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Gast

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  • #1

Woher kommt immer wiederkehrendes menschliches Verhalten?

Ein beruflich oft beobachtetes Phänomen (nein, nicht auf mich bezogen, auch wenn's manche noch so gerne hätten), das ich bewußt hier ausprobierte: stelle ich anonyme Fragen bzw. gebe ich anonyme Antworten zu diversen Themen, tauchen keine kritischen Anmerkungen auf. Stelle ich Fragen bzw. gebe ich Antworten unter meinem Nick, können es manche nicht lassen, besserwisserisch daherzukommen. Was veranlaßt Menschen (vermehrt Frauen), auf eine Äußerung anders zu reagieren, wenn man weiß, von wem sie stammt und warum können Menschen nicht zwischen der Sache und der Person trennen? Ist das mit Ursache für Beziehungsprobleme generell? Woher kommt es zum Beispiel, daß manche manchen Schreiberling hier "reizend" finden?
 
  • #2
Ja, das Phänomen habe ich auch bemerkt. Sicherlich gibt es dafür viele Gründe, unter anderem sehe ich folgende Aspekte:

1) Durch den Nickname ist es möglich, sich ein wesentlich komplexeres Bild von mir aufzubauen als bei einer anonymen Antwort. Dadurch verbindet man meine konkrete Einzelantwort mit vielen anderen früheren Aussagen von mir. Dadurch kann eine an sich harmlose Bemerkung im Kontext größere Bedeutung haben als sie im Einzelfall hätte.

Beispiel: Ich müsste nur in einer Aufzählung von Abarten unauffällig auch Tattoos erwähnen und würde gleich wieder eine Lawine lostreten. Oder Schamhaare. Ich muss deswegen manche Beiträge viel präziser formulieren als ich das bei einem anonymen Beitrag müsste -- es sei denn, ich möchte absichtlich provozieren. Ich denke, mit dieser Wirkung muss man leben, wenn man oft unter Nick schreibt.

2) Durch die fremden Nicknames weiß ich umgekehrt auch selbst viel besser, ob gerade möglicherweise gestichelt wird oder eine Bemerkung vielleicht nur zufällig fällt. Das ist legitim und verstärkt ja gerade das Community-Feeling des Forums. Wenn Pat Pitt mir mit Schamhaaren kommt, dann muss ich nur noch lächeln und ignoriere das. Bei einer anonymen Frage würde ich vielleicht doch noch einmal ernsthaft darauf antworten. So ist das Leben, wenn man sich kennt.

Auch im realen Leben dürfen doch Personen sich völlig verschiedene Dinge erlauben: Was bei dem einen als aufrichtiger Tipp (beste Freundin) rüberkommt, kann bei einem anderen (Schwiegermutter) als Bösartigkeit interpretiert werden.

3) Viele der angeblich anonymen Kommentare kann man ja oft durchaus durch Sprachstil oder Inhalt zuordnen. Häufig sind sie aber sicherlich nicht wortgleich. Wenn man persönliche Sticheleien wegläßt oder andere Personen nicht direkt anspricht, dann ist vieles eher akzeptabel als wenn man direkt Bezug nimmt auf andere.

4) Bei manchen Fragen und Antworten erwartet man natürlich von regulären Mitgliedern auch, dass sie mal eine frühere Frage anschauen und reaktivieren anstatt einfach eine neue nahezu identische Frage zu stellen. Dass da dann mal Emotionen gegenüber etablierten Teilnehmern entstehen, die bei neuen nicht auftreten, ist doch klar. Wenn ich jetzt den Schamhaar-Thread reaktivieren würde und nochmal meine Meinung dazu sagte, wäre das z.B. Quatsch und würde zu recht moniert werden. Wenn ein Fremder das täte, stände es ihm frei, dies zu tun.

So ist das Leben. Die Perösnlichkeit zählt. Selbst in einem Nickname-basierten Forum!
 
  • #3
Ich möchte noch ergänzen, dass ich das Phänomen durchaus geschlechtsneutral wahrnehme. Dass es einzelne weibliche Teilnehmer gibt, die besonders stutenbissig sind, ist wohl eine Zeitlang hier so gewesen, aber es gab auch genug Männer, die sich an einzelnen Teilnehmern festgebissen haben.
 
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  • #4
Christina 56
Ich stimme Frederika in allen Punkten zu. Ergänzend möchte ich sagen,dass mir auch aufgefallen ist, dass einige Mitglieder hier auf ganz bestimmte Aspekte überreagieren.Das hängt sicher mit ihren persönlichen Erfahrungen zusammen und auch mit unerfüllten Wünschen.
Thomas hat einmal die Gelassenheit angesprochen, was ich ganz wichtig finde.Diese zu erlernen, ist ein langer Weg und ein Thema für jeden.
Manchmal lese ich verbale Angriffe. Die Antwort ist zwischen den Zeilen zu finden.
Es gibt Menschen, die ihre eigenen Defizite und Probleme auf andere projezieren wollen.Da ist es dann wichtig, richtig zu reagieren, aber auf keinen Fall aggressiv, denn das bringt Blockaden bei dem anderen und auch auch bei sich selbtst.
Wenn einer sein Gegenüber nicht persönlich kennt, kann nur rein formell die eigene Meinung dargestellt werden. Jegliche Emotionen oder Bewertungen halte icht für nicht gut.
Schreibt jemand hier öfter unter einem Nicknamen, prägt sich dem Leser so nach und nach ein Eindruck ein, der kein Gesamtbild ergeben kann.Dieses wird durch eigene Erfahrungen schemenhaft hergestellt, entspricht aber nicht der Realität.Es gibt eine Reaktion des Lesers, die nichts mit dem Schreiber zu tun hat.
Vorgefasste Meinungen und Ansichten ohne eine gewisse Gelassenheit können schon zu Beziehungsproblemen führen.
 
  • #5
Vorweg: Ich schreibe hier immer nur unter meinem Nick.

Ich denke auch, dass der Hauptgrund für das Phänomen der von Frederika in #1.1 genannte ist.

Zu deiner Frage, ob das generell mit Ursache für Beziehungsprobleme sei: Nein, ich glaube nicht, dass es die Ursache, aber sehr wohl ein begünstigender Begleitumstand ist.

Dadurch, dass durch häufige Interaktion mit einer bekannten Person wie dem Partner ein komplexes Bild entsteht, fällt es einem leichter, inkonsistentes Verhalten beim Gegenüber festzustellen. Man ist dann überrascht über diese Inkonsistenz, kommt ins Grübeln, ob man seinen Partner wirklich so gut kennt, wie man dachte, und versucht, ihm diese Inkonsistenz durch Klärung in einem Konflikt auszutreiben. Also kurzum: Die Ursache für das Beziehungsproblem ist das Verhalten des Partners, aber die Tatsache, dass man sich gut kennt, begünstigt den Konflikt zur Problemklärung.

Manche Schreiberlinge werden als reizend empfunden, weil die Leser das durch viele Beiträge entstandene Bild mancher Forenteilnehmer so empfinden. Ich habe den Eindruck, dass diejenigen, die hier Probleme direkt ansprechen, eher nicht als reizend empfunden werden. Das Forum versteht sich aber ja als Ratgeber, und da hilft IMHO nur Tacheles reden. Deswegen finde ich diejenigen, die sich dafür nicht zu schade sind, auch besonders reizend.
 
B

Berliner30

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  • #6
Ich denke, das man anonymer anders bzw. direkter schreibt und ein solcher Text in der Masse einfach untergeht. Mit nickname geht kein Beitrag unter bzw. kann ein Bezug hergestellt werden und bietet dadurch mehr Angriffsfläche und manche machen sich Stichpunkte, könnte man meinen.
 
  • #7
wenn man von jemand weiß, dass er gehässig ist, dasser sich nur profilieren will, das er nicht anders kann als immer recht zu haben und das letzte wort, dass er nur provozieren will usw... dann hat der/die jenige schon einen schlechten ruf und jede äußerung wird mit diesem hintergrund betrachtet.
Wenn man jemand nicht kennt, dann geht man im normalfall vom besten aus.
 
J

JoeRe

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  • #8
1. Ich nehme Leute mit Nick einen Tick ernster als Leute ohne, einfach weil ich mehr das Gefühl habe, dass sie hinter dem stehen, was sie sagen. Bei Anonymen habe ich manchmal das Gefühl, sie verstecken sich. Was bei sehr intimen Themen noch ok ist, finde ich bei Posts über allgemeine Wertevorstellungen deplaziert.
Das heißt nicht, dass anonyme Poster nur Müll reden, aber die meisten Trolle und reinen Müll-Posts sind anonym. In meiner "Bewertung" nicht das ausschlaggebende Kriterium, aber ein Indikator ist es schon.

2. Ich diskutiere gerne mit Personen, nicht mit einer anonymen Masse. Wenn ich 10 Posts lese, wüsste ich schon gerne, ob sie von einer oder von 10 Leuten gepostet sind.

3. Meinungen und Erfahrungen bedürfen einer Identität. Wenn diese Identität eben so gar nicht gegeben ist, und ich beim nächsten Post nichtmals die Chance habe, den Poster wieder zu erkennen, dann schwächt das in meinen Augen den Wert der Meinung oder Erfahrung ab.
Von manchen Leuten mit einer Identität im Forum lese ich die Kommentare besonders gerne

4. Es macht Threads sehr viel einfacher zu lesen, wenn man sich an Nicks orientieren kann, als wenn jeder nur schreibt "ich bin der aus Nummer #23" -- das ist manchmal sehr verwirrend, wenn man viele Threads liest, in denen heftig diskutiert wird.

Ich habe öfters gesagt, dass ich es sehr begrüßen würde, wenn mehr Leute sich einen Nick zulegen und am besten noch ihre Chiffre rausgeben.
Leider trauen sich da die wenigsten.
 
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  • #9
Ich habe anfangs nur anonym, später nur als Mary und danach immer mal anonym und mal unter meinem Nick geschrieben bzw. Fragen gestellt. Mir ist aufgefallen, daß die anonymen Fragen viel mehr Antworten erhalten, aber auch, daß meine unter meinem Nick gestellten Fragen eher Antworten auch der Leute enthalten, von denen ich mir eine Antwort erhoffte (lieben Dank all denen dafür!).
Mich würde schon interessieren, ob manche Art zu schreiben und Antworten zu geben tatsächlich von ein und derselben Person stammt. Im Endeffekt zählt ein Posting für mich mehr, wenn ich vom Lesen her schon etwas mehr von einem Schreiber weiß, ihn zumindest etwas zuordnen kann. Habe ich nicht mal eine Ahnung bzgl. Geschlecht und Alter, kann ich mit einem Kommentar fast nichts anfangen. Denn es ist immer wichtig, vor welchem Hintergrund jemand seine Meinung gebildet hat. (By the way: tauchen Kalle, Carsten, Pat Pitt, Finnley, Narf, etc. immer mal wieder auf und unter?)

Mary - the real
 
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  • #10
Liebe Schreiber/innen (mit und ohne Nicknamen)!

Warum können die Menschen eigentlich nicht differenzverträglich sein? Alle sprechen von Toleranz aber niemand von Differenzverträglichkeit! Es ist doch nun mal so, dass man über eine Sache einfach eine andere Meinung haben kann. Was viele Menschen nicht beherrschen, ist, dass sie sachbezogen über etwas diskutieren können; und wenn dann eben hinter so einem Thema noch ein Name steht, dann wird immer gerade persönlich angegriffen. Es ist ja auch so, dass sich viele Leute im Schreiben vielleicht nicht so professionell ausdrücken können und der andere, der liest, beherrscht es nicht, das wirklich Gesagte zu verstehen!
Da ich auch geschäftlich viel Korrespondenz führen muss, erlebe ich das jeden Tag. Heutzutage ist es so, dass man den Leuten mit dem Schreiben noch fast eine Gebrauchsanweisung oder Zeichnung mitsenden muss, damit sie fähig sind, einen Text richtig zu interpretieren! Die wenigsten machen sich noch die Mühe, nachzudenken oder besser gesagt nachzufühlen, was der andere im Schreiben eigentlich aussagen wollte - das ist übrigens auch in vielen Gesprächsrunden so - man hört nicht mehr richtig zu oder lässt den anderen gar nicht ausreden und antwortet demzufolge auch nicht Aussagebezogen. Das gibt viele Missverständnisse, die gar nicht sein müssten.

Ich bin schon lange der Meinung, dass "Zuhören" und "Ruhigsein" ein Pflichtfach in der Schule sein sollte, dann hätten wir auch wieder ruhigere Mitmenschen.

<MOD: anonymisiert>
 
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