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  • #1

Wird Offenheit in einer Beziehung überbewertet?

Es heißt ja immer, man soll in der Beziehung ehrlich sein. Ich habe eine Gegenthese, ich bin davon überzeugt, dass weder Beziehungen zwischen Männern und Frauen noch die Gesellschaft im Ganzen absolute Ehrlichkeit verträgt. Ich glaube, dass ein gewisses Maß an Unehrlichkeit für die Harmonie in einer Beziehung ganz gut ist, dann erledigen sich viele Probleme von selbst. Warum sollte man zum Beispiel eine neue Partnerin alles über die eigenen Widersprüche, Fehlentscheidungen und sexuellen Exkapaden zu erzählen. Ich glaube, dass gerade Frauen sich ein stück weit nach einer heilen Welt sehnen und so lange man diese bietet ist in der Regel alles in Ordnung, Nach meiner Erfahrung kann man sich in dieser Gesellschaft ziemlich frei ausleben, das einzige, was die Gesellschaft wirklich von einem verlangt ist eine gewisse Diskretion. Ein Großteil der Debatten, die in diesem Forum geführt werden, über die Akzeptanz von Puffbesuchen, Vielzahl von Sexualpartnern usw. Erledigen sich doch von selbst, wenn man seine Vergangenheit Vergangenheit sein lässt.

M 33
 
  • #2
Klar, wenn man mit sich nicht im Reinen ist, sondern stattdessen lügt, betrügt und verheimlicht, dann vermeidet man eine gewisse Zeit lang manche Probleme.

Wer mit so einer Einstellung an Partnerschaft herangeht, hat das Konzept einfach nicht verstanden. Wenn man nicht einmal dem Partner vertraut, sich ihm anvertraut und ehrlich ist, wem dann?

Es ist eigentlich erschütternd, dass so ein Mangel an Moral auch noch als diskussionswürdige These hingestellt und hochstilisiert wird.
 
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  • #3
Ich stimme in vielen Punkten mit dem Fragesteller überein.
Warum sollte mein Partner mir sämtliche Details aus seinem vergangenen Sexleben offenbaren? Daran besteht meinerseits kein Interesse, denn es ist Vergangenheit. Mein Fokus ist ganz klar auf die Zukunft gerichtet und in diesem Rahmen ist es für mich selbstverständlich auch über sexuelle Vorlieben, Wünsche etc zu sprechen, denn ich bin nicht prüde.

Übrigens stellt es für mich keinen Mangel an Moral dar, wenn ich gewisse Dinge nicht weiss. Da sehe ich absolut keinen Zusammenhang!

Mich interessiert schon, ob mein Partner in der Vergangenheit längere Beziehungen hatte oder nicht, aber ich muss nicht jedes Detail dieser Beziehung kennen, denn es interessiert mich nicht. Ich lebe im hier und jetzt und das zählt! Natürlich kann man Gefahr laufen, dass man einen notorischen Fremdgänger gerät und man dieses, wenn man Kenntnis von dieser Tatsache gehabt hätte, hätte vermeiden können. Aber bei Beziehungen handele ich nicht nur vernunftsbetont und deshalb gehe ich natürlich ein gewisses Risiko ein entäuscht zu werden, aber so ist das Leben. Auch aus einer Beziehung, in der man entäuscht wurde, kann man positives ziehen, man hatte eine tolle gemeinsame Zeit.

Ich erwarte nicht immer die schonungslose Wahrheit, allerdings möchte ich in einer Beziehung nicht über Dinge, die sich in edr Beziehungzeit abspielen, belogen werden. Nicht, dass ich falsch verstanden werde: Offenheit ist mir in einer Beziehung sehr wichtig, aber nur soweit es das hier und jetzt betrifft. Vergangenheit ist eben Vergangenheit!
 
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  • #4
Man muss nicht alles sagen, was man weiss.
Aber man darf niemals die Unwahrheit sagen.

Daraus folgt, dass man im gegenseitigen Einvernehmen durchaus manche Dinge (zum Beispiel aus der Vergangenheit) im Ungefähren ruhen lassen darf.

Wie gesagt: manifestes Lügen aber geht gar nicht.
Das wäre DER Vertrauenskiller schlechthin.

Können wir usn darauf verständigen?
M48
 

Angele

Gesperrt
  • #5
Lieber FS.
JEDER wünscht sich eine heile Welt - Männer, Frauen und besonders Kinder!
Ich denke, dass man bei diesem Thema differenzieren sollte.
Bei einer Partnerschaft geht es nicht darum, dem (neuen) Partner alles über sein bisheriges Leben zu berichten oder zu beichten. Der Partner oder die Partnerin ist ja kein Beichtstuhl! Der andere Mensch hat kein Recht, alle vergangenen Geheimnisse, Intimitäten oder Erlebnisse im Detail zu wissen.
Alle Menschen begehen Fehler in ihrem Leben. Alle haben wir einige Charakterschwächen, die uns prägen. Wir haben alle Fehlentscheidungen getroffen. Und wir haben alle unsere Schokoladenseiten!
In meinem Alter (ich bin 57) hat man hoffentlich einiges aus seinen Fehlern gelernt!
Ich würde nicht einem neuen Partner alles erzählen. ONS, fremdgehen, Affären in der Vergangenheit - was heute alles nie mehr ein Teil meines Verhaltens wäre - gehen einen neuen Partner schlichtweg nichts an. Natürlich sollte nicht lügen, aber man kann eine "weiche Landung" machen, indem man resümierend einräumt, dass man eben früher mal anders gelebt hat, als man es sich heute vorstellen könnte.
Ein neuer Partner würde einen vielleicht auch als langweilig empfinden, wenn er so schnell alles oder vieles über einen wüsste! Wichtig ist, wie der Mensch heute ist, und welchen Eindruck er in Hinblick auf eine potentielle Partnerschaft macht! Selbstverständlich kann man dagegen argumentieren und behaupten, der Mensch ändere sich grundsätzlich nicht wesentlich. Na, klar! Aber die Fähigkeit, Einsicht zu haben und aus Fehltritten lernen zu können, sein Verhalten korrigieren zu können, ist ebenfalls eine individuelle, permanente Eigenschaft.
Ich kann auch den FS verstehen, dass er nicht immer zur Rechenschaft stehen will, wie viel Sex er wann und wo und unter welchen Umständen gehabt hat. Es geht eine neue Bekanntschaft nichts an. Auf der anderen Seite würde mir als Frau auch nicht gerade ein Mann gefallen, der sich in Bordellen, Affären und ONS tummelt und es ausstrahlt, dass das eben ein Teil seiner Lebensführung (gewesen) ist. So einen Mann würde ich links liegen lassen.
Interessant ist auch, ob der Mann lange Beziehungen hinter sich hat, also ob er zu einer solchen fähig und willig ist. Der Gesamteindruck unter Hinzunahme vieler Aspekte ist hier wichtig!
Als Frau sollte mit anderen Worten nicht zu ausfragend sein, sondern spüren können, was für einen Typ Mann man vor sich hat und ihn ggf. relativ wortlos abblitzen lassen.
 
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  • #6
Natürlich wird von miemandem ein Seelen- Strip erwartet. Kein Mensch erzählt seinem Partner ALLES, was er denkt, erlebt hat, usw.. Jeder hat auch einige unangenehme Situationen in seinem Leben erlebt, die er natürlich nicht gerne erzählen möchte, weil es unangenehm ist, außerdem auch keine Rolle mehr spielt, die er einfach niemandem, auch dem Partner nicht mitteilen möchte. Das ist ganz normales Verhalten - jeder hat seine Geheimnisse und sie zu verschweigen hat nichts mit Lügen, Charakterlosigkeit oder schlechtes Gewissen zu tun.
 
  • #7
Der Eingangspost vermischt meines Erachtens unterschiedliche Punkte, nämlich Diskretion, anderen nicht alles auf die Nase zu binden, mit der Frage von Ehrlichkeit/Unehrlichkeit. Und der Bezug auf die Vergangenheit kommt auch erst zum Schluss.

Was die Vergangenheit angeht, halte ich es für in Ordnung, wenn man manches nicht von sich aus erzählt oder es -auch auf Nachfrage- bei groben Rahmendaten belässt. Wenn mein Partner mir aber eine konkrete Frage stellt oder ich ihm, dann sollte die Antwort ehrlich sein.

Sobald es die nahe Vergangenheit, die Gegenwart oder die Zukunft angeht, insbesondere die Zeit, über die sich unsere Beziehung erstreckt, sinkt für mich die Schwelle dessen, was ich beim Verschweigen in Ordnung fände. Das Beispiel mit dem Bordellbesuch passt hier ganz gut: War der deutlich "vor unserer Zeit" muss ich das nicht wissen, denn es hätte für meine Gegenwart und Zukunft keine unmittelbare Konsequenz. Läuft so etwas aber parallel zu unserer Beziehung, ist es für mich ein wichtiger Punkt, von dem für mich mein nachfolgendes Verhalten abhängt, und darum will ich das wissen.
 
  • #8
Da Lügen, Betrügen, Fremdgehen, Puffbesuche sehr tief den dem Charakter blicken lassen, ist es gar nicht egal, wenn man dabei lügt und behauptet das ist Vergangenheit. Alleine das Argument, es ist ok diesen Teil der Vergangenheit zu verschweigen, wäre ok da es Vergangenheit ist, zeigt ja deutlich, dass die betreffenden Menschen sich eben gerade überhaupt nicht verändert haben und in keiner Weise was dazu gelernt haben. Weiterhin werden Menschen für die eigenen Zwecke belogen und benutzt nur um die eigenen Bedürfnisse zu erfüllen. Wenn man was dazu gelernt hätte, sich charakterlich verändert hätte, dann würde man zu seinen Fehlern stehen und dem möglichen Partner selber entscheiden lassen, ob er sich auf jemand einlassen will, der sich in der Vergangenheit als völlig unvertrauenswürdig erwieden hat. Aber nein, schön weiter lügen und damit bestätigen, dass er es einfach nicht wert ist, dass jemandihm vertraut. Nix dazu gelernt. Ich bin nur froh, dass meistens so was eh raus kommt und dann wird es eh härter. Wenn man seinen Partnr belügt weil einem etwas unangenehm ist, dann hat das NUR mit Charakterlosigkeit zu tun.
 
  • #9
Im Schnitt lügt der Mensch an die 200 mal am Tag, kann man ganz leicht googeln. Von daher gehört es wohl zum Alltag dazu.
 
  • #10
@Angele: Ich stimme Dir insoweit zu, als dass der neue Partner keine Beichte erfahren muss und kein Recht hat, alles zu erfahren. Natürlich darf man selektiv erzählen und gewisse Geheimnisse wahren.

Andererseits gilt für mich ganz klar:

+ Man darf nicht lügen. Man muss bei der Wahrheit bleiben.
+ Man darf ausweichen oder schweigen. Aber nicht Unwahres erzählen.
+ Man muss nicht alles austauschen, aber wenn, dann muss es stimmen.

Sind wir uns da einig?

Außerdem denke ich, dass man nicht mit einem Partner zusammen sein sollte, von dem man weiß, dass er einen ablehnen würde, würde er nur genug über einen wissen. Ich finde, das ist einfach ein moralischer Imperativ. Da muss man sich sowohl gegenüber sich selbst als auch gegenüber dem Partner treu bleiben. Selbst wenn man nicht darüber redet, muss man ggf. die Konsequenzen ziehen.

Beispiele: Eine Frau, die eine Schwangerschaft abgebrochen hat, und auf einen fanatischen Abtreibungsgegner stößt, der solche Frauen mit übelsten moralischen Einschätzungen belegt, darf sich nicht sagen, "er weiß es ja nicht", sondern sie muss sich und ihm gegenüber treu bleiben und sich ggf. einfach trennen. Unter solchen Bedingungen darf man nicht eine Heimlichkeit mitschleppen, die die Beziehung vernichten würde, wäre sie nur bekannt. -- Analoges gilt für Frauen, die mal als Prostituierte gearbeitet haben oder unzählige ONS hatten und wissen, dass ihr Partner das fundamental und zutiefst ablehnt. Auch hier muss sie entweder raus mit der Sprache oder aber sich trennen. Aber nicht das Geheimnis mitschleppen und ihren Partner tagtäglich verarschen.

Was sagst Du dazu?
 
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  • #11
ich möchte den Menschen kennenlernen, der von morgens bis abends gegenüber seinen Mitmenschen stets nur die absolute Wahrheit ausspricht - ich kenne nicht einen, gleich ob M oder F. Mit absoluter Wahrheit meine ich in diesem Falle fast ausschließlich die Dinge die uns eben mal so durch den Kopf gehen oder nicht weltbewegend sind, aber im Falle ihrer Ausprache großen und größten Schaden anrichten würden. Wenn ich jede Kleinigkeit die mir an meiner Partnerin gerade nicht passt offen aussprechen würde oder umgekehrt wäre die Beziehung schnell am Ende - unser gesamtes gesellschaftliches Miteinander wäre schnell am Ende. Was mir aber immer auffällt: die Menschen die immer auf Offenheit beharren, erlebe ich in meinem beruflichen Umfeld, wenn es z.B. darum geht, Mauschelleien zwischen Staatsdienern und Privatunternehmen offen anzusprechen als extrem abtauchend. Übrigens halte ich das Offenbaren aller Einzelheiten aus einer vergangenen Beziehung für einen eklatanten Vertrauensbruch gegenüber meiner Ex-Partnerin und lässt darauf zurückschließen, dass auch in Zukunft ebendieses Vertrauen in der Partnerschaft nicht sonderlich geachtet wird.
 
  • #12
ich möchte den Menschen kennenlernen, der von morgens bis abends gegenüber seinen Mitmenschen stets nur die absolute Wahrheit ausspricht
Das behauptet auch niemand und das fordert niemand. Die Diskussion über absolute Wahrheit ist allenfalls von philosophischem Interesse und hier nicht relevant. Eröffene dazu gegegenenfalls einen separaten Thread.

Aber es gibt eben wichtige Dinge, die man mit seinem Partner bespricht, und da ist beiden die Gewichtigkeit durchaus klar. Es geht um vorsätzliche Lügen in Bereichen, von denen man weiß, dass es dem Partner wichtig wäre, die Wahrheit zu kennen. Das ist doch aber auch leicht zu verstehen gewesen!

Es geht hier auch nicht darum, ob man alles erzählen muss oder gar ungefragt sonstwas erzählt. Es geht nicht einmal darum, ob man alles wissen muss. Es geht vielmehr darum, ob man jene Dinge fragen darf und ehrliche Antworten bekommen sollte, die einem wirklich persönlich wichtig sind. Und da sage ich ganz klar: Ja, das Recht hat man, denn man lebt nur einmal und eine Partnerschaft ist eben weitreichend.

Übrigens halte ich das Offenbaren aller Einzelheiten aus einer vergangenen Beziehung für einen eklatanten Vertrauensbruch gegenüber meiner Ex-Partnerin und lässt darauf zurückschließen, dass auch in Zukunft ebendieses Vertrauen in der Partnerschaft nicht sonderlich geachtet wird.
Da stimme ich Dir zu. Das Vertrauensverhältnis dauert auch nach der Trennung an. Das habe ich im zugehörigen Parallelthread gleich als erstes deutlich gemacht.
 
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  • #13
an #11
Fragen darf man immer, aber man kann nicht erwarten, dass man immer eine Antwort bekommt. Auch nicht der Partner.
 
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  • #14
Was heißt hier muss? Ich muss ja schließlich meiner neuen Partnerin auch vertrauen können, um ihr bestimmte Dinge von mir zu erzählen. Was und wieviel ich erzähle entscheide ich ganz allein selbst!
Grundsätzlich denke ich aber, je mehr ich erzählen kann, ohne Angst haben zu müssen, OmG, wenn mein neuer Partner das wüsste, würde er mich sofort verlassen, umso besser ist auch die Beziehung. Hätte ich dagegen das Gefühl, viel verheimlichen zu müssen, um Streit zu vermeiden wäre es eher ein schlechtes Zeichen.
Aber gerade bei der Frage der Anzahl der Expartnerinnen, ist man nicht verpflichtet die Wahrheit zu sagen. Da find ich ja schon die Frage danach grenzwertig.
 
  • #15
Aber gerade bei der Frage der Anzahl der Expartnerinnen, ist man nicht verpflichtet die Wahrheit zu sagen. Da find ich ja schon die Frage danach grenzwertig.
Wenn man antwortet, dann muss es auch die Wahrheit sein.

Was an der Frage grenzwertig ist, wüsste ich nicht. Warum sind frühere Arbeitsplätze, Wohnorte, Freunde weniger grenzwertig?

Nur wer nicht mit sich im Reinen ist, muss hier zögern. Alle anderen können offen und ehrlich sein und zu sich stehen. Was ist schon eine Zahl? Was kann daran so schlimm sein?
 
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  • #16
Ich plädiere für wirkliche Offenheit und lebe sie auch. Mit wem, wenn nicht mit meiner Partnerin kann ich alle meine Gedanken teilen, mich völlig fallen lassen. Diese Haltung ist manchmal auch unbequem, kann sogar im Einzelfall verletzend sein und es bedarf einer gewissen Zeit, zu diesem tiefen Vertrauensverhältnis zu gelangen. Das geht natürlich auch nur, wenn ich sicher sein kann, daß sie diese Ehrlichkeit "honoriert", auch mit einer unbequemen Antwort umgehen kann und ebenso offen zu mir ist.

Man sollte im Einzelfall aber auch mal darüber sprechen, ob man die Antwort auf bestimmte Fragen auch wirklich hören will und damit leben kann, d.h. darüber reden, wieweit die Offenheit in der eigenen Beziehung gehen soll.

Diese Haltung hatte ich früher noch nicht so ausgeprägt. Sie ist einfach ein Resultat meiner Lebenserfahrung.
 
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  • #17
Was die Vergangenheit angeht, halte ich es für in Ordnung, wenn man manches nicht von sich aus erzählt oder es -auch auf Nachfrage- bei groben Rahmendaten belässt. Wenn mein Partner mir aber eine konkrete Frage stellt oder ich ihm, dann sollte die Antwort ehrlich sein..

Sehr schön - die konkrete Frage sollte immer beantwortet werden, sonst stellt sich ein schales Gefühl ein. Menschen, die sagen "darüber möchte ich nicht reden", legen den Verdacht nahe, dass es sich um ungelöste Probleme handelt, die letztlich noch immer Bedeutung haben.

Sobald es die nahe Vergangenheit, die Gegenwart oder die Zukunft angeht, insbesondere die Zeit, über die sich unsere Beziehung erstreckt, sinkt für mich die Schwelle dessen, was ich beim Verschweigen in Ordnung fände.

Alles andere wäre für mich zumindest keine Partnerschaft, sondern ein lose und nur beschränkt verbindliche Beziehung, bei der klar ist, dass man keine Fragen stellt und ausschließlich den Moment genießt.
 
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  • #18
@Angele: Ich stimme Dir insoweit zu, als dass der neue Partner keine Beichte erfahren muss und kein Recht hat, alles zu erfahren. Natürlich darf man selektiv erzählen und gewisse Geheimnisse wahren.

Andererseits gilt für mich ganz klar:

+ Man darf nicht lügen. Man muss bei der Wahrheit bleiben.
+ Man darf ausweichen oder schweigen. Aber nicht Unwahres erzählen.
+ Man muss nicht alles austauschen, aber wenn, dann muss es stimmen.

Sind wir uns da einig?

Außerdem denke ich, dass man nicht mit einem Partner zusammen sein sollte, von dem man weiß, dass er einen ablehnen würde, würde er nur genug über einen wissen. Ich finde, das ist einfach ein moralischer Imperativ. Da muss man sich sowohl gegenüber sich selbst als auch gegenüber dem Partner treu bleiben. Selbst wenn man nicht darüber redet, muss man ggf. die Konsequenzen ziehen.

Beispiele: Eine Frau, die eine Schwangerschaft abgebrochen hat, und auf einen fanatischen Abtreibungsgegner stößt, der solche Frauen mit übelsten moralischen Einschätzungen belegt, darf sich nicht sagen, "er weiß es ja nicht", sondern sie muss sich und ihm gegenüber treu bleiben und sich ggf. einfach trennen. Unter solchen Bedingungen darf man nicht eine Heimlichkeit mitschleppen, die die Beziehung vernichten würde, wäre sie nur bekannt. -- Analoges gilt für Frauen, die mal als Prostituierte gearbeitet haben oder unzählige ONS hatten und wissen, dass ihr Partner das fundamental und zutiefst ablehnt. Auch hier muss sie entweder raus mit der Sprache oder aber sich trennen. Aber nicht das Geheimnis mitschleppen und ihren Partner tagtäglich verarschen.

Mich überrascht, dass man ausweichen und schweigen darf, aber nie! die Unwahrheit! sagen.

Das stimmt doch alles nicht, ich kann mir nicht vorstellen, dass hier alle immer ihren Partnern die Wahrheit sagen. Wenn mein Partner völligst begeistert mir sein selbstgebautes Regal zeigt, welches mir absolut nicht gefällt, ja, dann lüge ich, ich sage schön!, weil ich merke, wie sehr er sich über sein Ergebnis freut. Soll ich ihm da die Stimmung versauen? Wollt ihr immer die Wahrheit hören? Ich nicht!

Wenn man nie lügen darf und immer die Wahrheit sagen muss. ... Ich fände das fatal. Man ist auf einer Party und fühlt sich zu einem anderen völligst hingezogen...geht natürlich brav mit seinem Mann nach Hause, da man ja Treu ist...Jetzt fragt der Mann, hat der Typ dir gefallen?, da sagt man doch mmmhh, ja etwas...aber doch nicht die Wahrheit, dass man diesem Typ in Gedanken eigentlich schon die Sachen vom Leib gerissen hatte...das ist reine Phantasie und würde den Partner doch nur verletzen.

Das Beispiel mit dem Abtreibungsgegner passt überhaupt nicht! Jemand der so fanatisch seine Abneigung zeigt, wäre mit jemanden der Abtreibung nicht verteufelt gar nicht zusammen. Und zwar nicht, weil sie selber abgetrieben hätte, sondern weil diese beiden von ihren Wert- und Moralvorstellungen nicht übereinander kommen.
 
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  • #19
Ich kenne keine Frau, die kein großes Geheimnis hat. Leider weiß ich nicht, wie es bei den Männern aussieht.
 
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