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  • #1

Wodurch springt der berühmte Funke über? Was löst Verliebtheitsgefühle aus?

Hin und wieder trifft man ja - selbst bei der Partnersuche ;-) - den einen oder anderen Menschen, den man auf Anhieb sehr mag und auch attraktiv findet. Aus manchen Kontakten entwickeln sich sogar Freundschaften. Aber verlieben kann man sich nicht ineinander, obwohl kein Ausschlusskriterium dagegen spräche. "Es funkt eben nicht", sagt man dann oft. Meine Freundin, ziemlich attraktiv, hat einen ebenso attraktiven "besten Freund", eigentlich ein schönes Paar, beide Singles - aber es funkt bei beiden nicht. Oder umgekehrt: Eine Bekannte hat sich nach 17 Jahren platonischer Freundschaft plötzlich in einen Schulfreund verliebt (und er sich in sie). Angeblich ist vorher nie was gelaufen. Kann jemand diesen berühmten Funken erklären? Wann verliebt man sich in sein Gegenüber? Nüchterne Menschen behaupten ja, das Verlieben sei lediglich eine biochemische Angelegenheit. Hat jemand eine schönere Erklärung?
 
  • #2
Das Phänomen des Verliebens ist noch nicht abschließend geklärt und wirft noch viele Rätsel auf. Sicher ist, dass der Zustand der Verliebtseins natürlich eine biochemische Reaktion ist -- ALLES was wir Menschen tun und fühlen ist letztlich irgendwie biochemisch. Das ist weder romantisch noch unromantisch, das ist Fakt.

Nichtsdestotrotz erklärt es bisher nicht WARUM man sich in einen bestimmten Menschen verliebt, was also diese Reaktion auslöst. Offensichtlich gibt es ganz bestimmte Trigger, also Aspekte beim anderen und zwischen den beiden, die passen müssen, damit unser Gehirn sagt, "Der ist es. Der passt zu mir.", und die Kaskade an biochemischen Reaktionen auslöst, die wir dann als Gefühl der Verliebtheit erleben.

Soweit bekannt hat es wohl mit dem Eigengeruch, der Art sich zu bewegen, der Art des Lächelns und gewissen vertrauensbildenden Maßnahmen zu tun -- interessantes Thema, das aber wohl leider erst einmal ohne konkrete Antwrt bleiben wird.
 
  • #3
Die Auslöser des Zustandes, den wir Nichtbiochemiker als "Verliebtsein" beschreiben, sind zunächst mal positive Eindrücke von einem Menschen, die wir über die Sinnesorgane wahrnehmen. Jeder von uns hat ein prototypisches, virtuelles Bild von einem Partner im Kopf und je näher die Optik, die Stimme, die Gestiken, das Gedankengut und bei vielen auch der Geruch (bei mir aber irgendwie gar nicht) diesem Idealbild entsprechen, desto heftiger setzt sich der biochemische Prozess des Verliebens in Gang.

Phenylethylamin, Dopamin und Norepinephrin werden vom Gehirn freigesetzt und versetzen uns in einen schwebenden Bewusstseinszustand. Die Serotoninwerte sind bei frisch Verliebten ähnlich hoch wie bei Menschen mit einer obszessiven Zwangsstörung, was nicht besonders romantisch klingt.

Kommt es zu einer Beziehung, werden Phenylethylamin und Norepinephrin nach und nach durch Oxytocin ersetzt, was man auch in besonders hoher Konzentration bei Müttern nachgewiesen hat, die gerade ein Kind geboren haben. Das erklärt, warum das stürmische Verliebtsein nach einer Weile nachlässt und die romantische Liebe beginnt.

Welche biochemische Erklärung hinter dem Phänomen steckt, dass ein Partner nach ein paar Monaten doch nicht als der richtige identifiziert wird, ist mir leider nicht bekannt.
 
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  • #4
ich kanns mir auch nicht erklären, aber mir ist es auch schon passiert, dass für eine bildhübsche Frau nichts empfinden konnte, dann aber eine andere kennenlernte, die wesentlich weniger "attraktiv" war und trotzdem spürte ich von Anfang an ein "Kribbeln". Auch das Immunsystem spielt hier angeblich eine nicht unwesentliche Rolle - allerdings eher was
Ablehnung eines unpassenden Partners betrifft.
Das mit der langjährigen Freundschaft, aus der dann doch mehr wurde, kenne ich auch aus meinem Bekanntenkreis. Dort war es so dass die beiden in jungen Jahren noch andere Vorstellungen von einer Partnerschaft hatten und daher nichts aus einer gemeinsamen Beziehung wurde. Dann, nach mehreren gescheiterten Beziehungen, änderten sich ihre Wertvorstellungen und plötzlich passte es. Leider erleben wir dieses Phänomen viel öfter mit umgekehrten Vorzeichen, d.h. dass sich anfangs glückliche Partner auseinanderleben.
 
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  • #5
siri
und neben den ganzen biochemischen Abläufen braucht es auch noch eine Bereitschaft, sich zu verlieben! Wenn ich in eine guten Partnerschaft lebe, nehme ich ab und zu ein paar biochemische Reize wahr, aber ich nehme sie nicht "mit".
Wenn ich solo bin, und Lust habe, mich zu verlieben, dann nehme ich sie natürlich ganz anders wahr.
Achtung - bei manchen geht es soweit, daß sie Lust haben, sich zu verlieben und biochemische Reize wahrnehmen, die überhaupt nicht existent sind :) . Und es gibt die anderen, die sich selbst so blockieren, daß sie chemische Reize, auch wenn sie geballt auftreten einfach nicht wahrnehmen. Auch tragisch.
 
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  • #6
Ich (w28) weiß nicht, ob es nur mir so geht, aber bei mir entstehen die Schmetterlinge im Bauch erst dann, wenn ich von ihm deutliche Signale und Worte, die auf sein Interesse/seine Gefühle hinweisen, erhalte und natürlich auch sonst gegenseitige Sympathie da ist. Es kam deshalb schon vor, das ich einen Mann rein äußerlich attraktiv fand und auch sonst objektiv betrachtet alles stimmte, ich mich aber nicht verlieben konnte, weil das Interesse nicht echt war. Es heißt ja auch, dass der Funke "überspringt", er also bei einem der Partner da sein muss, damit er auch Gefühle des anderen entfachen kann.
 
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  • #7
Ich habe ein Buch gelesen, in dem beschrieben wird, dass man sich in den Menschen verliebt, bei dem man glaubt, dass durch ihn/sie die eigenen Wünsche und Träume realisiert werden.
 
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  • #8
Um sich zu verlieben, ist das Bauchgefühl gefragt. Ich verliebe mich ziemlich oft, manchmal bereits, wenn ich nehmen einem Mann sitze und so seine "Aura" und Schwinung aufnehme. Dafür bin ich generell ein sehr emotionaler, leidenschaftlicher Mensch mit einem Kreativ-Beruf. Männer, bei denen nur die Ratio im Alltag eingesetzt wird, tun sich da sicherlich viel schwerer mit dem Verlieben und müssen das oft, auch gerade nach langwierigen eingeschlafenen Partnerschaften, erst wieder von vorn lernen. Ich empfehle Yoga und viel Kunst und Musik, Kontakt mit Wasser, Farben und die Bereitschaft den eigenen Gefühlen zu vertrauen und sich darauf einzulassen. Schade, dass es wohl vielen so ergeht.
 
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Berliner30

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  • #9
@7 Unfug, ich als Kaufmann kann mich auch sehr oft und schnell verlieben, wenn gewisse Dinge (s.u.) stimmen

@6 das alleine ist längst nicht alles, denn dann müßte es entweder sehr viel mehr oder sehr viel weniger Singles geben, je nach Auslegung,

@5 interessant, könnte was dran sein, aber eine umfassende Erklärung scheint mir das auch nicht zu sein, denn dann dürfte es nicht so kompliziert sein. Ich denke hier kommt das eigene Anspruchsdenken wie in #2.1 beschrieben dazu.

@2 Thomas HH: dein ersten Absatz würde ich sofort unterschreiben. Ich versuch das mal mit meinen eigenen Worten.

Bei mir habe ich gewissen Häufungen festgestellt, die als ganzes Zusammenwirken und eine entsprechende Reaktion bewirken (unsortiert und unvollständig):
Mann hat einen bestimmten Typ (optisch) im Kopf, vielleicht auch in seiner Ex-Sammlung ein Muster, die Umgebung und das Angebot spielen eine Rolle (in einer Stadt mit mehr hässlichen wird man schön anders definieren), biologisch würde ich den Hormonhaushalt +Medikamente +sonstige noch unbekannte Faktoren vermuten, Urzeitliche unbewußte Prägungen, die Medien spielen bei einigen Personen eine entscheidene Rolle (ich meine hier diese blöden Hollywood Zicken Shows/Serien), die eigenen Ansprüche und Zielsetzungen, die eigene Wahrnehmung in Bezug auf die eigene Attraktivität, natürliche und künstliche Gerüche, Gang, Körpereinsatz und Sprache, Stimme, Gesicht (Gehirn vermißt als erstes das Gesicht und prüft ob es das schon kennt, ich glaube hier findet auch gleiche eine Bewertung statt), Kleidungsstil, Körperkontakt, sonstige teilweise einfache Dinge (z.B. lächeln, Mimik uvam.), ...

Die optische Komponente scheint mir überragend wichtig bzw. einflussreich zu sein.

Es gibt einen Forschungszweig, der sich mit der Bemessung der Attraktivität beschäftigt und da gibt es gute Fortschritte wie z.B. optimales Taille/Hüfte Verhältnis bei Frauen, allgemein als hübsch emfundenes Gesicht, ...
 
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  • #10
ich hab mal gelesen, dass wir uns in den menschen verlieben, dessen gene unseren möglichst entgegengesetzt sind, was vorteile bzgl Fortpflanzung bringt.
das erkennen wir angeblich am geruch.
was ich nicht verstanden habe, wieso kommt es dann zu einseitiger Liebe?
hm, wahrscheinlich weil psychische faktoren (beeinflussung durch kindheitserlebnisse, derzeitige situation, …) eine nicht zu unterschätzende rolle spielen, oder?
wahrscheinlich handelt es sich bei liebe um eine kombination: kann es dann also nur zu liebe kommen, wenn beides stimmt? wie aber ist es dann möglich, sich in seinen bruder zu verlieben? oder kann es auch hier sein, dass die erbanlagen sich ergänzen?
oder aber, es handelt sich um das von siri beschriebene phänomen, dass es zum trugschluss kommen kann, weil wir es uns sosehr wünschen? wahrscheinlich.
wenn das stimmt, dann ist unsere psyche wohl von größerer bedeutung als körper/gene?
(schließlich sind die passenden gene allein kein garant für liebe, die passende psychische verfassung allerdings schon.. auch wenn die verliebtheit nicht anhalten wird)
(oder ist die theorie bzgl der gene humbug?)
und: heißt das, unsere gene sind weniger wichtig, als ich dachte? kann das sein?
oder variiert der einfluss unseres körpers - z.b. je nach höhe des hormonspiegels?

Oder aber ist es ohnehin unzulässig, diese strikte trennung zwischen körper und psyche anzunehmen, da ja auch die psyche durch die gene beeinflusst wird ..
d.h., wenn meine gene zwar einerseits passend zu dem des gegenübers sind, aber andererseits wieder andere gene eine negative wirkung auf die liebeseinstellung des menschen haben, weshalb sich bloß einer der sich ergänzenden partner verliebt.

und wie groß ist eigentlich der einfluss der Umwelt auf die entwicklung des bildes, das wir vom partner im kopf haben? jetzt bin ich wieder bei derselben frage wie oben – bloß hat „umwelt“ jetzt die rolle der "psyche" übernommen, hm.
jedenfalls kann ich dann also rein theoretisch durch kontrolle der umweltfaktoren, Einfluss darauf nehmen, ob und in wen sich jemand verliebt?

Ich könnte auch bestimmte hormone entweder direkt spritzen oder durch die herbeiführung äußerer umstände, die bildung spezieller botenstoffe induzieren, sodass ich mich verliebe.
Oder wurden ähnliche tests ohnehin schon durchgeführt? Wenn ja, was ergaben sie? So, wie ich mir das vorstelle, wäre das aber schon äußerst kompliziert. lediglich leichte beeinflussung (wie eine erhöhte wahrscheinlichkeit, sich zu verlieben) müsste einfacher durchzuführen sein.
Wenn ich umweltkontrolle von kindheit an durchführe, kann ich dann das bild, dass die betreffende person vom traumpartner entwickelt, mitgestalten? Geht das?

Oder sind gene etwa in der lage, die umwelt zu beeinflussen, sprich andere personen können mich nur soweit verändern, wie meine gene es möchten? Sind zwillinge nicht meist ähnlich, selbst wenn sie in anderer umgebung aufwachsen? Verlieben sie sich zur selben zeit?
Wenn zwei menschen mit demselben erbmaterial unter jeweils unterschiedlichen bedingungen aufwachsen, entwickeln sie sich dann komplett unterschiedlich oder doch ähnlich? Wie viel variiert das verhalten? Wahrscheinlich eine äußerst dumme frage, schließlich gibt es ja klass. Konditionierung und was-weiß-ich-was-noch-alles für möglichkeiten, menschliches verhalten zu manipulieren, aber in wieweit kann das wesen ein und desselben menschens aufgrund der umweltbedingungen variieren?
Das wäre wichtig, um zu wissen, inwieweit sich liebe beeinflussen lässt.

oje, ich glaube, schon langsam kennt sich hier niemand mehr aus-P
 
  • #11
@#7: Dass rationale Männer sich mit dem Verlieben schwerer tun, halte ich nicht für richtig. Es gibt solche, die ihren Verstand einsetzen, um keine Gefühlsverletzungen zu erleiden, wenn sie im Verliebtheitszustand enttäuscht werden. Das Verlieben selbst fällt deswegen aber nicht schwerer. Zu dieser Species würde ich mich zählen.

Auf Radio HH gab es mal eine interessante Beitragsreihe namens "Der Flirter". Ein Mann rief bei irgendwelchen Firmen an und wenn eine Frau ans Telefon ging, verwickelte er sie unter irgendwelchen Vorwänden in Gespräche, schleimte rum wie blöde und fragte sie am Ende nach ihrer privaten Telefonnummer. Einmal erwischte er eine völlig gefühlskalte Frau, die nicht das geringste Interesse an ihm zeigte (obwohl er sich Mühe gab) und absolut pissige Antworten von sich gab. Kein Mann bei klarem Verstand hätte diese Frau je nach ihrer Nummer gefragt, der Flirter aber natürlich schon. Und was soll ich sagen!? - Er hat sie bekommen.

Ich will mit dem Beispiel sagen, dass selbst äußerlich absolut gefühlskalte Menschen durchaus Gefühlen zugänglich sein können. Meistens ist Gefühlskälte ein Schutzmechanismus oder sowas wie ein stummer Schrei nach Liebe, wie es "Die Ärzte" wahrscheinlich formuliert hätten
 
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  • #12
Lieber ThomasHH: Kann es sein, dass rationale Männer, die ihren Verstand einsetzen, um keine Gefühlsverletzungen zu erleiden, wenn sie im Verliebtheitszustand enttäuscht werden, eine Vorliebe dafür haben, die Gefühle möglicher Partnerinnen zu verletzen und sie im Verliebtheitszustand zu enttäuschen. Vor dem "stummen Schrei nach Liebe" lernt man nämlich schnell zu flüchten, wenn mein einige Male mit schmerzhaften Stromstößen "bestraft" wurde.
 
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Berliner30

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  • #13
@11 da ich mich teilweise mitangesprochen fühle, kann ich dir sagen das ist Blödsinn. Eine pauschale Verurteilung bringt niemanden etwas und wenn du nur solche Typen anziehst, dann solltest du mal versuchen herauszufinden warum das so ist (deine Handlungen und Signale checken).
Es ist auch nich klug zu denken, das man nach ein paar Treffen eine Beziehung führt. Ich nenne auch das Kennenlernphase und finde es vollkommen richtig bei schwerwiegenden Problemen bzw. Unpassenheit auch hier den Kontakt zu beenden.
 
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  • #14
@12 Vielen Dank für den Hinweis, vor allem im zweiten Absatz. Das erklärt wirklich vieles. Jetzt weiß ich, welche Typen ich besser gleich ignorieren muss.
 
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