was geschehen ist, akzeptiert.«

Und:

»Das ist für mich das Allerwichtigste: für mich selbst sorgen zu können. Ich bin krankhaft unabhängig. Sicher habe ich deshalb keine Kinder bekommen. Keine von uns Töchtern hat Kinder bekommen."

Das letzte kann ich 1:1 so unterschreiben.

Ich habe NIE mit einem Mann zusammengewohnt und habe es auch nicht vor. Ich habe auch nie in einer WG gewohnt und könnte es niemals nicht. Lieber ein 20qm-Appartment für mich alleine als eine 80qm WG.

Ich brauche meine Ruhe, meinen Rückzugsort, ganz für mich. Und immer das Gefühl: "Ich kann jederzeit aufstehen und gehen. Ganz einfach, ohne Scheidung, Auszug oder sonstige Schwierigkeiten. Einfach nur gehen. Ich bin frei."

Mein Freund wohnt im selben Stadtteil, so finde ich es mehr als perfekt. Kann für immer so bleiben.
 
  • #92
@Tom26 natürlich machen alle Menschen Fehler so wie mein Vater es auch immer sagte und den ich immer vermisse nach seinem Tod: "kein Mensch ist perfekt und wir alle machen Fehler denn nur Menschen, die nichts tun und nicht handeln können auch keine Fehler machen."

Aber es ist ein himmelweiter Unterschied, ob ein Vater oder Mutter das eigene Kind verbal und körperlich missbraucht schlimmstenfalls auch sexuell oder ob man genervt reagiert oder wütend wird. Sollte das passieren müssen sich die Eltern bei den Kindern dafür entschuldigen und ihnen erklären, weshalb ihnen das passiert ist, damit sich das Kind nicht schuldig, schlecht und böse fühlt.

Aber auch da: wie kannst du von einem 3-jährigen Kind erwarten, dass es seinen Vater versteht, wie er seinen Ärger und Frust am Arbeitsplatz zu Hause auslebt statt beim Sport? Die Kinder haben nicht die kognitive Kompetenz, um die Eltern zu verstehen, weshalb sie sie massiv körperlich verletzten, erniedrigen, demütigen, vernachlässigen, ignorieren!

Das alles gräbt sich tief ins Unterbewusstsein ein und wirkt sich u.U. das ganze Leben lang aus, wenn man sich dessen entweder selbst nicht bewusst wird oder durch eine Krise, die eine Psychotherapie unumgänglich oder fast lebensnotwendug macht, denn die entstandenen Ängste, Depressionen können schlimmstenfalls zu Suizidgedanken und verübten Suiziden führen.

Erwachsene Menschen, die nicht fähig/kompetent/unbegabt sind zum körperlichen und seelischen Wohl der eigenen Kinder zu sorgen, sollen zuerst selbst ihre eigene Biografie in einer Therapie verarbeiten bevor sie Kinder auf die Welt setzen oder gänzlich darauf verzichten und dann damit bringen sie unermessliches Leid in die Welt.

Es kann ich die Aufgabe der Kinder sein, die Frust, den Ärger, die Enttäuschung, die Wut die Verzweiflung oder das Versagen aus eigenem Unvermögen der Eltern auszubaden und von den Kindern das ganze Leben zu erwarten, dankbar und verständnisvoll gegenüber den Eltern zu sein, weil die "ach so armen Eltern" sich wie kleine Kinder statt wie erwachsene verantwortungsbewusste Menschen verhalten haben.

Mein Vater sagte auch immer: "Kinder sind niemals böse oder schuldig an etwas!"
 
  • #93
Mein Vater sagte auch immer: "Kinder sind niemals böse oder schuldig an etwas!"
Hier muss ich deinem Vater widersprechen. Auch Kinder können schon ganz schön bösartig werden, schau mal auf die Schulhöfe. Klar, kommt drauf an, welche Altersgruppe er gemeint hat .....
Meiner Ansicht nach gehört es auch zum Lernprozess, dass ein Kind merkt: Nervt man andere Menschen, kommt man nicht zum Ziel. 50 Mal wiederholen, dass das Kind jetzt vor dem Mittagessen Schokolade will - wenn Erwachsene dann nicht genervt reagieren, hat das Kind nicht nur keine Schokolade, sondern auch nichts gelernt. Und wenn Mama sich ne halbe Stunde hinlegt zum Ausruhen, dann ist Kind eben leise. Mama ist ja auch leise, wenn Kind schlafen möchte.
Wer das als Kind nicht lernt, braucht sich nämlich nicht zu wundern, wenn dies Konsequenzen für sowohl Berufsleben als auch Privatleben hat. Und eine Entschuldigung seitens der Eltern ist da eher kontraproduktiv.
Ich wusste als kind, ich kann zu Vater und / oder Mutter kommen, wenn etwas wichtig ist. Aber ich wusste auch, dass die beiden auch mal ihre Ruhe gebraucht haben, Daher habe ich mir 2 mal überlegt, ob etwas wichtig genug ist, um die Eltern zu stören. Und habe so gelernt, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden. Und das hat mir schon oft genug genutzt.
 
  • #94
sondern deutete dies als "Scherz" (wie so viele aus "normalen" Familien, die die Abwertung einer Mutter nicht erkennen, weil sie sowas gar nie selbst erlebt haben und wie selbstverständlich davon ausgehen, dass eine Mutter IMMER aus Liebe handelt).
Er KANN es nicht als Scherz deuten, wenn er es SIEHT, also sehen würde, dass es Dich verletzt hat. Abwertende Worte sind abwertende Worte, und die "Scherze", die einer macht, sagen auch was aus über ihn. Und wenn was wirklich witzig sein soll, sagt man es nicht, wenn man merkt, dass man den anderen damit kränkt.
"Ach, die meint das nicht so, ich sag ihr auch, dass sie scheiße aussieht", hätte von Dir kommen müssen, wenn ihr euch wirklich scherzhaft so behandelt. Nicht, dass er Dir sagt, Deine Mutter meine es nicht so.

Also wenn Dein Partner wusste, dass Du verletzt worden warst, aber trotzdem von "Scherz" redet, denke ich, dass er ein idealisiertes Bild seiner Eltern hat. So lange ihm diese rosa Brille nicht genommen ist, wird er auch nicht erkennen, wenn er selbst verletzt. Er denkt noch, dass eine Mutter immer aus Liebe handelt. Wenn seine Mutter das so immer getan hätte, wäre er nicht unsensibel geworden gegen Verletzungen, die Du durch die Mutter empfunden hast.

Wie kommt eine derartige Vergangenheit bei einem potentiellen Partner an?
Offenheit, Ehrlichkeit gehört dazu
Ich würde sagen, es kommt drauf an, was und wieviel man erzählt, und das hängt davon ab, wie weit man mit seiner "Bearbeitung" ist. Man kann einen Partner lähmen, wenn man ihm "zu viel" erzählt. Klar muss man das machen, damit das eigene "komische" Verhalten erklärt wird und der andere nicht das Gefühl hat, er wird "verladen". Aber ich denke, dann macht man auch die Beziehung zu einer Art Therapie - man bittet ja den anderen direkt oder indirekt, er möge Rücksicht darauf nehmen, dass man nicht "normal" reagieren kann wie andere.
Er wird die Rücksicht nehmen, wenn er ein liebender Partner ist. Und dann ist der Wurm drin. Sollte nämlich der "Patient" sich irgendwann "geheilt" fühlen, wird der Partner ihn trotzdem noch rücksichtsvoll behandeln, und Rücksicht nehmen bedeutet, dem anderen eine Schwäche zugestehen. Soll heißen, der "Patient" fühlt sich als "schwach" behandelt. Manche Beziehungen leben sogar davon, dass einer ein Problem hat und der andere scheinbar Rücksicht drauf nimmt. Die Retter-Opfer-Beziehungen, in der nicht nur der Retter seine Rolle nicht verlassen darf. Auch das Opfer muss Opfer bleiben, damit die Scheinüberlegenheit des Retters nicht angetastet wird.
 
  • #95
Hier muss ich deinem Vater widersprechen. Auch Kinder können schon ganz schön bösartig werden, schau mal auf die Schulhöfe. Klar, kommt drauf an, welche Altersgruppe er gemeint hat .....
Das gehört mit der neurobiologischen Entwicklung des Gehirns zusammen. Das ist auch der Grund weshalb Kinder andere Kinder mobben, weil sich der präfrontale Kortex (die erst ab 25 Jahren vollständig ausgebildet hat und damit auch die Fähigkeit zur Empathie).

Aber Erwachsene (Eltern o.a. Erwachsebe) haben ein vollständig entwickeltes Gehirn und müssten wissen, dass ihre Misshandlungen an die eigenen Kinder eine schwere Schuld darstellt und schwere Entwicklungsstörungen zur Folge für die spätere Gesundheit des Kindes und epigenetische Veränderungen zu haben.
Deswegen reagiere ich auch allergisch auf solche Behauptungen, welche die kindliche Vernachlässigung und Misshandlung nur bagatellisieren, weil sie selbst eine gute Kindheit hatten.

"Die ganze Idee der Epigenetik beruht auf der Frage, wie das äußere Umfeld tatsächlich auf das Erbgut und seine Aktivitäten wirkt", erklärt Moshe Szyf. Auf welche Weise können Ernährung, Gesellschaft oder Familie, Liebe oder Gewalt die genetische Knetmasse formen? Welche molekularen Veränderungen modellieren das Genom aus drei Milliarden Basenpaaren in seine endgültige Form? Lassen sie Erbinformationen gezielt verstummen und verleihen sie dadurch einem Organismus eine andere Gestalt oder einen anderen Charakter? Und werden diese Einflüsse womöglich sogar vererbt?

Vor einiger Zeit gab es dazu bereits Hinweise. Niederländische Großmütter, die zu Kriegszeiten darben mussten, brachten nicht nur kleinere Töchter zur Welt. Auch die Generation der Enkel war noch untergewichtig, obwohl deren Mütter in der Schwangerschaft keinen Hunger mehr leiden mussten. Mit solchen Fragen nach einem epigenetischen Mechanismus, der viel mehr an als in den Genen wirkt, beschäftigen sich Stammzellforscher ebenso wie Pflanzenzüchter, Insektenkundler oder Psychologen."


Quelle: Molekulare Spuren kindlicher Gewalterfahrungen.

Die Wissenschaft bringt viel mehr Belege für den Zusammenhang zwischen der späteren körperlichen und seelischen Gesundheit eines Menschen und deren Gewalterfahrungen oder auch Vernachlässigung in der Kindheit.
Man muss nur "Kindermusdhandlung und deren Entwicklungsfolgen/Hirnschäden/psychische u. körperliche Störungen" googeln und massenhaft wissenschaftliche Artikel findet.
 
  • #96
Er KANN es nicht als Scherz deuten, wenn er es SIEHT, also sehen würde, dass es Dich verletzt hat. Abwertende Worte sind abwertende Worte, und die "Scherze", die einer macht, sagen auch was aus über ihn. Und wenn was wirklich witzig sein soll, sagt man es nicht, wenn man merkt, dass man den anderen damit kränkt.
"Ach, die meint das nicht so, ich sag ihr auch, dass sie scheiße aussieht", hätte von Dir kommen müssen, wenn ihr euch wirklich scherzhaft so behandelt. Nicht, dass er Dir sagt, Deine Mutter meine es nicht so.

Also wenn Dein Partner wusste, dass Du verletzt worden warst, aber trotzdem von "Scherz" redet, denke ich, dass er ein idealisiertes Bild seiner Eltern hat. So lange ihm diese rosa Brille nicht genommen ist, wird er auch nicht erkennen, wenn er selbst verletzt. Er denkt noch, dass eine Mutter immer aus Liebe handelt. Wenn seine Mutter das so immer getan hätte, wäre er nicht unsensibel geworden gegen Verletzungen, die Du durch die Mutter empfunden hast.
Das ist tatsächlich so, dass alle Menschen selbstverständlich davon ausgehen, dass die Mutter biologisch gegeben ihre Kinder liebt. Das ist ein Mythos und niemand wagt es daran zurückfahren oder das anzuzweifeln. Die Mutter wird auf ein Podest gestellt und angebetet (wie Maria die Mutter Gottesdienst im Katholizismus) als der personifizierte Inbegriff der Güte, Menschlichkeit, grenzenloser Liebe und Zuwendung und sie fühlt sich darin auch mächtig. Ist sich ihres Mythos und ihres Status bewusst und kann ihrem Kind gegenüber ihre Machtstellung ausüben und zu eigenen narzisstischen Zwecken missbrauchen.

Denn trotz Beweise und trotz Zeugen (wie bei @Emrix) greift niemand ein schützt nicht das (erwachsene) Kind und zeigt der Mutter ihre Grenzen und weist sie zurecht, wie schädigend und verletzend sie sich gegenüber ihres Kindes verhält. Das Umfeld macht sich auch mitschuldig, weil es nicht eingreift aber wegschaut, bagatellisiert, wegschiebt!

Der FS und anderen hier empfehle ich das Buch: "Mütter ohne Liebe" von der Psychologin Gaby Gschwend.
Mutterliebe ist nicht mit der Schwangerschaft und Geburt automatisch mitgegeben, denn Adoptieveltern (oder auch die biologischen Väter, wie bei mir) zeigen/geben viel mehr Fürsorge, Liebe, Unterstützung und Geborgenheit als manche biologische Eltern die ihre Kinder sogar misshandeln. Auch nur Vernachlässigung ist eine passive Misshandlung!
 
  • #97
Das ist tatsächlich so, dass alle Menschen selbstverständlich davon ausgehen, dass die Mutter biologisch gegeben ihre Kinder liebt.

Mütter bringen ihre eigene Geschichte mit. Bei vielen Müttern aus unserer Generation dürften die Väter im Krieg oder danach ganz gefehlt haben. Bei vielen Kindern, die heute aufwachsen, fehlen die Partner. Manche Mütter kompensieren diesen Verlust, in dem sie sich an ihre Söhne klammern.
Natürlich wirkt es sich bei Männern genauso wie bei Frauen aus, was sie für Erfahrungen machen. Meine Mutter hat ein Leben lang intensiv geklammert. Ich brauche also in einer Beziehung "Freiheit" und habe schnell das Gefühl, dass es zu eng wird.

Denn trotz Beweise und trotz Zeugen (wie bei @Emrix) greift niemand ein schützt nicht das (erwachsene) Kind und zeigt der Mutter ihre Grenzen und weist sie zurecht, wie schädigend und verletzend sie sich gegenüber ihres Kindes verhält.

Ich glaube nicht, dass das Problem einfach damit gelöst ist, dass jemand die Polizei ruft. Was passiert dann? Das Kind wandert im Extremfall ins Heim oder zu Pflegeeltern. Der "Schaden" ist doch trotzdem da.
Und "Schädigungen" finden oft so statt, dass sie nicht nach außen sichtbar sind. Verhaltensweisen, die nicht mal als schlecht angesehen werden, schaden trotzdem. Eine Mutter, die sich ein Leben lang um ihre Kinder "kümmert" wird von vielen ausschließlich positiv gesehen, egal, wie sehr sie ihre Kinder damit missbraucht, weil sie ihnen keine freie Entwicklungsmöglichkeit lässt.
 
  • #98
Mein Ex-Freund .... kommt aus einer "Rama-Familie"
Ich habe auch einen Partner aus einer Rama-Familie, aber er ist intelligent und informiert genug zu wissen, dass es andere Leben/Familien gibt als seins und wesentlicher: er glaubt mir, dass üble Dinge passiert sind und ich nicht dramatisiere, denn er kennt mich ja.

als ich ihm meine Mutter vorgestellt habe ... erkannte er das Ausmaß nicht, sondern deutete dies als "Scherz"
Das zeigt, dass er keinerlei Wahrnehmung dafür hat, wie es Dir mit diesen Abwertungen geht. Ein empathischer Partner erkennt spätestens nach eurem Gespräch, dass da zwischen Dir und Deiner Mutter keine Scherze laufen, sondern dass sie gemein ist.

Eine gute Strategie bei mir war: keinen Partner mehr mit nach Hause bringen, außer meinen Exmann. Selbst das war falsch, weil mein Exmann sich solche destruktive Kommunikation als Beispiel nahm und dem nacheiferte.

ich habe mal in einem Ratgeber gelesen, man solle einfach sagen "Meine Eltern sind tot, ich habe keine Verwandtschaft mehr".
Das ist sicherlich eine Lösung - ob so eine gravierende Lüge eine gute Basis für eine langjährige, vertrauensvolle Partnerschaft ist, wage ich zu bezweifeln.
Irgendwann kommt sowas zutage(z.B. Todesfall eines Elternteils) und dann hast Du den Salat und kannst einem Partner, der sich fragt, in welchem Punkten Du ihn in den letzten 20 Jahren sonst noch belogen hast, reichlich was erklären.

Für mich war diese Lüge kein Weg. Mein Vater war ja auch bis an sein Lebensende verbal so gewalttätig.
Ich habe meinem Partner gesagt, dass er meinen Vater nicht kennenlernen wird (meine Mutter war schon lange vorher gestorben), well ich nicht erleben möchte:
- vor meinem Partner auf ganz üble, ordinäre und z.T. sexistische Weise von meinem Vater runtergeputzt zu werden. Ich habe mich für seine Ausfälle immer sehr geschämt, war aber oft gelähmt und habe mich nicht gewehrt, weil es schneller vorbei war wenn ich die Klappe hielt.
- dass mein Partner sieht, was für ein Idiot mein Vater ist, zumal die Argumentationsketten meines Vaters komplett intelligenzfrei waren, wenn er in Fahrt war. Ein dummer, bösartiger Vater hat nunmal Peinlichkeitsfaktor und wirft möglicherweise ein schlechtes Licht auf mich..
Ich habe von meinem Partner erwartet, dass er das versteht, akzeptiert und nicht versucht, mich in dieser Entscheidung zu beeinflussen und dass er das in geeigneter Weise innerhalb seiner Familie kommuniziert, sodass von dort auch keine Nachfragen kommen.

So eine Haltung auszuprägen und solche Forderungen an den Partner zu haben, ist sicherlich auch eine Frage des Lebensalters - mit 20 hatte ich das nicht drauf, mit 30 in Teilen, mit 40+ war das klar.
 
  • #99
@ void:
Ich kann deine Bedenken nicht ganz nachvollziehen. Vielleicht ist es in manchen Fällen auch besser, schon früher etwas zu sagen? Vielleicht äußern sich die Auswirkungen dieser traumatischen Erlebnisse nur in gewissen Situationen, wohingegen derjenige sonst ein größtenteils unbeeinflußtes Leben führen kann? Und dieses sich anders verhalten, kann auf andere - in diesem Fall derjenige, der sich dem "missbrauchten" annähert, irritierend sein. Wenn dann die Geschichte zumindest in Umrissen erzählt wird, hat der "Interessent" einerseits eine Erklärung für manche Verhaltensweise, die er ansonsten missinterpretieren würde und es würde darüberhinaus keiner großen Erklärung bedürfen, dass der andere eventuell mehr Zeit brauchen würde, um sich wirklich zu öffnen. Und dass man erfährt, dass einem der andere zutraut, das auszuhalten, sehe ich durchaus positiv.

Ich sehe auch die Gefahr nicht, dass man den anderen, dann primär als "Opfer" oder sonstwas sehen könnte. Wieso sollten sich Hemmungen aufbauen? Die Geschehnisse müssen/sollen ja nicht bis ins letzte Detail erzählt werden. Und wenn der "missbrauchte" sich in Normalsituationen nicht "belastet" verhält, weshalb sollte man dann Hemmungen entwickeln?
 
  • #100
Wenn dann die Geschichte zumindest in Umrissen erzählt wird, hat der "Interessent" einerseits eine Erklärung für manche Verhaltensweise, die er ansonsten missinterpretieren würde und es würde darüberhinaus keiner großen Erklärung bedürfen, dass der andere eventuell mehr Zeit brauchen würde, um sich wirklich zu öffnen.
Und daraufhin wird sich das Verhalten des Partners ändern, es erfolgt eine gewisse Rücksichtnahme. Ansonsten hätte man einen, der sagt "mir egal, hab dich nicht so" und der immer wieder die gleichen Verhaltensweisen zeigt, die dem anderen Probleme bereiten.

Und wenn der "missbrauchte" sich in Normalsituationen nicht "belastet" verhält
Es geht ja gerade nicht um "Normalsituationen". Es geht nicht um den Kollegen im Büro. Schon ein WG-Mitbewohner könnte sich triggernd verhalten, weil er "in den Wohnbereich eindringt", und erst recht ein Partner, der dem Menschen ja viel näher kommt als jeder andere Mensch. Bei einer Partnerschaft geht es um das Seelenleben und den Körper, und das ist gerade das, was früher dem Missbrauch ausgesetzt war. Deswegen sind die Normalsituationen nicht im Fokus.

Der Partner eines Menschen, der Opfer geworden ist, kann demjenigen nicht in den Kopf gucken, was okay ist und was nicht. WAS okay ist und was triggert oder einfach nur unangenehm ist, kann auch derjenige selber manchmal nicht vorher sagen. Dann kommt eine Situation, in der unbeabsichtigt getriggert wird, "das Opfer" verhält sich komisch, obwohl eben alles total entspannt und schön war, vielleicht auch ein bisschen wild, und die ganze Stimmung ist kaputt. Das verletzt auch den Partner, der sich ja emotional ungehemmt und offen verhalten hat und alles andere im Sinn hatte, als seinem Partner Schaden zuzufügen. Beim nächsten Mal ist er vorsichtiger, nimmt sich zurück und wirkt dann auch auf den "Opfer"partner komisch, zumal dann wieder im Raum steht "du warst ja mal Opfer". Die Situation wird einfach nie mehr unbeschwert und "Opfer" bleibt Thema.
Der Partner eines Menschen, der Opfer geworden ist, weiß auch nicht, wann er sich wieder "normal" verhalten darf, weil das Opfer weiter gekommen ist mit seiner inneren Verarbeitung.

Wenn man sein Leiden verarbeitet hat, MUSS man es nicht erzählen. Wenn man es nicht verarbeitet hat, wird es sowieso ein Bestandteil der Beziehung und damit BEIDER Menschen. Das geht auch nie wieder weg, weil auch ein noch so empathischer Partner nicht die Entwicklung der Verarbeitung des anderen "mitmacht" und sich diesen Schritten anpassen kann.

Es ist viel verlangt, dem Partner davon zu erzählen und zu sagen "verhalte dich hier ganz normal, da aber bitte nicht". EIn empathischer Partner wird sich immer drauf einstellen und anpassen in einer Sache, die andere Menschen, auch er, ganz frei leben können. Wenn man dieses Freie in seiner Beziehung haben will, darf man Opfersein nicht zum Thema des Verhaltens in seiner Beziehung machen.
 
  • #101
@void:
Verstehe ich nicht bzw. sehe ich anders.

Fall A - das "Opfer" hat den Missbrauch verarbeitet. Prinzipiell würde keine Notwendigkeit bestehen, dem Partner etwas davon zu erzählen. Außer vielleicht dem Bedürfnis über eine wichtige Begebenheit seines Lebens kein Geheimnis machen zu wollen? Eine Begebenheit und deren Verarbeitung vielleicht prägender als alles andere im Leben des "Opfers" war. D.h. der Partner wird immer auf Distanz gehalten. Wenn man den Partner liebt und berechtigterweise annehmen kann, dass man von diesem auch geliebt wird, sehe ich keinen Grund damit ewig hinterm Berg zu halten. Ich halte es eigentlich fast für unmöglich. Denn ein Partner, der das Opfer/ehem. Opfer liebt und empathisch ist, wird merken, dass bei einem bestimmten Thema/ einer Periode in der Vergangenheit/ einer gewissen Person etwas im Busch ist ..

Fall B - der Missbrauch ist nicht vollständig verarbeitet.
Ich beziehe mich auf die von dir beschriebene Situation, wo unabsichtlich getriggert wird. Ich finde hier deine Schlußfolgerungen nicht schlüssig. Man sollte nichts sagen, weil sich einerseits der Partner dann nicht mehr "frei" verhält und Rücksicht nimmt - anderseits stört das geänderte Verhalten auch das Opfer/ehem. Opfer. Die Folge wäre, es wird nicht wieder unbeschwert -> Opfer bleibt Thema.
Aber was ist die Alternative? Die Alternative ist, dass der Partner keine Erklärung dafür hat, dass das "Opfer" jetzt aus seiner Sicht völlig unverhältnismäßig reagiert. Und diese Situationen werden vermutlich kein Einzelfall bleiben, folglich geht die Unbeschwertheit auch hier flöten. Nur mit dem Unterschied, dass in diesem Fall der Partner sich eventuell mehr zurückzieht, reservierter wird, weil ja jederzeit die Stimmung kippen kann - aus heiterem Himmel und für ihn ohne Grund.
Da halte ich die Variante, dass man den Partner einweiht, für sinnvoller. Es ist bestimmt einfacher wieder in den unbeschwerten Modus zu kommen, wenn man einordnen kann, was vielleicht eben passiert ist, als dass alles unaufgelöst stehen bleibt.
 
  • #102
Das überzeugt mich nicht. Ich kann diese Sichtweise (void) auch gar nicht nachvollziehen.
Das ist doch reine Mutmaßung, dass der Partner in gewissen Situationen nicht mehr frei mit dem Thema umgehen kann. Und selbst wenn der Partner dann in manchen Situationen Rücksicht nimmt. So what? In jeder normalen Beziehung muss man auch auf irgendwelche Sachen Rücksicht nehmen und man kann sich nicht völlig frei und unreflektiert verhalten.

Zum zweiten werden dann die Missbrauchsopfer ja quasi noch einmal zum Opfer gemacht, weil sie ja keinesfalls ihren Partner mit diesen Geschehnissen belasten sollen. Errichten eine künstliche Trennwand zum Partner, hinter der dieser nicht schauen darf. Auch wenn ich mich wiederhole, wenn es der Partner nicht aushält, wäre er eh nicht der richtige.

Das ist Stress für ihn, weil es ihn in seinem Ausdruck hemmt und er sich DARAUF konzentriert.
Wieso sollte Rücksichtnahme Stress bedeuten?

Das wichtigste ist doch, dass die Beziehung generell auf Augenhöhe ist. Dass das ehemalige Missbrauchsopfer so angenommen und geliebt wird, wie es jetzt ist. Das wechselseitige Akzeptanz und Wertschätzung da ist. Zusätzlich ist dann eben noch Päckchen aus der Vergangenheit da, das sich in manchen Situationen bemerkbar machen kann.

Er wird Teil ihrer "Therapie", denn durch ihn wird sie wegen seines rücksichtsvollen Verhaltens wieder mehr Vertrauen zu Männern und Sex haben.

Wenn eine gute, positive Beziehung nebenbei quasi eine therapeutische Wirkung hat, na dann sei's drum. Wenn's ein Nebeneffekt ist. Eine glückliche Beziehung wirkt auf jeden positiv. Der springende Punkt ist doch, dass es auf einer Ebene stattfindet ...
 
  • #103
- Angenommen, eine Frau wurde als Kind geschlagen und zuckt, wenn der Partner mal im Streit eine ausladende Geste macht. Er wird, wenn er schockiert ist darüber, natürlich beim nächsten Mal aufpassen und sich im Streit kontrollieren, dass er nicht mehr die Arme bewegt, denn er will auf keinen Fall wie der frühere Täter auf die Frau wirken. Das ist Stress für ihn, weil es ihn in seinem Ausdruck hemmt und er sich DARAUF konzentriert.
Eben nicht
Ich als Mann bin dafür verantwortlich, dass meine Freundin so viel Vertrauen zu mir hat, dass sie weiss, dass ich sie nie schlage. Und sie weiss, dass ich mit den Armen rudere, gestikuliere etc.
Ein Lernprozess - ja. Vielleicht brauchts auch etwas mehr Zeit, bis sie dieses Vertrauen zu mir hat. Aber ich verbiege mich nicht - denn sonst bin ich irgendwann nicht mehr der Mann, den sie begehrenswert findet.
 
  • #104
Ich finde es gut, wenn man im richtigen Moment darüber spricht.
Man kann das ruhig sagen, ohne sich gleich als Opfer darzustellen.

Nichts zu sagen und in bestimmten Momenten zu leiden, finde ich die grössere Opferhaltung.
Man muss ja nicht mal nur Dinge aus der Kindheit mit bringen.
Mein Exfreund mochte bestimmte Formulierungen nicht, weil sie für ihn negativ behaftet waren.
Als ich ihm erklärte, warum ich bei Krach manchmal raus und um den Block muss, hat er gesagt: ok verstehe ich und übrigens, ich reagiere extrem auf: Verstehst Du mich?
Kannte er als Drohung!
Er war übrigens froh, dass ich den Schritt gewagt habe und offen war.
So konnte auch er endlich mal über Dinge sprechen.
Und das war keine dramatische Offenheit und nichts was Druck ausgelöst hat, im Gegenteil.
Ich habe mir nur bestimmte Formulierung abgewöhnt und er hat ruhig 10 min gewartet und wusste: wenn die wieder kommt ist sie ruhiger.
Auch andere haben ihre Baustellen.

Das schlimmste aber: wenn jemand die Offenheit ausnutzt um gezielt da rein zu hausen.
 
  • #105
Das ist doch reine Mutmaßung, dass der Partner in gewissen Situationen nicht mehr frei mit dem Thema umgehen kann.
Es ist doch aber psychologisch nachvollziehbar, dass ein empathischer Mensch das nicht ignorieren wird, was er erfahren hat, und die Gefahr halt da ist, dass es ihn auch im Verhalten beeinflusst. Und *)

In jeder normalen Beziehung muss man auch auf irgendwelche Sachen Rücksicht nehmen und man kann sich nicht völlig frei und unreflektiert verhalten.
Bei jemandem, der ein Trauma hat, weil er mal Opfer war, kommt DAS dann noch dazu und geht in einen Bereich, wo ungefilterter Selbstausdruck wichtig ist, z.B. beim Sex.

Wieso sollte Rücksichtnahme Stress bedeuten?
Weil man sich auf den anderen einstellt und nicht mehr tut, was man eigentlich will.
Das wichtigste ist doch, dass die Beziehung generell auf Augenhöhe ist.
Die gefährdet man damit, wenn man sagt "ich war Opfer", deswegen würde ich es nie sagen, wenn es nicht relevant wäre für die Bez..

*) Mir geht es nur darum: Wenn Du einen Menschen kennenlernst oder noch nicht lange kennst, formen die Dinge, die DU von Dir erzählst, das Bild, das der andere von Dir bekommt. Man erzählt die Dinge, die einem WICHTIG sind, was man ist, wie man ist. Wenn da gleich kommt "ich war mal Opfer", sagst Du dem anderen damit, dass das einen sehr wichtigen Teil Deiner Persönlichkeit ausmacht. Und damit müssen er und Du jetzt umgehen.
Fühlt er sich wie ein Retter, gibt ihm das emotionale Sicherheit, dass er "überlegen" ist und den Beschützer machen kann, hast Du einen Menschen, der Dich als "Opfer" sieht. Ist zuerst vielleicht schön, weil es aussieht wie Rücksichtnahme und Umsorgung, lässt Dich aber nie wieder auf Augenhöhe kommen.
Hat er schon mal ein "Opfer" als Partner gehabt und kennt irgendwelche Probleme, wenn man Rücksicht nehmen muss, wird er gehen und Dich "ablehnen", weil Du "Opfer" geworden bist.
Auf jeden Fall kommt das Wort "war mal Opfer" mit ins Bild. Und weil Du es erzählst, ist klar, dass Du noch heute verarbeitest und Dich nicht "normal" verhalten wirst. Sonst würden Dir wichtigere Dinge einfallen, die Du einem anderen über Dich mitteilen willst.

Wenn Du es verarbeitet HAST und es keinen Raum mehr einnimmt in Deinem Leben, Du völlig normal reagieren kannst, oder wenn Du willst, dass der Mann unbeschwert und normal sein soll, solltest Du es nicht erzählen. Um das Problem zu umgehen, dass er das tut, was jeder Mensch tut - DEINE Infos in ein Bild von Dir basteln und DARAUF dann mit seinem Verhalten reagieren.
 
  • #106
Ich als Mann bin dafür verantwortlich, dass meine Freundin so viel Vertrauen zu mir hat, dass sie weiss, dass ich sie nie schlage
Ja klar, aber es geht nicht darum, ob sie denkt, dass Du sie schlägst, das wird sie wissen, dass das nicht passiert. Es geht um den Täter von früher, der noch präsent ist in ihrer Gefühlswelt. Oder, wenn es um Berührungen geht, ist es das "Körpergedächtnis", auch wenn Du, der liebende Freund, es ist, der gerade diese Berührung macht.

Ein Lernprozess - ja. Vielleicht brauchts auch etwas mehr Zeit, bis sie dieses Vertrauen zu mir hat
Ja, es ist ein Lernprozess, aber es geht eigentlich nicht um Dich. Es geht um den früheren Täter. Allerdings finde ich es HIER richtig, weiter rumzufuchteln.
Aber Du kannst nicht von Dir ausgehen. Es gibt sicher viele Männer, die sich versuchen zurückzunehmen, wenn sie merken, ihrer Freundin ist irgendwas an ihnen unangenehm oder bedrohlich.

In dem Beispiel ist es auch noch einfach, weil man "die Tat" (Schlagen) ja nicht in seiner Beziehung haben wird. Es wird viel komplizierter, wenn es um zärtliche Berührungen, Küsse, Sex geht. Der Partner hat das Bedürfnis danach, würde aber etwas tun, was der Täter früher auch tat. Wenn es sich jetzt nicht um schwere Traumata handelt, wo sowieso eine Therapie nur helfen kann, wird sich hier der Partner "verstellen" müssen und Geduld haben müssen. Sonst macht das ehemalige Opfer gleich dicht, weil es schon kennt, dass jemand seine Grenzen einfach überschreitet, ohne zu sehen, ob es das will. Bei Berührungen, Küssen, Sex wird ja die körperliche Grenze überschritten und es soll was Schönes sein. Ergo kann nicht einer von beiden sagen "hab Vertrauen, ich bin es doch, dein lieber Freund, und ich tu es aus Liebe".
(nur zur Klarstellung: Ich sage nicht, dass Du sowas tun würdest. Es ging mir nur darum, dass der Lernprozess bei den normalen Reaktionen wie Rumfuchteln beim aufgeregten Reden und dann nicht wie der Täter handeln, was anderes ist als das zuletzt geschilderte Problem)
 
  • #107
Ich sehe es weiterhin anders.
Wenn Du einen Menschen kennenlernst oder noch nicht lange kennst, formen die Dinge, die DU von Dir erzählst, das Bild, das der andere von Dir bekommt.
Ich denke Worte werden überschätzt. Man bekommt doch schon ein Gefühl für den anderen Menschen, da hat dieser noch nicht einmal den Mund aufgemacht. Da spielt soviel mit rein, die Ausstrahlung, die Mimik, das Lebensgefühl, das Selbstbewußtsein, und so weiter und so fort ..
Es sind nicht nur die Worte. Es kommt auch darauf an, wie es erzählt wird. Kann er (der Mensch) das Erlebte relativert distanziert beschreiben oder ist er dan noch "voll drinnen". Macht ja alles einen Unterschied.

Und das mit dem "Opfer" will ich mir nicht umhängen lassen. Ich habe es extra so beschrieben, dass man einen gleichwertigen Partner kennenlernt und alles auf Augenhöhe stattfindet und einem dieser eventuell so eine Geschichte anvertraut. Man lernt einen Menschen kennen, kommt sich näher, man respektiert und achtet diesen Menschen. Durch das Erzählen der Geschichte bekommt die Beziehung dann keine Schieflage.

Zu deinem Teil nach dem *):
Du scheinst mich irgendwie direkt anzusprechen. Nur zur Info: Ich war nie Missbrauchsopfer. Ich versuche mich lediglich in die Lage des Partners zu versetzen.
Und ich bin auch keine Frau. Klang irgendwie so, als ob du davon ausgehen würdest.
 
  • #108
Hallo zusammen, danke für eure tollen Posts.

Ich habe wieder einmal die Auswirkungen meiner Kindheit zu spüren bekommen...

Ich hatte am Montag mein fünftes Vorstellungsgespräch, es wurde gesagt, dass man am Mittwoch noch zwei Gespräche hatte, die man "fairerweise" noch wahrnehmen müsse... man würde sich am Mittwoch direkt danach melden... natürlich: Nichts.

Gestern kam dann eine Absage via E-Mail.

5 Vorstellungsgespräche- 5 Absagen (okay, eine Einladung zur Probearbeit, aber naja).
Eine der anderen Stellen wurde mit einem Mann besetzt und die anderen wollte ich nicht haben (auf einmal befristet z.B.).

Dennoch lag ich gestern im Bett, habe nur noch geweint und es geht mir nicht gut.

Was andere Menschen mit einem Lachen und einem "Dann hat es wohl nicht gepasst" abtun würden- erzeugt bei mir tiefste Selbstzweifel. Ich fühle mich wie der letzte Loser.

Und ja, da merke ich erneut, dass ich diese tiefe, bedingungslose Liebe, das Urvertrauen, nie kennengelernt habe und es halt auch nicht für mich aufbringen kann.
Misserfolge werfen mich total aus der Bahn, weil ich einfach keinen "Halt" habe.
 
L

Lionne69

Gast
  • #109
Liebe void,

ich komme wirklich nicht mehr mit.

Denn im Endeffekt wäre Dein Fazit,
dass jemand, der Traumata erlebt hat, nicht beziehungsfähig ist.
Weil er / sie weder Vertrauen haben kann und einen Teil seiner / ihrer Lebensgeschichte verschweigt. (Das ist für mich keine Offenheit und kein Vertrauen, wo das nicht existiert, gibt es keine Beziehung).
Oder weil ein empathischer Partner sich immer verbiegen muss.

Danke Laubsk und Tom für Eure Posts.

Ich habe mein Paket an diversen Traumata, an denen ich gearbeitet habe, teilweise noch arbeite. Aber ich möchte nicht der Traumata-Mensch, das "Opfer" sein, bei dem man im Umgang auf Zehenspitzen laufen muss. Nur darauf reduziert. Das ist nur eine Facette, mit der ich umgehen muss, und niemand anderes.
Ich habe halt eine spezielle Geschichte, andere haben andere, andere haben andere Empfindlichkeiten. @pixi67 zeigt die gelebte Praxis.
Wenn ich wie in einem Beispiel genannt zusammenzucken würde, vor einer erhobenen Hand, ist es MEINE Verantwortung, mir bewusst zu sein, dass nicht jede erhobene Hand eine Bedrohung beinhaltet. Soviel Realitätscheck sollte man lernen.
"Körpergedächtnis" - kenne ich, man ist auch diesem nicht hilflos ausgeliefert. In dem Augenblick, wo ich wusste, woher manche Reaktionen kamen, konnte ich damit umgehen, auflösen, überschreiben. Das ist möglich.
Es klingt bei Dir, @void, als ob jemand mit Traumata den Rest seines Lebens diesen Erfahrungen, Erinnerungen ausgeliefert ist.
Ds ist einfach nicht wahr.

Man kann Traumata auflösen, man kann Trigger auflösen, man kann Erfahrungs- Denk- und Verhaltensmuster überschreiben und selbst gestalten.
Ich bin dafür verantwortlich, dies zu tun.

Mein Leben ist bunt, ich genieße es, vielleicht bin ich sogar etwas achtsamer und offener für die so vielen kleinen Freuden. Es gibt die graueren Momente, natürlich, aber vor allem viele schöne, berührende, lustige, nachdenkliche, spannende, etc. Momente. So wie gestern der Sonnenherbsttag in den Bergen mit genialen Farben, Gerüchen - und mal wieder oben stehen :))
Nun, ich bin empfindlich bei Aggressionen und bei Eifersucht - das weiß ich. Aber ist dies negativ?
Empfindlich nicht in Form von Panikanttacken / unkontrollierten Reaktionen, sondern dass ich für mich den Umgang mit bestimmten Menschen soweit als möglich reduziere. Ein derartiger Mensch kommt für mich als Partner nicht in Frage.
Mein Bauchgefühl hat ein sehr verlässliches Radar entwickelt, die Ahnung bestätigte sich immer.

Für dieses Gefühl, Menschenkenntnis, bin ich dankbar, das hat für mich etwas mit Achtsamkeit und Selbstfürsorge zu tun, und bewahrt mich vor manchen Enttäuschungen.

Und noch mehr bin ich dankbar, dafür, das Leben mit diesen ganzen Facetten genießen zu können.
Es ist nämlich schön.
 
  • #110
dass jemand, der Traumata erlebt hat, nicht beziehungsfähig ist.
Nein, das ist nicht mein Fazit.
Es klingt bei Dir, @void, als ob jemand mit Traumata den Rest seines Lebens diesen Erfahrungen, Erinnerungen ausgeliefert ist.
Hab ich nie behauptet, wäre auch absurd. Ich sage: Wer nicht mehr dem ausgeliefert ist, erzählt dem Partner nicht darüber, ohne dass es sein müsste, und dann auch nicht ausführlich.

Und ich sage, dass das Opfer, das sich noch immer als Opfer sieht (bewusst o unbewusst), in jedem Fall dem Partner Anpassung abverlangt, egal, ob der nun laut Opfer seine eigenen Gefühle ignorieren soll, wenn das Opfer sich "unnormal" verhält, weil das Opfer sagt "verhalte dich aber bitte bloß nicht rücksichtsvoll" (schön, aber der Partner muss ja trotzdem gefühlsmäßig damit umgehen, dass er in bestimmten Situationen durch sein Verhalten dem Opferpartner schlechte Gefühle bereitet als Trigger oder gar als vom Opfer gesehener Stellvertreter für den früheren Täter), oder das Opfer wirklich Anpassung einfordert, indem es sagt "ich brauch das nach meinem Tempo" o.ä.
Man kann als Partner nicht so tun, als gäbe es nicht diese "unnormale" Reaktion vom Opferpartner, es sei denn, man ist selbst blind für diese Art Verletzungen ("mir haben die Ohrfeigen ja auch nicht geschadet, also auch bei dir alles normal").

Ich würde sogar sagen: Wenn du noch verarbeiten musst und *) es nicht auffällt in deiner Beziehung, rede nicht drüber. Schleppe den früheren Gewalttäter nicht mit in deine Beziehung, wenn es nicht unbedingt nötig ist.

Man kann Traumata auflösen, ...
Ich bin dafür verantwortlich, dies zu tun.
Ja klar.

Du bist aber auch verantwortlich dafür, welche Informationen Du über Dich gibst und WANN, also für das Bild von Dir, dass der Partner durch Dich bekommt. Du bist auch verantwortlich dafür zu verstehen, was das mit einem anderen machen kann, wenn Du über Dich sowas erzählst. Und Du kannst ihm nicht vorschreiben, wie er damit umzugehen hat. Er wird es, wenn es ihn tief berührt hat, nicht mal selbst steuern können, selbst, wenn er wollte. Deswegen sage ich: Erzähle sowas nicht, wenn es nicht unbedingt nötig ist, also du es sowieso hinter dir gelassen hast oder *).

Wenn man schon lange zusammen ist, vertraut miteinander ist und selbst schon sehr oft "normal" reagiert hat, wird es den Partner im Verhalten nicht beeinflussen, was das ehemalige Opfer mal über sich Schreckliches erzählt. Er wird vielleicht weinen aus Mitgefühl, weil er den Menschen liebt, der so Grausames erlebt hat, oder selbst weiß, wie es sich anfühlt, unter einem Gewalttäter zu leiden. Aber er wird nicht drüber nachdenken, wie er selbst sich verhalten soll, weil er dem ehem. Opfer vertrauen kann, dass es sein Trauma nicht mit in die Bez. gebracht hat.
Anders ist es, wenn der Partner dieses Vertrauen ins Verhalten des ehem. Opfers noch nicht haben kann und unsicher wird.
 
  • #111
In meiner letzten Beziehung hatte ich eine Situation. Ich glaube ich habe das hier einmal erwähnt. Meine Partnerin hatte in in ihrer Vergangenheit etwas in dieser Art erleben/ ertragen müssen. Bei einem tollen Wein Abend wurde das irgendwie zum Thema. Ich fragte sie sehr direkt ob sie mir davon erzählen mag. Sie verneinte das mit dem Satz irgendwann einmal vielleicht. Ich sagte ihr darauf hin. Das sie wann immer sie den Drang danach verspürt, ich ein offenes Ohr für sie haben werde. Es ganz ihr überlassen möchte wenn überhaupt. Und das ich wenn sie es wünscht auch einfach nur mein Ohr ausleihe. Ich habe es leider nie erfahren da es zerbrach. Aber ich wäre gerne besonders dafür, für sie da gewesen sein.
 

Laleila

Cilia
  • #112
Wow, Opfer von psychischer, physischer Gewalt, Missbrauch und/oder Vernachlässigung, welche ihr Leben mit den Folgen zu kämpfen haben, als Jammerlappen zu bezeichnen, ist schon harter Tobak.
Und natürlich wirken sich Erfahrungen der Kindheit auf das spätere Erwachsenendasein aus. Selbst habe ich es irgendwann geschafft aufzuarbeiten. Es kostete unglaublich viel Kraft, Zeit, Arbeit, Schmerz und auch Mut und ich kann jeden verstehen, der so schwer geschädigt wurde, dass er eine dieser Komponenten nicht zur Genüge aufbringen kann.
Das ich mit einer ausgeprägten Resilienz ausgestattet bin ist ein Glück, was nicht jedem gegeben ist und trotzdem zerstörten die Erlebnisse mein Urvertrauen irreparabel. Sicher erarbeite ich mir ein neu erlentes Vertrauen, was jedoch völlig unvorbereitet, durch unerwartete Trigger wieder zerstört werden kann. Auch hat nicht jeder das unsagbare Glück einen in sich stabilen, tragfähigen Partner an seiner Seite zu haben. Was das an zusätzlicher Kraft gibt, darf ich dankbar erfahren.
Klar half es mir, mich für mein heutiges Leben selbst in die Verantwortung zu nehmen, was nichts daran ändert, dass ich es deutlich schwerer habe als jemand der behütet und unbeschadet aufwachsen durfte. Und dafür bin ich nicht verantwortlich. Wie @QFrederick es sinnbildlich am Beispiel eines Schwimmers beschrieb, hat niemand das Recht eine Stärke von jemanden einzufordern, welche er selbst nie aufbringen musste.
Anders als @void bin ich aber doch der Meinung, dass man seinem Partner auch einen Teil der Last mittragen lassen darf.
Ich wäre schockiert, erführe ich irgendwann, mein Mann, Geliebter, Freund und Partner, hätte dies alles mit sich selbst durchkämpft um mich zu schonen.
Natürlich erzählt man es nicht gleich und sofort jeder neuen Bekanntschaft. Da bei schweren Kindheitstraumatas aber immer irgendwelche Spätfolgen bleiben, sehe ich es regelrecht als meine Pflicht an, meinen Partner nicht unwissend im Regen stehen zu lassen, wenn er die eine oder andere Eigenheit oder Reaktion von mir, nicht versteht.
 
L

Lionne69

Gast
  • #113
Und ja, da merke ich erneut, dass ich diese tiefe, bedingungslose Liebe, das Urvertrauen, nie kennengelernt habe und es halt auch nicht für mich aufbringen kann.
Misserfolge werfen mich total aus der Bahn, weil ich einfach keinen "Halt" habe.

Liebe Emirix,

fühle Dich nun ganz lieb virtuell umarmt.

Das sind wohl leider die Punkte, die einem erhalten bleiben - da geht es mir sehr ähnlich.
Ich habe nur meinen Umgang damit so entwickelt, dass ich es mir erlaube, mich zurück zu ziehen, zu weinen, oder was auch immer, und dann genau darauf zu hören, was brauche ICH jetzt, was tut mir gut - und vielleicht auch dem kleinem Kind in mir.
Verwöhnprogramm - und wenn es die Schokolade oder das Kliscchee-Eis ist.
Das Rationale hilft mir auch, der Spruch, dann hat es nicht sollen sein... Es kommt etwas Besseres - auf der Gefühlsebene reicht es in diesem Augenblick nicht, das trägt zu einem späteren Zeitpunkt wieder.
Viel wichtiger ist das Mir Erlauben, mir meine Gerfühle zuzugestehen, die Enttäuschung, die Ängste, die dahinter stehen, die ganzen negativen Gefühle - mich selbst ganz und gar annehmen ohne Zensur. Deswegen auch der Rückzug in diesem Moment, der eigene Ort, wo man ganz ungestört mit sich selbst beschäftigt sein kann.
Seitdem ich mir dies erlaube, ist die Verletzung und die Empfindlichkeit nicht mehr so stark, ob sie im "normalen" Maß ist, was ist normal? Lächelnd zur Tagesordnung übergehen ganz sicher auch nicht.
Letztendlich sitzen doch genug Leute im stillen Kämmerlein und richten ihre Krönchen.

Ich bin mir nicht sicher, ob es wirklich das fehlende Urvertrauen ist, das ist sicher beteiligt, sondern vielmehr die Erfahrung, dass man bestimmte Gefühle nicht zeigen darf. Oder noch andere Anteile, wie innere Abwertungen - der berüchtigte Innere Kritiker, der einem erzählt, dass man eh nichts taugt.
Seitdem ich mir Gefühle erlaube, zugestehe, seitdem sind auch diese Momente, so besch*** sie sind, nicht ganz so niederschmetternd.
Der Innere Kritiker ist heute mein Innerer Coach, bedeutend wohlwollender, mutmachend und hochwillkommen, statt destruktiv.

Gönne Dir Deine Streicheleinheit, Deine Auszeit, und dann mit Mut und Überzeugung an die nächsten Bewerbungen. Du bist gut - das klappt :).

Alles Liebe.
 
  • #114
Anders als @void bin ich aber doch der Meinung, dass man seinem Partner auch einen Teil der Last mittragen lassen darf.
Klar. Aber wenn er sein eigenes Päckchen zu tragen hat, besteht die Gefahr, dass es eine Doppelbelastung wird, denn ich denke nicht, dass viele Männer dann dazu neigen, sich von der Frau mit ihrem Leid so auffangen zu lassen, wie die Frau sich vom Mann auffangen lässt. ER ist die starke Schulter normalerweise, und will das auch bleiben. Wenn der Mann selbst irgendwas erlebt hat, könnte er was auf die Frau projizieren. Dann gibt es festgelegte Rollen, die fern von Augenhöhe sind.

Ich wäre schockiert, erführe ich irgendwann, mein Mann, Geliebter, Freund und Partner, hätte dies alles mit sich selbst durchkämpft um mich zu schonen.
Ich meine das nicht uneigennützig. Man macht das nicht, um die Partnerin zu schonen, sondern um nicht bei ihr als jemand dazustehen, der mal Opfer war. Das ist ja mit dem Gefühl der Demütigung verbunden, Opfer zu werden. Und welcher Mensch, der als stark, unabhängig und belastbar für den anderen aussehen will, erzählt freiwillig, dass es Zeiten gab, wo er durch einen Stärkeren gedemütigt wurde?

Ich seh das durchaus als Problem an, dass Männer darüber lieber nie wieder reden wollen, was sie irgendwann als Opfer erlebt haben. Es belastet sie ja noch und in vielen Fällen zeigen sie auch in der Bez. gefühlskaltes Verhalten deswegen, weil sie dieses Leid ganz tief in sich verschlossen haben. Bei Frauen sitzt das meist lockerer, von sich sowas zu erzählen.
Wie gesagt, ich seh dann die Gefahr darin, dass der Mann projizieren könnte, und während er seine eigene verletzte Seele eigentlich meint und das mal aufarbeiten sollte, anfängt, die Frau, die von ihrem Opfersein erzählte, zu "retten". Dann auch, dass die Frau, ohne es zu wollen, als "verletzt" angesehen werden könnte, im Sinne von "wie ein rohes Ei zu behandeln", "nicht unbeschwert sexy sein können", usw. Da kann sie später noch so betonen, sie sei stark und sexuell völlig unbelastet - wenn man dem anderen das nicht schon "bewiesen" hat und der überrascht ist davon, dass frau mal Probleme mit der Sache hatte, setzt sich das im Bild von der Frau fest und sammelt vielleicht unterbewusst Beweise.

Ich seh weiter das Problem darin, dass der Mann ein Problem kriegen könnte mit seiner Männlichkeit und dem Ausdruck seiner Sexualität, weil er meint, das nicht mehr locker und frei tun zu können bei seiner "Opferfrau" ("Kollektivschuld"mäßig durch das Erstarken der Emanzipation).

Nochmal: Wenn das Trauma noch präsent ist und zu Verwirrungen in der Bez. führt, bin ich natürlich auch der Meinung, dass man was erzählt, wann und wieviel, muss man selber abwägen. Aber wenn es soviel ausmacht wie ein Ameisenbiss vor dreißig Jahren, sollte man es mE tunlichst raushalten aus der Bez., wenn es nicht irgendwann mal auf den Tisch kommt wie bei @Vikky z.B..
 
  • #115
5 Vorstellungsgespräche- 5 Absagen (okay, eine Einladung zur Probearbeit, aber naja).
Eine der anderen Stellen wurde mit einem Mann besetzt und die anderen wollte ich nicht haben (auf einmal befristet z.B.)......habe nur noch geweint und es geht mir nicht gut.

Liebe FS,
M.E. ziehst Du hier falsche Verbindungen und siehst Misserfolge, wo keine Misserfolge sind. Ein AG, der einen befristeten Job anbietet, ist nur ein drittklassiger AG, weil er keine festen Jobs hat oder schlechte Personaler, die ohne Befristung keine Festanstellungen vergeben können. Willst Du einen drittklassigen AG? Ich nicht.

Du hast Dich 5 mal beworben, einmal wurde ein anderer Bewerber gewählt. Ja, Shit happens, manchmal ist einer besser oder kann sich besser verkaufen - Du bist nicht immer die Nummer 1.

Du musst die richtigen Relationen ziehen, statt Dich zu bemitleiden.
Von 5 Bewerbungen wollte man Dich 4 mal haben, leider nur für befristete Jobs, wozu Du zu Recht "Nein" gesagt hast. Also, Du würdest mit einer Quote von 20% abgelehnt und hast selber zu 80% abgelehnt.
Wo ist nun eigentlich Dein Problem? Du solltest Dir auf die Schulter klopfen weil Du Selbstwert gezeigt hast, statt zu heulen.
Du hast 4 mal gesagt "ihr Angebot ist nicht gut genug für mich". Du hast doch deutlich mehr Angebote abgelehnt, als dass Du selber abgelehnt wurdest. Standing Ovations dafür statt Selbstzerfleischung.

Du hast den AG gezeigt, dass sie mit Dir nicht jede Unzumutbarkeit machen können. Du kannst Dich graemen, weil sie Dir keinen Festjob angeboten haben und Dich damit selber runterziehen oder Dir sagen "ich bin einen Festvertrag wert. Haben Sie nicht, dann müssen sie halt mit der 2. oder 3. Garnitur leben".

Sorry, aber Du hast die falsche Sicht auf die Dinge und damit fügst Du Dir Selbstverletzungen zu. Kein anderer Mensch kann Dir den Halt geben, den Du suchst. Du bist eine erwachsene Frau. Du musst den Halt in Dir selber finden.

Ich hatte in meiner Bewerbungshistorie auch dieses Drama um befristete Arbeitsverträge. Ich habe 3 mal den AG im Glauben gelassen, dass er mir kurzfristig die Bedingungen zur Weiterbeschäftigung diktieren kann, um ihm dann am Tag vorm Vertragsablauf zu sagen "ab morgen komme ich nicht mehr, ich gabe einen neuen, besseren Job". Defacto hatte ich mich nämlich langfristig vorher um Alternativen beworben.
Die AG waren jedes Mal fassungslos. Wenn genug Leute den A**** in der Hose haben, sich so in relevanten Jobs zu verhalten, dann erledigt sich das Thema Befristung für viele Jobs von allein.

Ich hatte wirklich eine schwere Kundheit ohne Unterstützung. Aber als erwachsener Mensch mit vielen Kompetenzen habe ich mich nicht mehr zum Opfer gemacht oder machen lassen, sondern mieses Verhalten gleichermaßen beantwortet - nennt man Selbstwirksamkeit und das gibt Dir kein anderer. Das musst Du selber machen.
Ich kann es Dir nur empfehlen, Dich darin zu üben.
 
L

Lionne69

Gast
  • #116
Und welcher Mensch, der als stark, unabhängig und belastbar für den anderen aussehen will, erzählt freiwillig, dass es Zeiten gab, wo er durch einen Stärkeren gedemütigt wurde?

Liebe void,
du hast sicher Deine Sicht der Dinge - trotzdem mag ich Dir nochmal eine ganz andere Sichtweise mitgeben.

Ich war Opfer, als Baby, Kind ist man dies.
Dieses Kind hat gelernt, sich zu verbergen, Gefühle zu verbergen - Ängste, Unsicherheiten. Eine Fassade aufzubauen, lächelnd, gut gelaunt, stark, selbstbewusst, die auch einem Aggressor ins Gesicht sagen konnte, Du A***, wohl wissend, dass der andere noch aggressiver wird. Angst kann man gut mit Wut verbergen.

Irgendwann, wenn man es selbst nicht sehen mag, wie sehr man sich verleugnet hat, zeigt einem das Leben, dass es da doch ganz andere Seiten gibt, die versteckten, unterdrückten, verdrängten. Seiten, die man an sich selbst gar nicht schätzt, akzeptieren mag.

Wenn man aus der Opferrolle hinaus möchte, dann muss man lernen, sich selbst zu akzeptieren, sich wert zuschätzen, sich anzunehmen, mit allen Eigenheiten, mit allen Facetten. Dann gehört es dazu, nicht mehr Fassade zu leben, sondern Authenzität.
Sich seiner Gefühle bewusst werden, ihnen den angemessenen (!) Raum zu geben, nicht wieder verdrängen, unterdrücken, keine lächelnde Fassade mehr.

Dazu gehört aber ganz genauso, dass ich nicht nur im stillen Kämmerchen zu mir stehe, sondern genauso nach außen.
Ich würde mir selbst untreu werden, mich verraten, wenn ich einen Teil meiner Lebensgeschichte einfach verschweigen würde.

Die andere Seite; ich käme mir, wie @Laleila, verraten vor, wenn ein Partner so schweigen würde. Vertrauen.
Ein sehr schöner Post. - und mich freut es sehr, wieder von DIr zu lesen.
 
  • #117
Vikky, nein du hast es falsch verstanden oder ich habe mich falsch ausgedrückt.
Job 1- die Leute waren mir unsympathisch
Job 2- der Job, der UNbefristet ausgeschrieben war, war auf einmal befristet, das wurde mir erst im Gespräch mitgeteilt
Job 3- der Mann wurde genommen
Job 4- Probearbeit wäre erforderlich gewesen- selbst abgelehnt
Job 5- Absage nach Gespräch
 
  • #118
Wenn man aus der Opferrolle hinaus möchte, dann muss man lernen, sich selbst zu akzeptieren, sich wert zuschätzen, sich anzunehmen, mit allen Eigenheiten, mit allen Facetten. Dann gehört es dazu, nicht mehr Fassade zu leben, sondern Authenzität.
Ja sicher, aber Du setzt in Deinem Beitrag gleich, dass es nur eine Fassade sein kann, wenn man nicht von sich aus und ohne Anlass darüber redet, dass man mal Opfer war. Wenn man drüber reden will, wäre es authentisch, wenn nicht, kann es nur Fassade sein. Das ist nicht so.

Die Menschen, die das wirklich verarbeitet und hinter sich gelassen haben, zeigen keine "starke" Fassade, die reden halt nur nicht von sich aus drüber, weil es nicht mehr wichtig ist für sie. Wirklich nicht mehr wichtig.

Wenn das Gespräch drauf kommt oder es nötig wird, mal zu erklären, warum man zu den Eltern keinen Kontakt hat, sagen sie es, aber sie haben es wirklich hinter sich gelassen und es ist nicht Verleugnung, sondern nur kein Teil (mehr) der eigenen authentischen Selbstdarstellung. Sie sind auch nicht verletzt oder in der Defensive, wenn ein anderer ein Verhalten zeigt, das eigentlich triggern müsste. Es triggert einfach nicht mehr, also sie sind nicht plötzlich wieder in dem früheren Gefühl der Hilflosigkeit, sondern "erwachsen" geworden sozusagen.

Ich würde mir selbst untreu werden, mich verraten, wenn ich einen Teil meiner Lebensgeschichte einfach verschweigen würde.
Es geht nicht darum, es zu verschweigen. Es geht darum, es nicht als wichtig für Dich darzustellen, wenn Du erzählst, was Dich ausmacht. Das ist ja ein großer Unterschied, ob ich das dringende Bedürfnis habe, darüber zu reden und mich immer zurückhalte, weil ich ne Fassade wahren will, oder ob mir dieser Part meines Lebens gar nicht einfällt, wenn ich schöne Stunden mit meinem Partner verbringe.
Er will bestimmt auch nichts wissen an Intimem aus meiner Exbeziehung, was vielleicht viel wichtiger wäre für die neue Beziehung wegen eventueller Parallelen, oder wie gut mir die Exbez. getan hat.

Eine lange Ehe prägt auch, aber die neue Frau will idR nicht wissen, wie der Mann so in der Ehe gelebt hat, was die Frau immer gemacht hat, wie es ihm dabei ging usw., was für ihn schön war, was für ihn stressig war.

Bin ich unauthentisch, wenn ich denke, dass es meiner Beziehung nichts gibt, das ohne Anlass zu erzählen, weil ich mich nicht mehr so verhalte, als wäre mir was Schlechtes passiert? Seh ich nicht. Das bringt mich zu der Frage:
Was bringt es Deiner Bez., wenn Du das von Dir erzählst, ohne dass es nötig wäre? Macht es Dich noch immer aus, was Dir passiert ist, was ja bedeutet, dass es nicht verarbeitet wäre? Warum findest Du das so wichtig, dass Du denkst, Du seiest unauthentisch, wenn Du einfach nicht drüber redest?

Oben hab ich geschrieben, dass manche Männer Probleme damit haben, zu ihrem ehem. Opfersein eine Verbindung zu empfinden, DAS ist dann wirklich die Fassade.
 
  • #119
Mit Enttäuschungen geht jeder anders um - das ist auch eine Typsache und nicht nur der Kindheit zuzuschreiben. Mir hilft es z.B. 5 Minuten richtig lautstark und hemmungslos zu fluchen - danach gehts weiter. Andere Menschen heulen, wieder andere schütteln sich nur kurz, manche essen nen Keks oder was auch immer .....
Ich bin übrigens ganz bei Lionne, jeder sollte so sein dürfen, wie er nun mal ist. Und wichtige Dinge aus der Vergangenheit sollte man schon ansprechen - sonst kann jemand, der seine Eltern sehr mag nie verstehen, warum der Andere das als völlig abwegig ansieht.
Manche Menschen brauchen diese ständige Selbstbeweihräucherung, um in den Spiegel sehen zu können. Andere leben mit ihren Fehlern und sind dennoch ganz zufrieden. Manche Menschen müssen ihr Selbstwertgefühl mit ihren Halbwahrheiten füttern, andere haben gar keins und die dritten haben es nicht nötig. So what. Was zusammenpasst, muss jeder für sich entscheiden.
Meine Lebenserfahrung ist allerdings die, dass starke und positiv eingestellte Menschen einem aus so manchem Tal wieder heraushelfen können. Manchmal genau durch diese etwas polterige Art, die sie oft verkörpern.
 
  • #120
Job 3- der Mann wurde genommen
Job 5- Absage nach Gespräch
Job 3 und Job 5 war ja kein Job, sondern nur ein Vorstellungsgespräch und eventuell passtest du nicht Gruppe. Das habe ich vor einen ½ Jahr bei den Gesprächen gleich festgestellt. Die Gruppenleiterin, für die wir eine Mitarbeiterin suchten, ist sehr eitel und alle ihre Untergebenen müssen schlechter aussehen, weil sonst es gleich einen neuen Kriegsschauplatz gibt.

Die Wahrheit für die Ablehnung erfährt man nie, obwohl ich sie genau kenne. Wenn ich dies dann äußere, dann kommt gleich eine Klage vom Anwalt des Bewerbers und somit lässt man es.
Dies sieht man ja auch bei den Ausschreibungen.
Ich habe einmal jemand für eine Abteilung gesucht, wo diejenige auch Kinder haben sollte, da eine kinderlose Frau nicht in die Gruppe passt. Würde man dies bei den Ausschreibung erwähnen, dann droht auch wieder der Anwalt und somit lässt man es.

Und befristet ist ja 99 % jeder Job für einen neuen Arbeitnehmer.
Erst kommen 4 Wochen Probezeit, wo man beidseitig ohne Kündigungsfrist den Vertrag auflösen kann und dann kommen noch 3 oder 6 Monate Probezeit. Erst danach wird der Job ein unbefristeter Job. Ein kenne auch ein deutsches Unternehmen, dass die erst nach 5 Jahren macht. Vorher gibt es immer befristete Verträge über 1 Jahr. Den Namen des Unternehmens unterlasse ich einmal, aber es gehört zu den Top 100 in Deutschland.

Ich weiß ja nicht, wie alt die FS ist, aber wenn Sie über 30 ist, dann braucht Sie sich nicht bei RED Bull bewerben. Die nehmen keinen der Ü30 ist. Es steht ja nirgendwo in den Ausschreibungen, aber ein Freund von mir betreibt dort das Recruiting und daher weiß ich es ganz genau.
 
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