• #121
Magnus, danke dir.
Ich habe mich nur auf unbefristete Stellen beworben, da ich meine unbefristete Stelle nicht für eine befristete tauschen würde (das hat ggf. auch eine Sperre des ALGI vom Amt zur Folge, da man sich freiwillig ohne Not der drohenden Arbeitslosigkeit ausgesetzt hat).

Ich weiß, dass alles mögliche zur Absage nach den Vorstellungsgesprächen geführt haben kann- dennoch tut es weh, es ist eine Ablehnung meiner Person- wie ich sie auch schon in meiner Familie erfahren habe! Daher triggert es mich, es kommt wieder hoch und ich fühle mich wertlos und dumm.
Wenn sich eine gute Freundin mal eine Woche nicht auf eine Whatsapp-Nachricht von mir zurückmeldet, denke ich auch gleich "Die will nichts mehr mit dir zu tun haben". Das sind einfach die Sachen, die man mit einer schlechten Kindheit ohne Liebe mit sich herumschleppt.
Das Selbstbewusstsein ist nicht so intakt und ausgesprägt, dass ich über solchen Dingen stehen könnte.
 
  • #122
Wenn man dadurch getriggert wird, dann sollte man seine Einstellung dazu ändern.
Was ist denn das Schlimmste, was einen bei einem Vorstellungsgespräch passieren kann?
Man bekommt den Job nicht und soweit ist man auch schon vor dem Gespräch und somit hat sich durch das Gespräch nichts geändert. Wenn man z.B. am Mittwoch ein Vorstellungsgespräch hat, dann ist das schlechteste Resultat, dass man anschließend noch so weit ist, wo man heute steht.

Mit Selbstwertgefühl hat dies eher weniger zu tun, sondern einfach den Druck abbauen und nicht noch zusätzlich aufbauen.
 
  • #123
dennoch tut es weh, es ist eine Ablehnung meiner Person- wie ich sie auch schon in meiner Familie erfahren habe!
Das sind aber zwei ganz verschiedene Situationen. Deine Familie sollte Dich lieben und annehmen und Dich beim Aufwachsen unterstützen, also in der Familie ist Annehmen sehr wichtig.

Ein Unternehmen will durch Dich Geld verdienen. Auch wenn die Dich nehmen, müssen die Dich noch lange nicht mögen. Sie sehen in Dir einen Nutzen. Es stimmt natürlich, dass bei gleicher Eignung und Qualifikation der Mensch genommen wird, der denen sympathischer ist. Aber es wird keiner eingestellt, weil man ihn so mag.
Wenn sie Dich nicht nehmen, weil Du ihnen in irgendeiner Weise nicht qualifiziert genug bist, dass Du ihnen nutzen könntest, ist das halt blöd und vielleicht auch ungerecht, aber das Unternehmen ist nicht dazu da, Dir das Gefühl zu geben, Du würdest von der Welt akzeptiert oder angenommen. Die wollen, dass Du ihnen nutzt, deswegen nehmen sie den, der am ehesten danach aussieht.

Nichtsdestotrotz kriegt man ja das Gefühl bei beruflichen Ablehnungen "keiner will mich". Beruflich heißt es "du bist für uns nichts besonderes, dass wir denken, wir hätten was davon, dich einzustellen". Aber das ist ne andere Sache als die Ablehnung in der Familie.

Menschen müssen einen auch ablehnen dürfen. Selbst, wenn es nicht um Berufliches geht. Wenn Du jemand neu kennenlernst und ihm ganz offen entgegentrittst und er Dich einfach so ablehnt, ist das sein Ding. In dem Moment, wo Du Dich deprimiert fühlst deswegen, machst Du ihn wieder zum "Weltgericht Eltern". Ein Kind BRAUCHT ja, dass die Eltern es versorgen, deswegen muss es sich sicher sein, dass es angenommen und akzeptiert wird. Wenn die Eltern vermitteln "wir wollen dich nicht, du bist nicht richtig", ist das Kind in ständiger Unsicherheit, ob es überleben wird. die Eltern sind sozusagen das "Gericht", das entscheidet.
Ein Mensch, der einem begegnet, wenn man erwachsen ist und selbst für sich sorgen kann, darf nicht mehr so gesehen werden, als hätte sein Annehmen oder Ablehnen sonstwas für Bedeutung. Natürlich ist es klar, dass wenn man sich irgendwo bewirbt und einen Job braucht, dieser Chef dann auch wieder aussieht wie das Weltgericht. Aber er lehnt einen ja nicht ab, weil er emotional nichts mit einem anfangen kann oder die Person als Sammlung von Charaktereigenschaften schlecht findet, sondern weil er sagt "nee, du nutzt mir nix beim Geldverdienen". Also hier geht es um Deine Fähigkeiten und Qualifikationen und Deine Selbstdarstellung, nicht um Dein Ich, Selbst, Deine Wesenszüge.
 
  • #124
Ein Unternehmen will durch Dich Geld verdienen. Auch wenn die Dich nehmen, müssen die Dich noch lange nicht mögen
Das ist aber auch eher ein weibliches Problem.
Jedenfalls erlebe ich dies in der Praxis regelmäßig. Dann kommt es zu Gehaltsaufbesserungsverhandlungen und bei vielen Frauen höre ich immer, dass das Kind dies oder das braucht oder ein anderes persönliches Argument. Männer zählen hier meistens auf, welche Nutzen Sie dem Unternehmen bringen.

Vielleicht sollte die FS auch zu einen Bewerbungscouch gehen, wo man erst einmal ihr Wesen auf Video aufnimmt und dann aufzeigt, welche Fehler Sie vielleicht schon in der Körpersprache machen.
Man kann auch einmal “Die Körpersprache beim Bewerbungsgespräch“ googeln und dann bekommt man schon ein paar Tipps. Oft erlebe ich schon oft, dass nach 30 Sekunden eigentlich für mich das Bewerbungsgespräch geistig beendet war.
 
L

Lionne69

Gast
  • #125
Diese Trennung Privat und Business muss man wirklich lernen, liebe Emirix.

Die Prägungen von früher sind Dein privater Bereich, wie Du damit umgehst, ist Dein ganz privater Weg.
Das andere ist das Außen, Beruf oder auch sonstige Situationen, wo Klarheit, Haltung und sachliche Argumentation gefragt ist.

Von Magnus kamen sehr viel Tipps, insgesamt hilft dieser Verhaltenscheck in allen nicht-privaten Situationen.
Werde Dir Deiner Stärken bewusst, baue diese aus. Prüfe, wo Du Schwachpunkte hast, und arbeite daran.
Wir haben alle unsere Stärken, auch für einen potentiellen Arbeitgeber - aber dieser muss Deine Stärken vermittelt bekommen.

Wenn es Dir sehr schwer fallen sollte, es gibt Imaginationsübungen, wo man bildlich die Kleine gut versorgt an einen Ort hinterlässt - und die Erwachsene unterwegs ist. Hat mir zu früheren Zeiten gut geholfen - erst das Realisieren, dass da wieder die Kleine sich vor dem Vater rechtfertigt und um Zuneigung, Verständnis bittet, Angst hat, und dann das Trennen.
Weder bei geschäftlichen, noch amtlichen, noch beruflichen Terminen haben Kindanteile irgend etwas zu suchen - hier kommt die Erwachsene, mit Kompetenz, Gelassenheit, Sachlichkeit.
Zu dieser Thematik gibt es auch im Netz einiges zu finden.

Körpersprache ist sehr wichtig, gerade die Hände und die Sitzposition veraten sehr viel.
Schaue ich dem Gegenüber in die Augen,
Dazu ergänzend, ich merke, dass ich mich an unsicheren Tagen alleine durch die Wahl der Kleidung verändere - sobald ich in meinen Sakko schlüpfe, entsprechende Schuhe, Sorgfalt bei Styling, verschwinden die Unsicherheiten und Zweifel. Die Haltung wird gerader, der Gang anders, etc.
 
M

moobesa

Gast
  • #126
Aufgrund eines narzistischen, strengen, konservativen Vaters liegen meine Probleme eher vor dem Beziehungsbeginn. Ich traue mich nicht an Frauen ran und beneide Männer, die es zu ONS oder Affären schaffen. Ich blicke zurück und sehe, was ich all die Jahre und welche Chancen ich verpasst habe. Blicke ich nach vorne, ist mir alles zu erwachsen. Außerdem was soll ich den Frauen bieten mit meiner relativen Unerfahrenheit? Schon allein deswegen bin ich nicht der ganze Mann, den sie sich alle wünschen. Ich habe es über 15 Jahre nicht geschafft, mich aus dem Einfluss meines Vaters auf mich zu befreien. Und jetzt, wo ich mich gelöst habe, ist es für das Thema zu spät. Schuld bin ich, nicht mein Vater. Schuld, nicht nur verantwortlich.
 
  • #127
Wahrscheinlich waren die Tipps zu hart oder der FS nicht recht, da Sie ja sich nicht mehr gemeldet hat.

Nein, ich bin noch da.

Mit meiner Mutter ist der Kontakt nun wirklich beendet. Ihren Brief habe ich nach wie vor nicht gelesen und auch keinerlei Bedürfnis danach.

Was mir allerdings aufgefallen ist- ich bin echt nicht in der Lage, meinen Partner ständig um mich zu haben. Ich entwickele einen "Fluchtreflex", den ich auch schon in meiner vorherigen Beziehung hatte.
Sprich- nach einem gemeinsam verbrachten Abend und einer gemeinsamen Nacht in einem Bett muss ich ganz dringend für mich sein.
So stehe ich morgens auf, checke meine Mails, während mein Partner kuscheln will.
Ich habe ihm schon gesagt, dass ich dringend ne halbe Stunde für mich brauche...

Auch, wenn wir mehrere Stunden "aufeinander gehockt" haben, brauche ich Abwechslung und gehe zum Sport, zu Freunden und ich brauche nach wie vor sehr viel Zeit für mich.

Meint ihr, das ist mein Charakter oder hat dies mit meiner Kindheit zu tun?
Ich habe mal gelesen, dass die Psychologin Stefanie Stahl, die sich mit der Bindungsthematik befasst, dies als "unsicheren Bindungsstil" betitelt und dass diese Menschen zuviel Nähe nicht ertragen können.
 
  • #128
Meint ihr, das ist mein Charakter oder hat dies mit meiner Kindheit zu tun?
Ich meine, das ist deine Persönlichkeit. Du brauchst Raum und Zeit für dich.
Mit Unsicherheit hat das nichts zu tun - die Starken sind meist am stärksten alleine.
Ich würde nicht allzuviel auf irgendwelche Theorien geben - du bist du. Und kein Stil. Auch kein Fall.
Das, was du brauchst, ist genug Raum. Den findest du nie bei einem Klammeraffen. Das ist das Einzige, worüber du dir klar werden musst.
 
  • #129
Danke euch, das hilft mir schon weiter.
Wir sehen uns sonst täglich, er hat auch mal übergangsweise hier gewohnt.
Ich habe ihm dann gesagt, dass mir das zuviel wird. Diese Woche hat er zweimal bei mir geschlafen, ansonsten schlafe ich lieber alleine.
Ich brauche sehr viel Schlaf und Ruhe und werde, wie die meisten Frauen, beim kleinsten Geräusch wach.
 
  • #130
Meint ihr, das ist mein Charakter oder hat dies mit meiner Kindheit zu tun?

Ich finde es ist egal, was die Ursache ist. Mit der Ursache und der Frage, ob ich das Phänomen beseitigen kann, würde ich mich erst befassen, wenn mir ein Leidensdruck daraus entsteht, d.h. ich Nähe will, sie aber nicht aushalten kann.
Wenn es Dir in Deinen Freiräumen gut geht, würde ich sie als persönliches Merkmal akzeptieren, sie mir verschaffen und genießen.

Ich habe die Feststellung gemacht, dass mein Nähe-Distanz-Bedürfnis immer in Abhängigkeit zum Partner ist. Sind wir sehr kompatibel, haben eine tiefe inneere Verbindung (Vertrauen), kann er immer da sein (muss aber nicht). Gibt es Diskrepanzen, muss er weg sein, dammit ich Ruhe empfinden kann.

ansonsten schlafe ich lieber alleine.
Ich brauche sehr viel Schlaf und Ruhe und werde, wie die meisten Frauen, beim kleinsten Geräusch wach.
Ich brauche ebenfalls meine Ruhephasen, aber die empfinde ich auch, selbst wenn ich mit meinem Partner zusammen auf dem Sofa liege. Natürlich macht ausreichend Platz (jeder hat ein eigenes Zimmer) es einfacher, sodass sich beide zurückziehen können.
Als ich mit meinem Exmann zusammenlebte, hatte auch jeder ein eigenes Zimmer mit Schlafcouch. Ich stand trotzdem unter Spannung, wenn er im Haus war, d.h. nie innere Ruhe.

Ich habe ebenfalls einen leichten Schlaf und wache oft auf, selbst wenn nichts stört. Liegt der richtige Mann neben mir, dann stört er eben nicht, d.h. er ist nicht die Ursache für das Aufwachen und ich kann wieder einschlafen.
Gibt es mit dem Mann Inkompatibilitäten, dann stört mich seine Anwesenheit und ich kann nicht oder schlecht einschlafen - egal ob er neben mir liegt oder in einem anderen Zimmer.
 
  • #131
Wegen der Sache mit dem beruflichen Abgelehntwerden und sich-wie-früher-Fühlen könnte ich mir vorstellen, dass Du was Ähnliches auch in Partnerschaften projizieren könntest (also dass der Partner Dich akzeptiert, ist für Dich auch wie das "Eltern-Weltgericht" früher, deswegen verhältst Du Dich besonders aufmerksam, was natürlich sehr anstrengend ist, wenn man das permanent machen muss). Wenn das so sein sollte, verhältst Du Dich in der Partnerschaft anders, als wenn Du allein wärst. Das passiert automatisch, man ist rücksichtsvoller und kennt die Grenze nicht, bei der man gleich sagen sollte "so geht das nicht". Stattdessen muss man sich erholen vom Zusammensein, um endlich mal wieder so zu sein, wie man ist, und die eigenen Bedürfnisse nicht dauernd zurückzustellen für den Partner.

Ich weiß es nicht, ich denke, es könnte aber auch charakterlich sein. Es gibt ja Menschen, die einfühlsamer sind als andere. Vielleicht stressen die die Laune eines Partners und Unstimmigkeiten mehr als andere?
Es gibt ja auch introvertierte und extrovertierte Menschen, ich denke allerdings, dass zwei der gleichen Sorte sich sehr gut aushalten, weil zwei Introvertierte nebeneinander sein können und trotzdem jeder sich in seiner eigenen Stille erholen kann.

Ich seh das wie @Vikky: Wenn es der richtige Mann/die richtige Frau ist, gibt es nicht, dass man sich von ihm erholen muss. Allerdings bleibt trotzdem noch, dass man Grenzen setzen lernen muss (allgemein, vielleicht nicht diesem Partner, aber generell gegenüber Menschen, damit sie nicht so eine emotionale Macht über Dich haben) und dass man auch im Partner nicht die Eltern sieht, die beurteilen und Daumen rauf oder runter geben. Also eine Augenhöhepartnerschaft da ist.
 
  • #132
Stattdessen muss man sich erholen vom Zusammensein, um endlich mal wieder so zu sein, wie man ist, und die eigenen Bedürfnisse nicht dauernd zurückzustellen für den Partner.

Die Sache ist wirklich, dass mein Partner abends gerne Politik-Sendungen schaut, ich aber gerne Frauen-Serien. Dann will er abends häufig noch Dinge diskutieren, ich bin allerdings müde.

Das klappt aber schon deutlich besser als früher, eben WEIL ich ihm meine Grenzen aufgezeigt habe und er auch nun ab und an mal Serien mitschaut bzw. wir eine Serie gefunden haben, die uns beiden gut gefällt.
 
  • #133
Was mir allerdings aufgefallen ist- ich bin echt nicht in der Lage, meinen Partner ständig um mich zu haben.
Meint ihr, das ist mein Charakter oder hat dies mit meiner Kindheit zu tun?

Ich meine, dass sich das per Ferndiagnose sicher nicht exakt sagen lässt und dass "der Charakter" doch letztlich auch ein Sammelsurium von dem ist, was einem im Leben so passiert. Ob nun Charakter oder Persönlichkeit oder was auch immer, der Begriff ist doch letztlich hier egal.

Du hast eine bestimmte Eigenschaft. Ich lese nicht mal heraus, dass Dich diese Eigenschaft massiv stört oder dass Du sie ändern willst. Ganz im Gegenteil, Du teilst Deinem Partner mit, dass Du Zeiten für Dich brauchst. Es gibt wahrscheinlich Millionen Menschen, die Zeit für sich brauchen und deshalb in LAT-Partnerschaften leben oder lieber Single bleiben. Wer definiert "normal"? Wenn Du glücklich bist, ist das in Ordnung.

Es könnte sein, dass Deinen Partner Deine Eigenschaft stört. Auch da ist wieder die Frage, wie massiv. Und selbst dann ist die Konsequenz nicht unbedingt, dass an Dir etwas verkehrt ist und Du das ändern musst.

Erst wenn Du an Deiner Eigenschaft etwas ändern möchtest, könntest Du nachforschen, ob eine Ursache in Deiner Kindheit liegt, ob es damit zusammenhängt, dass Du auch von Deiner Mutter Abstand brauchst, an Gefühlen aus der Kindheit oder ob es an Deinen Partnern liegt, dass Du Erholung von ihnen benötigst. Von außen betrachtet fühlst Du Dich sehr schnell persönlich abgelehnt (z. B. in den Vorstellungsgesprächen), aber auch das muss kein änderungsbedürftiger Zustand sein. Du bist so, wie Du bist und das ist grundsätzlich erstmal in Ordnung.
 
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