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  • #1

Witwer, der täglich zu Ihrem Grab geht?

Nach Jahren enttäuschender Beziehungsversuche habe ich vor einigen Wochen einen sympathischen Witwer kennen gelernt, mit dem ich mich sofort gut verstanden habe. Er scheint absolut integer zu sein, ist sehr an mir interessiert.

Nun hat er mich zu sich nach Hause eingeladen und ich bin äußerst irritiert: Seine Frau ist vier Jahre tot, ist aber überall im Haus präsent. Sämtliche Räume sind mit großen Porträts von ihr dekoriert, außerdem hängen an den Wänden auch jede Menge Hochzeitsbilder, Urlaubsbilder - kurzum Bilder aus gemeinsamen glücklichen Zeiten. Im Wohnzimmer ist ein regelrechter "Hausaltar" errichtet mit ihren Bildern, eine kleine Urne davor, rote langstielige Rosen.

Er sagt, er wäre Jahrzehnte glücklich verheiratet gewesen und wird seine Frau immer in Ehren halten. Grundsätzlich ein guter Ansatz, aber ich fühle mich in dem Haus entsetzlich unwohl. Außerdem geht er täglich (!) auf ihr Grab, spricht mit ihr.

Ein paar ironische Bemerkungen habe ich schon vom Stapel gelassen, offensichtlich will er mich aber nicht verstehen. Wie seht Ihr diese Situation? Soll ich mich zurückziehen?
 
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  • #2
Ironie ist hier nicht das Mittel der Wahl.
Das einzig Gescheite ist: mach dich aus dem Staub so schnell du kannst.
Er ist nicht mal ansatzweise frei und bereit für eine neue Liebe.
 
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Gast

  • #3
Natürlich darf man sich an seinen verstorbenen Partner erinnern - wenn aber jemand vier Jahre nach dem Tod des Partners täglich zu dessen Grab geht und das Haus/die Wohnung einem Museum gleicht, mit lauter Erinnerungsstücken an den verstorbenen Partner, dann hat das nichts mit 'in Ehren halten' zu tun, sondern jemand hat für einen neuen Partner noch keinen Platz.

Ich würde dem Mann an Deiner Stelle offen sagen, Du hättest das Empfinden, dass in seinem Leben kein Platz für eine neue Beziehung ist.

(w) und verwitwt - und glücklich in neuer Partnerschaft lebend.
 
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  • #4
Ich würde ihm sagen, dass du durch das Gefühl bekommen hast, dass es keinen Platz für dich gibt und er noch zu sehr in der Vergangenheit lebt während du eher in die Zukunft guckst. Das hat nichts damit zu tun, dass er sie nicht in Ehren hält. Sondern sich auch für das Neue zu öffnen.

w
 
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  • #5
Dieser Mann hat einen Weg gefunden, mit seiner Trauer umzugehen. Es ist rührend, wie er seine verstorbene Frau noch im Tod verehrt. Sie ist immer noch seine Bezugsperson, sonst würde er nicht auf dem Friedhof mit ihr sprechen. Ich finde das sehr wertschätzend und schön.
Jetzt allerdings bist du in sein Leben getreten und du kannst sicher sein: Wenn ihr ein Paar werdet, dann ändert sich alles. Gib ihm Zeit. Noch seid ihr nicht zusammen. Solange ihr nicht zusammen wohnt, kann er sein Haus nach seinen eigenen Vorstellungen gestalten. Dein Part wäre dann, zu gegebener Zeit mit viel Fingerspitzengefühl eine Umgestaltung vorzunehmen, die allen entgegenkommt: dir, deinem Partner und der verstorbenen Frau, die ja auch noch irgendwo das Recht hat, ansatzweise präsent zu sein.
 
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  • #6
Ich w. bin in einer ähnlichen Situation wie der Witwer. Auch ich besuche das Grab meines Mannes fast täglich, aber nicht, weil ich hier die ganze Qual meiner Trauer immer wieder spüren will, sondern weil unser alter Friedhof ein hervorragender Ort der Stille ist, an dem man sich sehr gut mental entspannen kann. Ich gehe gern hin und ich weiß, dass das meinen Mann freuen würde. Auch ich habe Fotos von ihm in der Wohnung stehen und auch noch nicht alle Sachen entsorgt.

Vier Jahre empfinde ich als eine angemessene Zeit des Abstands, so dass einen Neuanfang nichts im Wege steht. Beziehungen, die nicht durch Tod, sondern durch Trennung endeten, werden mental auch nicht einfach abgelegt.
Zur Zeit sehe ich keinen Bedarf Fotos oder andere Dinge wegzuräumen, käme ein neuer Partner, hätte ich aber auch keine Probleme die Dinge wegzulegen. Ich möchte ja auch nicht in große Fotos der Verstorbenen des neuen Partners schauen. Wann die Sachen weggestellt werden liegt an dem Grad der Intensität der neuen Beziehung.

Ich kann ja nur für mich sprechen, aber mein altes Leben hat mit einem Neubeginn wenig zu tun. Ich kann das trennen!
Es erscheint mir etwas eigentümlich, dass gerade Verwitweten eine zumindest latente Schrulligkeit zugesprochen wird, geschiedenen oder gar getrennt lebenden Männern mit z.B. 3 oder mehr Kindern dagegen weniger. Um die getrennt lebende EX würde ich mir mehr Gedanken machen als um die verstorbene Ehefrau. Der Tod ist ein natürliches Element, das zum Leben gehört, warum sollte man gerade Verstorbene "unsichtbar" werden lassen.
 
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  • #7
(...)
Nun hat er mich zu sich nach Hause eingeladen und ich bin äußerst irritiert: Seine Frau ist vier Jahre tot, ist aber überall im Haus präsent. Sämtliche Räume sind mit großen Porträts von ihr dekoriert, außerdem hängen an den Wänden auch jede Menge Hochzeitsbilder, Urlaubsbilder - kurzum Bilder aus gemeinsamen glücklichen Zeiten. Im Wohnzimmer ist ein regelrechter "Hausaltar" errichtet mit ihren Bildern, eine kleine Urne davor, rote langstielige Rosen.
Liebe FS
Trauer kann lange dauern, vorallem wenn davor Jahrzehnte erfüllter Liebe gelebt wurden - es gibt keinen Zeitrahmen, wie lange jemand trauern "soll".
Dieser Witwer interessiert sich für Dich und Du für ihn. Ihr habt ein gutes Einvernehmen, er scheint integer und seriös zu sein. So weit so gut. Nun fragst Du Dich berechtigterweise, ob da Platz für Dich ist. Dass er Dich zu sich nachhause einlädt und Dir "sein Museum" zeigt, ist ein grosser Vertrauensbeweis! Jetzt ist es an Dir, Geduld zu zeigen - und Verständnis. Je mehr Toleranz Du in dieser Übergangsphase zeigst, desto mehr wird er sich Dir öffen und wird Eure Beziehung Formen annehmen. Ironische Bemerkungen Deinerseits haben hier überhaupt nichts zu suchen. Das lässt ihn nur in sein Schneckenhaus zurückkehren. Versuche ihn so dort abzuholen, wo er jetzt gerade steht.
Wenn Dir das gelingt, werden die Bilder seiner verstorbenen Frau plötzlich nicht mehr so wichtig sein. Versuche, Deinen Anspruch an "ich bin auch wichtig" etwas hintenanzustellen. Du wirst hundertprozentig gewinnen, wenn Du ihm die Zeit lässt, die er jetzt noch braucht.
Dass er Dir die Tür zu seinem Herzen aufgemacht hat, spricht für Dich! Wenn Dir an ihm gelegen ist, gib nicht auf. Er schafft diese Loslösungsphase nur mit wachsendem Vertrauen Dir gegenüber. Je besser Du damit umgehen kannst, desto schneller wird er sein Haus "umtapezieren". Wie lange das dauert bleibt offen. Du hast nichts zu verlieren.
Alles Liebe,
eine Witwe 48
 
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  • #8
Ein paar ironische Bemerkungen habe ich schon vom Stapel gelassen, offensichtlich will er mich aber nicht verstehen. Wie seht Ihr diese Situation? Soll ich mich zurückziehen?
Ironische Bemerkungen finde ich hier fehl am Platze, denn für ihn ist diese Trauer echt und immer noch präsent.

Spreche einfach offen aber herzlich ihm gegenüber an, wie du dich dabei fühlst.
 
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  • #9
Ich finde das rührend, könnte mir so aber nur eine Freundschaft vorstellen. Das würde ich ihm auch sagen.
 
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  • #10
Also ich finde diesen "Totenkult" um seine verstorbene Ehefrau etwas übertrieben, zumal er seine Wohnung zu eine Art Museum umfunktioniert hat. Nach vier Jahren sollte es geschafft haben über den Tod seiner Ehefrau hinweg gekommen sein.

FS, kannst Du Dir vorstellen eine Beziehung zu dritt zu führen? Meiner Meinung nach hat er den Tod der Frau noch nicht ganz überwunden und dies wird Dich eines Tages in die Flucht schlagen. Falls Dich der Mann dennoch fasziniert, helfen nur Gespräche mit ihm.

w
 
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  • #11
Er ist, wie er ist und ich finde es vermessen, dass du ihn bereits nach so kurzer Zeit des Kennenlernens kritisierst. Oberstes Gebot in jeder glücklichen Beziehung ist, dass man den anderen so akzeptiert, wie er ist und nicht an ihm rumkrittelt.

Ihr kennt euch noch gar nicht lange. Er hat dich zu sich nach Hause eingeladen, dich ein wenig in sein Leben gelassen, das solltest du schätzen, auch wenn nicht alles genau so ist, wie du es gerne hättest. Falls sein Interesse wirklich an dir wächst und du ihn für dich gewinnen kannst, dann wird er möglicherweise auch Abstand nehmen von seinen heutigen Ritualen und bereit sein, sich von einigen Andenken zu trennen. Aber das kannst du nicht erwarten, solange ihr nicht zusammen seid. Ich würde auf Wünsche eines potentiellen Partners in der Kennenlernphase auch nicht eingehen.

An deiner Stelle würde ich das Ganze mal locker sehen, abwarten was aus euch wird und wenn sich eure Beziehung festigt und er keine Änderungen vornimmt, ihn vorsichtig darauf ansprechen.
 
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  • #12
Liebe FS

Vergiss ihn!! Auch wenn er sich irgendwann mal durchringen sollte, die Sachen seiner Frau zu entfernen, wird er eine neue Partnerin immer an ihr messen. Er hat sie zur Ikone stilisiert, die immer über ihm schweben wird.

Ich bin selbst auch Witwer (seit fast 3 Jahren). Bei mir hängt an keinem Ort ein Bild meiner verstorbenen Frau. Das Thema ist für mich erledigt und ich bin sehr froh, mich nicht ums Grab kümmern zu müssen, was rein räumlich auch schwierig wäre, da ich aus der Region wegzog. Ich habe dort so ziemlich alle Bande gekappt bzw. es hat sich auch auseinander entwickelt. Klar habe ich noch Sachen und Bilder (diese vor allem in Ordnern auf dem PC...), aber die sind irgendwo in unteren Schubladen versorgt.
 
  • #13
liebe FS,

wie wäre es wenn Du ihn bei einem Spaziergang oder einem Kaffee darauf ansprichst.
Ironie ist oft ein Zeichen von Hilflosigkeit, aber Ehrlichkeit in einem angemessenen Ton wirkt oft Wunder.
Angriff bewirkt oft Abwehr und Unverständnis.

Kann Dich verstehen, ich hätte auch den Eindruck dass er noch nicht bereit ist zu einer neuen Zweisamkeit.
 
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  • #14
Vielleicht sucht er nur eine nette Bekanntschaft, um mal etwas Kaffee zu trinken, wieder zu lachen und nicht so alleine zu sein. Es muss ja nicht alles im Bett oder in einer Partnerschaft enden. Hast du ihn schonmal gefragt, was er von dir will?

Wir gehen auch noch nach 10 Jahren fast täglich an unser Grab. Zumal so ein Grab gepflegt werden muss. Wenn du da paar Tage nichts machst, sieht alles vergammelt aus.
Aber mal abgesehen davon, er dir da doch keine Rechenschaft schuldig? Ich würde dich persönlich wegjagen, wenn du mir so kommst!

Wenn dir seine Wohnung nicht gefällt, dann mußt du dort nicht hingehen und kannst ihm das gerne sagen, dass du dich unwohl fühlst.
Vielleicht ist es auch ein "Wink" für dich, dass er jemanden braucht, den er umsorgen und umpflegen kann und andersraus, die ihn ebenfalls umsorgt und umpflegt - wie seine tote Frau. Hier hat wohl nur eine sehr verständisvolle Frau Platz an seiner Seite, die ähnlich seiner toten Frau war.

Aber - nach 4 Jahen ist eine Trauer eines toden Menschen, den man liebte, schlichtweg nicht abgeschlossen! Wenn man jahrzehnte zusammen war, dann vermutlich auch nie.

Ich bin mir sicher, er schätzt dich als Mensch, aber so recht will und kann er gar nicht mit dir. Wenn du erstmal anfängst, etwas über die Bilder an seiner Wand zu sagen, dürfte ihm die Ernüchterung kommen, dass du doch nicht die passende Frau für ihn bist, nach der er gesucht hat.
 
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  • #15
Also rührend etc. wie das hier einige finden, finde ich die Sache nicht. Auch dass die FS hier kritisiert wird, finde ich nicht angemessen.

Es ist doch offensichtlich, dass der Mann über die tote Frau nicht hinweg ist. Ein oder zwei Fotos, so wie ab und zu zum Grab zu gehen, wäre o.k. Doch so wie er das betreibt, ist er gar nicht offen für eine neue Beziehung. Die FS wäre nur die Nummer 2 bzw. das Trostpflaster und müsste sich dann in der Beziehung wahrscheinlich die Geschichten über die Ex anhören. Z.B. was sie immer gesagt hat, was ihre Hobbys waren usw. So kann keiner glücklich werden.

Ich war auch einmal mit einem Witwer zusammen. Der hat den Kult um die Ex nicht so extrem betrieben, aber doch in so einem Ausmaß, dass ich Abstand genommen habe. Deshalb würde ich der FS abraten, eine Beziehung anzufangen.
 
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Gast

  • #16
Es ist doch offensichtlich, dass der Mann über die tote Frau nicht hinweg ist. Ein oder zwei Fotos, so wie ab und zu zum Grab zu gehen, wäre o.k. Doch so wie er das betreibt, ist er gar nicht offen für eine neue Beziehung.
.
Vielleicht empfindet eine Frau das so, wie hier beschrieben, wenn der Draht zu dem neuen Mann sowieso nicht so da ist, da könnte der auch geschieden sein oder "getrennt lebend".
Warum wird überhaupt verlangt, ja es wird verlangt, dass der Witwer gleich nach einigen Treffen für die neue "Prinzessin" da ist. Wie viele Männer und auch Frauen sind über eine zerbrochene Beziehung noch nicht hinweg, wenn sie eine neue anfangen?

In einem Alter, wo man nach einer langjährigen Beziehung verwitwet oder geschieden ist, gibt es keine Partner ohne Vergangenheit - und wer mit Macht die vorhergehende Beziehung wegdrückt, macht sich und seinen Partner nicht frei für eine neue Beziehung, im Gegenteil, es geht schon mit Forderungen los. Hier wird ein Gespenst der Hinterbliebenen aufgebaut, das überhaupt keines sein müsste, wenn es nicht so vehement bekämpft würde.

Es geht hier einigen offenbar nur um Forderungen, die der neue Partner sofort zu erfüllen hat, weigert er sich evtl. (würde ich bei dem im Zitat herauslesbaren Ton auch so machen), dann soll er "abgeschossen" werden.
Ich weiß gar nicht, ob ich jetzt darüber lachen oder weinen soll?
M.E. stellen sich Leute, die einen Partner suchen hier selbst ein Bein - hier wird bereits Sturm angesagt, wo noch nicht einmal ein Wind weht.
 
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  • #17
Auch wenn er sich irgendwann mal durchringen sollte, die Sachen seiner Frau zu entfernen, wird er eine neue Partnerin immer an ihr messen. Er hat sie zur Ikone stilisiert, die immer über ihm schweben wird.
Ich bin selbst auch Witwer (seit fast 3 Jahren). Bei mir hängt an keinem Ort ein Bild meiner verstorbenen Frau. Das Thema ist für mich erledigt ...
Da finde ich die Haltung des von der FS beschriebenen Witwers aber wesentlich sympathischer und menschlicher. Jeder trauert anders, und ein Witwer kann nicht dem anderen vorschreiben, wie er seine Trauer zu verarbeiten hat. Wie dieser Mann sich verhalten wird, wenn er eine neue Partnerin hat, kann niemand wissen - auch Du nicht.
 
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  • #18
"Ironische Bemerkungen vom Stapel zu lassen" finde ich extrem hochmütig und respektlos. Das kann eine große Liebe gewesen sein. Die Entscheidung, welche Art der Trauer um diese Frau richtig ist, steht alleine diesem Manne zu, nicht einer fremden Frau, die ihn grade mal ein paar Wochen kennt. Du denkst schon wieder nur an Dich.
 
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  • #19
Er macht in seinem Leben keinen Platz für dich, weil die verstorbene Frau für ihn immer und überall präsent ist. Es ist nicht zu übersehen, dass er noch nicht frei ist. Vier Jahre sollten ausreichen, um bereit für einen neuanfang zu sein, aber er ist es definitiv nicht. Für eine neue Beziehung ist es aber notwendig, dass er seine Trauer zunächst überwindet. Erst dann kann er eine neue Beziehung eingehen. Möchte er vielleicht nicht doch nur eine lockere Bekanntschaft (Affäre) mit dir? Lass dich nicht weiter auf ihn ein, halte ihn immer etwas auf Abstand. Wenn Du in ihn verliebt bist, wird es sehr schwierig werden. Du wirst die Nr. 2 sein und darunter leiden. Er kann sich ja gar nicht in deine Lage versetzen und nachvollziehen, dass du sein Verhalten befremdlich findest und dass du sein Haus als Totenschrein empfindest. Wenn du noch gehen kannst, ist es vielleicht die bessere Lösung. So ersparst du dir viel Kummer. Er sollte erst den Tod der Frau wirklich bewältigen, bevor er wieder auf Brautschau geht.
 
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  • #20
Ironie ist hier völlig fehl am Platz, Fs! Das ist sehr unsensibel und du riskierst, den Mann zu verlieren, bevor du ihn für dich gewonnen hast. Ehrlich, ich schüttel den Kopf!

Es ist absolut verständlich, dass er seine verstorbene Frau in Ehren hält und an sie denkt. Schließlich war er lange mit ihr verheiratet. Und es ist sehr hart, einen geliebten Menschen so zu verlieren! Wo bleibt da deine Emphatie, dein Einfühlungsvermögen?

Du brauchst dich nicht zu wundern, wenn er dich wieder fallen lässt!

Ich hoffe, dass dir das zu denken gibt was das Forum hier schreibt...
 
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  • #21
Liebe FS,

ja du solltest dich unbedingt zurück ziehen, möglichst sofort!

Ich kann dich sehr gut verstehen, ähnliches habe ich vor einigen Jahren mit einem trauernden Witwer erlebt, dessen Frau auch bereits mehrere Jahre tot war. Es ist zu offensichtlich, dass er diesen Verlust noch nicht verdaut hat. Sicher ist es individuell verschieden wie lange ein Mensch um einen anderen trauert. Dagegen ist nichts einzuwenden.

Jedoch, und darum geht es ja hier, in diesem psychischen Zustand der unbewältigten Trauer sollte jeder Verwitwete von einer gleichzeitigen Partnersuche Abstand nehmen!

Es ist in der Tat keinem potentiellen Partner zumutbar als Trauerbegleiter instrumentalisiert zu werden! Nur Menschen mit einem Helfersyndrom werden sich wohl auf einen derartigen Deal einlassen wollen und sehr schnell feststellen, dass ihre eigenen Erwartungen an eine von Liebe getragene Partnerschaft gar nicht erfüllt werden können. Die Bedürfnisse des "Leidenden" werden stets eine sich anbahnende Beziehung dominieren.

Stelle dir folgendes Szenario vor: ihr tauscht erste Intimitäten miteinander aus und die Verstorbene blickt euch aus den übergroßen Portraits dabei zu! Welche Empfindungen mögen da bei dir hoch kommen, wenn du dich bereits bei purer Anwesenheit in dieser Wohnung unwohl fühlst? Was mag er sich dabei denken? Muss er nicht vorher mit ihr "reden" und Abbitte leisten?

Ich war genau 9 Monate mit einem Witwer liiert der ebenso täglich auf dem Friedhof anzutreffen war. Die Verstorbene wurde idealisiert und in Ritualen verehrt. Viel zu lange habe ich diese Ritualisierung des Alltags stillschweigend toleriert, mich jedoch von Anfang an geweigert daran teilzunehmen. Zum Bruch kam es dann durch ein sehr einschneidendes Ereignis. Wir waren beim ihm zu Hause verabredet und ich hatte Konzertkarten besorgt und wollte ihn damit überraschen. Er sah mich mit schmerzlichem Blick an und erklärte mir, dass er sich diesem Vergnügen ausgerechnet an diesem Tag nicht hingeben könnte - es war der Todestag seiner Frau!!
Zunächst war ich verblüfft, nach einer kurzen Aussprache umso zorniger ob seiner Begründung. Ich beendete diese Beziehung spontan und empfahl ihm eine Therapie um sein Leiden in den Griff zu bekommen. Wessen Geistes Kind er war bekam ich darauf hin drei Monate lang zu spüren. Er beschimpfte mich per Mail und telefonisch bis er endlich aufgab, nachdem keine Reaktion von meiner Seite aus kam.

Liebe FS, vergeude deine kostbare Lebenszeit nicht mit einem trauernden Witwer sondern suche dir einen Partner ohne diese emotionalen Altlasten.
 
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  • #22
Ich würde diesen Mann klipp und klar und sachlich darauf ansprechen und ihn fragen, wie er sich das vorstellt. Ob er sich nicht einfühlen und vorstellen kann wie unangenehm und peinlich die Situation für eine neue Bekannte/Frau - für die FSin - ist!

Selbstverständlich ist das Gedenken an einen lieben Partner schön und gut... Schreine mit Urnen haben in neuen Partnerschaften aber nichts verloren. Das ist derart gruselig, so gesehen kann ich die Ironie der FSin gut verstehen.

Liebe FSin, du hast nichts zu verlieren. Im besten Fall räumt er auf und dekoriert um, oder du regst zumindest jemanden zum Nachdenken an. SO gehts sowieso nicht.
 
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  • #23
@#20
Es ist für mich völlig nachvollziehbar, dass der Mann nicht am Todestag seiner Frau auf ein Konzert gehen will. Warum kann man sowas nicht respektieren? An den Tagen, an denen ich einen lieben Menschen verloren habe, mache ich auch kein Halli Galli, sondern begehe den Tag in Ruhe und Einkehr.
Ok, du warst enttäuscht, kann ich irgendwie verstehen, aber dann gleich so ein Drama darum machen? Du hast es ja nicht mit ihm abgesprochen vorher...Hätte mir einfach eine gute Freundin geschnappt und wäre eben mit ihr zum Konzert.
Zur FS: Sie kennt den Mann ja noch nicht lange und kann nicht sicher sein, dass er wirklich eine Beziehung möchte. Das würde ich an ihrer Stelle erstmal herausfinden, bevor ich mir Aussagen über seine Beziehungsfähigkeit erlaube...
 
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  • #24
@#20
Es ist für mich völlig nachvollziehbar, dass der Mann nicht am Todestag seiner Frau auf ein Konzert gehen will. Warum kann man sowas nicht respektieren? An den Tagen, an denen ich einen lieben Menschen verloren habe, mache ich auch kein Halli Galli, sondern begehe den Tag in Ruhe und Einkehr.
Ich bin selbst Witwe und habe den Tod meines Partners vor einigen Jahren gut verarbeitet. Ich habe mir eine intensive und ausreichende Trauerzeit gegönnt. Gern denke ich an ihn, auch Friedhofsbesuche finden statt. Ich hätte aber absolut kein Problem an seinem Todestag ein Konzert zu besuchen und Halli Galli zu machen - ihm würde es vielmehr sehr gefallen, dass ich mein Leben jetzt wieder genieße.

Was ich damit sagen will: manche Personen versumpfen gern in ihrem Schmerz, finden keinen Halt und keine Motivation, suhlen sich in Selbstmitleid und leben in der Vergangenheit.
Es macht wenig Spaß sich als neue Partnerin darum kümmern zu müssen. Gern ist man hilfsbereit, aber unter einer wertvollen und bereichernden Beziehung oder auch nur Bekanntschaft stelle ich mir etwas anderes vor.
Die FS offenbar auch. Und das ist ihr gutes Recht.
 
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  • #25
@#20
1. hättest Du wohl das Datum wissen müssen und 2. kann immer eine Überraschung in die Hose gehen, von daher war deine Reaktion wohl auch nicht gerade schön.
Ich werde wohl diesen Tag mit meiner neuen Partnerin bei Kerzenschein in Ruhe verbringen.

FS,
Die ganze Wohnung sah sicherlich zu Lebzeiten seiner Frau ganz anders aus, gib ihm deutlich, ohne Ironie, zu verstehen das du ihn nicht mit seiner Toten Frau teilen möchtest.
Ihr wollt ein neues Leben beginnen und da hat eine EX und auch eine Tote nichts mehr zu suchen. Ich meine Damit nicht das man das Leben davor vergessen soll und nicht mehr an seine Partner in liebe denken darf.
Im Gegenteil vielleicht bist gerade du diejenige die ihm beim gehen lassen hilft, aber das muss er dir deutlich und schnell zeigen wer in Zukunft für Ihn wichtig ist.
Wenn das nicht klappt vergiss Ihn.
Zu mir nur so viel, meine Frau ist mit mitte 40 gestorben und ich werde, auch wegen der Arbeit, nach nicht einmal 1 Jahr zu meiner neuen Partnerin ziehen.
Seit dem Tod meiner Frau habe ich mich immer wieder mit meiner Zukunft auseinander gesetzt und für mich beschlossen noch einmal ganz neu Anzufangen.
 
  • #26
Im selben Moment, in dem der Witwer eine neue Partnerin sucht, gehören sämtliche Erinnerungsstücke beiseite geräumt. - Alles andere ist rücksichtslos dir gegenüber.

Ein symbolischer Akt wäre, all diese Dinge in einen Karton zu packen und einen würdigen Platz dafür zu finden. (Außer Sichtweise für dich)

Lass es sein, mit Hilfe ironischer Bemerkungen deinen Frust zu zeigen, sondern stelle glasklar Forderungen. An seiner Reaktion darauf kannst du dann erkennen, ob er wirklich schon bereit ist für eine neue Beziehung.

Ich glaube es nicht.
 
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  • #27
Im selben Moment, in dem der Witwer eine neue Partnerin sucht, gehören sämtliche Erinnerungsstücke beiseite geräumt. - Alles andere ist rücksichtslos dir gegenüber.
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Ich, selbst Witwe, bin über die hier vorgelegte "konsequente" Art, mit der einem Witwer vorgegeben wird, wie er sich zu verhalten hat, nicht gerade angenehm berührt. Ein Mann, der sich so verhält, wie einige Beitragsschreiberinnen hier, hätte bei mir keine Chance.
Wer möchte denn, dass Erinnerungsstücke die an einen selbst erinnern, nach dem eigenen Tod rigoros weggeräumt werden, um der Neuen einen unbelasteten Neuanfang zu gewährleisten, was m.E. sowieso ein Irrtum wäre, da verdrängen und fordern keine gute Basis für eine neue Beziehung sein kann.

Es ist wohl eine Frage des partnerschaftlichen Umgangs, in welcher Art und Weise man die Verstorbene/ den Verstorbenen aus seinem Leben ausschließt. Zu Bedenken finde ich auch, der Verstorbene lebte mit seinem Partner ja nicht in einer beziehungsfreien sozialen Umwelt. Werden Erinnerungsstück an ihn für eine neue Partnerin rigoros entsorgt, sagt das auch etwas über die Qualität der vorherigen Beziehung aus und über die Art, wie in diesem Fall der Witwer mit seinen Frauen umgeht.

Ich empfinde es so, dass die Verstorbenen auf den neuen Partner, wie eine Bedrohung wirken müssen, dies ist so nicht richtig gedacht. Der neue Partner ist eine andere Person und z.B. ich werde ihn auch nicht mit meinem verstorbenen Ehemann vergleichen. Warum müssen hier Verknüpfungen wie: er wird dich mit seiner Frau immer vergleichen usw. hergestellt werden. Das ist rein theoretisches Denken. Welches Verhältnis der Witwer zu seiner Frau wirklich hatte, wird die neue Partnerin u. Umständen überhaupt nicht erfahren. Sie muss es auch nicht wissen.
 
  • #28
Wer möchte denn, dass Erinnerungsstücke die an einen selbst erinnern, nach dem eigenen Tod rigoros weggeräumt werden, um der Neuen einen unbelasteten Neuanfang zu gewährleisten, was m.E. sowieso ein Irrtum wäre, da verdrängen und fordern keine gute Basis für eine neue Beziehung sein kann.
So lange ein Witwer versuchte, etwas zu "verdrängen", hätte eine neue Beziehung sowieso keinen Sinn, dann sollte er noch weiter alleine bleiben.

Es geht hier außerdem nicht nur um das Seelenheil des Witwers, sondern genau so um die Bedürfnisse einer potentiellen Partnerin, die das Recht auf einen unbeschwerten Neuanfang hat - und diese fühlt sich sicherlich nicht wohl in einer, wie oben beschriebenen Umgebung.

Würde es ein Geschiedener wagen, den Bildern und Erinnerungsstücken der Ex- Frau dermaßen rituell zu huldigen? - Nach ganzen 4 Jahren!

Wohl nicht! Ich frage mich deshalb, warum Witwer/Witwen der Ansicht sind, die neuen Partner/innen müssten, über Jahre hinweg, deren trauriges Schicksal mittragen.