• #1

Zweifel - Wegwerfgesellschaft oder zusammen arbeiten?

Ok ich habe eigentlich 2 Fragen zu stellen, aber die hängen auch irgendwie zusammen.

1. Also eine Bekannte ist ca. ein halbes Jahr jünger als ich (also 31), sie hat vor 1 1/2 Jahren geheiratet. Vor einem halben Jahr kam die Trennung > Scheidung. Meine erste Reaktion war: Wie bitte?? Wie kann das so schnell gehen? Dem Anschein nach, wollte er nur, dass sie zu Hause auf ihn wartet und das wollte sie nicht.
Gut davon abgesehen, ist das eine Frage, welche man sich vor der Hochzeit stellen und klären sollte. Jetzt ist sie anfangs 30 und geschieden. Ich bin anfangs 30 und Single. Da habe ich lieber meine Version. Gebe ich offen zu. 100% Sicherheit gibt es sowieso für keine Beziehung, aber dass man sich nach ca. einem Jahr Ehe wieder scheiden lässt?
Was verleitet jemand eine Person zu heiraten wo man doch vorab schon Zweifel hat? Das kann ja nicht gut gehen, oder? Haben hier Foristen, welche geheiratet und relativ schnell sich scheiden lassen haben, das eigentlich vorab schon gewusst, aber es ignoriert?

2. Frage: eine andere Bekannte ist verlobt und heiratet bald. Die hat mir jetzt am Wochenende erzählt, jemand hätte ihr knallhart ins Gesicht gesagt "sie würden nie heiraten, da geht doch eh nur die Luft aus der Beziehung".
Ehrlich gesagt, ich würde gerne heiraten (Gründe sind mir jetzt in diesem Fall egal, da es bei mir keine Realität ist), aber auch wenn ich denken würde, dass ein Ehegelübde nichts für mich wäre, muss man das auf so eine Art und Weise jemand - der ja bald heiratet - unter die Nase binden?

Kommen so nicht unnötig Zweifel auf, welche sich dann festigen können? ..zur Realität werden können? Ist es möglich, dass man sich diese Zweifel einreden lässt? Oder geben machne Eheleute einfach zu schnell auf, ganz nach dem Motto "Wegwerfgesellschaft"?
 
  • #2
hallo, ich habe vor ca. drei Jahren geheiratet, kannte meinen Mann fünf Jahre. DIe Tage vor der Heirat waren ehrlich gesagt bei uns Beiden tatsächlich auch von Zweifeln besetzt. Aber ja, ich glaube man verdrängt sie dann. Allein schon, weil man davon ausgeht, dass man einfach auch Angst vor dem für immer hat. Es ist halt ein großes Versprechen... Dennoch haben wir den Schritt gewagt und die Heirat war schön! Wir denken auch heute noch positiv daran zurück... Und das obwohl inzwischen leider viel negatives passiert ist. Mein Mann hatte vor einem halben Jahr eine Affäre, und wir hatten eine ein Jahr andauernde Krise. Sie hat sich ganz langsam mit dem Alltag eingeschlichen. Dazu muss ich sagen, unsere Liebe zueinander war immer immens groß, aber schwierig durch meine psychischen Probleme. Depressionen und extreme Verlustängste. Wir haben nun beide gekämpft und tun es immer noch. Denn im Grunde haben wir uns etwas wichtiges versprochen und es damals ernst gemeint. Leider konnte man nicht ahnen, was für Probleme manchmal auftreten. Bei uns kam auch noch die Erkenntnis hinzu, dass wir auf natürlichem Weg kein Kind bekommen können. Vieles kann man einfach nicht vorher einschätzen. Man muss das Leben dann eben annehmen wie es kommt und meiner Meinung nach kämpfen. Denn ein Eheversprechen ist etwas Großes und soltle auch etwas Einmaliges sein. Wenn man sich diesen Schritt zutraut, dann sollte das einen bestimmten Grund haben und entsprechend ernst gemeint sein. Das ganze restliche Leben ist eine lange Zeit und kann viel mit sich bringen, dass einen vor viele emotionale Prüfungen stellt. Manche meistern sie besser andere schlechter. Aber heutzutage wird oft zu leichtfertig mit den themen Ehe und Familie umgegangen. Mein Mann und ich wollen weiterhin kämpfen. Denn die Liebe ist da. Die Umstände und die Entwicklung zwischen uns waren negativ und haben uns voneinander entfernt.
 
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  • #3
Wenn der Mann mich betrügen oder schlagen würde, würde ich auch sofort gehen. Scheiß drauf! Unsere Mütter haben das früher nicht gemacht und viel gelitten! Das Leben ist zu kurz zum Leiden.

Oftmals stellt sich auch noch heraus, dass viele Männer schon vor der Ehe jahrelang fremdgingen. Vielleicht passt es auch im Bett nicht und er war ein Perversling. Würdest du in der Ehe alles mit dir machen lassen? Dann Gute Nacht. Da bleibe ich besser selbstbestimmt. Scheiß' auf Regeln, Normen und was andere Kleinbürger wohl darüber denken mögen.
 
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  • #4
Was verleitet jemand eine Person zu heiraten wo man doch vorab schon Zweifel hat? Das kann ja nicht gut gehen, oder? Haben hier Foristen, welche geheiratet und relativ schnell sich scheiden lassen haben, das eigentlich vorab schon gewusst, aber es ignoriert?

Hallo FS,

man muss vorher nicht unbedingt Zweifel haben. Ich habe nach 10 Monaten geheiratet, die Frau schien sehr vernünftig, es hat sich dann herausgestellt, dass sie doch eher einen Versorger für ein bequemes Leben gesucht hat. Das weiß man vorher nicht unbedingt.

m, 46
 
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  • #5
Eheleute geben nicht zu schnell auf, sondern eher zu spät. Da werden Therapeuten beschäftigt, Nächte durchredet und Geliebte (männlich oder weiblich) genommen, um Glücksmomente zu haben, besonders, wenn in der Ehe ein Einkommensgefälle besteht und einer bei der Scheidung empfindlich zur Ader gelassen wird. Dabei genügt es schon, mal allein für ein paar Tage wegzufahren und sich die Frage zu stellen, ob man den Menschen in seinem Haus liebt und ob man mit ihm alt werden kann. Wenn man mit einer Ehe genauso ehrlich umgeht wie mit einer Beziehung ohne Trauschein, findet man die Lösung, die glücklich macht. Die kann darin bestehen, zu erkennen, dass es nur Kleinigkeiten sind, die am anderen stören und die man einfach hinnehmen kann oder darin, dass man aus der Ehe weg muss.
 
  • #6
Kommt auf Jeden selber an, was er aus SEINER Ehe macht. Jeden Tag aufs Neue.

Vorher sollten Beide ganz ehrlich sein, warum sie wirklich heiraten wollen ?

Aus Liebe ?
Aber das ist in vielen Fällen nur die "Droge", die sie von ihren wahren Gründen ablenkt.
Oder täuschen soll. Aber wenn diese "Droge" nachlässt, was bleibt dann noch übrig ?

z.B.

- Der Mann will eine Haushälterin, um nicht selber seinen Haushalt machen zu müssen.
ggf. von "Hotel Mama" zu "Hotel Ehefrau"

- 50 % der Männer die heiraten - nur um Steuern zu sparen (Lt. einer Umfrage)

- Manche Frau heiratet m.E. nur wegen ihrem Kinderwunsch.
Wenn sie dazu einen Samenspender und Familienernährer braucht.
Trauschein = mehr Absicherung, auch bei Scheidung.

- Viele glauben: Trauschein = Liebe wird noch stärker.
Nach der Trauung: Eigentlich hat sich da nichts verändert.
Oder höchstens ein Placebo-Effekt.

- Viele Frauen markieren mit der Trauung ihre Besitzansprüche.
Erst dann ist es "ihr Mann" = keine andere Frau könne ihr nun diesen Mann weg nehmen.
(Pech, wenn es trotzdem passiert)

Für Männer ist es "ihre Frau" - auch ohne Trauschein.
Aber sie glauben, mit dem Trauschein eine bessere Absicherung = seine Frau könne/würde dann nicht fremdgehen. (großer Irrtum, wenn es trotzdem passiert.)

Die Heirat ist also in vielen Fällen ein (heimlicher) Dienstleistungs-Vertrag.

z.B. Er bringt das Geld heim, und zahlt für die Familie.
Dafür erwartet er den kompletten Haushalt gemacht, und drei Mahlzeiten/Tag.
Deutlich: Wenn er nach einer Trennung Unterhalt zahlen soll, aber diese Dienstleistungen nicht mehr bekommt. Dann fragt er sich: Wozu weiter zahlen ?

Die Frau bekommt ihre Kinder, wie von ihr gewünscht. Aber der Mann beteiligt sich aktiv nur wenig an den Kindern. Denn die Kinder sind ja nur ihr zuliebe = um die Frau halten zu können.
Keine Kinder = Frau trennt sich.

Oder der Mann ist leidenschaftlicher Vater - aber das hält nur ein halbes Jahr an.
Dann merkt er: Täglich das Gleiche, und solche Kinder wachsen sehr langsam, bis man mit ihnen z.B. Fußball spielen könnte.
Dazu ggf. die persönlichen Einschränkungen:"Du hast jetzt Familie = Verantwortung"
Oder "Wir müssen da bleiben. Wer passt sonst auf die Kinder auf ?"

Wunsch und Wirklichkeit. Wirrungen und Irrungen. Anspruch und Leistung. usw.

Wahre Ehe ist was Anderes. Es ist eine sehr tiefe Verbundenheit mit einem Mitmenschen.
In guten, wie in schlechten Zeiten.

Angenommen: Das Paar heiratet und tritt aus dem Standesamt.
Plötzlich fährt ein Auto heran, rammt die Ehefrau -> sie wird querschnittsgelähmt, und kann außerdem keine Kinder mehr bekommen.
Bei dieser Frau ein Leben lang bleiben, und für sie da sein - weil sie immer noch der über alles geliebte Mensch ist ?
Oder Scheidung, weil sie nicht mehr die erwarteten Dienstleistungen erfüllen kann ?

Ehe ist jeden Tag aufs Neue eine Herausforderung an Beide.
Wenn man dabei von seinem Gegenüber überzeugt ist: Ja, den würde ich wieder heiraten.

(m,53 - nicht verheiratet - Single)
 
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  • #7
Hallo SF

ich bin auch gerade an der Scheidung dran nach nur 5 Jahren Ehe (8 Jahre waren wir innsgesamt zusammen). Nr. 5 hat es schon recht gut beschrieben... 1. dachten wir es würde uns näher verbinden und 2. war der Wunsch nach Kindern beiderseits. Klar war auch die Arbeitsaufteilung in der Ehe. Ganz klassisch Frau am Herd und der Mann bringt das Geld heim. Das stimmte für uns beide.
Nur hat es uns nicht näher gebracht sondern eher auseinander. Ich fühlte mich mit den Kindern alleinerziehend. Mein Mann kümmerte sich zuwenig um unsere Beziehung und Erziehung der Kinder. Das wäre wohl auch ohne Trauschein so rausgekommen. Doch ich denke dass dieser Trauschein eher wie ein Kaufvertrag für ihn war. Ich war sein Besitztum, Prestige das man vorzeigte wenn er Bedarf hatte. Geheiratet hätte ich sicherlich nicht wenn ich das schon vorher gewusst hätte. Doch ich wusste es nicht und tat es. Jetzt büsse ich dafür weil ich die Kinder so wie abgesprochen erziehe (erst wieder arbeite wenn sie im Kindergarten sind). Von überall her bekomme ich zu hören: der arme Mann wird nur ausgebeutet und ihm wurden Kinder angehängt. Z.k. echt!

Ich würde einem glücklichen Paar das heiraten möchte sicherlich nicht davon abraten. Es muss ja nicht jeder die gleichen Erfahrungen machen wie ich. Jeder Mensch ist anders. Warum könnten zwei andere Menschen es nicht besser machen? Fest steht jedenfalls für mich dass diese ganze Heiraterei völlig überbewertet wird.

LG W,33
 
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  • #8
Ich wurde nach nur zwei Jahren geschieden.

Für viele Menschen ist die Ehe sowas wie ein sicherer Hafen. Mein Exmann fühlte sich nach der Heirat sehr sicher und hat sein wahres Gesicht gezeigt.
 
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  • #9
Die Ehe ist offenbar heute keine Einrichtung auf die Ewigkeit mehr. Man heiratet und weiß, dass man diese Ehe wieder beenden kann. Das muss jeder für sich entscheiden, ob er diesen Schritt, diese Schritte, tun will. Eigentlich hat die Ehe ja gar nicht mehr DIE Bedeutung, die sie früher einmal hatte. Einige möchten damit etwas demonstrieren, andere haben finanzielle Gründe, reine Liebesheiraten soll es zuweilen auch noch geben. Die Ehe ist letztlich ein übrig gebliebenes Konstrukt aus der vorromantischen Zeit, um Familienplanung zu betreiben und finanzielle Verhältnisse abzusichern. Liebe spielte damals keine Rolle dabei. Die spielte sich außerhalb der Ehe ab.
Ob eine Ehe heute hält oder nicht, kann kein Mensch beurteilen. Weder die Beteiligten noch die Außenstehenden. Er kommt allein auf die Beziehung der Ehepartner an - was hält sie beieinander, was können sie sich geben, was haben sie sich dauerhaft zu sagen und zu geben.
 
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  • #10
Also, ich würde nie heiraten weil:

1) ich weiss das eine Frau für mich nach paar Jahren Beziehung langweilig wird
2)ich will mich fest binden
und ich spare mir den Stress bei der Scheidung
 
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  • #11
Ich habe jemanden im Bekanntenkreis (sehr gut situiert, aber ob das für die Geschichte eine Rolle spielt, lasse ich mal außen vor), der nach einer langjährigen Partnerschaft die Dame auch geheiratet hat. Sie war überall sehr beliebt. Tolle Frau, hübsch, klug, gebildet, humorvoll und liebenswert.

Nach wenigen Monaten kam die Scheidung.

Er ließ sich wegen einer anderen Frau scheiden. Sie stammte aus einer zerrüttenden sozial schwachen Familie (ohne Wertung), war arbeitslos, nicht hübsch und übergewichtig (alles ohne Wertung). Zudem nicht sonderlich beliebt, da schwierig im Umgang.

Es kam auch heraus, dass die beiden schon länger eine Affaire hatten. Schon vor der Hochzeit. Und dass sie sogar auf seiner eigenen Hochzeit sich kurz gemeinsam nach "nebenan" verzogen haben.
Er hat sie also vor, während und nach der Hochzeit betrogen.

Er sagte auch, dass er eigentlich nie vor hatte, seine Freundin zu heiraten.
Leider konnte er nie erklären, warum man dann noch sowas macht. Warum man sich das antut (er hat ihr den Heiratsantrag gemacht), warum man nicht lieber vorher die Hochzeit abbläst und alle wieder auslädt..

Mit seiner damaligen Affaire ist er bis heute glücklich verheiratet, sie haben zwei tolle Kinder, aber keiner versteht es. Er hat auch viele Freunde dadurch verloren.

Sie freut sich übrigens, dass sie jetzt endlich den "guten Gesellschaftsstatus und finanziellen Status" ihres Ehemannes hat. Quasi wie von Aschenbrödel zur Prinzessin. Ihm macht das anscheinend nichts aus und beide wirken wirklich glücklich miteinander. Und die Kinder sind toll erzogen.

Damit will ich keiner Affaire den Mut zusprechen, guter Hoffnung zu sein. Solche Geschichten passieren wahnsinnig selten.
 
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  • #12
zu 1.
Vielleicht ist es manchmal doch wie in der Fahrschule. Der Fahrschüler hat schlecht auf eine Verkehrssituation reagiert. Die Fahrlehrerin sagt: Mensch, wenn du nicht sicher bist, dann frag mich doch einfach! Darauf der Schüler: Aber ich war mir ja sicher!
 
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  • #13
Heutzutage haben sie einfach die Werte verschoben. Man heiratet, wenn man jung ist. Heute nicht mehr mit 25 sondern eher mit 35. Aber da ist die Welt doch meist noch ziemlich rosarot und und vor den Tiefschlägen und Schwierigkeiten im Leben verschließen wir die Augen. Obwohl wir es alle schon bei unseren Eltern, Großeltern und diversen Bekannten miterleben konnten. Da kommt der Alltag auf einen zu, die schwierige Zeit als Eltern in denen die Partnerschaft oft zu kurz kommt. Die Ansprüche im Job sinken auch nicht, im Gegensatz zu früher haben oft beide einen anspruchsvollen Job. Auch Krankheiten sind in den meisten Partnerschaften nicht selten. Das gab es früher in jeder Ehe und gibt es heute immer noch. Mal ganz von den finaziellen Faktoren abgesehen, die hier angebracht werden, stellen diese Lebensphasen doch große Herausforderungen für ein Paar dar.

Ich habe fünf Jahre in einer Beziehung gelebt. Dieser Mann war mein bester Freund und wir hatten viele gemeinsame Hobbies. Aber in einer entscheidenden Phase in meinem Leben, der Pflege eines Angehörigen, stand er nicht zu mir. Das hat mich dazu gebracht meine Werte und die Vorstellung von MEINEM Leben zu überdenken. Und mich von ihm zu trennen. Zweifel hatte ich oft, jedoch hätte keiner zu einer Trennung geführt.

Ich sehe es bei meinen Eltern, beide um die 50. Dort stand die Scheidung schon oft im Raum. Doch die beiden rappeln sich immer wieder auf. Seitdem wir Kinder aus dem Haus sind, sind sie wieder ein Liebespaar geworden. Gehen gemeinsam weg, fahren in die Urlaub und planen für die Zukunft. Ähnliches bei meinen Großeltern. Ich fragte meine Oma wieso sie auf ihrem Hochzeitsfoto so unglücklich wirkt. Sie sagte: Kind, ich war 18, woher sollte ich wissen ob er der richtige Mann ist. Natürlich hatte ich Zweifel! Trotz Zweifel erlebten beide die goldene Hochzeit, die Ehe überstand schwere Schicksalschläge (ein totes Kind) und Affären meines Großvaters. Zum Schluss kamen die beiden sich aber wieder sehr nahe, unternahmen viele Ausflüge und pflegten gemeinsam ihren Garten. Mein Opa ist verstorben und meine Oma vermisst ihn trotz aller Fehler und Schwierigkeiten in der Ehe. Ich kann nur sagen: Reparieren lohnt sich.
 
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  • #14
Ich war 25 als ich nach etwa 4 1/2 Jahren Beziehung heiratete. Wir hatten viele partnerschaftliche Probleme, aber ich war mir sehr sicher, dass ich alles tun würde um unsere Beziehung zu erhalten. Ich wollte die Silber- und Goldhochzeit mit ihm feiern.

Nach nur einem halben Jahr Ehe hatte er sich fremdverliebt, ich fand Nachrichten auf seinem Handy. Ich kümmerte mich um einen Termin beim Paartherapeuten. Noch bevor dieser stattfinden konnte, fand ich heraus, dass mein Partner mich bereits in den 4 vorhergehenden Jahren betrogen hatte.

Das passte so definitiv nicht in mein partnerschaftliches Konzept, dass ich mich von ihm trennte. Er hätte sich aber auch getrennt. Für mich war es keine leichtfertige Entscheidung.
Eine Ehe ist in meinem Verständnis ein schützenswertes, fast heiliges Versprechen zueinander zu stehen und gute und schlechte Zeiten gemeinsam durchzustehen. Ich fühle mich immer noch so als habe ich versagt. Mit meinem unehrlichen Partner, der mir später noch an den Kopf warf, ich würde nie wieder so jemanden finden wie ihn, stand ich aber auf verlorenem Posten.

Ich bin seit kurzem geschieden, Single und im Moment auch zufrieden damit. Ob ich nochmal heiraten werde, weiß ich nicht. Irgendwie hat es seinen naiven Zauber verloren. Heute wäre der zweite Hochzeitstag.

Was ich eigentlich sagen möchte:
Man kann einem Menschen nicht hinter die Stirn schauen. Man kann noch so schöne Vorstellungen von einer Ehe haben, wenn der/die Ehemann/frau sie nicht teilt, dann steht man auf verlorenem Posten. Wenn beide Partner an einer Beziehung festhalten wollen, einander mit Respekt begegnen und zu Kompromissen bereit sind, dann bleibt man ein Paar, auch wenn einem manchmal das Leben dazwischen kommt.
 
  • #15
Man kann einem Menschen nicht hinter die Stirn schauen. Man kann noch so schöne Vorstellungen von einer Ehe haben, wenn der/die Ehemann/frau sie nicht teilt, dann steht man auf verlorenem Posten. Wenn beide Partner an einer Beziehung festhalten wollen, einander mit Respekt begegnen und zu Kompromissen bereit sind, dann bleibt man ein Paar, auch wenn einem manchmal das Leben dazwischen kommt.

Sehr schön geschrieben. Da sehe ich allerdings auch das Problem: vielfach, möchte einer der Partner gar nicht mehr. Entweder weil etwas, was diesen einen Partner gestört hat, zu lange nicht angesprochen wurde und einfach still gelitten wurde. Oder weil man einfach der Meinung ist, dass es sowieso sinnlos ist (beim ersten "Fehler" ganz nach dem Motto: wenn's nicht klappt, dann hat's eh keinen Sinn.)
 
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  • #16
Ja, ich gebe dir Recht, es hat vieles Negatives, aber auch vieles Positives. Sieh es mal so, was bringt es den Leuten heute noch, wenn sie wie unsere Urgroßeltern ihr Leben lang zusammenbleiben und verbittert alt werden? Damit ist keinem geholfen. Heute hat man nun mal die Möglichkeit, sich scheiden zu lassen. War früher alles nicht so einfach. Ich begrüße den Fortschritt, auch wenn es weh tut und die Ehe in einen schlechten Schatten stellt.

Die heutigen Gründe zur Trennung sind zudem viel heftiger. Durch unsere ganze Technik (Pc, Handy, SMS, Internet) gehen die Menschen viel skurpelloser fremd und es ergeben sich häufiger Möglichkeiten zum Betrug. Auch Gewalt, Missbrauch, Druck, Respektlosigkeiten und Probleme in Ehen nimmt zu.

Ich selber habe nie geheiratet, weil ich eben genau weiß, irgendwann nach 5-8 Jahren habe ich oftmals genug von einem Kerl und seinen Macken. Wenn ich also nicht einmal schaffe, 10 Jahre eine Beziehung für mich zu führen, warum sollte ich dann glauben, eine Ehe besser und länger führen zu können? Das nennt sich einfach realistisches denken. Ich kann nicht mein Leben verträumen oder mir eine Ehe schön reden, wenn ich mich dem nicht gewachsen fühle. Und gerade die Leute in Ehen sind ja Suppenkasper, die häufig noch nie eine längere Beziehung über 4 Jahre hinaus hatten. Ist doch logisch, dass da nach 1,5 Jahren die Scheidung kommt. Die wissen doch gar nicht, auf was sie sich da einlassen.

w
 
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  • #17
muss man das auf so eine Art und Weise jemand - der ja bald heiratet - unter die Nase binden?

Das ist immerhin eine lebenslang prägende Entscheidung. Zweifel darf man da durchaus nennen, finde ich. Zumal die Ehe heute nicht umsonst in der Kritik steht.

Wie sehen denn die heutigen Ehen größtenteils aus? - Geldprobleme, Stress, keinen Respekt, wenig Zeit füreinander, unglückliches Sexualleben, Frauen, die an ihre Männer nicht mehr rankommen, Männer die lieber flüchten, allgemein wenig kommunizieren, Unverständnis auf beiden Seiten und noch vieles mehr.

Ich verstehe ja, dass viele Frauen immer noch den Traum vom Heiraten haben, aber manchmal denke mir, sie sehen die Heirat viel mehr als großes Baby, wo der Mann vertäschelt und erzogen werden soll.

Was tust du denn, wenn dein Mann in der Ehe nicht so will, wie du willst? Die meisten Männer wollen abends ihre Ruhe auf dem Sofa, kein Geschwatze der Frau und am Wochenende machen was sie wollen, außer Haus, oder gar alleine reisen oder in Ruhe hinter ihren Gerätschaften (Pc, Playstation) sitzen. Da ist es doch viel besser, man heiratet nicht, als sich das Leben gegenseitig schwer zu machen. Ich denke fast, du hast dir über so etwas noch nie Gedanken gemacht.
 
  • #18
Ich denke fast, du hast dir über so etwas noch nie Gedanken gemacht.

Da hast du Recht. Wie oben geschrieben geht's um Verwandte. Ich war weder verlobt noch verheiratet. Nur einmal hatte ich eine Beziehung wo ich glaubte, dass es was ernstes wäre und Heirat in Betracht gezogen habe. Dass nicht alles eitel Sonnenschein ist, ist glaub ich jedem klar (bzw. sollte es sein)... aber ich finde das einer "Bald-Braut" unter der Nase zu reiben irgendwie als mies-machen-wollen bzw. ich-gönns-dir-nicht.
 
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  • #19
Hallo FS


Dein Thema passt ja wunderbar zu dir.

Aus deinem Text ergibt es sich das Du in diesen Themen sehr viel abwägst, vergleichst, taktierst..

Die Fragen was denn nun richtig, falsch , besser, schlechter lassen sich wenn es um Menschen geht nicht "Klären"..

Und Paare die ebenso ständig abwägen, vergleichen , taktieren usw....trennen sich auch früh wieder...

Die anderen "Leben" ihr Leben ihre Ehe..

Die Gründe sind meistens nicht in der Sache (z.B gute Ehe -schlechte Ehe) zu finden sondern in der Art wie mal eine Sache lebt.

m47
 
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