• #1

Woran seht ihr, dass ihr einem Fremden vertrauen könnt?

Ich hatte gestern früh eine kuriose Begegnung. Auf dem Weg zum Auto stand mir ein etwa gleichalter Mann im Weg, machte aufmerksam viel zu viel Platz und ich entgegnete ihm, das alles gut sei und ich ja nicht sooo breit sei.

Er schaute mich an und sagte: „Nein, ich wollte sie ein Stück begleiten.“

Ich dachte: Okay? Who is this guy? Corona?

Wir gingen dann zusammen ein Stück und er meinte, dass ihm die Häuser hier so schön gefallen, es wirke auf ihn beruhigend, die Bauweise. Ich griff bei seinen Beschreibungen etwas korrigierend ein (Baujahre) und er fragte ob ich von „hier“ sei und „da“ arbeite (Fingerzeig zur Klinik). Ich verneinte und er meinte: „Ach, dann arbeiten sie in x. (Zentrum für Psychiatrie). Ich habe ja gleich gesehen (sic!), dass sie ein Arzt sind. So wie sie reden.“

Ich antwortete nur: „Ach…“ [Kimi ist kein Arzt :cool: ]

Wir haben dann bis zum Auto noch ein bisschen geplaudert und er sagte mir, was er jetzt alles noch machen werde. Als er fortging fiel mir auf, dass er anders gekleidet war und sein Rucksack mir wenig altersgerecht erschien. Ich habe mich gefragt, wie ich reagiert hätte, wenn er plötzlich anders geworden wäre.



Deshalb mal die Frage an Euch. Ist es euch schon einmal passiert, dass ihr einem Fremden sofort Vertrauen geschenkt habt und euch in eine Art Abhängigkeit begeben habt? Also ich meine nicht, das Hotelpersonal, dass euch anspricht, sondern eher den unbekannten Hotelgast, der euch zu einem Spaziergang begleitet? Oder seid ihr da immer auf dem Sprung? Vorbereitet, dass der Unbekannte an der Biegung zur Waldlichtung plötzlich den Spaten zückt und euch verscharrt? Haben ihr da schon einmal Erfahrungen gesammelt?

Beruflich sind mir schon häufiger fremde Menschen in Situationen (allein, face-to-face, auch soziale Brennpunkte) begegnet, wo man auch nicht wissen möchte, was sich dort unter der Blumenrabatte befindet. Aber zu richtig krassen Situationen kam es bislang noch nie bei mir. Ich habe eher die Art, dass meine Art deeskalierend wird (außer hier im Forum natürlich :) ).

Also:
Woran glaubt ihr zu erkennen, dass man einem Fremden vertrauen kann? Könnt ihr schnell vertrauen? Kann man zu schnell vertrauen?
 
  • #2
Krasse Story. O.O
Da muss ich erst mal hindenken/-fühlen. ... aber knapp gesagt...ich hab den Eindruck, dass mir Menschen eher (wahrscheinlicher) vertrauen, als ich ihnen...und den Mann, der dir begegnet ist, hätte ich im ersten Moment wahrscheinlich creepy empfunden.
 
  • #3
Interessantes Thema. Ich habe das auf Reisen immer wieder.

In Tunesien, in Marokko, im Iran und Shanghai zum Beispiel mit sehr unangenehmen Erfahrungen (jemand möchte erst ein wenig sein Englisch üben, drängt sich fast auf beim Gang durch irgendeinen Basar und fordert dann ziemlich konkret sehr viel Geld für seine "Arbeitszeit"), im Oman, in Australien, Neuseeland, in den USA, im Iran zum Teil auch genau anders herum - offene Gastfreundschaft und völlig "selbstlose" Hilfe. Im internationalen Kontext bin ich da mittlerweile sehr vorsichtig, bedaure aber eigentlich auch, dass ich dann Gespräche gleich abwürge, weil ich solche Situationen meiden möchte.
Ich finde schwierig, das vorher zu unterscheiden. Bei uns ist man allerdings erstmal misstrauisch, wenn jemand freundlich ist, das kenne ich im Ausland grundsätzlich weniger.
Vorbereitet, dass der Unbekannte an der Biegung zur Waldlichtung plötzlich den Spaten zückt und euch verscharrt? Haben ihr da schon einmal Erfahrungen gesammelt?
Bisher noch nicht in der massiven Form nötig. Ich kann da zunächst freundlich ablehnen, aber auch sehr dominant auftreten und dann ist in der Regel Ruhe.
 
  • #4
Ich würd hier gern auch schreiben (hab aber nicht mehr so viel Zeit wie vor 3 Tagen) und auch lesen. Aber nur unter 1 Bedingung: Kimi wir machen hier im Forum virtuellen Waffenstillstand. Ich nehm meine Beleidigungen zurück und du nennst mich nie mehr Maus und lässt es auch ruhen. Damit bin ich einverstanden. Nur so kann man diskutieren ohne dass es wieder ausartet.

Sonst: Ich bin eher misstrauisch, sogar ziemlich. Ich hab aber ein EXTREM gutes Bauchgefühl für Leute und krieg extrem viel mit. Beweis sind Situationen wie diese: Lerne Freund der Bekannten kennen und denk in den allerersten 5 Minuten er verarscht sie. 1 Jahr später kommt genau das raus. Ich denk der Typ hat doch ne Freundin und lügt mich an, hat gestimmt. Ich habe ein sehr sehr sehr sehr gutes Bauchgefühl und es hat mich noch NIE im Stich gelassen. Das einzige Problem ist, dass ich manchmal noch auf den Kopf höre anstatt auf mein Bauchgefühl. Mein Bauchgefühl gibt mir laufend an und jedes Mal wenn ich drauf gehört hätt wär ich nicht gefallen.

Ich denke daher, wenigen Fremden würd ich sofort ziemlich vertrauen, dem Grossteil so lala und ein paar Leuten würd ich nie über den Weg trauen. Die Frage ist auch immer, was vertrauen? Ein Geheimnis? Dass sie einem nicht vergewaltigen oder umbringen? Dass sie einem nicht beklauen? Es gibt verschiedene Arten wo man vertrauen muss und kann. Die Frage ist sehr generell. Bin aber gespannt auf die Antworten!
 
  • #5
Wir haben hier auch so eine Klinik. Bei creepy Typen gehe ich sicherheitshalber davon aus, dass sie dort entlaufen sind und wimmle sie ab. Vor allem fragte er dich ja richtig aus 😳 Social Engineering! 😬

Ich hatte schon Situationen, wo ich auch abwägen musste, hat bisher gut funktioniert.
Krasseste Situation: Ich war Anfang 20, fuhr mit jemandem ins Ausland (Strecke vielleicht 6-8h). Er half mir noch beim Grenzübergang, weil ich meinen Pass vergessen hatte, also hatte er bei mir einen Stein im Brett. Rückfahrt wieder mit ihm, er musste eine Stunde auf mich warten (ich hatte es verpeilt), wieder Stein im Brett. Sonst wäre ich dort im Ausland erstmal gestrandet. Auf der Rückfahrt wurde es spät, ich hätte zum Nachhausekommen auf einem Bahnhof übernachten müssen. Er bot mir von sich aus die Übernachtung bei ihm an. Situation: Mann Mitte 50, quasi unbekannt, Frau Mitte 20, das war schon seltsam. Aber ich gab mir einen Ruck und er war wirklich ganz normal höflich und hat mir wirklich drei Mal einen großen Gefallen getan.

Mein Fazit: Menschenkenntnis und Glück sind dein Freund :)

W u40
 
  • #6
Aber nur unter 1 Bedingung: Kimi wir machen hier im Forum virtuellen Waffenstillstand.

Du kannst Dich gerne beteiligen. Ich stelle hier keine Regeln auf. Bin ich gar nicht befugt. Regeln stellt EP auf.

Aber einseitige Bedingungen gibt es nicht.
Sei dabei oder nicht.

Ich nehm meine Beleidigungen zurück und du nennst mich nie mehr Maus und lässt es auch ruhen. Damit bin ich einverstanden. Nur so kann man diskutieren ohne dass es wieder ausartet.

Ich werde Dich nicht mehr X nennen, kann nicht wissen, dass Dich das antriggert. Your part, not mine.

Und damit Ende der Diskussion.
Leider wurde mein (sachlicher) Beitrag zweimal nicht veröffnentlich und jetzt ist es mir leid.

Also zurück zum Thema VERTRAUEN.
 
  • #7
Ich finde Menschen die einem sofort so viel von sich erzählen auch ein wenig kurios.
Bin ich auch schon begegnet, zB. einer hat mir bei der ersten Begegnung erzählt er habe sich von seiner Frau getrennt, Neuanfang bla bla .. das volle breite Programm über sein Leben, Kinder etc.. irgendwann nochmal gesehen zufällig auf der Straße, er erzählte er genieße die Aura (ich bin wirklich tolerant und versuche freundlich zu sein auch wenn ich sowas spopky finde)
Ich finde es zu viel und finde in gewissen Punkten sollte man nur das aller nötigste erzählen um sich selber zu schützen zB. auf der Arbeit, hat keinen zu interessieren was privat läuft.

Hier habe ich relativ viel privates geschrieben, vermutlich zu viel, im richtigen Leben halte ich mich zurück. Selbst gute Freunde wissen vieles nicht. Ich versuche mich zurück zu halten. Habe zwei Freundinnen mit denen ich zB. über Beziehungsprobleme rede (sie auch mit mir) sonst eher oberflächlich.
I
Ich versuche immer offen und fröhlich auf andere Menschen zuzugehen aber dabei möglichst nicht so viel privates preiszugeben. Jemand völlig fremdes einfach so abzupassen würde ich nicht, wurde aber schon sehr oft angesprochen einfach so im Laden, beim warten etc. eher so smalltalk - wenn es mir komisch vorkommt versuche ich schnell das Gespräch abzuwürgen, keine Gegenfragen stellen.
Mit mir ist nicht einfach Kontakt aufzunehmen 👽, es sei denn ich finde meinen Gegenüber auch interessant oder super nett und kann die Intention einordnen zB. eine Oma die meinen Sohn so niedlich fand (sie hat ihn einmal kurz an der Hand angefasst - vermutlich hat sie sich nichts dabei gedacht, das war noch am Anfang der Pandemie. Mein Mann hätte ihr eine Szene gemacht, ich hab es gelassen, sie hat ihre Hand schnell weg genommen als wär es ihr eingefallen, war eine ganz liebe Omi, haben uns kurz unterhalten)

Jemand aus einer psychiatrischen Klinik (Patient) hat mich auch einmal angesprochen und zugetextet über Dinge beschwert, er hatte einen Schlüsselbund auf dem die Aufschrift der Klinik stand (ist mir erst später aufgefallen) ich empfand das Gespräch als störend, er war nur am schimpfen.

Fremden würde ich nicht vertrauen, um zu Vertrauen braucht es Zeit und mehrere Begegnungen, Situationen, wissen wie der andere tickt, sich gegenseitig öffnen und dadurch verbunden fühlen.

W 27
 
  • #8
Ohje, ich hab ja mal was gemacht, was man auf keinen Fall tun sollte:
Als ich eine Weile in den USA gelebt und dort studiert habe, gab es da einen Supermarkt, der ein paar Blocks entfernt war. Meine Mitbewohnerinnen sind immer mit einem Uber-Taxi einkaufen gefahren (ich selbst benutze nach einer schlechten Erfahrung mit einem Uber-Fahrer in Minsk, der seit zwei Tagen nicht geschlafen und mehrmals einen Sekundenschlaf auf der Autobahn neben Lastwagen hatte, sodass wir Mitfahrenden um unser Leben fürchteten und ihn mit unserem brüchigen Russisch in ein Gespräch verwickelten, um ihn wach zu halten, aus Prinzip keine Uber-Taxen, weil ich den Fahrern nicht traue, das war das erste und letzte Mal), aber ich bin wie immer zu Fuß gegangen, und weil ich faul war und nicht so oft gehen wollte, habe ich einmal die Woche einen Großeinkauf gemacht und mich immer zu Tode geschleppt mit den ganzen Tüten. Einmal hatte ich wieder besonders viele schwere Tüten dabei und eine Tüte ist mir auf dem Weg gerissen und ich war gerade dabei, mich zu sortieren, da hielt ein Auto und ein netter Mann fragte, ob er mich das Stück nach Hause (ins Studentenwohnheim) fahren solle, bot mir seine Hilfe an. Er hat mir dann geholfen, die Tüten in sein Auto zu stellen, ich hab mich auch reingesetzt und er hat mich das Stück nach Hause gefahren (war nur die Hauptstraße geradeaus) und dort abgesetzt, war sehr nett und höflich. Dann ist er weitergefahren. Während der Fahrt dachte ich kurz, hoffentlich ist das jetzt kein Axtmörder und Entführer. Aber in der Situation hatte ich mich einfach über das nette Angebot gefreut und war dankbar. Es war auch alles ganz harmlos, er ist einfach in dieselbe Richtung gefahren und hatte seine Hilfe angeboten. Eigentlich bin ich so aufgewachsen, dass man niemals bei Fremden ins Auto steigen soll, erst recht keine Männer. Aber andererseits gibt es wahrscheinlich viel weniger Axtmörder, als man so denkt, die meisten Menschen sind ganz normal. Dort in der Umgebung gab es viele nette Menschen, manchmal haben mir auch Fremde ihren Regenschirm angeboten und Ähnliches, sehr freundlich.
w27
 
  • #9
Ich habe in meiner langjährigen Ehe schöne und schlechtes mit meinem Ex erlebt. Ich hatte versucht, die negativen Dinge mit meinen Freundinnen zu besprechen, aber da kam nur: „sei doch dankbar, dass er so viel Geld heimbringt.“ eine andere Freundin meinte , ich hätte nur Fassade gelebt und die schlechten Erlebnisse mit meinem Ex immer verschwiegen.
Daraus habe ich gelernt.
Vertrauen kann man nur sehr sehr wenigen . Wenn man Probleme erzählt, stellt sich heraus, ob der andere ein wirklicher Freund ist.
Fremden ggü. bin ich freundlich und lasse mein Bauchgefühl wirken, wenn es ein gutes Gefühl ist, dann kann man dem Fremden schon mal mehr erzählen von sich , zT auch über Probleme , vielleicht ergibt sich ja ein erhellendes Gespräch.
 
  • #10
Ich vertraue Menschen, wenn sie nett, höflich, anständig und "normal" wirken und sich ein Weilchen mit mir unterhalten. Und wenn ich sie in einem seriösen Setting kennenlerne, dem ich vertraue, z.B. ist für mich erstmal jeder andere Student oder Dozent an meiner Uni oder Arbeitskollege sozusagen "normal" und vertrauenswürdig, weil schon durch ihre Anwesenheit an einem bestimmten Ort eine gewisse Filterung stattfand, jedenfalls habe ich, wenn sie mich nicht durch auffällige Verhaltensweisen vom Gegenteil überzeugen oder auf komische Gedanken bringen, erstmal keine Angst oder Bedenken, mit diesen Personen zu sprechen oder Zeit mit ihnen zu verbringen.

Ich gebe zu, dass ich durch meine Sozialisation gewisse Vorurteile habe: Ich hätte z.B. erstmal keine Angst, mit einem mir unbekannten Studenten oder Uni-Mitarbeiter, den ich irgendwo zufällig kennenlerne, im Park spazieren zu gehen, auch auf einsamen Wegen, bei z.B. einem bestimmten Typ des schlecht gekleideten Obdachlosen womöglich mit Bierflasche hätte ich hingegen Angst, dass er mich plötzlich manisch anfällt oder so was. Ich gehe da wirklich auch nach Aussehen und Auftreten, also von dem schmierigen Macho-Typen auf der Straße halte ich mich eher fern, wer aber gepflegt und ordentlich gekleidet ist und sich auf höfliche, sympathische Art mit mir unterhält und sozusagen seriös und anständig rüberkommt, bei dem habe ich weniger Bedenken.

Ich selbst mache umgekehrt auch die Erfahrung, dass ich als nett, "normal" und harmlos wirkende junge Frau oft von Fremden z.B. nach dem Weg oder um Rat gefragt werde. Ich habe mal die These aufgestellt, dass hier ein bestimmter Typ Mensch von Fremden bevorzugt wird. Die meisten würden eher die nett aussehende Mutter mit Kinderwagen fragen als den robust aussehenden, tätowierten Mann mit Glatze, da spielen ganz viele Vorurteile eine Rolle.
w27
 
Zuletzt bearbeitet:
  • #11
Ich bin sehr vorsichtig geworden, unter anderem nach einem Raubüberfall am Arbeitsplatz (den eine Kollegin mit geplant hatte), einer Beziehung, bei der ich danach gestalkt wurde und schreckliche Dinge angedroht bekam und einem Messer im Rücken (sinngemäß) durch eine langjährige Arbeitskollegin. Der tat das dann furchtbar leid, aber die Sache war da eben schon passiert.

Wenn Menschen, die mich kennen, zu denen ich freundlich bin, mir schon sowas antun können, warum sollte ich völlig Fremden vertrauen?

Nicht jeder meint es böse und ich behandle auch niemanden so als ob, aber eine gewisse Vorsicht wird mir immer bleiben.
 
  • #12
Mir scheinen Leute schnell zu vertrauen. Weil ich freundlich und harmlos aussehe. Fängt damit an dass unter vielen immer ich nach dem Weg, der Uhrzeit, der richtigen Bahnlinie gefragt werde. Oder angebettelt von Bettlern oder belästigt von Menschen, die Umfragen machen oder Spenden für Organisationen sammeln wollen. Junge, nett aussehende Frauen sind hier wohl Zielgruppe, sagen vielleicht zu selten Nein (ich habe mal gelesen, dass junge Studentinnen ohne Geld am bereitwilligsten spenden). Gerne hängen sich auch einsame alte Damen an mich zum plaudern, das finde ich ganz nett. Wenn sich Männer jeder Altersgruppe an mich hängen, stellt sich im Verlauf meist sexuelles Interesse als Motivation heraus, weshalb ich die im Gegensatz zur Rentnerin schnell abwimmle.

Andersrum vertraue ich viel weniger Menschen. Eben weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass die meisten was von mir wollen (Geld, Spenden, Sex s.o) und nur deshalb nett sind. Wenn ich also Jemanden anspreche, dann ebenfalls bevorzugt harmlos und nett aussehende Frauen 😆

@Kimi 48 , der Typ, den du beschreibst, wirkt etwas wunderlich und bizarr, so wie Menschen mit chronischer Psychose (vielleicht gut eingestellt) oder (früherem massivem) Drogenkonsum und jetzt hirnorganischen Veränderungen. Bei so Jemandem wäre ich vorsichtig und hätte Angst vor impulsiven Reaktionen. Wobei das bestimmt nur Vorurteile meinerseits sind, die diese Leute stigmatisieren.

W37
 
  • #13
Vertrauen muss man sich zu Beginn erarbeiten, jedoch ein gewisser Vertrauensvorschuss sollte schon sein, denn sonst entwickelt sich kein Vetrauen. Für die Enttäuschungen und für die Verletzungen aus der Vergangenheit, sollten keine anderen Leute dafür herhalten. Blindes Vertrauen hingegen, was auf Naivität steht, kann natürlich auch Schicksal mit hohem Preis bedeuten!
Vertrauenswürdige Personen haben eine offene Körpersprache, sie schauen einem in die Augen. Auch achte ich sehr darauf, wie jemand sich verhält, wie er seinen Körper zu mir hindreht oder wegdreht, wenn ich mich mit ihm unterhalte.
Mein Bauchgefühl ist topp und entscheidet darüber, (es ist nicht der Kopf), auf das ich mich zu 100% verlassen kann!
 
Zuletzt bearbeitet:
  • #14
Es gibt bestimmt auch Menschen die vertrauenswürdig wirken aber dann Serienkiller sind, oder?
 
  • #15
Ich habe auch recht feine Antennen. Die wurden aber erst mit den Jahren besser;-)))


Ich bin eines Nachts, mit knapp 18,19, nach der Disco den Heimweg gefahren und hab einen Tramper gesehen. Bin zunächst dran vorbei aber irgendwie hatte ich Mitleid, dann umgedreht und zurück. Der Mann war vielleicht 30 rum und so happy für die Hilfe, der hat mich dann unten in der Stadt noch auf ein Getränk eingeladen zum Dank.

Und paar Jahre später nochmal einen jungen Mann, auf der Walz zu erkennen, im tiefsten Winter mitgenommen und sogar dort abgesetzt wo er hin wollte.

Ich habe aber genauso auch Leute schleunigst abgewimmelt und mich distanziert, wenn komisch.
 
  • #16
Ich hatte gestern früh eine kuriose Begegnung. Auf dem Weg zum Auto stand mir ein etwa gleichalter Mann im Weg, machte aufmerksam viel zu viel Platz und ich entgegnete ihm, das alles gut sei und ich ja nicht sooo breit sei.

Er schaute mich an und sagte: „Nein, ich wollte sie ein Stück begleiten.“

Ich dachte: Okay? Who is this guy? Corona?

Wir gingen dann zusammen ein Stück und er meinte, dass ihm die Häuser hier so schön gefallen, es wirke auf ihn beruhigend, die Bauweise. Ich griff bei seinen Beschreibungen etwas korrigierend ein (Baujahre) und er fragte ob ich von „hier“ sei und „da“ arbeite (Fingerzeig zur Klinik). Ich verneinte und er meinte: „Ach, dann arbeiten sie in x. (Zentrum für Psychiatrie). Ich habe ja gleich gesehen (sic!), dass sie ein Arzt sind. So wie sie reden.“

Ich antwortete nur: „Ach…“ [Kimi ist kein Arzt :cool: ]

Wir haben dann bis zum Auto noch ein bisschen geplaudert und er sagte mir, was er jetzt alles noch machen werde. Als er fortging fiel mir auf, dass er anders gekleidet war und sein Rucksack mir wenig altersgerecht erschien. Ich habe mich gefragt, wie ich reagiert hätte, wenn er plötzlich anders geworden wäre.



Deshalb mal die Frage an Euch. Ist es euch schon einmal passiert, dass ihr einem Fremden sofort Vertrauen geschenkt habt und euch in eine Art Abhängigkeit begeben habt? Also ich meine nicht, das Hotelpersonal, dass euch anspricht, sondern eher den unbekannten Hotelgast, der euch zu einem Spaziergang begleitet? Oder seid ihr da immer auf dem Sprung? Vorbereitet, dass der Unbekannte an der Biegung zur Waldlichtung plötzlich den Spaten zückt und euch verscharrt? Haben ihr da schon einmal Erfahrungen gesammelt?

Beruflich sind mir schon häufiger fremde Menschen in Situationen (allein, face-to-face, auch soziale Brennpunkte) begegnet, wo man auch nicht wissen möchte, was sich dort unter der Blumenrabatte befindet. Aber zu richtig krassen Situationen kam es bislang noch nie bei mir. Ich habe eher die Art, dass meine Art deeskalierend wird (außer hier im Forum natürlich :) ).

Also:
Woran glaubt ihr zu erkennen, dass man einem Fremden vertrauen kann? Könnt ihr schnell vertrauen? Kann man zu schnell vertrauen?
Warum solltest du einem Fremden vertrauen? Erwartest du das von dir selbst? Wer nein, wer dann? Und wäre das wichtig für dich?

Es gibt einige Möglichkeiten weshalb der Typ das gemacht hat, z.B.:

1.) Er ist aus der Psychiatrie, wo du NICHT arbeitest

2.) Er plant Einbrüche in der Gegend

Weshalb ich darauf komme: Mein Beruf und heute Morgen wurde einiges über Einbrüche in unserer Stadt berichtet. 😄
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
  • #17
Im Ausland, z. B. in USA oder Asien sind Menschen sehr freundlich und aufgeschlossen und man findet sehr schnell Anschluss. Es kann auch sein dass es eine Frage des Alters ist. Ich erinnere mich zum Beispiel an meinen Unizeiten. Ich stand einmal vor dem Haus und ein junges Mädchen oder besser gesagt eine junge Frau hat mich angesprochen und gefragt ob ich auch neu sei und sie habe auch neu eingezogen und sucht nach irgendwelchen Möbeln. Ich sagte ihr, ich hätte einen Fernseher zu verschenken, ich käme sowieso nicht zum Fernschauen und sie könne ihn haben. Sie nahm mein Angebot an und kam zu mir und nahm den Fernseher mit. Es ist über 30 Jahre her und wir sind immer noch befreundet.
Seit Corona bin ich auch zwei drei mal auf der Straße von sehr alten Damen angesprochen worden. Ich habe aber sehr lieb reagiert. Viele Menschen sind sehr einsam geworden und wir sollen alle achtsamer aufeinander reagieren. Ein Lächeln, eine freundliche Geste und Ähnliches kostet nichts, baut aber besonders ältere Menschen sehr auf. Es sind keine schöne Zeiten 😔.
 
  • #18
@Sommergold Interessant, dass wir zu dem Thema genau die gleichen Erfahrungen und Ansichten haben, siehe mein Beitrag oben.

Ansonsten können die meisten schlimmen Erlebnisse sicher vermieden werden, wenn Menschen auf ihr Bauchgefühl vertrauen. Ein Freund hat mir mal eine Horror-Geschichte erzählt, die ihm vor einigen Jahren passiert ist: Er war abends alleine am Waldrand joggen und sah vor sich einen älteren Mann stehen und starr in die Gegend blicken, fand den Mann und die Situation unheimlich, ist aber trotzdem weiter und an ihm vorbeigejoggt. Einer plötzlichen Eingebung folgend hat er sich kurz, nachdem er an dem Mann vorbei war, nochmal umgedreht und nach hinten geblickt -- und gesehen, wie der Mann in eben diesem Moment zum Sprint ansetzte. Panisch ist er dann um sein Leben davon gerannt und hat erst wieder mit Rennen aufgehört, als er wieder in der Stadt unter Leuten war. Der unheimliche Mann war dann fort, hatte die Verfolgung wohl aufgegeben. Die Lehre aus der Geschichte: Er hätte direkt auf sein intuitives Bauchgefühl vertrauen und sich dem Mann gar nicht erst weiter nähern sollen.
w27
 
  • #19
  • #20
Wem ich lustigerweise vertraue, sind ratlos suchende Menschen jeden Geschlechts und Alters im Supermarkt. Was irrational ist, da auch die genannten Axtmörder einkaufen gehen müssen. Steht Jemand ratlos vor dem Regal so wie ich, frage ich "Suchen Sie auch die Haselnüsse/Spinat/Hefe?" Meist suchen sie etwas anderes, aber dann helfen wir uns gegenseitig bei der Suche und es entstehen nette Gespräche mit gegenseitigen Empfehlungen. Wer plant, schön zu kochen, kann doch kein schlechter Mensch sein...
 
  • #21
Ich finde schwierig, das vorher zu unterscheiden. Bei uns ist man allerdings erstmal misstrauisch, wenn jemand freundlich ist, das kenne ich im Ausland grundsätzlich weniger.
Zwei Sachen fallen mir auf: Im Ausland als Tourist wirst du teilweise als Geldautomat gesehen, als Deutsche scheinen wir vergleichsweise reich. Die Masche mit dem.Anquatschen und hinterher musst du ihm Geld geben zum Abwimmeln - hat bei mir leider auch schon funktioniert, nicht noch mal 👆 Nächstes Mal habe ich mehr Erfahrung ;)

Das andere ist, dass wir Frauen wohl grundsätzlich schon misstrauischer sind, weil Männer im Schnitt immer körperlich überlegen sind. Andererseits wird vielen (mir auch) anerzogen, immer höflich zu sein. Kein Wunder, dass frau dann mit Anfang 20 in Situationen kommt, wo ein Mann anzüglich wird, aber nicht so dreist, dass man direkt protestieren muss. Sondern immer Schritt für Schritt und Frau versucht sich höflich aus dem Gespräch zu winden 🤦‍♀️Mit 40 ist man dann anders aufgestellt 💪

@Sommergold @Moon ich glaube auch, es ist normal, dass wir "lieb und nett" aussehende Frauen harmlos wirken und im Guten wie im Bösen schneller angesprochen werden. Da ist mein Alarmsystem bei Frauen auch niedrigschwelliger, und wenn mich ein kleiner Mann anspricht und nett ist und Situation plus Umgebung, bin ich viel hilfsbereiter als nachts am Bahnhof, wenn jemand am.besten noch eine Bierflasche in der Hand hat (Alk + potentielle Waffe)... Da gucke ich demonstrativ weg und gehe schneller in eine andere Richtung. Früher triggerte es mich sogar, wenn von so jemandem Sprüche oder Auslachen kommen, da stehe ich endlich drüber :)
 
  • #23
Wem ich lustigerweise vertraue, sind ratlos suchende Menschen jeden Geschlechts und Alters im Supermarkt. Was irrational ist, da auch die genannten Axtmörder einkaufen gehen müssen. Steht Jemand ratlos vor dem Regal so wie ich, frage ich "Suchen Sie auch die Haselnüsse/Spinat/Hefe?" Meist suchen sie etwas anderes, aber dann helfen wir uns gegenseitig bei der Suche und es entstehen nette Gespräche mit gegenseitigen Empfehlungen. Wer plant, schön zu kochen, kann doch kein schlechter Mensch sein...
Ha, das geht mir genauso und dazu kommen noch die Leute, die verzweifelt auf die oberen Regale schauen, weil sie nicht drankommen, da frage ich auch automatisch, ob ich helfen kann (bin nicht riesig, aber auch nicht ganz klein).
 
  • #25
Da gucke ich demonstrativ weg und gehe schneller in eine andere Richtung.
Ich habe es früher mehrfach erlebt, dass ein fremder Mann mit schnellem Schritt direkt auf mich zugelaufen kommt. Entweder blieb ich dann mit ernster/finsterer Miene stehen (um der Gefahr des Zusammenstosses zu entgehen), oder ich wich aus, sofern das gerade möglich war. Besonders störend fand ich früher - das passierte eher in meinen jüngeren Jahren - wenn die fremden Leute schon merken, dass ich ihnen mit zügigem Schritt aus dem Weg gehe, und sie mich trotzdem noch ansprechen ("Haste mal ne Mark", "Hast du einen Augenblick Zeit").

Ich hatte aber auch oft sehr nette Begegnungen mit fremden Menschen. Ich spüre das irgendwie, ob die nur nett plaudern wollen oder aufdringlich sein wollen.
 
  • #26
Also:
Woran glaubt ihr zu erkennen, dass man einem Fremden vertrauen kann? Könnt ihr schnell vertrauen? Kann man zu schnell vertrauen?
Wir waren im letzten Sommer auf einer 2- Wochen Radtour durch Rumänien. Und ja, ich hatte die üblichen Vorurteile, auch wenn ich sie gern unterdrückt hätte.

Kurz, es gab mehrere Pannen unterwegs, sowohl technischer als auch physischer Natur und ich habe wirklich noch nie so viele hilfsbereite, unaufdringliche und freundliche Menschen erlebt. Wären einige von denen nicht gewesen, hätten wir vorzeitig einpacken können. Wir waren allerdings auch nicht in der Großstadt.

Ich bin 50 km allein mit einem fremden Mann mitgefahren, da mein Rad nicht mehr fahrtüchtig war. Ich hatte mit der an diesem Tag anvisierten Unterkunft geschrieben und sie schickten einen Freund des Sohnes vorbei, der mich samt Rad abholte. Ich hatte einfach den Umständen und meinem Bauchgefühl vertraut.

Irgendwer schrieb vor mir, dass wir hier in D fremden Leuten, die freundlich sind, eher misstrauisch gegenüberstehen, da ist was dran. Allerdings kommt es für mich auch darauf an, wie sich die Freundlichkeit äußert. Ist sie übertrieben, gehe ich auf Abstand, ist sie passend zur Situation, dann eher nicht.
 
  • #27
Als wir im Februar 2021 mit dem Wagen in einer Nebenstraße im Schnee steckenblieben - das war die Woche, als wettertechnisch alles zusammenbrach, keine Busse und Bahnen mehr fuhren - da gab es viele hilfreiche Hände, die halfen, den Wagen wenigstens in eine Parkbucht zu schieben, wo er dann über eine Woche stehen bleiben musste, weil nichts geräumt wurde.

In echten Notsituationen im öffentlichen Raum finden sich immer wieder hilfsbereite Menschen.
 
  • #28
Also:
Woran glaubt ihr zu erkennen, dass man einem Fremden vertrauen kann? Könnt ihr schnell vertrauen? Kann man zu schnell vertrauen?
Mmh. Generell vertraut man sicher eher, wenn man eine positive Kindheit hatte und auch sonst wenig schlechte Erfahrungen. So geht es mir. Ich bin nur auf der Hut in wirklich (vor allem für Frauen) unsicheren Situationen; d.h. nachts und weit und breit ist sonst niemand; oder wenn ich mitten im Wald beim Joggen jemanden treffen würde. Da bin ich nicht ganz frei von "Was wäre wenn"-Gedanken. Ich hatte aber bisher nie schlechte Erfahrungen in dem Sinne, dass ich jemandem vertraut habe und er das Vertrauen ausgenutzt hat. Wenn mich in Berlin junge Männer in der Bahn doof angequatscht und beleidigt haben, habe ich denen ja vorher nicht vertraut, sondern schon beim Einsteigen gedacht "oh nee.." durch die Art, wie die sich verhalten haben.
Meine Mutter hat in ihrer Jugend gerade beim Trampen haarscharfe Situationen erlebt und ist daher bei allem, was Männer und potenziell bedrohlich angeht, extrem ängstlich, was sonst gar nicht zu ihr passt, und macht sich dann auch immer Sorgen, wenn ich im Wald oder nachts jogge, allein mit der Bahn nachts durch Berlin fahre oder so. Verstehe ich auch, ich selbst hatte halt da noch nichts, was mich nachhaltig traumatisiert hat.
Mehr Vertrauen habe ich generell natürlich erstmal zu Frauen, Leuten mit Kindern, älteren Leuten; dann je nach Aussehen, bin halt Ghetto-geschädigt von Berlin und mach dann doch eher einen nicht pc-korrekten Bogen um bestimmte Männergruppen, oder auch generell um (grad betrunkene) Männergruppen. Ich finde, aggressive Menschen strahlen das natürlich aus (wie sie laufen, schauen) und denen gehe ich aus dem Weg; Menschen, die komisch erscheinen nach den ersten Sätzen, wie bei deinem Beispiel vielleicht, da wäre ich auch "on guard", aber auch eher, weil ich eine Frau bin, denke ich. Da kommt es sehr drauf an, was für eine Ausstrahlung der andere hat. Einfach verwirrt, naiv (also etwas zurückgeblieben) oder "creepy".
Da ich ständig Leute in Bahnen, Bussen, Flugzeugen kennenlerne, Frauen, Männer, egal, bin ich generell offen, wenn jemand sich unterhalten will. Hab mal einen jungen Mann auf dem Flug nach Australien kennengelernt und wir haben uns so gut verstanden, dass wir dann beim ewigen Aufenthalt in Bangkok auch abwechselnd geschlafen haben und der andere hat aufs Gepäck aufgepasst. Da vertraue ich meiner Menschenkenntnis schon.
w, 38
 
E

Eliye

Gast
  • #29
Bei manchen Menschen habe ich sofort Vertrauen, bei anderen bin ich eher misstrauisch.
Einmal habe ich beim Spaziergang mit meinem Hund einen jungen Mann getroffen, der auch gerade einen Hund spazieren führte. Wir haben uns erst etwas über Hunde unterhalten und sind dann spontan eine größere Runde durch den Wald gewandert. Dabei haben wir uns noch verlaufen, weil ich neu in der Gegend war und mich noch nicht auskannte. Er war zwar ein "Einheimischer" aber nur bei seinen Eltern zu Besuch und er kannte sich ebenfalls (nicht mehr) aus. Trotz Altersunterschied (er war viel jünger) haben wir uns blendend unterhalten und ich habe mich nie unsicher mit ihm alleine im Wald gefühlt. Wir hatten ja auch zwei "Anstands-Wauwaus " dabei ;-)
 
  • #30
Es gibt so schöne Erlebnisse mit wildfremden Menschen, und auch weniger schöne, eigentlich nur eins. Am liebsten ist mir das Erlebnis mit dem Mitfahrer von nrw nach bw, jungen Mann, Albaner, super freundlich, Student, nach 3 Minuten kannten wir uns unser ganzes Leben lang und waren Familie. Er meinte, ich sei doch nicht alt, ich sei genauso alt wie sein Onkel 😁. Ich habe ihn nie wiedergesehen, doch er hat einen Platz in meinem Herzen.
 
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