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Gast

  • #1

Wir-Gefühl, wann stellt sich das Zusammengehörigkeitsgefühl ein?

Hallo Ihr Lieben

Nach langem hin und her (fast 5 Monate Daten, Ausflüge machen und einfach kennenlernen) sind mein Freund und ich jetzt seit zwei Monaten ein Paar.

Ich hatte vorher fast 6 Jahre keine Beziehung, darum diese vielleicht etwas naive Frage. Momentan ist es so, dass wir viel Zeit miteinander verbringen und auch eine tolle Zeit haben und eigentlich ist auch alles super, nur eben: Mir fehlt dieses Gefühl.

Mir kommt es vor, als würden wir zusammen als jeweils Single agieren. Heisst jeder macht unabhängig Pläne und die werden auch -nachträglich- koordiniert, aber weder für mich noch für ihn ist es jeweils selbstverständlich, dass der Partner dabei ist.

Gleiches gilt für Ferien u.ä.

Meine Frage an euch: Wann stellt sich das Wir-Gefühl ein? Kommt es überhaupt irgendwann oder ist es ein Mythos? Oder ein anderes Wort für Gewohnheit?

Ich weiss, keine weltbewegende frage, eure Meinungen und Geschichten würden mit trotzdem interessieren.
 
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Gast

  • #2
Andersherum hatte ich das Wir-Gefühl bei Männern, mit denen es ernst wurde, von Anfang an. In meiner jetzigen Beziehung musste ich es leider mit Vorsicht genießen, da er frisch getrennt war und seine Beziehung noch verabeitete. Musste oft mit angezogener Handbremse fahren, was auf keinen Fall einfach ist/war. Man muss schon verdammt gut aufpassen, dass die Unbeschwertheit nicht auf der Strecke bleibt. Am Samstag nun sind wir ein Jahr zusammen und ich kann es langsam zulassen, das Wir-Gefühl auch zu leben.

Was ich dir sagen will: Das Wir-Gefühl ist bei Männern, bei denen ich außer dem Verliebtheitsgefühl auch ein gutes Bauchgefühl hatte, von Anfang an vorhanden.
w/47
 
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Gast

  • #3
Ich finde die Frage sehr interessant und überhaupt nicht naiv! Ich bin seit ein paar Monaten mit meinem Partner zusammen und ein sog. Wir-Gefühl hat sich von dem Moment an entwickelt, an dem "wir" uns gegenseitig mitgeteilt haben, dass wir zusammen sein und auch bleiben möchten. Das war relativ schnell, bereits zwei, drei Wochen, nachdem wir uns kennen gelernt und ausführlich über unsere Wünsche, Hoffnungen etc. ausgetauscht haben.

Von da an hat es sich kontinuierlich weiter entwickelt über gemeinsame Erlebnisse, an die wir uns gern erinnern und über die wir oft sprechen, besondere Worte oder Sätze, dessen Sinn nur wir beide verstehen, besondere Momente nur zu Zweit, das Schmieden gemeinsamer Pläne (z.B. Koch-Orgien, Konzertbesuche, Ausflüge, Kurz- und Lang-Urlaube), sich als Paar im Freundeskreis erleben und natürlich Zärtlichkeiten, Händchen halten, liebe Worte füreinander... und es kommt automatisch etwas Neues hinzu, desto länger wir zusammen sind.

Ein Mythos ist das m.E. also nicht, sondern etwas sehr Wichtiges, das sich aus gemeinsamen Aktionen, Gesprächen und dem Prozess des "sich Aufeinander-Einlassens" entwickelt.

Voraussetzung ist, dass man sich ausreichend Zeit für den Anderen nimmt und ihm einen zentralen Platz im eigenen Leben einräumt. Das heißt auch, dass sich das eigene Leben grundlegend verändert und zu einem Großteil nun als "Wir" gelebt wird. Selbst wenn man getrennt wohnt. Ist diese Bereitschaft von einer Seite her nicht ausreichend gegeben, wird sich ein Wir-Gefühl nur schwer oder verzögert einstellen (z.B. wenn einer / beide mehr Zeit brauchen, um sich nach längerer Singlezeit umzustellen). Das muss überhaupt nichts schlechtes bedeuten und man kann etwas dafür tun!

Ich persönlich finde es gerade zu Beginn sehr wichtig, dieses Gefühl - das ja auch ein zentrales Bedürfnis sein kann - voll auszuleben. Für mich ist das die Grundsteinlegung der Partnerschaft, ein wichtiger Gradmesser für die Tiefe der Gefühle und damit auch das Gelingen der weiteren Beziehung.

Frage an Dich: Was müsste sich Deiner Meinung nach ändern, damit Du mit Deinem neuen Partner ein schönes Wir-Gefühl erleben kannst und: was könntest Du dafür tun? Gleiche Frage natürlich auch an Deinen Partner!

Ich wünsch' Dir viele schöne Momente auf diesem Weg!

w, Anfang 50 mit Partner im gleichen Alter
 
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Gast

  • #4
Wenn meine Freundin bereits nach so kurzer Zeit nur noch als "wir" denken, fühlen und handeln würde, würde mich das viel zu sehr einengen und massiv stören! Sie würde damit die Beziehung aufs Spiel setzen.

m.
 
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Gast

  • #5
Liebe FS

so wie ich das sehe und erlebe liegt es nicht an dem Umstand Fernbeziehung allein.
Es liegt am Fehlen von Gesten der Nähe und dem Ausdruck des Vertrauens.

Gute Unterhaltung und nette Freizeit, viele Telefonate und heisse Küsse machen noch kein Wir-Gefühl. Das bleibt noch so in der Vorstufe.

Bei meinem Freund wurde ein Basaliom diagnostiziert. Seine Bestürzung war auch meine. Es war in dem Moment als wäre auch ich betroffen, denn ich hatte Angst um ihn. Da wusste ich dass ein Wir längst entstanden war, trotz FB.
 
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Gast

  • #6
Bei mir als Mann ist es so, dass ich mich dann richtig angenommen fühle, wenn ich vertrauen kann. Das zeigt sich z.B. darin, dass ich mich öffne und von meiner schwierigen Kindheit erzähle. Das erzähle ich ich nur ganz wenigen, ausgesuchten Menschen.
Allgemein würde ich sagen, dass man sich gegenseitig "sein Herz öffnet" und über Hoffnungen, Ängste, schwierige Erfahrungen und seine Gefühle für den anderen redet.

m