• #1

Wird sich jemals wieder ein Kontakt ergeben?

Hallo zusammen,
Ich bin komplett neu hier. Mich treibt eine Frage um, die ich mich seid gestern sehr beschäftigt.
Zum Hintergrund: mein Vater ist Alkoholiker. Ich bin 52 Jahre, meine Schwester ist 61 Jahre alt. Unsere Mutter ist im März 2015 mit 85 J. verstorben. Seitdem gehe ich zu Al-anon, eine Selbsthilfegruppe. Ich habe erkannt, dass ich in meiner Familie das verlorene Kind und der Sündenbock war. Um mich selbst zu schützen habe ich den Kontakt zu meiner Familie komplett abgebrochen.
Ich habe die Anerkennung meiner Leistung in der Familie nie bekommen. Wurde übersehen, beschimpft und missachtet. Ich habe sogar studiert und alles Mögliche getan, damit sie wenigstens ein Bisschen stolz auf mich sind. Ich wollte immer aus dem Sumpf raus. Durch meine familiäre Prägung wäre ich beinahe selbst in die Sucht abgerutscht. Danach wurde ich selbst co-abhängig und mein zweiter Mann wäre beinahe ebenfalls Alkoholiker geworden. Aber wir haben es geschafft. Wir sind gesund und alles läuft richtig gut. seit drei Jahren geht es mir sehr gut. Und seitdem werde ich von allen massiv beschimpft. Vorallem meine Vater rastet komplett aus.
Da meine Schwester ebenfalls co-abhängig ist (essüchtig und Beziehungssüchtig, Alkohol bin ich mir nicht sicher), versucht sie ebenfalls mich über Dreiecksgespräche zu manipulieren und einen Konflikt heraufzubeschwören. Das geht soweit, dass mein Vater, sogar nicht nur mich, sondern auch meine Tochter (24 Jahre) enterben will. Wir haben das nicht verdient.

Ich wünsche mir schon sehr, dass ich mich wieder mit meiner Schwester verstehe, weiß aber auch, dass es für mich nicht gesund ist. Im Moment bete ich noch immer um meine Genesung. Hat hier jemand ähnlich Erfahrung als Sündenbock der Familie gemacht und weiß um die Problematik? Ich bin schon sehr hin und her gerissen.
Ich selbst habe jetzt gesehen, dass sie meine Handynummer gestrichen hat. Wahrscheinlich hat sie sich mit ihrem (Narzissten-) Mann, der natürlich hochgradig manipulativ ist, so besprochen. Mir tut es schon weh, dass ich bewusst vergessen werde, weil dass ebenfalls mein Kindheitstrauma ist.
Gibt es hier jemanden, der ebenfalls das vergessene Kind " und auch der "Sündenbock" ist? Und wie erlebt Ihr euren familiären Kontaktabbruch?
Vg
Sahneschnitte
 
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  • #2
Der familiäre Kontaktabbruch ist vermutlich für dich die beste Lösung, das heißt aber nicht, daß sich das gut anfühlen muß. Es bleibt immer eine Wunde.
Wir sind gesund und alles läuft richtig gut. seit drei Jahren geht es mir sehr gut. Und seitdem werde ich von allen massiv beschimpft. Vorallem meine Vater rastet komplett aus.
Das verstehe ich nicht, wenn du keinen Angriffspunkt bietest, dann kannst du auch nicht angegriffen werden.
Enterben? Sollen sie doch! Es geht wohl nicht um ein großes Vermögen, du willst keinen Kontakt, also verzichte doch auf die paar Euros - wer weiß was am Schluß übrig ist nach jahrelanger Pflege etc, vielleicht nur noch Schulden - und finde deinen Seelenfrieden.
Den findest du dann, wenn du den Wunsch aufgibst, geliebt und geschätzt zu werden von deiner Familie.
 
  • #3
Liebe FS,
Du bist eine erwachsene Frau im fortgeschrittenen Lebensalter. Hör also auf, Dich an Deine Kindheitssehnsuechte und - Traumata zu klammern und Dinge verändern zu wollen, die Du nicht verändern kannst.
Bei Dir, in Deiner eigenen Kernfamilie läufts richtig gut? Super, dann tu' alles, damit das so bleibt. Indem Du in dem alten Dreck rumwuehlst und die Vergangenheit verändern willst, riskierst Du genau das, was Du gutes hast.
Dein Vater will Dich enterben? Na und? Ist bei ihm grossartig was zu holen? Und selbst wenn, Du hast studiert, hast Dein eigenes Leben. Das sollte reichen, um glücklich zu werden. Warum willst Du unbedingt etwas, was Du nie bekommen wirst und machst Dich so selber unglücklich? Das tun nicht die anderen, das machst Du selbst und Deinen Mann sowie Deine Tochter ebenfalls. Willst Du das? Wenn nicht, dann lass' es.

Dich kann keiner beschimpfen, wenn Du angeblich keinen Kontakt hast. Dann kannst Du auch nicht wissen, dass Du enterbt wirst. Merkst Du was? Du verdrehst die Wirklichkeit.
Deine Schwester hat Deine Telefonnummer gelöscht? Woher weisst Du das, wenn ihr nicht mehr miteindender redet? Hör auf, anderen nachzuschnueffeln und sie auf Basis von Küchenpsychologie mit psychiatrischen Diagnosen zu überziehen. Bleib bei Dir und Deinem Leben. Damit solltest Du voll ausgelastet sein.

Wenn es Dich schon zur Psychologie zieht, bleib trotzdem bei Dir und übe Dich in der großen Kunst des Loslassens aller Erinnerungen und Forderungen, die Du an sie stellst. Bleib' einfach bei Dir. Die Telefonnummern zu löschen ist in so einem Fall immer eine gute Idee.
Wer sich als erwachsener Mensch von kindlichen Forderungen nicht distanzieren kann, für den ist ein totaler Kontaktabbruch zur destruktiven Kernfamilie eine wichtige Sache. Total ist dabei wörtlich zu nehmen: nicht online tracken, Telefonnummern blockieren, trainieren jeden Gedanken an sie wegzuschieben.
 
  • #4
Das geht soweit, dass mein Vater, sogar nicht nur mich, sondern auch meine Tochter (24 Jahre) enterben will. Wir haben das nicht verdient.
Ja und? Es ist genau sein Vermögen.
Er kann es hinterlassen, wem er will.
Und wenn Du auch vielleicht aus (aus Deiner Sicht) nachvollziehbaren Gründen den Kontakt abgebrochen haben magst, deswegen muss Dein Vater das ja noch lange nicht gutfinden. Das ist seine Entscheidung.

Ich weiß auch nicht, was Deine Familie oder Du mit "Sündenbock" meint.

Was wird Dir denn nun konkret vorgeworfen? Das Du den Kontakt eingestellt hast ?

Oder fordern sie einfach immer nur Hilfeleistumngen von Dir an, ohne selbst jemals etwas zurückgeben zu können.

Dann sag das doch einfach auchmal so deutlich, falls es dann doch noch mal zu Kontaklten kommt.

Ansonsten zieh einfach weg und Ruhe ist.
 
  • #5
Dann entziehe doch nun endlich deinem Vater jegliche Aufmerksamkeit und deinen Kontakt. Erkundige dich ob man in jedem Fall einen Pflichtteil (25 %?) einklagen kann und mach das dann auch. Das wäre dann am Besten auch das letzte was du dem "Vater" zu sagen hast. Ggfls. jetzt schon (Erbe deiner Mutter). Und hör auf abhängig um Liebe mit 52 da rumzuwinseln. Damit vergiftest du nicht nur dein Leben. Deine Tochter ist selber mit 24 alt genug um sich zu überlegen ob sie sich das geben will, da hin zu fahren. Blut ist NICHT dicker als Wasser. Das stimmt einfach nicht. Mehr ist da eigentlich nicht zu sagen, du hast deine Erfahrungen über Jahrzehnte gemacht. Du zerbrichst dir auch viel zu sehr pseudofachmännisch für die anderen den Kopf. Das suggeriert einen Durchblick den du nicht hast. Du verfängst dich höchstens noch mehr im Gift. Die Vergangenheit kann man nicht mehr zurückholen, die ist um, die Zukunft ist noch nicht da. Du muss JETZT also die Ursachen für eine glückliche Zukunft setzen. Dafür kann ich dir nur raten alle Brücken abzubrechen. PS deine Schwester lässt du dann auch mit ihrem angeblich narzisstischen Mann ihr Leben leben. w49
 
  • #6
Liebe FS, mir ist es ähnlich ergangen. Vater alkoholkrank, Mutter Borderlinerin.
Meine Schwester (53)ist ebenfalls Alkoholikerin geworden - eine so genannte funktionierende: Sie ist beruflich zwar leicht angeschlagen, aber erwerbstätig.
Ich war immer der Sündenbock, wurde misshandelt und konsequent als Idiotin hingestellt. Als Teenager entwickelte ich eine Essstörung, die mich mit 18 dazu brachte, mir selbstständig Hilfe zu suchen. 3 Monate KH-Aufenthalt und 6 Jahre Therapie haben mir damals unglaublich geholfen, mich darauf zu besinnen, worauf es im Leben ankommt und was ich will und nicht will. Meine Familie hat versucht, dies zu torpedieren, wo immer es ging.
Mit fast 30 habe ich für rund 7 Jahre den Kontakt abgebrochen.
Ich war lange verheiratet, habe 2 mittlerweile erwachsene Kinder und die Familie meines Exmannes, die mir gezeigt hat, was familiärer Zusammenhalt bedeuten kann, ist immer noch die meine.
Als ich den Kontakt zu meiner Familie (Vater und Schwester) nach dem Tod meiner Mutter vorsichtig wieder zuließ, begannen die alten Spielchen bald von Neuem, nach einigen Jahren habe ich mich wieder absentiert, es geht einfach nicht.
Und ja, mir geht es ausgezeichnet, ohne sie viel besser als mit ihnen. Mittlerweile bin ich enterbt und dem Vernehmen nach immer noch der Prellbock, aber es interessiert mich überhaupt nicht mehr.
Lass es gut sein.
Manchmal ist ein erfülltes Leben nur möglich, wenn man alte Verbindungen, die einem definitiv nicht gut tun, kappt. Ich habe ein reiches Sozialleben, eine Handvoll enger Freunde und ein inniges Verhältnis zu meinen Kindern und meiner Schwiegerfamilie - das ist mehr als viele andere haben. Mir geht es gut. W,49
 
  • #7
Hallo FS

Auch wenn ich Deinen Wunsch um Kontakt verstehe. Lass es besser sein. Es muss ja nicht für immer sein. Aber dieser Druck kann Dich erneut brechen. Was ist Dir lieber?

- Abstand schaffen und mit einer gesunden Distanz schauen, dass es Dir gut geht.
- Um einen gesunden Kontakt kämpfen, um Annerkennung und Liebe, die Du nicht erhalten wirst?

Sind wir ehrlich, letzteres würde Dich zur Zeit zu runter ziehen. Aber ja, Du musst für Dich entscheiden, was besser ist. Die einen bevorzugen Kontakt, auch wenn es immer zu erneuten Verletzungen kommt. Andere wählen lieber Distanz. Ich würde Distanz wählen. Aber was für mich stimmt, muss nicht für Dich stimmen. Und Distanz kann man sonst ja auch nur temporär wählen, bis man genügend Kraft hat für einen erneuten Versuch.

Je nachdem wie schlimm es ist, würde ich zb Beleidigungen, wenn sie schriftlich sind, festhalten. Mit diesem Päckchen würde ich zu einem Psychodoc (etwas objektive Drittmeinung und Hilfe beim Kindheitstrauma und mit der Opferrolle stelle ich mir so oder so Hilfreich vor). Einerseits wird es wohl helfen, andererseits festigst Du Beweise zur Beziehung. So kannst Du, wenn wenig Vermögen vorhanden ist u.U. eine Verwandtenunterstützung umgehen, wenn es ganz schlimm ist oder auch, wenn es nicht so schlimm ist und Du aus einer Laune heraus enterbt wirst, dies anfechten (weil ich eine Enterbung, nachdem man auch noch schlecht behandelt wurde, das letzte finde).
 
  • #8
Deine Urspungs-Familie (Vater, Schwester) merkt, dass du auch ohne sie klar kommst - sogar besser als mit ihr. Also versucht sie alles, um dich wieder »unter Kontrolle« und zurück in ihre Reihe zu bringen.

Bei einem insgesamt suchtgefährdeten Familienumfeld solltest du einen großen Bogen um sie alle machen. Verzichte darauf, ihre Anerkennung zu suchen (wozu? was hättest du - wirklich - davon?), sei auf dich stolz, dass du dich dem Familien-Sog entzogen hast. Zu diesem Stolz gehört auch, dass es dir egal ist, ob du »enterbt« wirst oder nicht, schließlich kannst du für dich selbst sorgen und brauchst das nicht. Dein Vater muss merken, dass du nicht erpressbar bist.

Nirgendwo steht geschrieben, dass »man sich mit seiner Ursprungs-Familie ein ganzes Leben lang verstehen muss«, du solltest dich davon frei machen. Falls du das alleine nicht schaffst, kümmere dich um therapeutische Hilfe. Und begreife, dass sowohl dein alkoholkranker Vater, als auch die manipulative Schwester Gift für dich sind.
 
  • #9
Irgendwie finde ich, dass du Dich selber zu sehr in die Opferrolle begibst. Irgendwie sind immer nur alle Anderen schuld, obwohl du über 50 Jahre alt bist. Du bist kein Kind mehr und deine Kindheit ist nun auch schon ein paar Jahre her, auch wenn sie nicht nur positiv war.
Handle als Erwachsene und mach Dich nicht abhängig vom
Gutdünken deines doch auch schon sehr alten Vaters!
Lass ihn in Ruhe oder sag ihm, dass er sich entweder benehmen soll oder er soll sich nicht mehr melden. Dann erbst du eben nichts - wirst du überleben!
Und wenn Du Deine Schwester vermisst, dann triff sie - wenn du merkst, dass es Dir nicht gut tut, distanzierst du dich wieder.
Und wenn deine Schwester wirklich intrigieren sollte, wie du sagst, dann kannst du doch mit Deinem Vater reden und deine Schwester in die Schranken weisen.
Er ist ein alter Mann und meistens sind die eher einsam.
Lad ihn ein, esst zusammen, vergiss mal alles was war und rede mit ihm - über das JETZT und HIER!
Wenn das nicht geht, dann schneide alle Kontakte ab und leb dein eigenes Leben.
Aber nicht als Opfer, du bist ganz alleine selber für dein Leben verantwortlich! Keiner sonst!
Und du hast nicht nur studiert, weil Du Anerkennung von Deiner Familie wolltest - es hat Dich ja auch selber beruflich weitergebracht! Man kann es auch positiv sehen nach dem Motto: Ich hätte nie studiert, wenn es meine Familie nicht gäbe, dadurch hast du ja eine bessere Ausbildung. Sieh doch mal das Positive!
Ich weiß nicht, ob Selbsthilfegruppen immer so etwas Gutes sind.
 
  • #10
Liebe Sahneschnitte
Auch wenn ich eine solche familiäre Situation wie du (zum Glück) nicht erlebt habe, verstehe ich doch deinen Wunsch, mit deinem Vater und deiner Schwester klarkommen zu wollen, vielleicht ein wenig Anerkennung zu bekommen. Das ist ein normaler Wunsch, ob man jetzt 20 oder 52 Jahre alt ist. Leider ist es aber so, dass es nicht immer geht, speziell nicht in deiner Familie, wo die alle beide massivste (psychische) Probleme haben und offensichtlich die Einsicht dazu fehlt, dass sie ein Problem haben. Das sie dich so übel behandeln ist unterste Schublade und durch nichts zu entschuldigen. Auch wenn es weh tut, musst du dich von der Idee verabschieden, dass du von deiner Ursprungsfamilie Liebe und Anerkennung bekommen wirst. Finde dich damit ab und verweigere jeden Kontakt und wenn sie dich enterben wollen, so what. Dein Seelenfrieden ist viel wertvoller als jedes Geld. Ich bin froh für dich, dass du trotz aller Missstände jetzt mit deinem Mann und Tochter ein gutes Leben hast, konzentriere dich darauf und sonst nichts. Wenn du das nicht allein schaffst, dann geh zu einer Psychologin und arbeite auch an deinem Selbstwertgefühl, bau das auf, das wird dir auch helfen, dich von deiner Ursprungsfamilie klar abzugrenzen.Ich kann dir sonst auch sehr das Buch "Nein sagen ohne Schuldgefühle - gesunde Grenzen setzen" von Henry Cloud und John Townsend empfehlen. Dieses Buch wird dein Leben verändern wenn du es liest und das Gelernte umsetzt. Viel Erfolg.
 
  • #11
Wenn nicht bereits vorhanden würde ich dir einen Psychotherapeuten anraten um dir entsprechende Bewältigungsmechanismen anzulegen. Auch wenn du den Kontakt zu deiner Schwester wiederherstellen möchtest zeigt sich aber auch, dass das bisschen an Kontakt nicht funktioniert und manipuliert wird. Auch wenn es schwer fällt ist es der beste Weg der Familie den Rücken zuzukehren. Enterben kann dich dein Vater nicht, der Pflichtteil steht dir so oder so zu. Hier angeratene Tu mal und Mach mal Antworten sind in deiner Situation sicher wenig hilfreich.
 
R

robinia

  • #12
Mit vierzig beginnen viele, sukzessive ihre Kindheit und Jugend zu reflektieren und wenn dort Baustellen sind, zu erkennen, dass die bis heute Verhaltensweisen bestimmen. Es ist wichtig, dies aufzuarbeiten und nachzubessern.

Ich kenne ähnliches aus anderen Familien, teilweise aus meiner eigenen, weil ich mit 14, nach dem Tod meiner Mutter eine "klassische" Stiefmutter bekam.

Das Erbe sollte dir egal sein, löse dich von materiellen Fesseln, außerdem steht dir der Pflichtteil zu. Ich empfehle vor allem klare Regeln im Umgang mit deinem Vater/Eltern, alternativ Kontaktabbruch:

Familienfeiern werden nur auf das Nötigste beschränkt, d. h. etwa drei Stunden an einem der Weihnachtstage bzw. Ostern, Geburtstag maximal ein Kurzbesuch mit Geschenk und einem Glas Sekt, frage, ob du etwas mitbringen sollst. Reicht. Wenn einer anfängt zu stänkern, sage sachlich deinen Standpunkt, wenn Belehrungen, Pflichtzuweisungen etc. folgen verabschiede dich höflich. Ein rein diplomatisches Pflichtprogramm ohne Groll. Wenn deine Eltern aufgrund des Alters konkret sagen, wo sie Hilfe brauchen, wird konstruktiv abgesprochen, was machbar ist. Sobald gefordert, gezankt wird, sollen sie zusehen, wie sie zurecht kommen.

Zeige ihnen, dass du nicht mehr ihr Kasper bist.
 
  • #13
Verzichte darauf, ihre Anerkennung zu suchen (wozu? was hättest du - wirklich - davon?).
Ich verstehe die FS sehr gut.
Man 'hat' nichts davon und trotzdem ist der Wunsch nach Anerkennung tief in uns verwurzelt.
In uns allen, nicht ?
Und zwar gerade nach Anerkennung durch die uns am nächsten stehenden Menschen.

Ich bin in meiner Kindheit ähnlich behandelt worden und das ist bei heute ein Riesenproblem für mich.

Mein Bruder ist ein Jahr älter als ich und genau wie schon mein Vater und vor ihm dessen Vater war er ein Überflieger. Er hat niemals ( das meine ich wörtlich ) eine andere Note als 1 gehabt.

Mich wollten sie nach der vierten Klasse auf die Realschule schicken, weil zwischen meinen Einsen auch Zweien waren. Das hat meine Lehrerin verhindert.

Ich wollte immer die Anerkennung meines Vaters, jetzt, da mein Vater dement ist, die meines Bruders.
Und niemals bekomme ich sie.
Als ich mein erstes Diplom hatte und dann Architektin war wie mein Vater hat er mich zum ersten und einzigen mal in meinem Leben gelobt, ' das hast du gut gemacht' ( und dazu hat er mir was großes geschenkt, aber das war mir nicht wichtig ).
Ich wollte das wieder hören, daher habe ich noch viele weitere Ausbildungen absolviert.

Ich lechze nach einem kleinem Wort der Anerkennung. Ich möchte einfach nur mal hören 'alle Achtung !' oder vielleicht gar, dass man stolz auf mich sei.
Das gibt es aber in meiner Familie nicht.
Da bin immer noch ich die Dumme und mein Bruder der Tolle.

Mein Bruder ist ein einfacher Berufsschullehrer und bekommt Anerkennung dafür, dass er trotz Arbeit die Wäsche macht !
Ich habe kürzlich beruflich die ganz großen Weihen erhalten.
Ich lud meine Mutter und meinen Freund zum Essen ein, um das zu feiern. Mein Freund verkündete nach dem Hinsetzen also, warum wir hier seien und erzählte kurz von meinem ( wirklich erheblichen ) Erfolg. Meine Mutter ließ ihn ausreden und ich wollte nun endlich ein kleines Wort der Anerkennung. Sie blickte umher und als er fertig mit reden war, sagte sie...na was ? 'Sag mal, gibt's hier eigentlich Buffet ?' KEIN WITZ ! Sie hat KEIN WORT zum Thema gesagt.

Klar, sage ich mir, vergiß das, nimm dir das nicht zu Herzen.
Ich kann das aber nicht.
Ich hoffe immer weiter und werde immer enttäuscht.
Wider besseren Wissens.

w 49
 
  • #14
Liebe Sahneschnitte,

Mein ganz tiefe Mitgefühl und Respekt, dass Du es zumindest soweit geschafft hat - das ist enorm.

Mein eigenes Erleben
Wie @frei schreibt, die Sehnsucht nach zumindest Anerkennung hat wohl jeder, eigentlich nach Liebe - die gibt es meist auch nicht.
Für meinen Vater (Lehrer) war ich der Sündenbock, an mir ließ er seine massiv körperlichen Aggressionen ab, inzwischen hasst er mich. Ich habe über Jahrzehnte gehofft...

Kontaktabbruch ist das eine, absolut, ganz konsequent. Das ist immens wichtig, auch damit überhaupt eine Heilung passieren kann.
Aber das reicht nicht.
Zum einen braucht es die Auseinandersetzung mit den ganzen erlebten Verletzungen, Traumata; mit sich selbst, mit dem Kind, dass da war (Themen - inneres Kind, Selbstwert, Umgang mit alten Gefühlen, etc.). Da findet sich viel bei L. Reddemann / Michaela Huber, u.a.
Und es braucht das eigentliche Loslassen. - Ich habe Briefe geschrieben, alles aufgeschrieben, mir dafür Zeit gelassen, und nie abgeschickt.

Gute Anregungen fand ich persönlich zum Thema Vergeben bei Anselm Grün, da geht es eben nicht um dieses klassische Verzeihen, sondern dem Recht auf die eigenen Gefühle (Wut, Trauer, Schmerz...), ansonsten auch bei ihm 2 Bücher "Grenzen..."bzw." gut mit sich umgehen".

Mit geht es heute gut damit, er tangiert mich wirklich nicht mehr. Ich brauche seine Anerkennung nicht mehr, ich weiß wer ich bin und was ich (mir) wert bin. Das war allerdings ein längerer Prozess.

Allerdings hätte ich es ohne die entsprechende intensive traumazentrierte Therapie nicht geschafft, und ohne die beiden wirklich sehr kompetenten, engagierten Therapeuten.

Ich denke, Du hast auch entsprechende therapeutische Hilfe - falls nicht, vielleicht als Idee?
Und dann wirklich mit dieser speziellen Orientierung, das können nicht so viele.

Dir alles Gute.
Und lass Deine Familie hinter Dir, das ist keine, die diese Bezeichnung verdient hat.

Liebe @frei, Dir herzliche Glückwünsche, und mein Mitgefühl.
Nimm Du Deinen Nickname mal ernst und löse Dich - diese Familie hat Dich nicht verdient.
 
  • #15
Mit meiner, wie gesagt, ähnlichen Geschichte wie die FS sage ich dennoch, dass man aufhören kann, nach Liebe und Anerkennung zu dürsten, und sie sich eben woanders holt, von Menschen, die einen als das sehen, was man ist. Es ist ein bitterer Weg, der bei mir Jahre gedauert hat, aber es geht, wenn man gelernt hat, was man - sich - wert ist. Erhobenen Hauptes zufrieden durch das Leben zu gehen, wäre für mich nicht möglich gewesen, wenn ich nicht, um meines Wohlbefindens willen, meine Sippe hinter mir gelassen hätte. Und es war das Beste, das ich machen konnte. Meine Familie hasst mich dafür, für mich ist das in Ordnung.
 
  • #16
Ein Hallo an Alle,
Ich habe den Kontakt tatsächlich ohnehin wirklich komplett abgebrochen. Da ich 500 km weit entfernt lebe, bedeutet Kontaktabbruch für mich auch wirklich radikaler Kontaktabbruch. Ich möchte das auch für mich so behalten um wirklich jeglicher Manipulation aus dem Weg zu gehen. Mein Vater hat mich schon das erste mal enterbt, da war ich 14 Jahre alt. Danach folgten viele Male. Es ist tatsächlich nicht das Geld (was z.Zt. auch nicht so wenig ist), tatsächlich bedeutet es für mich den totalen Liebesentzug. Es bedeutet für mich: Du gehörst hier gar nicht zur Familie!

Letzendlich weiss ich, dass nur der Kontaktabbruch mich heilen kann. Dennoch tut es weh. Und es wäre unehrlich zu sagen, es macht mir nichts aus. Aber es macht mich auch frei.

Selbstverständlich haben sich meine Erfahrungen aus der Kindheit durch mein Leben gezogen. Jedoch ist alles sehr viel besser geworden. Vorallem in den letzten drei Jahren.
Wie gesagt, da gab es ein riesigen Zusammenstoß. Ich hatte geglaubt, mein liebreizender Schwager und meine Schwester würden sich mit mir freuen, dass ich eine gute Rente bekäme und ich auch sonst so aus dem Tal draussen wäre, aber weit gefehlt! Aber egal, das hat mir ja die Augen geöffnet. Ich hatte einfach keine Chance.

Ich hoffe, dass meine Schwester vielleicht nach einem langen Weg durch die Distanz sich dahingehend entwickelt eine eigene Meinung zu haben und offener wird. Vielleicht auch suchtfrei?! Vielleicht finden wir dann einen Weg aufeinander zuzugehen. Das ist schon immer mein Wunsch gewesen. Das wir als eigenständige Schwestern dastehen und nicht als Konkurentinnen. Zumindest ist unsere Mutter ja jetzt tot. Wir hatten ja nie deren Aufmerksamkeit. Diese war ja immer beim Alk-Vater. (Der Alkohol war immer versteckt, keiner wusste, ob er jetzt gerade getrunken hat oder nicht). Auf seine Aufmerksamkeit habe ich gerne verzichtet, das hätte nur Prügel gegeben oder noch Schlimmeres, nein Danke! Seine massiven Wutanfälle haben mir schon gereicht.

Sahneschnitte
 
  • #17
Liebe Sahneschnitte,

Ich kann dazu nur eines sagen und hoffe, dass du dies tief im Inneren begreifst:

Du brauchst nicht die Aufmerksamkeit und Anerkennung deiner Familie. Du brauchst sie NICHT.

Was du brauchst, ist der Schalter, der sich noch endgültig umlegen muss. Deine Eltern sind nicht die gewesen, die du dir gewünscht und die du gebraucht hättest. Du denkst viel über die Vergangenheit nach und hoffst und sehnst immer noch. Das wird wohl noch eine Weile so weiter gehen. Nimm dir die Zeit, und dann lass los. Du hast eine eigene Familie und kannst jeden Tag über dein Leben selbst bestimmen. Genieße jetzt, und sei dankbar für alles, was du hast. Lass den alten Mann schimpfen und toben, in Wahrheit ist er ein kümmerlicher Wurm und einer Tochter wie dir nicht würdig, übrigens das Beste, was er wohl je zustande gebracht hat.

Alles Gute für dich!

w(28)
 
  • #18
Auch wenn es weh tut, musst du dich von der Idee verabschieden, dass du von deiner Ursprungsfamilie Liebe und Anerkennung bekommen wirst. Finde dich damit ab und verweigere jeden Kontakt und wenn sie dich enterben wollen, so what.
Ja, das denke ich auch. Das deine Schwester in ihrem Alter und bisher 0 Einsicht die Kurve rausbekommt, kannst du vergessen.
Eigentlich ist es angesichts euer aller Alter, das beste was dir passieren kann, wenn du dich jetzt verabschiedest für immer
Was jetzt noch kommt ist die Zeit des körperlichen und geistigen Verfalls, das sehe ich täglich bei mir in der Arbeit.
Genisse deine Lebenszeit mit Menschen und Dingen die dir gut tun. Deinem Vater bei seinen letzten Lebenstagen beistehen, würde ich nicht mehr. Er hat sich dafür zu viel Negatives rausgenommen.
Und deine Schwester ...willst du diese wirklich sehen, sie im Krankenhaus besuchen wenn es sein muss?
Nein, lass sie nur machen, alleine
 
  • #19
Mein Bruder ist ein Jahr älter als ich und genau wie schon mein Vater und vor ihm dessen Vater war er ein Überflieger. Er hat niemals ( das meine ich wörtlich ) eine andere Note als 1 gehabt.

Mich wollten sie nach der vierten Klasse auf die Realschule schicken, ...
Ich kenne dieses Problem gut, in meiner Familie war die Konstellation ähnlich. Ich war aber (als "Vorbild-Bruder") auch nie genug...

Das Thema ist sicher verbreiteter als bekannt. Man rennt dann ein Leben lang der Anerkennung der Eltern hinterher. Hat jemand das mal irgendwie überwunden und kann berichten?
 
  • #20
Wenn du den Kontakt zu deiner Familie wirklich komplett abgebrochen hast, wie du hier beteuerst, warum weiß deine Schwester dann, wieviel Rente du bekommst? (Das ist eine Information, die viele Verwandte mit sehr gutem Verhältnis zueinander oft nicht mal wissen.) Auch die Tatsache, dass du überhaupt mit 52 schon Rente beziehst, offenbar Erwerbsminderungsrente, ist ja nicht die Regel … warum teilst du das deiner Schwester mit, wenn du angeblich keinen Kontakt zu deiner Familie hast?
Abgesehen davon, kann ich dein Problem gut nachvollziehen. Sich von den Eltern nie wirklich geliebt zu fühlen und sich ein Leben lang danach zu sehnen und darum zu kämpfen, kenne ich genau so, auch wenn das bei uns subtiler, äußerlich nicht sichtbar, ablief.
Den Kontakt zu den Eltern abbrechen mag manch einem tatsächlich helfen, glücklich zu werden. Es gibt dazu aber auch die Theorie, dass das genau das Gegenteil bewirkt. Wenn man den Kontakt abbricht ist das wie ein Verdrängen und das Unglück schwelt in einem weiter, man kommt nie darüber hinweg und kann auch nicht glücklich werden.
Ich weiß nicht, was besser oder schlechter ist, Kontaktabbruch ist jedoch scheinbar nicht die einzige Lösung oder das Non-plus-ultra in solchen Fällen. Ich habe es nie gemacht, obwohl ich auch oft mit dem Gedanken gespielt habe.

Gut finde ich, auf jeden Fall, die Ratschläge, die in die Richtung gehen, bei sich selbst zu bleiben, sich mit dem ganzen Thema und den eigenen Gefühlen zu befassen, mit therapeutischer Unterstützung. Da findet man noch am ehesten eine Weg, mit seiner unglücklichen Kindheit und den Folgen Frieden zu machen und zu sich selbst einfach gut zu sein - wenn es schon die Eltern nicht waren/ sind.


w51
 
  • #21
Dich kann keiner beschimpfen, wenn Du angeblich keinen Kontakt hast. Dann kannst Du auch nicht wissen, dass Du enterbt wirst. Merkst Du was? Du verdrehst die Wirklichkeit.
Deine Schwester hat Deine Telefonnummer gelöscht? Woher weisst Du das, wenn ihr nicht mehr miteindender redet? Hör auf, anderen nachzuschnueffeln und sie auf Basis von Küchenpsychologie mit psychiatrischen Diagnosen zu überziehen. Bleib bei Dir und Deinem Leben. Damit solltest Du voll ausgelastet sein.
Oh doch auch wenn sie nichts tut und keinen Kontakt hat kann sie trotzdem von Mitgliedern ihrer Ursprungsfamilie (Vater, Schwester) beschimpft werden. Auch ich bin das Sündenbock meiner Schwester nach dem Tod unserer Eltern, weil ich trotz meiner chronischen Krankheit sehr viel im Leben erreicht habe und von meiner Mutter die Anerkennung bekam seelisch viel stärker als sie zu sein!

Es klingt vielleicht unlogisch aber es ist sehr leicht zu erklären, weshalb das möglich ist. Die @Sahneschnitte scheint die einzig starke Persönlichkeit zu sein, welche durch ihren Lebenswillen das geschafft hat, was ihr Vater und ihre Schwester nicht vermochten.

Sie hat sich nicht nur weitgehend unabhängig gemacht und ein Studium absolviert, sondern erkannte den familiären Sumpf aus dem sie sich befreite. Die Tatsache, dass es ihr, ihrem Mann und ihrer Tochter sehr gut geht und sie ein schönes Verhältnis haben, weckt Neid, Missgunst und Eifersucht bei ihrem Vater der sich als der totale Versager fühlen muss. Die selben negativen Gefühle erlebt vermutlich auch ihre Schwester.

Sie schien die einzige in der Familie zu sein durch ihre enorme Leistungsbereitschaft, Fürsorglichkeit, Menschlichkeit, Herzenswärme, übertriebenes Verantwortungsgefühl, welche die Fäden in ihren Händen zog und die Familie zusammenhielt. Jetzt fällt die ursprüngliche Familie nach dem Tod der Mutter auseinander und der Vater ist offensichtlich nicht lebenstüchtig, weil ja Alkoholiker.

Er beschimpft sie und droht ihr sie zu enterben, um sie dadurch in die Knie zu zwingen, damit sie sich wieder ihrem Vater widmet und die alte fürsorgliche Rolle wieder übernimmt.
 
  • #22
..Hat jemand das mal irgendwie überwunden und kann berichten?
Ja - mein Grundfehler war alleine schon, nur die Tochter geworden zu sein und nicht der ersehnte Stammhalter.
Meine Geschichte habe ich schon weiter weiter gepostet, mich ziemlich geoutet.
Gehört aber vielleicht i.w.S. auch zum Thema Anerkennung.

Ich habe gelernt, mich selbst anzuerkennen.
Mir real notiert, wer ich bin, welche Eigenschaften, was ich an mir mag. Was ich als Erfolg verbuchen würde.
Das Ganze aus der Distanz heraus - als ob ich aus der Perspektive einer guten Freundin schreiben würde. Anders konnte ich mir diese "Selbstbeweihräucherung" nicht erlauben - allein diesbezüglich war die Abwertung schon gut existent, ich gestand mir nicht mal das Recht auf eigene Anerkennung zu.

Die Liste der Fehler, Mängel, Versagen, etc. wäre bedeutend leichter gewesen - Jede/r kennt in Formen seinen Inneren Kritiker, und gerade mit diesen Familienprägungen ist dieser oft sehr laut und präsent.
Es war aber ein längerer Prozess, der nur mit dieser Liste begann.
Irgendwann habe ich mir die andere Liste vorgenommen und versucht, objektiv zu bewerten, auch diese ist bei weitem nicht so verheerend, wie in der eigenen Wahrnehmung. Ich bin ein Mensch, habe meine Fehler gemacht, Fehlentscheidungen getroffen, vielleicht daraus gelernt, dass zeigt sich immer erst längerfristig. Ich werde aber sicher auch weiterhin Fehler machen, mich irren, nur hoffentlich andere.

Mit diesem zunehmendem Bewusstsein und der eigenen Anerkennung tangiert es mich nicht mehr. Es ist zwar traurig, wäre schön, wenn es anders wäre, es ist aber nicht.
Ich versuche es bei meinen Kindern anders zu machen und glaube, fühle, dass das gut gelingt.

Insgesamt fühle ich mich freier.
Abwertungen, negative Äußerungen versuche ich (klappt nicht immer) als Kritik, Denkanstoß zu nehmen, nicht persönlich. Dann prüfe ich, ob das für mich stimmig ist, warum dieses Feedback kommt, und welche Konsequenz ich ziehe.
Bei Bedarf sage ich sehr deutlich Stopp - Kritik ist immer in Ordnung, aber Vorwürfe, Abwertungen, etc. höre ich mir nur sehr begrenzt an, persönlichen Angriffen kann ich ganz gut begegnen.

Meine Erfahrung - je klarer man sich selbst positioniert, je mehr ich wirklich bei mir bin, desto weniger kommen die Angriffe, desto mehr kommt Anerkennung oder zumindest keine Diskussion.

Und manchmal bleibt als letzte Konsequenz nur der Kontaktabbruch - das bin ich mir wert.
 
  • #23
Moin Sahneschnitte,

weil ich mich selbst in ähnlicher Fragestellung gedreht habe, bin ich auf eine ganz gute Beschreibung dieses Phänomens gestoßen: "Das schwarze Schaf - Benachteiligung und Ausgrenzung in der Familie" von Peter Teuschel. Die Erkenntnis, dass ich mit dieser Situation nicht alleine dastehe, und dass es sich um ein Phänomen handelt, das inzwischen sogar schon "offiziell" beschrieben und anerkannt ist, hat mir sehr geholfen.

Das Perfide ist ja, kurz gesagt, dass der/die Betroffene mit aller Härte verfolgt und benachteiligt wird, eben bis hin zum allerletzten Mittel, der Enterbung - und zwar ohne irgendein eigenes Verschulden, einfach deswegen, weil sie/er zur falschen Zeit am falschen Ort geboren wurde, in einer falschen familiären Situation, in einer falschen Geschwisterreihe, mit dem falschen Geschlecht... das ist eigentlich so abgrundtief böse, dass man gar nicht glauben, wahrhaben will, dass es so etwas geben kann.
Und eben weil man es nicht wahrhaben will bzw. als Kind nicht wahrhaben und schon gar nicht verstehen kann, schreibt man sich selbst nur allzuleicht doch Schuld zu... Warum lieben einen die Eltern, die Familie nicht? *Bingo* - weil man eben nicht liebenswert ist.

Und mit dieser Hypothek durchs Leben zu stolpern ist eben nicht so einfach.

manchmal
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
  • #24
@manchmal
Als Ergänzung zu Deinem guten Post.

Ganz perfide ist das, was beim Kind passiert.
Jedes Kind braucht für das eigene Überleben das Gefühl, dass die Eltern gut, perfekt sind, unfehlbar.
Jetzt verhalten sich diese Eltern nicht so und Kind folgert automatisch und unbewusst - meine Eltern sind richtig, also bin ich falsch, nicht liebenswert.
Das Kind wird sich anstrengen, hoffen, dass es doch noch Zuneigung erfährt, und immer wieder scheitern.
Irgendwann gibt es für das Kind den Weg Anpassung oder Auflehnung innerhalb dieser Familie, bis es alt genug ist, und die Kraft hat, diesen Familienverbund zu verlassen. Manche tun es nie, manche zu wenig.

Die verinnerlichte Ablehnung durch die Eltern bleibt allerdings, oft für das ganze Erwachsenenleben, in Form von mangelndem Selbstwert, von Selbstzweifeln bis hin zu Selbstverletzungen, zum Negieren der eigenen Daseinsberechtigung.

Literatur findet sich dazu u.a. bei Jochen Peichl, seine Bücher sind allerdings für Laien ziemlich anspruchsvoll zu lesen, so ging es mir auf jeden Fall.
Dafür sehr fundiert und genau bezogen auf solche destruktiven Familienverhältnisse wie hier bei @Sahneschnitte, die Folgen für die Kinder und Lösungs- bzw. Heilungsansätze.
 
  • #25
Und eben weil man es nicht wahrhaben will bzw. als Kind nicht wahrhaben und schon gar nicht verstehen kann, schreibt man sich selbst nur allzuleicht doch Schuld zu... Warum lieben einen die Eltern, die Familie nicht? *Bingo* - weil man eben nicht liebenswert ist.
Ja, genau und das Perfide dran ist, dass ein Kind nur das glauben kann und muss, was die Eltern ihm sagen, was sie von ihm halten und glauben es hätte die Erniedrigungen, die Schikanen, die Beschimpfingung oder gar die körperlichen Misshandlungen auch verdient, weil es ja ein "böses" und kein liebenswürdiges Kind ist. Ein Kind ist nie böse! Die eigene Bösartigkeit aus Überforderung und Unvermögen als auch Erziehungsversagen wird auf das Kind übertragen, wo sie versuchen ihre inneren Konflikte zu lösen.

Kinder haben nicht die geistige Kapazität zu erkennen, dass die Eltern selbst die psychischen Probleme haben und vertrauen und glauben ihren Eltern tragischerweise blind! Sie haben keine andere Wahl - bis sie hoffentlich oft erst als Erwachsene erkennen, was in Ihrer Kindheit gelaufen ist.

Das schwarze Schaf war ich zum Glück nicht als Kind aber jetzt macht meine Schwester mich zu ihrem Sündenbock für alles, was in ihrem Leben nicht wunsch- und plangemäss verläuft.
 
  • #26
Ein Hallo an alle,
Vielen Dank an Alle! Es tut gut, das Gefühl zu erhalten, verstanden zu werden. Ich selbst habe das ja erst getan, nachdem ich das Buch von teuchel, der Sündenbock gelesen hatte. Ich habe mich immer gefragt, warum meine Familie mich so sehr ablehnt. Meine Mutter hat es geschafft, den Alkoholkonsum unseres Vaters zu verheimlichen. Was typisch ist, für eine Alkoholikerkranke Familie.


Für einige nochmal zum Verständnis:
Ich halte jetzt seit einem Jahr den kompletten Kontaktabbruch durch. Wohne 500 km von meiner Familie entfernt. Das Gespräch über die zukünftige Rente ergab sich vor 3 Jahren. Natürlich arbeite ich vollzeit, zahle nicht in die gängige bfa ein, daher auch die Wahrscheinlichkeit über die gute Rente. (Ich habe auch sonst vorgesorgt. Bitte jetzt keine Rentendiskussion).
Den Kontakt habe ich nach vielen Jahren der Beschimpfung eingestellt. In whats App kann ich sehen, dass ich blockiert wurde.

Ich bin froh, dass ich mich zu alldem durchgerungen habe. Endlich fühle ich mich frei. Jemand hat hier geschrieben, dass sie nach 7 Jahren wieder Kontakt aufgenommen hat und das Spiel ging von vorn los. Dazu habe ich keine Lust. Ich kann verstehen, dass man dann auf den Kontakt verzichten kann.
Mein Mann und ich sind komplett frei von jeglicher sucht. Wir verdienen gut aber nicht übermäßig. Meine Tochter ist gesund, wohlauf und geht ihren eigenen Weg. Für viele hört es sich komisch an: aber erst jetzt bin ich in der Lage mir einen Freundeskreis aufzubauen ( ich hatte dummerweise immer das Gefühl, ich müsste allen zeigen, dass ich ein guter Mensch wäre) und wurde dennoch immer beschimpft.

Ich werde heute Abend noch mal schreiben. Auf dem Handy ist es zu anstrengend.
Danke für die Aufmunterung
Sahneschnitte
 
  • #27
Heilung und Glück kann man schwerlich dort finden, wo man es verloren hat.

Du hast Dich verändert. Deine Familie hat es nicht. Du lebst ihnen ein erfolgreiches Leben vor. Du bist ihnen entglitten. Das mögen solche Leute nicht. Und jetzt werden sie noch garstiger.

Es versteht sich leider von selbst, dass man alles meiden sollte, was einem nicht gut tut. Freunde kann man sich aussuchen, die Familie leider nicht.

Es wäre nur gesund für Dich, wenn Du Dich zurück ziehst. Glaubst Du, die würden mit sich machen lassen, was sie Dir antun? Wenn sie Dich nicht schon dafür verachten, weil Du so viel zugelassen hast. Ist leider so.
 
  • #28
"Das schwarze Schaf - Benachteiligung und Ausgrenzung in der Familie" von Peter Teuschel, das habe ich ebenfalls gelesen und das war eben auch dass, was mir die Augen geöffnet hat.
Aber auch die Narzissmussfalle (Gerald Hüther) und weiblicher Narzissmus(Bärbel Wardetzki). Auch Vorträge von Bonelli usw.
Ich kann es gar nicht glauben, was die mit mir vorhatten.

Vor vielen jahren habe ich eine Theraie gemacht. Aber irgendwie ist es an mir vorbeigezogen, dass nicht ich "Schuld" daran bin, dass Alkies und "Bildungsferne" mich nicht mögen und dass es auch nicht hilft, wenn ich mich anstrenge. Sondern sie mögen mich nicht, weil sie sich selbst nicht mögen.

Hier waren viele Beiträge, die mich ermuntert haben, dass der Kontaktabbruch der richtige Schritt ist. Danke dafür!
Ich war ja noch immer unsicher, ob es moralisch vertretbar ist. Und natürlich, liebe ich meine Schwester. Ich bin schon sehr traurig, dass wir wohl nicht mehr zusammenkommen werden. Mein Traum war immer, mit ihr einfach einmal ein Wochenende wegzufahren und gemeinsam Spaß zu haben.
Nie ging es, nir hatte sie Zeit. Am Geld hat es nicht gelegen. Ihr geht es finanziell gut. Aber Ausreden hatte sie noch mehr.

Ach Mensch! Ich finde es so schade. Und wie oft denke ich, was bekomme ich ansonsten, wenn ich schon keine Familie habe? Ich habe immer dieses Bedürfnis irgendwo dazuzugehören zu wollen. Alles was ich kann und habe ,damit meine ich nicht nur die finaziellen Dinge, sondern auch anderes wie Lachen, Phantasie, Lockerheit, Witz, Charme, Aussehen, gesehen werden und noch viel mehr, musste ich mir selbst beibringen. ich weiß, es klingt unglaublich, aber diese banalen Dinge kannte ich bis zu meinem 32 Lebensjahr nicht und die letzten Jahre habe ich damit verbracht, genau so etwas mir langsam anzueignen.

Viele Male war ich schwer krank, aber ich bin wieder aufgestanden. Sogar dafür bin ich von meinem Vater beschimpft worden.
Zum Glück konnte ich die Folgen dieser Krankheiten durch mentales Trainung und Sport eliminieren. Man sieht nichts mehr.

Ihr bestärkt mich wirklich, diesen Weg weiterzu gehen.
Danke nochmal + liebe Grüße
Sahneschnitte